Schallplatten/spieler-wissen gesucht!

Der Acrylteller macht echt was her! ;) Was wiegt das gute Stück? Gibt es noch eine Unterlage oder sowas?
 
mit dem acryl erinnert mich an den Marantz TT-15S1 den ich vorgestern bei saturn bewundert habe.

sieht schon schick aus:daumen:
 
Was wiegt das gute Stück?
Der ganze Plattenspieler insgesamt wiegt ca. 8kg, der Acrylteller allein 2,2kg. Der war für mich auch ein wichtiges Argument für den Xpression III.

Gibt es noch eine Unterlage oder sowas?
Was für eine Unterlage meinst du? Eine Plattenmatte, die man auf den Teller legt? Das ist bei Acryltellern nicht notwendig, die zerkratzen die Platten nicht bei normaler Handhabung.

mit dem acryl erinnert mich an den Marantz TT-15S1 den ich vorgestern bei saturn bewundert habe.
Den Marantz TT-15S1 hab ich mir vorhin auch grad mal wieder im Mediamarkt angeschaut. Ich finde den maßlos überteuert, der sieht nicht nach einem 1,5k€-Spieler aus, und das Laufwerk an sich ist auch nicht sehr wertig für den Preis (nicht entkoppelter Synchronmotor, treibt den Teller nur über einen Silikonrundriemen an...beides sorgt für schlechten Gleichlauf und erhöhtes Rumpeln). Der Tonarm am TT-15S1 ist ein Clearaudio, also schon ein gutes Stück Technik, aber für meinen Geschmack zu filigran.
Aber zu einer Marantz-Stereoanlage passt der TT-15S1 natürlich perfekt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,



:D
Ein ganz feines Teil hast du dir da gegönnt.
Würde ich einen Dreher suchen, der wäre ein ganz heißer Kandidat

Ciao BarFly

Dankeschön :) Wenn du dich für den entscheiden würdest, müsstest du aber viel Stress wegen Lieferschwierigkeiten mit einplanen ;) der Xpression III ist seit 6. November in Deutschland vom Vertrieb nichtmehr lieferbar, man bekommt nurnoch Lagerbestände, die aber auch rar sind.

Dynavox TPR-2 Sound Converter Klangaufbereiter schwarz: Amazon.de: Elektronik
Was haltet ihr von dem Phono Pre? Sieht interessant aus, vorallem für den Preis. Habs leider verpasst die Stereoplay zu abonnieren, da gabs den als Prämie. :/

Naja, der Dynavox ist in meinen Augen mehr optische Spielerei als alles andere. Klanglich bringt der imho genauso wenig was wie alle PhonoPres in der Preisklasse, die haben alle ne simple RIAA-Entzerrung und eine linealglatte Verstärkung. Das einzige worin sich die Geräte in der Preisklasse unterscheiden sind die Eingangskapazitäten und Impedanzen, man muss also den für seinen Tonabnehmer passenden PhonoPre suchen oder wenn der TA da auch eher unempfindlich ist guckt man danach, was einem am besten gefällt.
Für mich war der Cambridge Audio Azur 540P die beste Wahl, der hat als einziger der üblichen nur einen MM-Eingang (MC fehlt völlig), ist dafür aber in der Preisklasse ungeschlagen was die Verarbeitungsqualität und die Haptik anbelangt. Der 540P ist ein wirklich sehr massiver PhonoPre, dagegen wirken die ProJect Phonobox oder der NAD PP2 wie Spielzeug.
Wenn man auf die Röhrenoptik steht kann man aber bedenkenlos zum Dynavox greifen. Aber Achtung: die Röhre glimmt nicht von selbst so stark, sie wird von einer roten LED von hinten angeleuchtet ;)

@DarkMessiah:

die KD770er sind auch echte Top-Geräte, da kann man nicht meckern. Was markierst du denn mit den beiden Pfeilen? Und was für ein Tonabnehmer hängt da dran? Ein paar mehr Infos bitte :D
 
Theorie und Praxis - Plattenspielerjustierung

Hallo liebe Vinyl-Freunde!

Da hier im Forum einige Fragen bezüglich Aufstellung und Justage von Plattenspielern aufgekommen sind möchte ich an dieser Stelle mal ein kleines HowTo zur Verfügung stellen.

Die korrekte Aufstellung und Justage ist das A&O für einen guten Klang beim Plattenspieler. Selbst ein Tonabnehmer mit gehobenen vierstelligem Preis klingt bei falscher Justage grausam und verzerrt und macht obendrein auch noch die Platten kaputt.
Man sollte sich also für die Einrichtung des Plattenspielers viel Zeit nehmen und wirklich penibelst arbeiten.

Um einen Eindruck von den Verhältnissen bei der Schallplattenabtastung zu bekommen und sich vorstellen zu können warum die Justage so genau erfolgen muss hier mal ein paar interessante Detailaufnahmen:

Die Rillenstruktur einer Schallplatte:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/ff/Langspielplatte.jpg
Je "zackiger" die Rille ist, desto höher ist der Ton, je weiter die Auslenkung der Rille ist, desto lauter ist der Ton.

http://www.dougegen.de/wp-content/uploads/2010/03/Rille1000x.jpg
Hier schön zu sehen: die Unterschiedliche Auslenkung der beiden Flanken, dadurch entsteht der Stereo-Effekt. Wie man sieht, ist mit einer Schallplatte kein echtes Stereo möglich.

Der Abtastdiamant am Tonabnehmer:

http://www.sst-ffm.de/typo3temp/pics/0767bcdd31.jpg
Durch die Form der Rille wir der Abtastdiamant bewegt. Die Bewegung wird über den Nadelträger in den Generator des Tonabnehmers übertragen wo durch Induktion ein elektrisches Signal entsteht.​

Die richtige Aufstellung des Plattenspielers

Für die richtige Aufstellung des Plattenspielers ist es erstmal wichtig zu wissen, um was für einen Typ von Plattenspieler es sich beim eigenen Gerät handelt.
Man unterscheidet zwischen.
  • Subchassis-Plattenspieler
  • Masselaufwerk

Zur Klärung:

Subchassis-Plattenspieler​

Ein Subchassis-Plattenspieler ist bedingt durch seinen Aufbau grundsätzlich nicht so empfindlich gegen Erschütterungen von außen wie ein Masselaufwerk. Zur Entkopplung sind alle klangrelevanten Bauteile (sprich: alle Teile die direkt oder indirekt Kontakt zum Tonabnehmer haben) auf einer Platte montiert, die mittels spezieller Entkoppler vom äußeren Gehäuse des Plattenspielers entkoppelt ist; den Aufbau kann man sich grob wie folgt vorstellen:​

Subchassis.png

Das Subchassis ist nur durch die Entkoppler mit dem äußeren Gehäuse verbunden. Die Entkoppler selbst bestehen meist aus einstellbaren Federn oder auch komplizierteren Federmechanismen. Auf dem Subchassis sind dann alle Bauteile, die im direkten oder indirekten Kontakt mit dem Tonabnehmer stehen montiert. Das sind: der Tonarm, das Plattentellerlager, der Antriebsmotor und ggf. auch die (Halb-)Automatik-Mechanik.
Der Vorteil dieser Bauweise ist die Unempfindlichkeit des Plattenspielers gegen vertikale Erschütterungen (vor allem Trittschall). Gegen horizontale Erschütterungen (Stöße gegen den Plattenspieler) hilft ein Subchassis recht wenig und kann bei starken Stößen sogar eher kontraproduktiv wirken. Ein weiterer Nachteil ist die relativ komplizierte Bauweise und der Wartungsaufwand. Die Entkoppler müssen in regelmäßigen Abständen (alle 1-2 Jahre) nachjustiert werden um die korrekte Federkraft zu erhalten.
Ein zu weich eingestelltes Subchassis gerät schnell in Resonanzschwingung wodurch sich horizontale und vertikale Schwingungsamplituden vergrößern, das Subchassis wird also eher zum Schwingen angeregt als davon abgehalten.
Ein zu hart eingestelltes Subchassis ist schlichtweg wenig wirkungsvoll und dämpft kaum wodurch der Plattenspieler empfindlich gegen Trittschall wird.

Ein Subchassis-Plattenspieler ist, wenn er korrekt eingestellt ist, eher anspruchslos in der Aufstellung. Er kann auch auf resonanzstarken und ungedämpften Racks oder in direkter Nähe zu Lautsprechern aufgestellt werden ohne störenden Trittschall oder gar Lautsprechervibrationen an den Tonabnehmer weiterzuleiten.

Ein weiterer Vorteil von Subchassis-Plattenspielern ist, dass man ohne großen Aufwand die Zarge (= das äußere Gehäuse) austauschen kann. Das macht vor allem beim Gebrauchtkauf Sinn.​

Masse-Laufwerke:​

Ein Masselaufwerk besitzt nur ein Chassis auf dem alle Bauteile montiert sind. Es dämpft die äußeren Einflüsse lediglich durch sein pures Gewicht, weshalb Masselaufwerke möglichst schwer sein sollten. Auch eine Rolle für das Dämpfungsverhalten von Masselaufwerken spielt das Material des Chassis. So eignen sich relativ "weiche" Materialien wie MDF oder Multiplex gut, da sie die Schwingungen gut dämpfen. Metall dagegen ist eher ungeeignet.

Masselaufwerke sind in der Regel relativ empfindlich gegen Trittschall, sodass sie gut vom Boden entkoppelt werden müssen. Dafür am wichtigsten ist ein geeigneter Aufstellungsort. Das Optimum stellt hier ein Wand-Rack dar, da die Wände kaum in Schwingung zu versetzen sind und daher den ganzen Plattenspieler sehr ruhig halten.
Wenn eine Wandmontage nicht möglich ist sollte man bei Masselaufwerken immer auf eine möglichst gute Bedämpfung achten. Das Rack sollte dämpfende Füße haben (keine Spikes!) und aus möglichst resonanzarmen Material bestehen (wieder MDF, Multiplex etc., kein Metall oder Glas!).
Das Rack sollte außerdem außerhalb des direkten Abstrahlbereichs der Lautsprecher und auch nicht in deren direkter Nähe aufgestellt werden.

Auch bei den sog. Brettspielern (einfaches Holzbrett auf dem alle Bauteile montiert sind) handelt es sich um Masselaufwerke für die die gleichen Aufstellungsrichtlinien gelten sollten.​

Vereinfacht gesagt sollte das Ziel der Plattenspieleraufstellung sein, so wenig Erschütterung wie möglich an den Tonarm und den Plattenteller kommen zu lassen. Jeder noch so kleine äußere Einfluss auf den Tonabnehmer schmälert sein klangliches Potential.

Justage

Wenn der Plattenspieler nun seinen Platz eingenommen hat ist es wichtig, ihn korrekt zu justieren. Dafür braucht es einige Werkzeuge:

  • Justageschablone
  • Wasserwaage
  • ggf. Tonarmwaage
  • Druckbleistift-Mine
  • ein Stück Tape
  • ggf. Stroboskopscheibe und eine 50Hz-Lampe
  • Geodreieck oder entsprechende Justageschablone

Als erstes muss der Plattenspieler absolut in Waage stehen. Dafür legt man die Wasserwaage in verschiedenen Positionen auf das Chassis des Plattenspielers und überprüft so, dass er in jedem Winkel korrekt in Waage steht. Einige Plattenspieler haben zur Ausrichtung verstellbare Gerätefüße. Wenn sowas nicht vorhanden ist muss man entweder ein verstellbares Rack einsetzen oder mit stabilen Unterlagen arbeiten.
Die absolut gerade Ausrichtung des Plattenspielers ist sehr wichtig, ohne diese Grundvoraussetzung ist jegliche weitere Justage hinfällig da durch die Schwerkraft Antiskating und Auflagekraft nichtmehr im korrekten Winkel wirken und die Abtastnadel aus dem Rillental der Platte herausdrücken.

Vertikaler Spurwinkel

Als nächstes wird der vertikale Spurwinkel eingestellt.
Dafür legt man eine alte Schallplatte oder eine genauso dicke Unterlage auf den Plattenteller, führt den Tonabnehmer in Abspielposition und senkt den Tonarm in Abspielposition.
Nun muss der Tonarm exakt parallel zur Schallplatte stehen:

vertikaler Spurwinkel.png

Dadurch wird gewährleistet, dass die Abtastnadel im richtigen Winkel von 20° auf der Platte aufliegt und damit die Nadelnachgiebigkeit stimmt.
Wenn der vertikale Spurwinkel nocht stimmt gibt es zwei Möglichkeiten ihn zu korrigieren:

Einige Plattenspieler bieten dazu einen Tonarmhöhenverstellung an der Tonarmbasis. Wie diese zu benutzen ist steht in der Bedienungsanleitung. Meist gibt es dazu eine Skala an der Tonarmbasis mit einem Stellrad oder einem Hebel.
Bei Plattenspielern die keine Tonarmhöhenverstellung besitzen muss man sich mit Abstandshaltern oder Unterlegscheiben zwischen Headshell und Tonabnehmer behelfen. Die kann man aber nur benutzen, wenn der vertikale Spurwinkel positiv falsch ist ( in der Abbildung der zweite Fall).
Bei negativ falschem vertikalem Spurwinkel (Fall 1 in der Abbildung) hilft dann nur ein Tonabnehmer mit niedrigerer Bauhöhe.
Man sollte dem vertikalen Spurwinkel aber auch keine zu große Bedeutung geben, denn durch (auch schon minimal) verwellte Platten ist er sowieso wieder hinfällig.

Auflagekraft - 1

Der nächste Schritt besteht in der grundsätzlichen Einstellung der Auflagekraft, dieser Schritt macht alle nachfolgenden Justierungen einfacher.
Dafür wird der Tonabnehmer vorerst grob an das Headshell montiert. Nun dreht man das gesamte Gegengewicht, welches sich hinten am Tonarm befindet so weit auf den Tonarm, bis dieser genau parallel zum Plattenteller schwebt.
Als nächstes wird nur der Skalenring des Gegengewichtes auf den Wert "0" eingestellt, ohne dabei das Gegengewicht zu verschieben. Der Tonarm muss danach noch immer genau parallel zum Plattenteller schweben.
Anschließend wird wieder das gesamte Gegengewicht so weit auf den Tonarm geschoben, bis die Skala den für den Tonabnehmer empfohlenen Wert anzeigt. Auf keinen Fall darf die Auflagekraft zu niedrig eingestellt werden, da dadurch die Nadel nicht ordentlich in der Rille geführt wird und in der Rille hin und her schlägt. Eine zu hohe Auflagekraft kann bei verwellten Platten Abspielprobleme verhindern, den Tiefton etwas betonen, führt aber auch zu einer erhöhten Abnutzung von Schallplatte und Abtastnadel.
Wenn die Abtastnadel beim normalen Abspielen von Schallplatten aus der Rille springt ist die Auflagekraft zu niedrig eingestellt und muss erhöht werden.

Azimut

Der Azimut ist der Ausrichtungswinkel der Abtastnadel gegenüber der Schallplatte wenn man von vorn auf den Tonabnehmer schaut. Im Idealfall steht die Abtastnadel genau senkrecht, also in einem Winkel von 90°, in der Rille der Schallplatte. Abweichungen führen dazu, dass die Abtastnadel in der Rille verkantet und sie beschädigt.
Zur Veranschaulichung:

Azimut.png

Überprüft werden kann der Azimut mit einem Geodreieck. Die Ober- und Unterkanten des Tonabnehmergehäuses müssen parallel zur Schallplatte verlaufen und der Nadelträger (das kleine Röhrchen an dem die Nadel hängt) darf nicht irgendwie schief oder krumm sein.

Bei den meisten Plattenspielern lässt sich der Azimut leider nicht einstellen. Bei einigen kann aber am Headshell oder durch das rotieren des Tonarmes in Richtung der Tonarm-Achse eingestellt werden. In der Regel sollte der Azimut aber auch ohne Einstellung korrekt sein. Wenn das nicht der Fall ist kann das folgende Gründe haben:

  • krummes Tonabnehmergehäuse
  • krummer Nadelträger
  • verdreht montiertes Headshell
  • verdrehter Tonarm
  • Schief verbauter Tonarm
  • kaputte Tonarmlager

Überhang und Kröpfung

Nun kommen wir zum aufwendigsten Teil der Justage, der Einstellung des korrekten Überhanges. Ein falsch justierter Überhang ist für Verzerrungen bei der Wiedergabe der Hauptgrund und schon bei kleinen Abweichungen deutlich hörbar.
Ein wenig Theorie: Der Überhang gibt theoretisch an, wie weit die Nadel übersteht wenn der Tonarm über der Plattentellerachse steht. Er ist abhängig von der Länge des Tonarmes und vom Abstand Plattenteller-Achse <-> Tonarm-Drehpunkt.

Im Idealfall läuft der Tonabnehmer immer tangential in der Rille der Schallplatte:

Tangente.png

Aufgrund der Geometrie zweier sich schneidender Kreise ist das aber nicht auf der gesamten Rillenlänge möglich, sondern nur an einem einzigen Punkt. An jeder anderen Position hat der Tonabnehmer einen mehr oder weniger großen Fehlspurwinkel, dabei gilt folgender Grundsatz: Je länger der Tonarm ist, desto geringer ist der maximale Fehlspurwinkel bei korrekter Justage. Tangentialplattenspieler haben konstruktionsbedingt keinen Fehlspurwinkel.
Um den Fehlspurwinkel möglichst gering zu halten hat jeder Tonarm eine bestimmte Kröpfung. Das heißt, der Tonabnehmer ist in einem bestimmten Winkel zur Verbindungsachse Tonabnehmer<->Tonarmdrehpunkt montiert.
Bei einem geraden Tonarm wird die Kröpfung durch ein gewinkeltes Headshell erzeugt. Bei S- und J-Tonarmen wird die Kröpfung durch die Tonarmgeometrie hergestellt:

Tonarme-Kröpfung.png

Um nun den Überhang und die Kröpfung einzustellen geht man folgendermaßen vor:

Um anfangen zu können braucht man natürlich die Justage-Schablone. Wenn keine vorhanden ist, habe ich hier in den Anhängen ein PDF zur Verfügung gestellt. Die Schablone muss ausgedruckt (dabei auf korrekte Skalierung achten!) und auf eine Pappe geklebt werden. Anschließend wird noch das Mittelloch ausgestanzt und die Schablone kann auf den Plattenteller aufgelegt werden.

Als nächstes wird der Tonabnehmer für die Justage präpariert. Dafür nimmt man eine Druckbleistiftmine udn klebt diese mit einem Stückchen Tape vorn an den Tonabnehmer um so eine optische Verlängerung der Gehäusefront zu haben. Das hilft bei der Justage ungemein und macht das Ergebnis um ein vielfaches exakter.

Nun wird der fertig präparierte Tonabnehmer auf den Punkt B, C oder D (je nach Tonarmlänge) der Schablone aufgelegt. Die Bleistiftmine muss nun parallel zu den Längsachsen auf der Schablone verlaufen. In der Regel ist das beim ersten Versuch nicht sofort der Fall:

falsch.jpg

Auf dem Bild ist deutlich zu sehen, dass die Bleistiftmine schräg zu der Linie verläuft.

Um das zu ändern werden nun die Schrauben, mit der der Tonabnehmer am Headshell befestigt ist gelockert und der Tonabnehmer im Headshell verschoben (und damit der Überhang eingestellt). Dabei muss darauf geachtet werden, dass der Tonabnehmer nicht verkantet wird, da sonst die Kröpfung nichtmehr stimmt.
So justiert man nun hin und her, bis man eine optimale Parallelität hinbekommen hat. Dabei sollte man nicht die Geduld verlieren, das kann ruhig mal eine halbe Stunde dauern.

Als nächstes wird die Nadelspitze auf den Punkt A aufgelegt. Nun muss auch hier eine genaue Parallelität der Bleistiftmine mit den Längsachsen der Schablone hergestellt werden.
Dabei muss aber immer wieder auch die Parallelität im äußeren Aufsetzpunkt überprüft werden.

Das Ergebnis sollte dann irgendwann so aussehen:

richtig.jpg

Ist so auch nach langem Herumprobieren und penibelster Ausrichtung keine Parallelität zu erreichen, dann stimmt die Kröpfung nicht und es wird wirklich kompliziert.
Wenn die Kröpfung nicht stimmt, was an einer schlechten Tonarm- oder Headshellgeometrie liegt, wird diese im Punkt A nachjustiert.
Dafür wird zuerst im äußeren Aufsetzpunkt die Parallelität hergestellt.
Dann wird die Nadelspitze auf den inneren Aufsetzpunkt gelegt und nun der Tonabnehmer im Headshell verdreht bis Parallelität erreicht wird. Dabei darf der Überhang natürlich nicht verändert werden.
Das Ergebnis muss wieder im äußeren Aufsetzpunkt überprüft und nachjustiert werden bis in beiden Aufsetzpunkten die Parallelität erreicht ist.

Bei schlechten Geometrischen Verhältnissen kann diese Justage wirklich lange dauern und sehr nervig werden. Sie ist aber das A&O für eine verzerrungsfreie Wiedergabe der Schallplatte und sollte geduldig durchgeführt werden bis das Ergebnis stimmt.

Auflagekraft - 2

Durch die Justierung des Tonabnehmers hat sich nun natürlich die vorher eingestellte Auflagekraft wieder verändert, weshalb diese nochmal neu eingestellt werden muss. Dazu werden einfach die Schritte wiederholt, die bei "Auflagekraft - 1" beschrieben sind.

Antiskating und Drehgeschwindigkeit

Abschließend müssen noch das Antiskating und die Drehgeschwindigkeit des Plattenspielers eingestellt werden. Beides gestaltet sich relativ einfach.

Antiskating:

Die Skatingkraft sorgt dafür, dass der Tonabnehmer während des Abspielens zur Plattenmitte hin gezogen wird. Das sorgt für eine unterschiedliche Abtastung der Rillenflanken (->Stereoverschiebung) und zu einer einseitigen Abnutzung des Abtastdiamanten.
Dafür gibt es die Antiskating-Einstellung, die dieser Kraft entgegen wirkt. Sie wird üblicherweise auf den gleichen Wert eingestellt wie die Auflagekraft. Wenn man es ganz genau haben möchte braucht man eine entsprechende Testschallplatte.

Drehgeschwindigkeit:

Die Drehgeschwindigkeit des Plattentellers steht natürlich in direktem Zusammenhang mit der Abspielgeschwindigkeit der Schallplatte. D.h. wenn der Plattenteller zu langsam dreht wird auch die Musik zu langsam wiedergegeben.
Um die richtige Drehgeschwindigkeit zu ermitteln braucht man eine Stroboscheibe und eine Lampe mit einer Frequenz von 50Hz (bei uns aufgrund der Netzspannung jede Normale Glühbirne).
An vielen Plattenspielern ist die Stroboscheibe schon am Plattenteller aufgedruckt und die Strobolampe auch schon verbaut. Wenn das nicht der Fall ist, ist eine Stroboscheibe zum Ausdrucken und Ausschneiden im Anhang zu finden.

Man muss nun darauf achten, dass die Punkte für "33 1/3" unter dem Strobolicht sich nicht bewegen wenn als Abspielgeschwindigkeit 33 1/3 U/min eingestellt sind. Das gleiche gilt äquivalent für 45 U/min. Wenn die Drehgeschwindigkeit nicht stimmt haben viele Plattenspieler dafür Pitch-Adjust-Drehregler. Die werden einfach so lange eingestellt bis die Drehgeschwindigkeit stimmt.



So, das war es dann eigentlich auch schon mit der Justage. Ich wünsche viel Spaß beim Schallplatte-Hören! :)
 

Anhänge

@DarkMessiah:

die KD770er sind auch echte Top-Geräte, da kann man nicht meckern. Was markierst du denn mit den beiden Pfeilen? Und was für ein Tonabnehmer hängt da dran? Ein paar mehr Infos bitte :D

Jo, leider funktioniert nicht alles wie es soll. Die beiden Pfeile waren für jemand anderen eingezeichnet, hoffe sie stören nicht ;)
Tonabnehmer ist ein AKG P-8ES Supernova.
Aktuell ist mein Problem das der Standort total suboptimal ist und der Tonabnehmer nicht richtig aufsetzt, das aber auch nicht immer. (Dachte schonmal das Problem wäre gelöst, dufte!)
Anleitung hab ich leider auch nicht mehr.
Mal sehn, kann alles mögliche sein. Muss mal jemanden suchen, der sich damit auskennt in meiner Umgebung.
Wenn du noch mehr wissen willst, frag :D

BTW schönes Tutorial! :)
 
Moin,

Jup echt gutes Tutorial :-)
Werde ca. Ende diesen Monat auch ein neuer Dreher bekommen, und zwar einen komplett revidierten Thorens TD 125 der mit einem SME 3009 Improved Tonarm ausgerüstet ist, als Tonabnehmer kommt die Benz Glider-Sl zum Einsatz die bis vor Kurzem noch auf dem TD 320mk2 wahr, auf dem TD 320 ist nun eine Benz ACE-M, mein Vater hat jetzt meinen TD 147 Jubilee, der dann wahrscheinlich verkauft wird mal gucken, der Vater nimmt dann den TD 320mk2 mit dem Benz ACE-M Tonabnehmer.
Der TD-125 wird derzeit in Winterthur von einem Thorens Spezialist den mein Vater persönlich kennt komplett revidiert und eingestellt, so ist er danach praktisch wieder wie Neu, der TD 125 wahr eigentlich der Nachfolger des legendären TD-124, und es wahr das letzte Thorens Laufwerk das unter Schweizer Lizenz gebaut wurde, Also ein Stück Hifi Geschichte, danach baute und entwickelte Thorens nur noch in Deutschland.

Greetz
 
Kann ich nur unterstreichen, habe dank dem Tutorial gerade meinen ersten Plattenspieler vernünftig zum Laufen gebracht.
Yamaha P300 mit Ortofon 2M Red. Wer was bemerkt, bekommt nen Keks ;) (du nicht, AFI :P)
Momentan lausche ich Adele - 21. Wobei ich mir dabei eher den Dreher aus der nähe anschaue, während Musik läuft :ugly:

Mfg, ice

€dit: Wäre es nicht sinnvoll den Thread in "Vinyl Diskussionsthread" umzubenennen? :ugly:
 
Momentan lausche ich Adele - 21. Wobei ich mir dabei eher den Dreher aus der nähe anschaue, während Musik läuft

Eine schöne Platte zum Einweihen eines "neuen" Drehers! Ich kann dir noch das Debut-Album "19" empfehlen, das ist musikalisch noch ne Ecke besser als "21".

Viel Spaß mit dem Dreher ;)
 
Yamaha P300 mit Ortofon 2M Red. Wer was bemerkt, bekommt nen Keks (du nicht, AFI )
Momentan lausche ich Adele - 21
Der Dreher hat mit Sicherheit ein DeJa-Vu :)
Viel Freude mit dem Ding. Habe gestern übrigens the mechanic geschaut, sein Plattenspieler sah verdächtig nach einem Project RPM9.1 mit 2M Red dran aus :)
 
Habe heute morgen einen Rega Planar P9 mit Benz-Tonabnehmer für zusammen ca. 5000€-5500€ gehört an einer Kette, die zusammen an die 15-20k€ gekostet hat. Lautsprecher waren Dali Helicon 400 MK2. So etwas abartiges hab ich bisher noch nicht gehört. Der Bass war so extrem fest und hart, ich dachte zuerst, die Russen sind da:ugly:
Und ich als Räumlichkeitslegastheniker konnte bei Chuck Mangiones "Children of Sanchez" alle Instrumente präzise orten.:what::hail:
Über die Auflösung muss ich wahrscheinlich nichts sagen, das beste was mir je unter gekommen ist.
Genervt hat es zwar, weil immer wieder der Vertreter aufgefordert wurde "die Platte auf den Stein zu legen" und solches geschwätz.:schief::lol:
Geil war es trotzdem:devil:

Mfg, ice
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber sowas von Voodoo:ugly:
Der wollte einem klarmachen, dass die klanglichen Unterschiede zwischen einem Rega Planar P7 und einem Rega Planar P9 am Dreher lägen, obwohl unterschiedliche Tonabnehmer drauf waren und verschiedene Phono-Pres verwendet wurden.
Und außerdem könne man ja auch Sachen hören, die nicht messbar wären:schief:
Aber ich muss den Kram ja nicht bezahlen und von daher kann mir das herzlich egal sein, was dessen Voodo-Gedöhns kostet.:daumen:

Mfg, ice
 
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