AW: Ohne Krieg, Gewalt und Machtstreben würde die Menschheit lange nicht mehr existieren...
Mir sagte mal jemand vor ungefähr 11 Jahren ein Wissenschaftler hat das behauptet und dazu gibt es auch ein Buch. Es handelt davon das man als Mensch ohne Konflikte sterben würde oder wie auch immer, wie das Buch heisst kann ich net sagen ist zu lange her. Ich bin der Meinung der Mensch braucht immer einen Feind und Dinge gegen die er bekämpfen muss sonst würde er verwahrlosen. Aus meiner Sicht würde das aber heissen das wir alle irgendwann am Abgrund stehen und in einem Endzeitszenario leben. Wenn jemand weiss wie das Buch heisst könnte er sich ja mal zu Wort melden.
Die Tatsache, dass es sowas wie Zivilisation gibt (also den Verzicht auf gegenseitige Gewalt zugunsten eines gewissen Kooperationsniveaus) zeigt, dass eine Entwicklung weg vom Abgrund möglich ist. Es könnte allenfalls sein, dass irgendwann ein Punkt kommt, an dem eine weitere Konfliktminimierung nicht mehr möglich ist, aber mir würden keine Anzeichen dafür einfallen und die derzeitige Welt lässt defininitiv noch viel Raum für Optimierungen.
Warum krieg? Krieg fördert die technologische Entwicklung, viele techniken werden immer erst für das Militär entwickelt und dann Zivil. Das Internet war auch nie dafür gedacht was es heute ist und wurde auch nicht fürs zivile entwickelt.
Diese oft geäußerte Sichtweise ist imho durch mehrere Faktoren stark verzerrt bis falsch:
- Zu jedem Zeitpunkt in der Geschichte hatte das Militär mit Abstand die umfangreichsten ungebundenen Finanzmittel zur Verfügung. Das macht es leicht, viele Entwicklungen zu unterstützen. Hätte man das Geld in die Verantwortung anderer gegeben, wäre ggf. das gleiche möglich gewesen - bzw. sogar noch mehr, denn die z.T. enormen Investitionen in stehende Heere hätten zusätzlich in Fortschritt investiert werden können. Von dem entfallenden Rückschritt, den militärische Einsätze nach sich ziehen, ganz zu schweigen.
- Zumindest in den letzten Jahrhunderten wurden die wenigestens Entwicklungen, die gemeinhin in diesem Kontext genannt werden, im Auftrage des Militärs entwickelt. Nur die Weiterentwicklung eines bestehenden Konzeptes zur Großserienreife wurde auf Initiative des Militärs betrieben - weil nur dieses Mittel im Überfluß erhielt. (s.o.)
- technologischer Fortschritt wird oft an militärisch geprägten Maßstäben gemessen. Z.B. werden Fortschritte im Transportwesen an der Geschwindigkeit gemessen. Nicht aber an der Verfügbarkeit für die Allgemeinheit oder die Effizienz, was für den zivilen Nutzen viel wichtigere Eigenschaften wären.
- Nachteile der militärischen Entwicklung für die Zivilgesellschaft bleiben unberücksichtigt.
Beispiel:
Kernenergie.
Die grundlegende Forschung zur Kernspaltung wurde von nicht-militärischen Grundlagenwissenschaftlern nahezu vervollständigt, soweit ihnen das in ihren beschränkten Möglichkeiten möglich war. Die "technologische Entwicklung" zur erfolgreichen Kettenreaktion war dann, ohne alzu große intellektuelle Hürden, möglich, nachdem das Militär seinen gigantischen Etat zur Verfühgung stellte - und das ganze wurde zur "militärischen Entwicklung". Dass es ein "Fortschritt" war, wird aus den militärischen Erfolgen hergeleitet, die Kernwaffen ermöglichten. Zu guter letzt wurde -wiederum mit militärischen Budgets- die Entwicklung größerer Reaktoren forciert. Forschungsziel primär: Erbrüten von Kernwaffenmaterial. Zivile Stromversorgung, wegen der das ganze als "Bereicherung" bezeichnet wird, war ein Abfallprodukt und diese Tatsache hat uns z.B. Tschernobyl eingebracht. (einer der Gründe, warum die RBMK kein vernünftiges Containment haben, ist der freie Zugang zu den Brennstäben wärend des Betriebes für optimale Brutergebnisse)
Die gesamte Technologie hat zudem militärisch irrelevante, aber zivilgesellschaftlich extrem problematische Langzeitausgaben zur Folge, die vermutlich jeden nutzen weit übersteigen.
In einem Gegenzenario hätte die Gesellschaft z.B. die gleichen Summen in die Entwicklung moderner Wellen- und Windkraftwerke und Energiespartechniken investiert und in den 50er bis 70er Jahren eine vergleichbare Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Energien aufgebaut...
Beispiel 2:
~20-40% der Gründe für die schlechten Zustände in den Zusammenbruch der Sowjetunion. Das Wettrüsten mit dem Westen.
Imho stellt die Konzentration auf Krieg eine klare Bremse des Fortschrittes dar.