Das Problem wird auch die Outsourcerei verstärkt.
Dazu kommt noch, dass die gewerkschaftlich organisierten, streikenden Branchen mittlerweile alle zu den etwas weniger schlecht gestellt gehören. 20-30% der Bevölkerung haben einen schlechteren Job und wenn den eigenen 50% Job zu verlieren droht, weil jemand mit 400 € höherem Lohn und einer 8% Forderung verhindert, dass man rechtzeitig zur Arbeit kommt, hört der Spaß halt auf.
Bei der DB sind 8% angesichts der hohen Ausgangssituation zugegeben recht hoch - allerdings sollte es auch mehr wie verständlich sein, dass man auch eine wirkliche Lohnsteigerung und nicht nur einen Inflationsausgleich haben will.
Das durch Outsourcing die gefühlte Streikhäufigkeit zugenommen hat ist unbestreitbar.. Trotzdem ist es das gute Recht eines jeden Arbeitnehmers, für höhere Löhne kämpfen zu dürfen. Auch egal, wie viel man verdienen möge und ob man in einer infrastrukturkritischen Firma arbeitet. Es kann ja schlecht ein Argument sein, man dürfe nicht für seine Rechte eintreten, weil Andere weniger verdienen oder weil andere Leute im Alltag eingeschränkt werden (in solchen Jobs war man mal verbeamtet oder mit Kündigungsschutz öffentlich angestellt...). Gerade bei den Schwierigkeiten zur Arbeit zu kommen sehe ich eher das Problem bei dem fehlenden Verständnis der meist autofahrenden und nicht auf den ÖPNV angewiesenen Vorgesetzen (oder den Schulen...). Eher sollten diejenigen, denen es unmöglich gemacht wird für ihre Rechte einzutreten, vom Staat unterstützt werden, dass für die Rechte eingetreten werden kann... Naja, theoretisch, eher drückt sich der Staat vor seiner Verantwortung.
Bezüglich der echten Streikhäufigkeit: Das konzentriert sich aber immer auf bestimmte Zeiträume, halt auf die Zeiträume, in denen die Tarifverhandlungen anstehen. Wenn man sich die Arbeitskampfbilanzen der Hans-Böckler-Stiftung anschaut, waren
- 2018 knapp eine Million Arbeitstage (EVG-Lokführerstreik, Ryanair)
- 2017 nur knapp 238.000 Tage
- 2016 ca. 462.000 Tage
- 2015 zwei Millionen (!) (Davon 1,5 Millionen auf den Post-Streik und den Streik in Kitas und Schulen)
- 2014 392.000 Tage (trotz der GDL-Streiks!)
- 2013 551.000 Tage
- 2012 630.000 Tage
- 2011 304.000 Tage
- 2010 173.000 Tage
- 2009 400.000 Tage
- 2008 542.000 Tage
ausgefallen.
Wenn man die Zahlen so betrachtet, haben einzig 2015 und 2018 deutlich herausgestochen, wo also eher in größeren Firmen/Einrichtungen gestreikt wurde, wo viele Arbeiter gleichzeitig gestreikt haben und wo lange gestreikt wurde (und gerade bezüglich der Streiklänge gibts zwei Seiten...). Ansonsten ist alles im Schnitt, d.h. trotz der Aufsplittung des Streikvolumens hat sich die Streikhäufigkeit nicht wirklich erhöht.
Kannst hier ja mal nachlesen, ist ganz interessant.
Arbeitskampfbilanzen der Jahre 2018 - 2008 - Hans-Boeckler-Stiftung
ruyven_macaran schrieb:
Aber auch 1400 € Netto Einstiegsgehalt sind für einen Job ohne Vorkenntnisse (weiß nicht, wie es bei der BVG ist, aber die meisten Verkehrsbetriebe bilden selbst und relativ flott aus) schon überdurschschnittlich.
1400€ ist für die Verantwortung die man trägt und die Arbeitsbedingungen (Schichtarbeit im Fahrdienst ist halt nochmal was anderes...) nicht so dolle, schon garnicht bei den Lebenshaltungskosten hier in Berlin. Möge man sich drum streiten ob es gerecht wäre Quereinsteiger und IHK-ausgebildetes Personal, beide machen am Ende die gleiche Arbeit, unterschiedlich zu bezahlen - in beiden Fällen sind 1400€ Netto zu wenig. Da hat man bei anderen weniger veranwortungsvollen und weniger anstregenden Jobs mehr verdient.
Nichtsdestotrotz hat Verdi mit zwei Warnstreiks (1x halbtägig, 1x ganztägig), also einer doch recht geringen Belastung der Kunden (und ja, auch ich musste mal 28€ fürs Taxi hinlegen) angesichts teilweise frecher Angebote seitens des KAV den Bruttogrundlohn von neueingestellten Fahrern bzw. allgemein dem Betriebspersonal auf ein Niveau anheben können, wo man sagen kann, dass der Grundlohn angemessen ist bzw. nach aktuellen Maßstäben auf einer Höhe liegt, wo weitere Streiks etwas vermessen wären...
Bspw. Erzieher und angestellte Lehrer haben in den 10 Jahren bei Weitem öfter und länger gestreikt und damit bei Eltern garantiert ein ähnliches Chaos angerichtet. Und das völlig zurecht, da auch dort die Arbeitsbelastung härter geworden ist...
@cryon1c: Auf 2500€ Grundlohn bist du nicht mal dann gelandet, wenn du dich ans Ende der Entgeltstufe gearbeitet hast. Da gabs nach 10 Jahren vor 2017 nur knapp über 2300€ Brutto Grundlohn ohne weitere Aussicht auf Steigerungen, bei einem Einstiegsgehalt vom ca. 2093€...
Kannst du dir hier anschauen:
Öffentlicher-Dienst.Info - TV-N
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