Aufklärung ist natürlich wichtig und sorgt für ein gewisses Verständnis,man kann aus den Fehlern lernen und es besser machen,das ist alles korrekt.
Aber inwiefern hilft es uns wirklich weiter bei der Lösung der aktuellen Krise ?Darum ging es mir.
Wenn man die Ursachen und Zusammenhänge versteht, kann man vielleicht auch zu einer alternativen Lösung kommen. Denn Bomben oder eine Invasion wird vielleicht kurzfristig etwas bringen, langfristig aber gar nichts.
Wir sind sowieso eher weniger an der Lösungsfindung beteiligt, aber wenn sich Politiker ständig den schwarzen Peter zuschieben bringt das natürlich nichts.
Als Deutschland vor 70 Jahren in Trümmern lag, haben sich die Menschen zusammengerauft und haben das Land wieder aufgebaut.
Als der Irak in Trümmern lag, haben sich die Menschen erst mal gegeneitig bekriegt und sich gegenseitig Bomben unter den Hintern geschoben.
Und das ist eben damit gemeint "eigenen Sack zu schleppen".
Anstatt sich gegenseitig wegzubomben, hätten sie mal zusammenhalten sollen, gemeinsam das Land wieder aufbauen.
Aber nein. Erst mal zu den Waffen greifen und die "Ungläubigen" bekämpfen.

Daher hält sich mein Mitleid mit dem Irak auch schwer in Grenzen.
Ja, der Mythos vom Wiederaufbau der durch die hart arbeitenden Menschen selbst geschaffen wurde. Ganz so romantisch sehe ich das nicht.
In Deutschland gab es vorher zumindest Friede bzw innere Stabilität (selbst unter Hitler), und Demokratie. All das wussten die Menschen, und einen Zustand wiederherstellen den die Menschen schonmal selbst erfahren haben ist leichter als ein völlig neues Konzept zu etablieren. Viele Generationen haben nur die Herrschaft Saddams gekannt. Denen jetzt zu sagen: "Hört her, Demokratie ist richtig toll, macht es so wie wir" funktioniert halt leider nicht schnell.
Westdeutschland hatte zwar die Zerstörung miterlebt, aber Westdeutschland hatte dann unter Adenauer die ruhigen, politisch stabilen Jahre, genannt die "langen 50er Jahre". Und jetzt zeig mir so eine Periode im Irak.
Deswegen halte ich den Vergleich für völlig unsinnig, da die Voraussetzungen ganz anders waren.
Glaubst du nicht die Sunniten und Shiiten hätten lieber Frieden? Hast du dich näher mit den von den USA eingesetzten Regenten im Irak beschäftigt?
Irak-Wahl: 500 Kandidaten ausgeschlossen « DiePresse.com
Hier einfach mal ein Beispiel. Wenn eine Religionsgruppe von dem Regierungschef ausgeschlossen wird, an politischen Entscheidungsprozessen nicht beteiligt wird und alle Forderungen ignoriert werden, ja, da wird man sicher glücklich. Die USA hat zugesehen.
Du solltest dich etwas mehr mit der Geschichte des Iraks beschäftigen. Denn die jetzt bzw in den letzten Jahren aufgetretenen Probleme sind direkte und indirekte Folgen von Entscheidungen, die lange zurück liegen.
Ein Land, das seit Jahrzehnten unter einem Tyrann gelitten hat, mehrere Kriege überstanden hat, durch Sanktionen nichtmal selbst überlebensfähig war, sowas sind keine Voraussetzungen für eine offene, aufgeklärte und freie Gesellschaft.
Beschäftige dich wirklich mal damit, mit der Sanktionspolitik der USA/UN, mit der stetigen Verschlechterung des Wohlstandes, mit der Terrorherrschaft Saddams, mit den Folgen der plötzlichen Öffnung des Iraks für den neoliberalen Markt, dann wirst du zu einem differenzierteren Urteil kommen als "selbst schuld, kein Mitleid".
Die Leute schlagen sich da unten nicht die Köpfe ein weil ihnen danach ist. Wenn eine ohnehin schwer geschädigte, verarmte und durch den Krieg traumatisierte Gesellschaft dann auch noch durch den aktuellen Machthaber zusätzlich gespalten wird, kommt so etwas heraus.