Also ich finde den Test hier in Ordnung. Den in letzter Zeit stärker gewachsenen Hang zu den Tests nur Appetithäppchen zu veröffentlichen bedauere ich zwar sehr, kann das aber auch anderseits für ein Printmagazin sehr gut nachvollziehen.
Meiner Meinung nach hätte das Fazit besser sein können.
Als Beispiel führe ich das hier an:
AMDs sogenannte Sweet-Spot-Strategie, die unter Rick Bergman eingeführt wurde, erlaubte es der Grafikabteilung, sowohl bei der Performance als auch der Leistungsaufnahme sehr offensiv mit Nvidia zu konkurrieren. Allerdings musste man sich auch auf eine gute Dual-GPU-Karte verlassen können, um im High-End mitzuspielen. Dieser Ansatz brachte aber seine eigenen Herausforderungen mit sich - beispielsweise Probleme mit der CrossFire-Skalierung und die Notwendigkeit, möglichst schnell Multi-GPU-Profile für die Treiber zu veröffentlichen, um nur zwei zu nennen. Auch auf der Hardware-Seite war der Ansatz nicht ohne Konsequenzen, wie man an heißen und dementsprechend lauten Modellen der Radeon HD 6990 sehen konnte.
Der Umstieg auf die Fertigung in 28 nm dürfte es AMDs Design-Team etwas einfacher machen, auf der Basis der aktuellen Chips eine Dual-GPU-Lösung zu entwickeln – und wir können nur hoffen, dass sie dabei auch auf die Lautstärkeentwicklung achten.
Aber richten wir den Blick vorerst wieder auf die Gegenwart: AMDs Radeon HD 7950 schlägt sich auch mit nur einer GPU hervorragend im High-End-Segment. In den meisten getesteten Spielen liefert sie sich mit Nvidias GeForce GTX 580, die inzwischen ein Jahr alt ist, ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Manche Titel entscheidet sie klar für sich, in anderen muss sie sich der GF110-Karte geschlagen geben.
Dass die Radeon HD 7950 sich mit der GeForce GTX 580 auf Augenhöhe bewegt, beeindruckt uns aber in Anbetracht des Alters der Nvidia-Karte nicht allzu sehr. Dennoch hat AMD mit der HD 7950 einiges richtig gemacht. Beispielsweise ist die Rechenleistung in GPGPU-Anwendungen gegenüber der Vorgängergeneration (und vor allem der Konkurrenz) massiv gesteigert worden. Dank der innovativen Stromspartechniken kann man nun auch ohne schlechtes Gewissen mehrere Karten parallel betreiben, da sich die zweite (und laut AMD auch die dritte und vierte) Karte im Leerlauf fast komplett ausschaltet. Außerdem sieht die CrossFire-Skalierung vom Start weg wirklich sehr gut aus. All' diese Merkmale helfen AMDs zweitschnellster Single-GPU-Karte, sich von ihrem (aktuellen) Gegenstück in Nvidias Portfolio abzusetzen.
Ist an den Stränden von Tahiti also alles eitel Sonnenschein? Definitiv nicht. Beispielsweise konnten wir nach wie vor das hardwarebeschleunigte Video-Encoding in einer der am weitesten verbreiteten Transcoding-Anwendungen nicht zum Laufen bringen, und obwohl wir eine Vorabversion einer Transcoding-Software mit VCE-Unterstützung zum Testen bekamen, funktionierte auch dieses Feature nicht. AMDs Treiber schaltete die entsprechenden Funktionen einfach nicht frei, und das einen Monat nach dem Launch der ersten Tahiti-Karte. Außerdem nervt, dass der Lüfter krampfhaft und mit hoher Lautstärke versucht, die HD 7950 trotz völlig akzeptabler, sogar niedriger Temperaturen noch weiter herunter zu kühlen. Das Ergebnis: Die HD 7950 tönt in einer Metro-2033-Dauerschleife lauter als Nvidias GeForce GTX 590 mit zwei GPUs.
Letzten Endes wird – wie immer – der Straßenpreis der HD 7950 darüber entscheiden, wie erfolgreich die Karte wird. Wir wissen, dass AMD als UVP 449 Euro nennt und von einem Straßenpreis von etwa 420 Euro ausgeht. Außerdem ist die Frage, ob AMD ausreichende Stückzahlen wird liefern können und wie Nvidia auf die neue Karte reagiert. Mit der heutigen Vorstellung hat AMD immerhin eine Single-GPU-Karte im Angebot, die schneller als Nvidias Flaggschiff mit einer GPU ist, und eine weitere, die vergleichbare Leistung liefert. Wer mehr Performance erwartet, muss zu einer Dual-GPU-Lösung wie der Nvidias GeForce GTX 590 und AMDs Radeon HD 6990 greifen – und ganz ehrlich, von beiden sind wir nach wie vor nicht wirklich angetan.
Die preiswerteste GeForce GTX 580 findet man im Online-Handel aktuell ab ca. 400 Euro (mit 1,5 GB) bzw. ab gut 460 Euro (3 GB). Wenn man sie lagernd findet, kostet die Radeon HD 7970 derweil inzwischen bestenfalls 490 Euro, realistischer sind mindestens 500 Euro. Wenn wir zum ähnlichen Preis zwischen der GeForce GTX 580 und einer Radeon HD 7950 wählen müssten, würden wir uns vor allem wegen der höheren GPGPU-Rechenleistung und der weit niedrigeren Leistungsaufnahme für das AMD-Modell entscheiden. Allerdings würden wir von der Karte auch erwarten, dass die hardwarebeschleunigte Videokonvertierung wie versprochen funktioniert – egal ob mit VCE oder klassisch per GPGPU.
Wir sind gespannt, ob AMD alle Funktionen, die diese Karte zu bieten hat, zum Laufen bringen kann, bevor die Konkurrenz mit einem eigenen neuen Modell nachzieht. Bis dahin ist die Radeon HD 7950 mit einer offiziellen Preisempfehlung von 449 Euro und einem (von AMD) erwarteten Marktpreis von 420 Euro nicht nur eine preiswertere, sondern auch kühlere und stromsparendere Alternative zur GTX 580. Spielern sollte die Wahl also nicht weiter schwer fallen.
ps:
ich hoffe die vielen Buchstaben überfordern nicht den ein oder anderen.