Majima
Komplett-PC-Aufrüster(in)
Gesagt, getan!Kannst ja mal einen Poll machen, wieviel die Leute für ein Betriebssystem mit den technischen Fähigkeiten von 11, der Benutzeroberfläche von 7 [scheint die beliebteste zu sein?], der Konfigurierbarkeit von XP und der Privatsphäre von 2000 zahlen würden.
Kontext: Windows und die Produktpolitik von Microsoft vor allem hinsichtlich Upgrades und neuer Windows-Versionen stehen aus diversen Gründen permanent in der Kritik, in der Praxis kommt man dennoch nur schwer daran vorbei, und es herrscht weitgehende Einigkeit, dass das Betriebssystem für den aufgerufenen Preis nicht der allerbeste Deal ist, weshalb sich etliche Leute, die keine Fertigrechner mit vorinstalliertem Windows kaufen, günstiger mittels mal mehr, mal weniger legaler Keys behelfen, deren Nutzung von Microsoft bislang weiträumig geduldet wird. Auf der anderen Seite pflegt sich so ein Betriebssystem aber auch nicht von selbst, und bei allem Lob und Respekt, welcher Linux- und anderen Open-Source-Communitys gebührt, basieren diese immer noch auf Freiwilligkeit und sind daher gerade im geschäftlichen Betrieb nicht vergleichbar mit der Gewissheit, einen Verantwortlichen zu haben, der bei Problemen Lösungen liefern muss. Und auch FOSS finanziert sich nicht von selbst, nur das Finanzierungsmodell ist hier ein anderes.
Aber darum soll es hier nicht gehen. Hier geht es mal um die grundlegende Frage: Angenommen, ihr könntet von Microsoft ein Windows bekommen, das (ohne Installation von Drittanbietertools)
- technisch auf dem aktuellsten Stand ist,
- euch die Bedienoberfläche eurer Wahl bietet, die für euren Workflow am besten funktioniert,
- dem Administrator volle Kontrolle über die Konfiguration des Systems und darauf (auch im Hintergrund) laufende Software gewährt,
- weder TPM, noch Secure Boot erzwingt oder andere künstliche Hardwarebeschränkungen aufweist,
- bei Installationen keine Bloatware an Bord hat,
- euch nur die Programme, die für den Betrieb und die Einrichtung zwingend notwendig sind, nicht ersatzlos deinstallieren lässt,
- nicht nach Hause telefoniert, außer ihr gestattet es ausdrücklich,
- keine Hintertüren aufweist und auch sonst kein Sumpf aus Sicherheitslücken ist,
- vollständig lokal läuft, ohne Cloud, ohne Zwang zum Microsoft-Konto,
- euch keinerlei „KI“-Spielereien überzustülpen versucht,
- zu allen Anwendungen innerhalb der Windows-NT-Linie abwärtskompatibel ist,
- (weitere Wünsche erfüllt).
Ihr seid auch eingeladen, zu spezifizieren, wie ihr euch das genaue Bezahlmodell vorstellt, falls die Optionen in der Umfrage es für euch nicht hinreichend detailliert abbilden.
Ich werfe gleich mal eine größere Zahl in den Ring und würde für ein solches Windows sogar 1000 Euro als Einmalkauf für die Dauerlizenz (dann allerdings für bis zu 5 Geräte) bezahlen. Das liegt aber auch daran, dass man bei Software für den professionellen Einsatz solche Beträge schon gewohnt ist, für die meisten Selbstbauer im privaten Bereich wäre das ziemlich unattraktiv (und nicht selten auch unerschwinglich), daher würde ich auch bei der Einzellizenz für 200 bis 300 Euro (quasi so wie bisher) bleiben. Die viel wichtigere Änderung gegenüber dem bisherigen Modell: Ich müsste Microsoft ausdrücklich erlauben, meine Daten zu verarbeiten und zu verscherbeln, und wenn ich das tue, will ich dafür einen fairen Anteil sehen, mit dem ich dann je nach Umfang über eine Laufzeit von 5 bis 10 Jahren sogar die Anschaffungskosten wieder reinholen könnte.
Dazu gilt: Wenn wir schon nicht verlangen, dass das Produkt bei Auslieferung mangelfrei ist, bloß weil es sich um Software handelt (warum eigentlich?), dann ist das Mindeste, dass Bugfixes und Sicherheitspatches immer kostenfrei erfolgen – bis keine Bugs und Sicherheitslücken mehr drin sind oder die Software unter eine freie Lizenz gestellt und der Quellcode veröffentlicht wird. Funktionsupdates könnten je nach Umfang im Bereich 10 bis 50 Euro liegen; und das direkte Upgrade auf die nächsthöhere Windows-Version schlüge in meinem Modell, je nach Abständen zwischen den Releases, mit 20–35 % des Preises für eine volle Lizenz zu Buche (als Vorbild dienen mir hier Pro Tools Perpetual und Nuendo), beim Überspringen von Versionen fiele der Rabatt entsprechend geringer aus.
Wenn Microsoft dann noch unbedingt ein Abomodell anbieten wollte für diejenigen, die sowas bevorzugen, meinetwegen – aber es müsste immer optional sein und dürfte nicht nach dem Vorbild von Adobe die „Kauf“-Lizenzen vollständig verdrängen. Schon bei Kreativsoftware wie Adobe CC oder Pro Tools halte ich es weder moralisch, noch juristisch für vertretbar, mir ein lebenslanges Abo ans Bein binden zu müssen, um meine eigenen Projekte von heute auch in 20 Jahren noch öffnen zu können. Bei einem Betriebssystem, ohne das man von einem großen Teil des modernen Lebens schlicht und einfach komplett ausgeschlossen ist, wäre so etwas ein absolutes No-Go.
Ich freue mich auf eure Vorschläge und die Diskussionen dazu.
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