Vom Hauptschulabschluss zum Abitur?

Ein 50 Jähriger, der sein Abitur nachträglich gemacht und sein Berufsleben z.B. auf dem Bau verbracht hat, findet eine Stelle in Büro/Amt? Hab ich so meine Zweifel.
Sicherlich ist ein Abitur für so eine Stelle für jeden von Vorteil - aber es herrscht einfach kein Mangel an Abiturienten, die deutlich jünger sind und/oder wenigstens ein Bißchen Büroerfahrung haben. Imho macht das Abi da den Unterschied zwisch gar keiner Chance und keiner Chance. Wenn es einem aber nicht locker flocking nebenbei von der Hand geht, kann es umgekehrt eine klare Einschränkung bei der Profilierung bzw. der Aneignung von Zusatzqualifikationen im eigentlichen Berufsfeld sein. Und die machen einen Unterschied (wenn nicht gerade die komplette Branche verschwindet.)

Wie du es schon selber gesagt hast, ein Abitur würde da schon Pluspunkte bringen. Weiterhin gibt es auch Stellen bei denen du dich ohne Abitur gar nicht zu bewerben brauchst, das heißt dass es auch neue Wege ebnet.

Das Abitur nutzt Dir bereits in früheren Jahren (z. B. mit 30) schon nicht mehr viel wenn man den falschen Ausbildungs- oder Studienweg (oder vielleicht auch gar nichts davon) eingeschlagen hat und sich auf Jobsuche begeben muss. Meinst Du irgendein Personaler interessiert sich für Deine Schulzeugnisse von vor X Jahren? Die nehmen vielleicht dankend zur Kenntnis, dass man irgendwann mal das Abitur gemacht hat. Wenn man aber sonst nichts vorzuweisen hat, dann bringt einen das Abitur ab einem gewissen Alter auch nicht weiter. Einfach weil es genügend Leute da draußen gibt, die neben einem Abi auch noch die weiteren "passenden Qualifikationen" vorweisen können.

Meiner Meinung nach, kann man vor allem in den ersten Jahren in seinem Berufsleben mit dem Abitur punkten. Nämlich dann wenn es um die erste Ausbildung oder das Studium geht. Je älter man wird, desto mehr verliert es an "Wert".

Deswegen meine ich ja auch, dass er das Abitur machen soll, eben weil er noch jung ist. Wenn er jetzt eine Ausbildung macht und mit 29 merkt, dass der Beruf nichts für ihn ist, dann ist es schon zu spät. Ein Abitur eröffnet einem aber viele andere Möglichkeiten, nicht nur für das normale Studium sondern auch das duale Studium etc.
 
Wie du es schon selber gesagt hast, ein Abitur würde da schon Pluspunkte bringen. Weiterhin gibt es auch Stellen bei denen du dich ohne Abitur gar nicht zu bewerben brauchst, das heißt dass es auch neue Wege ebnet.

Es gibt auch Stellen wo du dich ohne abgeschlossenes Studium nicht bewerben brauchst.
Komisch ist dann aber dass es völlig egal ist welche Art von Studium das ist. Hauptsache abgeschlossen.
 
Deswegen meine ich ja auch, dass er das Abitur machen soll, eben weil er noch jung ist. Wenn er jetzt eine Ausbildung macht und mit 29 merkt, dass der Beruf nichts für ihn ist, dann ist es schon zu spät. Ein Abitur eröffnet einem aber viele andere Möglichkeiten, nicht nur für das normale Studium sondern auch das duale Studium etc.

"Jung" ist realtiv. Vom Hauptschulabschluss zum Abitur sind es normalerweise 3-4 Jahre und die Prüfungszeiträume liegen auch nicht unbedingt passend für "jetzt anfangen" - also erstmal aufrunden. Jemand, der schon länger aus der Schule raus ist, braucht sicherlich ein extra Jahr, um in allen Fächern den Status eines frischen 9. Klässlers zu erreichen. Je nach Qualität der Schule (und gute Bildung kostet!) kommt dann noch die persönliche Lerngeschwindigkeit hinzu - und jemand, der auf dem normalen Bildungsweg in die Hauptschule gegangen ist, kommt mit den üblichen Lehrmethoden sicherlich nicht 100%ig zu recht. Nochmal ein Jahr extra. Unterm Strich wäre er dann 25-26, wenn er das Abi fertig hat. Früher halte ich nicht für realistisch, es sei denn, er mogelt sich durch - und ein schlechtes Abi ist verdammt wenig wert. Die ganze Rechnung ist noch unter der Annahme, dass er sich Vollzeit dieser Ausbildung widmet. Die meisten Leute, die schon mal echtes Geld verdient haben, tun sich aber schwer damit, mit 25 wieder bei Mutti zu wohnen. Auf eigenen Beinen und an der Abendschule können es dann ganz schnell auch 28-29-30 werden.

Und das sind einfach Alter, da kannst du beim Arbeitgeber nicht mehr mit "jung und ABI" punkten. Denn die Mitberweber mit Abi sind 18.
 
Ach was, ich war selber auf der Hauptschule, habe meine mittlere Reife über eine Wirtschaftsschule gemacht(2 Jahre statt 1 Jahr wie bei einer Werkrealschule) und habe mein Abitur mit 20 bekommen. Und selbst da war ich der "Papi" der Klasse, da gab es auch Leute mit 18-19. Die Hauptschule schließen die meisten ja mit 16 ab. Ich persönlich kenne sehr viele Leute die diesen Weg genommen haben und keiner davon ist über 23. Mir haben die Leute auch immer ins Ohr geredet ich solle doch eine Ausbildung machen. Ex Ante bin ich ziemlich froh, dass ich es nicht gemacht habe. Nicht nur aus der beruflichen Perspektive sondern auch aus der persönlichen. Es ist für die Charakterentwicklung und die Selbstfindung unglaublich wichtig.
 
Ja aber dennoch würde er mit 24-25 fertig sein. Das ist durchaus akzeptabel. Er will aber sowieso kein Abi machen. Jedoch sollte er sich um die mittlere Reife bemühen, dass geht vergleichsweise schnell und hat auch ggü. dem Hauptschulabschluss viel mehr Vorteile.
 
In meinem Ausbildungsbetrieb (auch ne Ausbildung zum Industriemechaniker) war es genau anders rum .Es wurden bewusst Leute bevorzugt die kein Abi hatten .
Mir wurde gesagt sie hätten die Erfahrung mit Abiturienten gemacht ,dass diese oft eingebildet und arbeitsfaul wären .
Die Leute ohne Abi jedoch würden sich besser in die Firma integrieren und wären bereit auch mal länger zu bleiben ,oder mehr zu lernen als andere.
Sind im Endeffekt alles dumme Vorurteile ,wenn sich jemand nur auf Leute mit oder ohne ABI konzentriert und diese ungeachtet der persönlichen Fähigkeiten bevorzugt .
Ich wollte damit nur sagen ,dass es halt auch andersrum sein kann.

bei mir isses auch so ähnlich, der meister will ne gesunde mischung von abschlüssen, wenn er nur leute mit abi ausbildet, weiß er, dass die meisten nach der lehre noch weitermachen, fh oder techniker oder so
für zerspanungsmechaniker nimmt er gern welche mit hauptschulabschluss, weil die oft dann im betrieb bleiben, industriemechaniker ebenso, mechatroniker: realschule oder abi, wegen mathe/physik niveau

ansonsten ist bei mir umgekehrt wie für viele,
habe lehramtsstudium fertig, referendariat war dann ne katastrophe (aus psychologischen gründen, konnte die rolle nicht recht ausfüllen, man hat alle fünf minuten nen konflikt an der backe)
habe dann jahrelang irgendwelche jobs gemacht für ca 900-1000€ brutto, zeitarbeit industrie und so
jetzt mach ich mit 37 doch noch ne ausbildung zum mechatroniker (industrie), gefällt mir gut, kann ich empfehlen
da wird auch programmiert und so (maschinen halt, automatisierungstechnik)
hätte ich früher schon ne ausbildung gehabt, wär ich hinterher froh gewesen, nach dem abi war für mich aber klar, dass ich studieren wollte
@ dark session: du solltest aber vielleicht erst ne lehre machen, die bringt sicherheit, auch schon prestige (abgeschlossene lehre ist nicht nur hauptschulabschluss, im gegenteil; da braucht niemand die nase drüber rümpfen) und sie befähigt auch zu fachhochschulreife/studium, falls dus doch noch willst, wenn du älter bist
kaufmann bei so nem elektromarkt geht glaub schon mit hauptschule, ob man reinkommt weiß ich aber nicht
am besten ist, man kennt leute, die da was regeln können (beziehungen nutzen)
wenn man erst noch 2-3 jahre an ner schule rumhängt, und nachher klappts womöglich nicht (damit mein ich abi), dann sieht dass blöd aus im lebenslauf (soll nicht heißen, du schaffsts nicht, du klingst ja sehr motiviert, aber man weiß ja nie)
erstmal realschule ist bestimmt auch sinnvoll
ich würd versuchen, ob ich für herbst 2014 noch ne akzeptable Ausbildungsstelle herbekomm,
oder, wenns keine gibt, realschulabschluss machen

wegen was die leute denken:
kenn so viele leute, bei denen ich mich wunder, dass die lehrer sie nach der vierten klasse zur hauptschule geschickt haben,
und die dann später studiert haben, oder die auf keinen fall als dumm zu bezeichnen wären
sagt nicht soviel über den einzelnen aus, wie man meinen könnte, ob er auf der hauptschule war,
viele sind oder waren als kinder einfach nicht anpassungsbereit oder sonst wie ungeeignet für das konkrete deutsche leistungssystem,
haben aber möglicherweise ganz andere Qualitäten, die auf der schule nach schema-f nicht gemessen werden
 
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Falls du kein elitäres Studium machen möchtest, das heißt an einer Universität studierten willst, kann ich dir auch den Rat geben, eine Ausbildung zu absolvieren. Denn mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung hast du das recht, an Fachhochschulen zu studieren. ...
Das geht aber nicht in allen Bundesländern. Zumindest in Bayern und Baden-Württemberg wird man ohne Abi oder Fachhochschulreife nicht fürs Studium an einer Fachhochschule oder Uni zugelassen, selbst dann nicht, wenn du 5 Berufsausbildungen hättest.

Ja aber dennoch würde er mit 24-25 fertig sein. Das ist durchaus akzeptabel. Er will aber sowieso kein Abi machen. Jedoch sollte er sich um die mittlere Reife bemühen, dass geht vergleichsweise schnell und hat auch ggü. dem Hauptschulabschluss viel mehr Vorteile.
Welche denn? Ich habe selber Realschule gemacht und komme für mich zu dem Schluss, dass die zusätzliche Mühe für die mittlere Reife sich nicht lohnt. Fast alle Lehrberufe kann man auch mit einem (guten) Hauptschulabschluss lernen und auf ne Fachhochschule kannst mit der mittleren Reife auch nicht.

Im Nachhinein komme ich zu dem Schluss, dass ein guter Hauptschulabschluss (eins komma ...) mehr wert ist als ein mittelmäßiger Realschulabschluss (2,3 oder schlechter).
 
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Das geht aber nicht in allen Bundesländern. Zumindest in Bayern und Baden-Württemberg wird man ohne Abi oder Fachhochschulreife nicht fürs Studium an einer Fachhochschule oder Uni zugelassen, selbst dann nicht, wenn du 5 Berufsausbildungen hättest.

Das geht sicher in keinem Bundesland so ohne Weiteres. Allerdings hast du nach einer Berufsausbildung, die heute ja immer mit einem Realschulabschluss einhergeht die Möglichkeit, über den 3. Bildungsweg zu studieren. Zeitlich gewinnt man, dafür ist der Aufwand berufsbegleitend sehr hoch. Studieren kannst du anschließend an einer Fachhochschule oder auch Universität, je nachdem wo du dich zu den Immaturenprüfungen anmeldest. So war es zumindest bei mir, als ich mich 2005, nach 14 Berufsjahren, noch mal zu einem Maschinenbaustudium angemeldet hab. Der NC war mit 1,7 in dem Bereich allerdings eine große Hürde und für Maschinenbau nicht üblich.
 
Das geht aber nicht in allen Bundesländern. Zumindest in Bayern und Baden-Württemberg wird man ohne Abi oder Fachhochschulreife nicht fürs Studium an einer Fachhochschule oder Uni zugelassen, selbst dann nicht, wenn du 5 Berufsausbildungen hättest.

Die Zugangsvorraussetzungen liegen (zumindest teilweise) in der Hand der Unis. Die meisten setzen fast für jedes Studium die allgemeine Hochschulreife vorraus - aber es gibt Ausnahmen.
Ob die nun eine zuverlässige Zukunftsplanung sind... . Spätestens im Studium selbst wird man dann sicherlich auch oft an seine Grenzen geraten. Denn wo die Praxis keine Rolle spielt, nützt einem Berufserfahrung auch nichts - und fehlende Kenntnisse in Oberstufen-Mathematik sind und bleiben fehlende Kenntnisse.


Naja die meisten Personalchefs von größeren Betrieben haben da glaub ich eine andere Meinung, wie ich selbst auch.

Hmm - hab ähnliches schon aus vielen Richtungen gehört. Ein schlechter Abschluss sagt halt letztlich auch nur, was jemand so alles nicht kann. (im Zweifelsfall: Sich selbst einschätzen oder wenigstens durchpauken) Ein (sehr) guter Abschluss auf niedrigerem Niveau weißt dagegen wenigstens ein paar Lichtblicke aus.
(Daran, dass ein Hauptschulabschluss kaum etwas wert ist, ändert das natürlich auch nicht wirklich viel.)
 
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