Mittlerweile bin ich an dieser Stelle für staatliche Interventionsmaßnahmen, am besten auf internationaler Ebene um für Effektivität zu sorgen, obwohl ich für gewöhnlich aus guten Gründen den Staat bisher immer bei möglichst allen wirtschaftlichen Aktivitäten raushalten wollte.
Das Umdenken liegt daran, dass hier einfach kein Ende gegen diesen Cryptowahnsinn erkennbar ist. Völlig unabhängig von der derzeitigen Angebotsknappheit an Chips und vermehrter Nachfrage durch Spieler und der Unterhaltungselektronikbranche ganz allgemein, wegen Corona, bleibt das Problem, dass Cryptowährungen weiterhin beliebig hohe Spekulationspreise erreichen können, die wir uns bisher nicht vorstellen können. Und den gegenwärtigen Zustand konnte sich vor 3 Jahren auch niemand vorstellen, also lasst euch nicht einreden, dass es so schlimm schon nicht kommen wird. Möglich ist es. Neben Immobilien, Aktien, Fonds und Rohstoffen etc. gibt es kaum andere Alternativen zum Werterhalt und zur Abwehr der aufkeimenden Inflation für alle die was übrig haben. Da kommt eine weitere gerade aufsteigende Investitionsmöglichkeit gerade recht. Überhaupt wird einem von sehr vielen Seiten inzwischen geraten sein Geld auch zum Teil in Cryptowährungen anzulegen. Wenn das jeder umsetzt, könnt ihr euch denken, was das mit deren Preisen anstellt. Es gibt derzeit einfach keinen effektiven, umgesetzten Mechanismus der eine weitere Verschärfung der Lage verhindern könnte.
Wenn sich beispielsweise die ETH und/oder Bitcoin Kurse (oder andere Coins) im Wert nochmal verdoppeln, verdreifachen etc. würden Miner, für eine RTX 3090 sicher auch 10.000€ hinlegen. Bei dadurch steigenden Renditeaussichten würden noch mehr Leute auf den Miningzug aufspringen, was die Preise der Karte weiter explodieren lassen könnte.
Und da ist einfach eine Grenze überschritten, wo man erkennen muss, dass der Markt es an dieser Stelle ohne Regulierung eben nicht vernünftig geregelt kriegt.
Derartige Preise wären der Todesstoß fürs PC Gaming. Das würde selbst diejenigen Spieler die jetzt noch die happigen Preise akzeptieren irgendwann zu den Konsolen treiben und deren Preisentwicklung auch weiter anheizen. Aber das ist nur ein Randthema, es könnte langfristig Arbeitsplätze in der Gamingbranche kosten, ok, aber es entstehen auch ein paar Arbeitsplätze wegen der Cryptoblase. Sicher nicht so viele, aber dennoch.
Darüber hinaus kommt es aber zu einer viel wichtigeren und extremen Fehlallokation von Ressourcen. Denn die ressourcenintensive Produktion und der stromintensive Betrieb von Grafikkarten sollte nicht dem Drucken von rein fiktiven Werten, also Währungen, geopfert werden. Entgegen anderer Verlautbarungen verbraten Mining Rigs nur wertvolle elektrische Energie und schaffen dabei keinerlei neue Realwerte. Ihre Produkte, die Coins, tragen praktisch NICHTS zum Wohlstand bzw. BIP bei (außer die paar zusätzlichen Cryptostellen, also Broker, Rig-Hersteller etc., die durch die Cryptopreise induzierte Cryptoblase entstehen) Die Konsequenz ist aber letztlich doch fast diesselbe, wie wenn die EZB neues Geld "schafft = druckt". Nur vergeudet die EZB dabei keine realen Ressourcen. Durch "Geld" schaffen, wird aber kein einziges neues Wirtschaftsgut und keine einzige Dienstleistung mehr geschaffen. Denn mit diesen Coins kann man, wie mit allem anderen Geld, an sich, rein gar nichts anfangen, außer die Coins in anerkannte Währungen, ergo Dollar, umwandeln solange ausreichend Menschen in die Coins vertrauen haben. Spätestens wenn die Werte der Coins ins Bodenlose abstürzen würden, wird auch dem letzten klar, dass sie nichts als verschwendete Ressourcen hinterlassen haben (+ ein paar Cryptoblasenabhängige Jobs). Deshalb verbietet sich meiner Ansicht nach auch der Vergleich zum schürfen von Gold. Gold ist zwar auch ein Anlagegut, jedoch nur weil es sich hier schon historisch und aktuell um einen Realwert handelt, der für vielfältige Produktionszwecke Verwendung finden kann, also Wohlstand schafft und zum BIP beiträgt. Als Realgut mit Materialwert kann Gold auch nicht Werte nahe 0 annehmen, wohingegen jede Währung bei Vertrauensverlust beliebig niedrige Werte annehmen kann, (Hyper)-inflation.
Auch halte ich den häufig hier vorgebrachten Vergleich von Mining mit Gaming im Sinne, "es ist doch beides unnütze Stromverschwendung", für grundlegend falsch.
Erstens läuft ein Mining Rig 24h/7d und zwar praktisch auf Vollast!
Gaming ist weil es zeitlich viel eingeschränkter stattfindet und durchschnittlich keine Vollast benötigt, schonmal viel weniger stromintensiv. Zudem hält Gaming eine ganze Branche am Leben und trägt so zum Wohlstand (Arbeitsplätze, Steuerzahler) und zur Unterhaltung bei. Es erzeugt also indirekt neue reale Werte, die die Lebensqualität für Menschen erhöhen können. Sowas kann Geld drucken nicht leisten, weil Geldmittel nur Tauschmittel für echte Produktionsgüter und Dienstleistungen sind.