AW: Star Citizen: Dogfight-Modul enthüllt
Versteh mich nicht falsch - das ist nicht bloß ein Unterschied, es ist
DER Unterschied.
- Großer Publisher zeigen ihre Projekte i.d.R. nicht in der Entwicklungsphase - Star Citizen tut dies unweigerlich seit dem Kickstarter Ende im November 2012. Und zwar Tag für Tag, Woche für Woche und das die kommenden 5-10 Jahre (wenn alles nach Plan läuft).
Mir persönlich der liebste Aspekt jedes crowdfinanzierten Spiels, das ich persönlich bei Path of Exile verfolgen / erleben konnte.
Die andere (und bisher unbeantwortete) Frage ist, ob das auch in entsprechendem Absatz und Erfolg resultiert. Bei SC tut es das bisher, wie bereits erwähnt, in erster Linie basierend auf Zusicherungen.
- Große Publisher basteln einen Trailer, rendern ihn auf Workstations nach und bauen damit eine Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit auf. Die große Masse sieht, staunt, wartet und erwartet ein Spiel in der gezeigten Grafik. So geschehen bei Dark Souls 2, bei Watch Dogs etc.
- Große Publisher pressen à la EA ein Spiel auf einen Datenträger, knüpfen Kunden dafür 50-60€ ab und behaupten, ein fertiges Spiel ausgeliefert zu haben. (Battlefield 4)
Und zum Dank für diese großartige Meisterleistung gibt der Finanzchef von EA auch unumwoben zu, dass diese Politik der Spieleherstellung weiterhin so fortgeführt werden soll
"
lake Jorgenson (Chief Financial Officer von EA) ist der Ansicht, dass der verkorkste Zustand (technische Probleme, Server-Bugs etc.), in dem Battlefield 4 veröffentlicht wurde, der Marke nicht geschadet hat - selbst drei bis vier Monate nach der Veröffentlichung läuft der Shooter noch nicht wirklich rund. Sie seien aber klar auf den Schutz dieser Marke fokussiert, meint Jorgenson. Das Spiel hätte sich gut verkauft und würde sich auch weiterhin gut verkaufen, sagte er bei der Morgan Stanley Technology, Media &, Telecom Conference in San Francisco."
Quelle
Beim oberen Punkt sehe ich den Unterschied zu SC nicht. Im Gegenteil; ich wüsste nicht, welche Titel bedeutend höhere Erwartungshaltungen versurachen, zumal der Fall ein anderer ist. Im Falle eines herkömmlichen Spiels weiss man mehr oder minder, was man kauft. Im Falle eines Kickstarterprojekts ist die mögliche Enttäuschung grösser, da die Umsetzung noch ausstehend ist.
Zum Zweiten: der Finanzchef hat - uns Kunden sei dank - auch absolut keinen Grund, anders zu denken. Warum sollten sie etwas anderes machen, wenn es die Kunden offenbar mögen und wie die Irren kaufen?
Chris Roberts hingegen hat mit Star Citizen nur einen Versuch. Das Spiel steht im Fokus der breiten Öffentlichkeit. Allein der Versuch, die Massen täuschen zu wollen würde böse' nach hinten los gehen und die gesamte Kickstarter Szene in Frage stellen, sowie die Finanzierungsform "Crowdfunding" diskreditieren.
Exakt diese Befürchtung habe ich und habe sie in ähnlich gearteten Themen auch schon das eine oder andere Mal kundgetan.
Ich schätze das genau so ein wie du, nur mit einer anderen Konklusion. In meinen Augen kann Roberts a) die Erwartungen nicht erfüllen oder b) wird so lange entwickeln, bis sich das Spiel nicht mehr nennenswert von anderen AAA-Titeln abhebt - vom doch recht PC-eigenen Setting mal abgesehen.
Von Täuschung oder Manipulation war im Übrigen meinerseits nie die Rede. Ich glaube aber, dass Roberts diesem Fokus und der damit einhergehenden Erwartungshaltung nicht gerecht werden wird (kann). Die Leute werden über die Jahre hinweg ungeduldig werden, bessere Grafik sehen (auch die wird veralten...) wollen, andere Gameplayelemente wünschen, usw. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite ist, dass bei Publisher entgegen landläufiger Meinung wohl nicht nur Vollidioten arbeiten und es wohl Gründe gibt, warum sie so handeln, wie sie es tun.
Ich habe grössten Respekt vor der bisherigen Leistung von CR. Von einem Hype, an dem Medien, Internet und ein gewisser Legendenstatus nicht ganz unschuldig sind, zu einem fertigen Spiel, dass alle Erwartungen erfüllt und dabei auch noch profitabel ist, ist es aber ein ungemein langer Weg, auf dem gehörig viel schief gehen kann. Das reicht von "Banalitäten" wie Fehlplanungen technischer oder finanzieller Natur über Force majeure wie veränderte Gesetzgebung bei Zuwendungen für Kickstarter-Projekten bis hin zu persönlichem Unvermögen oder Verschleiss.
Die Antwort lieferte vor einigen Tagen der User
DBqFetti:
"Einigen Leuten hier darf man wirklich kein Material von Spielen in der Entwicklung zeigen. Außer es ist ein schön aufpolierter Trailer. Ich hielt die Bevormundung der Spieler durch die Publisher dahingehend immer für Schwachsinn, aber ich muss erkennen dass sie doch vollkommen gerechtfertigt ist. "
Ich bin erstaunt, dass diese Aussage überrascht. Die Masse ist ein dummer, manipulierbarer Haufen und Marketing nunmal alles. Darüber kann man sich ärgern, kann es verteufeln, aber letztlich ändert sich gar nichts daran, dass wir uns wieder und wieder blenden lassen, weil diese Leute ihr Handwerk nunmal verstehen und die Menschen nur zu gerne ihren geweckten Emotionen glauben.
Du siehst das Gejammer ja in den Foren bei jeder Alpha / Beta, wo die Leute nicht differenzieren wollen / können, in welchem Stadium der Entwicklung sich das Spiel gerade befindet. Die von dir erwähnte Transparenz kann daher imo durchaus negative Auswirkungen haben.
Zudem hat sich Gaming als Markt komplett verändert. Gamer kaufen nicht mehr ein Spiel, dessen Entwicklung sie verfolgt, dessen Geschichte sie interessiert hat. Sie kaufen einen impliziten Namen. Sie kaufen CoD und erhalten CoD, ums mal so zu sagen.
Ich hoffe wirklich, dass du Recht behältst. Die bevorstehenen Hürden sind aber einfach zu hoch, als dass man
HEUTE von einem spielgewordenen Messias für eine ganze Industrie sprechen könnte.
Wohlgemerkt: ich finde, Star Citizen bot mehr als genug Anreiz, um Kohle reinzustecken. Das wars bisher dann aber auch schon.
