Dann muss man halt aufhören Geld zu drucken und mal anfangen zu bauen.
Müsste man. Das "Man", dass das Geld druckt, ist aber die Bundesregierung, das "man", dass mal bauen müsste, sind Privatleute und das "man", das den Mietendeckel erlassen hat, ist die Stadt Berlin. Denn die anderen beiden "man" haben eben nichts zur Problemlösung beigetragen, im Gegenteil, und haben das auch weiterhin nicht vor, im Gegenteil, und da man als Regierung eines nicht-sozialistischen Bundeslandes weder Kontrolle über die EZB hat noch auf privatwirtschaftlichen Märkten aktiv werden darf (oder auch nur das Budget hätte, dass bei der fortgeschrittenen Inflation zu werden), blieb der Stadt eben keine andere Alternative, um ihre Bürger zu schützen.
Es gibt auch Eigentümer die einfach mal für die Altersvorsorge sich eine Wohnung gekauft haben zur Vermietung. Mit welchem Recht soll denen diese kaputt gemacht werden, damit irgendjemand anders besonders günstig wohnen kann, zumal hier ja noch nicht einmal nach Bedürftigkeit geprüft wird. Sprich im Zweifel ist der Mieter sogar mit mehr Einkommen gesegnet und kann sich die Bude allemal leisten aber dank Mietendeckel wohnt er dann nochmal extra günstig. So geht es ja wohl nicht.
95% der Mieter dürften wohl weniger Geld als jemand haben, der sich in Berlin eine Wohnung kaufen kann. Ende der Diskussion. Und hier wird auch niemandem die Altersvorsorge kaputt gemacht, denn eine durchschnittliche, faire Miete sollte für diese vollkommen ausreichen. Dafür braucht man nicht zu wuchern.
Der Deckel wird nichts davon heilen. Solange die Nachfrage so exorbitant größer ist als das Angebot wird der Deckel allenfalls kurz bis mittelfristig Bestandsmietern helfen.
Den Schutz von 1,7
Millionen Mieterhaushalten nennst du "nichts"???
Zuzüglern oder diejenigen die eine Wohnung wechseln müssen haben die A-Karte.
Ja, aber nicht mehr, als ohne Mietendeckel. Tendentiell sogar etwas weniger, weil ein kleiner Teil der Spekulanten die Spekulationsobjekte auch einfach komplett leerstehen lässt - vergrault man solche Eigentümer zugunsten von Vermietern aus dem Immobilienmarkt (und dafür ist der Mietendeckel ein gutes Instrument, denn feste Mieten sind für Vermieter okay, Wohnungen deren Nutzwert nicht mehr steigen kann für Investoren aber uninteressant), sodass ein paar Wohnungen mehr zugänglich werden. Der wichtige Unterschied ist aber, dass ohne Spekulanten weitaus weniger Leute aus ihren Wohnungen vertrieben werden und so die Zahl der Wohnung-wechseln-Müsser dramatisch reduziert wurde. In einem Kuhkaff, dass erst seit kurzem boomt, wäre das vernachlässigbar, aber Berlin war schon vor Jahrzehnten eine Metropole und trotz absolut hoher Zuzüge, sind von der Mietenexplosion zum überwältigen Teil Ansässige betroffen. Der großen Mehrheit ist also sehr geholfen, wenn sie einfach nur in einem bestehenden Mietvertrag bleiben können. Das war das Ziel des Mietendeckels und auch wenn noch keine Ergebnisse vorliegen, ist er der Struktur nach definitiv gut geeignet, dieses Ziel zu erreichen.
Zudem wird das Ganze schön im schleichenden Prozess den Schwarzmarkt ordentlich anheizen
Wie darf ich mir einen Schwarzmarkt für Wohnungen vorstellen? Hat die ein komischer Typ an der Ecke unter seinem Mantel versteckt? Es gibt sowas wie rechtliche Kontrollmöglichkeiten und Mietwohnungen sind bekannt, wenn sie plötzlich nicht mehr offiziell vermietet werden, fällt das auf.
Kleinvermieter tun sich das nicht auf Dauer an und werden verkaufen. Sprich die großen werden noch größer und es wird deutlich mehr ETWs und weniger Mietwohnungen geben.
Berlin hat der Entwicklung 20 Jahre zugesehen und fest steht eins: OHNE Mietdeckel wurden massiv Mietwohnungen von Großkonzernen aufgekauft, im gesamten Ostteil haben Kleinvermieter sowieso nie die entscheidende Rolle gespielt. Ob das mit Mietendeckel besser wird? Wird man sehen müssen. Aber ich sehe keinen Grund, warum es schlechter werden sollte. Gerade kleine, faire Vermieter haben die Luxussaniermasche selten durchgezogen und Bestandsmieten nicht über Gebühr erhöht. Für diese Art von erwünschtem Vermieter ändert sich also praktisch nichts. Wieso sollten die unter praktisch gleichen Bedingungen gehäuft verkaufen? Die Geschäftsgebahren der Großkonzerne, die gerade in Berlin massiv auf das Rausekeln alter Mieter gesetzt haben, wurden dagegen deutlich eingeschränkt. Also sollte deren Anteilswachstum/Interesse am Berliner Immobilienmarkt jetzt zurückgehen. Münchner, Hamburger, Frankfurter, etc. kann man jetzt schließlich leichter ausnehmen und das große Geld sucht immer großräumig den geringsten Widerstand.
Hätte ich heute eine ETW in Berlin würde ich da richtig kreativ werden um Zeit zu gewinnen durch z.B.
- Befristung
- Möblieren oder Teilmöblieren
- Weitere Serviceleistungen mit der Wohnung koppeln wie Internet, Pay-TV Abo, Strom und anderen Dienstleistungen inklusive
- ggf. Ablösesummen aufrufen oder andere Arten von Handgeldern
- Bevorzugt an ausländische Expats vermieten. Die sind eh nur temporär da und froh wenn sie eine zentrale Wohnung haben. Die werden sich kaum mit dem deutschen Mietmarkt beschäftigen
Und wenn es mir irgendwann zu bunt wird, dann wird eben verkauft an gut verdienende Zuzügler die eine ETW haben wollen. Alternativ sind auch Clans die Geld waschen wollen vorzügliche Vermieter. Die werden sich für den Mietendeckel bestimmt interessieren. Gerade in Berlin gibt es von denen ja genug Kandidaten.
So jetzt bin ich kreativ geworden um das Thema zu umgehen und wenn ich lange darauf rumdenke fallen mir noch allerlei andere Dinge und Konstrukte ein.
Und glaubst du etwa, du bist mit deiner Kreativität ein einzigartiges Wunderkind? Bad News: Mit Ausnahme der illegalen Zwangskopplungen, Ablösesummen, etc. machen das die Vermieter in Berlin seit 10-15 Jahren schon so.
Ich habe schon geschrieben, dass es auch in Deutschland kein Problem gibt.
Ich kann auch vieles schreiben, wenn der Tag lang wird. Aber nur weil sie niedergeschrieben wird, wird aus einer falschen Aussage keine richtige. Und die Behauptung, dass man in den typischen Wohnlagen Deutschlands für vergleichbare Summen, also z.B. 100k, eine USA/AUS-typische Bretterbude auf ein USA/AUS-typisches 100-200-300 m² Grundstück pflanzen kann, ist einfach falsch. Dafür kriegst du nicht mal die Abstellfläche eines Tiny Homes und bei den meisten Neubauten in den relevanten Gegenden kassiert der Architekt vermutlich schon mehr.
Nur in den Ballungszentren.
Ach? Echt jetzt? Wovon reden wir noch mal? Lass mich mal in den Threadtitel gucken ... "Berlin" ... . Ich glaube, "Berlin" ist ein "Ballungsraum", oder? Und als ich das letzte mal geguckt habe, hatte Reudnitz auch keinen Mietdeckel erlassen.
Und dort ist es überall auf der Welt das gleiche. Sydney, Melbourne, Perth, London, Paris, Mailand, New York, LA usw.. Es kann ja wohl kaum die Rede davon sein, dass es da in Berlin so wahnsinnig teuer ist und schon gar nicht teurer als in anderen Metropolen dieser Welt.
Verglichen mit den lokalen Nettoeinkommen müssten Lagen in vergleichbarer Verkehrsentfernung* zumindest teurer als Melbourne, Perth, Mailand und Sydney sein. Bei den vielfach größeren Metropolregionen London, New York und LA stellt sich die Frage, wie man vergleichen will - natürlich gibt es ein einem größeren Ballungsraum mehr teure Wohnungen und der total überteuerte Bereich ist größer. Aber der Ring günstigeren Wohnraums halt auch. Desweiteren wäre selbst "anderen geht es noch schlechter" wohl keinen Grund, Millionen von eingesessenen Berlinern das Leben zu vermiesen. Dann lieber ein paar hundert Spekulanten.
An dieser Stelle die Anmerkung, dass man in Manhattan mittlerweile Gratis-Mietmonate raushandeln können soll, weil das praktisch nicht ertragbare Mietniveau in Zeiten der Home-Office-Entdeckung die Leute zu Millionen aus der Stadt treibt.
*: Gemessen in Fahrminuten. Natürlich bauen mitteleuropäische Städte kompakter; würde man die räumliche Entfernung von LAs Vororten auf Berlin übertrage, bekäme man in Brandenburg vermutlich Fuchs, Hase, einen Gutenachtgruß und ein sanierungsberüftiges Bauernhaus für 1 €. Aber versuch von da mal zu einem Arbeitsplatz in der Berliner Innenstadt und am gleichen Tag wieder zurück zu kommen. Aus der Liste von Städten dürfte von der Bau- und Verkehrsstruktur her nur Paris vergleichbar sein und da sollte jeweils auf halber Strecke zwischen Zentrum und Metropolrand Paris klar finanzierbarer sein.