Hab mir mal den
oben verlinkten CD-Inspektor geschnappt und ein paar Titel direkt und ohne MP3 Konvertierung durchgemessen.
Traurige Meldung: Das ganze betrifft nicht nur Titel, die irgendwie in den Radio-Charts und angesagten Clubs lauter klingen wollen.
Kürzlich ist mir das Queen Album "A Kind of Magic" in der 2011er remastered Version ins Haus gekommen. Da vier enthaltene Titel auch in ihrer alten Version (meist 86) auf der 91er Greatest Hits 2 drauf sind (und einer auf der 99er GH III), habe ich mal den direkten Vergleich ziehen können zwischen identischen Titeln mit 20 bis 30 Jahren Abstand in der Nachbearbeitung. Ergebniss:
- A Kind of Magic ist von DR20 auf DR13 runter, das Maximum der Lautstärkeverteilung liegt nicht mehr mit 16% bei -20 dB, sondern zu 15% bei -13 dB. Statt einem schmalen ungenutzten Streifen bei den extrem negativen Werten gibt es jetzt Clipping an beiden Enden
- One Vision, ehemals DR17, ist jetzt bei DR13, das Maximum, ehemals bei -16 dB (20%), steigt auf -12 dB (21%)
- Friends Will be Friends fällt von DR17 auf DR13 (obwohl die alte Aufnahme genug ungenutzten Spielraum für verlustloses aufblasen ließ), das Lautstärkemaxium verschiebt sich von -17 dB (20%) auf -13 dB (17%)
- Who Wants to Live Forever stürzt von DR22 auf DR15 ab, statt 6% Maximum bei -23 dB gibt es 6,5% @ -10 dB (!!!)
- selbst Princes of the Universe (ein Song, der auch in der 99er Fassung keine Nachhilfe in Sachen Lärm brauchte), wurde von DR13 auf DR12 gestutzt und dabei von -11 dB (25%) auf -12 dB (29%) gepushed.
Noch ein trauriger Vergleich mit Queen: We Will Rock You (ein Titel der in der Vergangenheit ja niiiieeeee auf Krach getrimmt, sondern als fast-Kuschelrock-Abmischung leidliche Erfolge feierte [/sarkasmus]) auf der Greatest Hits 1 (bereits "remastered" - aber 94) und auf einer richtig üblen Chartshow-Compilation (die erste "Hitgiganten"): DR12 statt DR15, damit man auf -11 dB (14%) statt -14 dB (14%) kommt. Die (allerdings weiterhin) schmalen ungenutzen Bereich sind sogar größer geworden und es gibt leichtes Clipping.
Mal so zum Vergleich: Die Aufnahmen der Queen Pre Ordained, allesamt unbearbeite 1:1 Kopien von LP-Aufnahmen, die vor 1971 entstanden und die 10-25% des möglichen Dynamikraums der CD ungenutzt lassen, liegen bei 13 bis 22 dB Dynamikumfang. Im Schnitt locker 15. Sogar das I Can Hear Music Cover, das klar von den durchspielenden Instrumenten dominiert wird (-> gar keine leisen Momente, wie bei gesangslastigen Titeln) schlägt mit DR14 fast alle der oben gelisteten Remaster.
Selbst das Beach Boys original überbietet mit DR9 einige der von anderen für aktuelle Alben geposteten Werte.
In einer auf einer SB Live! value gerippten Analog-Kopie.
Mit einer offensichtlich unpassenden Samplequalität, denn es gibt massive Lücken im genutzten Spektrum.
Ohne Nachbearbeitung/Entfernung von Hintergrundrauschen.
Mit einer MC aus den 80ern als Ausgangsmaterial.
Abgespielt auf einer (zugegebenermaßen nicht schlechten) Kompaktanlage
Mit einem Media Markt Kabel als Verbindung.
Was unterm Strich immer noch eine gegenüber aktuellen Studioalben zu bevorzugende Aufnahme ergibt.?! (schon allein wegen der enthaltenen Musik

)
Irgendwie frage ich mich gerade, ob nicht vielleicht zu unrecht über die Kiddies den Kopf schüttle, die sich heutige Titel aufm Handy vorspielen. Ggf. ist das genau die angemessen Lautsprecherqualität.
