Nach ein bisschen überlegen aus Gamer-Sicht... Vor knapp 4 Jahren kam der 5800x3d heraus, der in 7nm bei TSMC gefertigt wurde und nun kommt heute eine Intel CPU für über 600€ in TSMC 3nm heraus und diese CPU kann den 5800x3d nur um wenige Prozent schlagen und hat eine schlechtere Effizienz im Gaming.
Ehrlich? Ich verstehe es nicht...
Der 5800X3D wird in N7, einem 7-nm-Prozess gefertigt und investiert ungefähr die zwei- bis dreifache Menge an Siliziumfläche aus dieser Fertigung in Kerne und Caches. Das verschärft den Kontrast deutlich: In die eine Richtung ist es unverständlich, wie AMD so viel Aufwand für zeitweise 300 statt 600 Euro verkaufen konnte (für einen 5900X mit ähnliche viel aktivem N7-Silizium haben sie sechs Hunnis verlangt). In die andere Richtung ist es unverständlich, wie Intel mit so viel neuer Technik so wenig Fps zustande bringt.
(Die AMD-Unverständlichkeit kann man übrigens ganz einfach mit "Konkurrenz" erklären. Die 5800X3D-Technik hatte AMD schon 2019 bereit liegen. Haben sie aber nur an Serverkunden verkauft, während Desktop-Leute mit Zen 3 vanilla abgespeist wurden. Erst als die etwas Druck von Intel bekam, hat man nachgelegt und erst als Alder Lake richtig Dampf gemacht hat, gab es den 5800X3D zu niedrigen Preisen und, Wunder oh Wunder, auf einmal auch auf älteren/günstigeren Mainboards als X570. Erst vor die Wahl gestellt "die Leute bekommen das beste, was Zen 3 zu bieten zum fairen Preis" oder "die Leute wechseln auf 1700" hat AMD die Mini-Marge gegenüber der Null-Marge gewählt. Intel dagegen verkauft über die OEMs auch teuren Schrott in ausreichenden Stückzahlen.)
Mal wieder ein Fall wo eine ganze Menge Verbesserungen am Ende eben doch nicht reichen und hauptsächlich Enttäuschung übrig bleibt. Die Fortschritte bei der Leistungsaufnahme sind beachtlich, und dafür, dass es Intels erstes "Tile" Design ist, ist die Leistung auch ziemlich gut. Blöd nur, dass die Konkurrenz fast durchgehend besser ist.
Intels erstes Projekt mit zwei Chips nebeneinander auf gemeinsamen Silizium war Lakefield, der erste Prozessor mit Compute-Chips nebeneinander auf Base Die war Ponte Vecchio und die erste x86-Konstruktion, bei der sogar das komplette Mesh über EMIB lief, war Sapphire Rapids. Das ist für Intel alles Jahre alte Technik und Meteor Lake ist sogar ein 1:1-Vorbild des Arrow-Lake-Aufbaus mit größerer interner Komplexität. Nicht ohne Grund betont Intel auf Foundry-Seite, in Ermangelung konkurrenzfähiger Prozesse, dass sie derzeit führend bei Packaging-Technik sind. Das die vorhandenen Probleme trotzdem auf die zusammengesetzte Bauweise zurückgehen könnten, ist also eher peinlich. Zumal das Tile-Konzept in dieser Hinsicht wesentlich leistungsfähiger = Performance-unkritischer als viel billigere Chiplets mit Verbindung über das Substrat sind und Intel mittlerweile mit dem großen Si-Interposer auch noch eine deutlich teurere, altmodischere Lösung als die lange Zeit favorisierten (aber mechanisch wohl doch nicht ausreichenden) EMIBs nutzt.
Man könnte fast meinen, dass die Core Ultras zu früh veröffentlicht wurden. Vielleicht um dem 9800X3D zuvor zu kommen?! Anders kann man sich so einen Zustand auch nicht erklären.
Als extrem OEM-lastiger Hersteller muss und tut Intel seine Release-Zeiträume sehr langfristig festlegen. Dass Arrow Lake diesen Herbst kommt, gilt schon seit letztem Jahr in Stein gemeißelt. Damals ging man seitens AMD noch von einem Zen-5-Launch im BTS-Fenster und 9000X3D eher zur Computex 2025 aus. Dass der jetzt schon so früh kommt, wurde lange Zeit umgekehrt als vorbeugende Reaktion AMDs auf einen leistungsfähigen Arrow Lake interpretiert.
Meint ihr Intel hat aktuell auch Probleme mit dem Treiber wie AMD zum Release?
CPUs werden vom Betriebssystem direkt, ohne Treiber angesprochen. Die gibt es nur für I/O-Hubs und über diesem Umweg kann ein Einfluss auf das Power-Management genommen werden, aber sonst auf nichts. AMD hatte dementsprechend Probleme mit dem Microcode und mit dem Windows-Scheduling. Ersteres hat Intel bereits ausgeschlossen; letzteres ist, neben weiteren Windows-Bugs, ein heißer Kandidat, um das miese Abschneiden zu erklären und könnte noch gefixt werden.
Das merkwürdige ist halt, dass Intel selbst bislang viel bessere Werte erzielt haben will. mutmaßlich müssen sie dafür auch Alpha-Versionen von Windows 24H2 verwendet haben, die öffentlich nicht zugänglich sind. Aber was soll Microsoft da kurz vor Release derart verkackt haben? Als weiteres Forschungsfeld guckt man sich im Moment auf alle Fälle auch die Mainboard-UEFIs an. Bei Intel-CPUs kann man ja deutlich mehr Parameter extern festlegen, während AMD die Kontrolle komplett intern konzentriert. Somit ergeben sich da zusätzliche Fehlerquellen, man denke nur an die von Asus-/Gigabyte-/MSI-Werkseinstellungen gegrillten Raptor Lakes. Das sorgt für mehr Freiheiten beim Tunen, aber auch für mehr potenzielle Fehlerquellen. Weswegen eigentlich auch hier gilt: Die Mainboard-Hersteller testen das vor Launch. Und machen dabei garantiert keine Kompromisse zugunsten niedrigerer Leistung.
Wenn man sich den Aufbau ansieht, dann dürfte recht klar sein was das Problem ist. Bisher war es für Software ja recht einfach bei Intel-Hybrid-CPUs die P Kerne zu erwischen, man sortiert die Threads nach Last und weist dann eben auf Kern 1, Kern 2,.... zu. Das war simpel, da ja die P-Cores immer als erste gelistet wurden.
Jetzt ist es aber anders. 2 P Cores, dann 8 E Cores, dann wieder 4 P-Cores, 8 E-Cores und nochmal 2P-Cores.
Nun funktioniert die alte Corezuweisung nicht mehr. Braucht man also 8 Threads, und weist die einfach Kern 1-8 zu, dann liefen die vorher auf allen verfügbaren P-Cores. Jetzt hingegen laufen sie auf 2 P-Cores und 6 E-Cores.
Dann ist auch klar warum die einzelnen Versionen so gering Abstände haben. Ich denke die laufen momentan
als 2P+8E bzw. 2P+6E.
Spätestens seit Alder Lake gilt fix von der Software erzwungenes Scheduling als Erbsünde, aber schon vorher war das wegen wechselnden Core-Anzahlen eine mäßig gute Idee. Sicherlich werden einige Entwickler trotzdem noch manuell in die Systemverwaltung reinpfuschen, anstatt die Thread-Verteilung der Kombination aus Thread-Director und Windows zu überlassen. Aber
einige Programmierfehler können nicht das miese Abschneiden in quasi
allen Spielen erklären. Da muss ein zentralerer Störfaktor am Werk sein. Fehlkonstruktion? UEFIs? Windows?
Danke.
Also auch wieder so ein Ding wo sich die Benchmarks ordentlich unterscheiden können.
Ich halte davon nichts.
Auf der Intel Seite bei den Core Ultra zu den Powerdraw Werten stehen nämlich auch die 125 250 (nur TAU wird nicht erwähnt)
Anhang anzeigen 1473132
Tau ist eigentlich eher ein systemabhängiger Parameter, der die thermische Trägheit von Kühllösung und Mainboard-Spannungswandlern (inkl. deren Kühlung) abbilden muss. Da gibt Intel seit jeher nur Empfehlungen zu ab. Was sie bei Arrow Lake immerhin endlich mal verschriftlicht haben: PL2 auf die MTP und PL1 auf die Base Power/TDP zu setzen. Also eben 125 W/250 W. Das ist zwar weiterhin nur eine "Befürwortung" ("advocacy", nicht einmal "recommendation") und keine Spezifikation. Aber bislang gab es überhaupt keine Anweisung, in welcher Relation die einstellbaren Werte "PL1" und "PL2" zu den Spezifikationen TDP & MTP standen, sondern nur teilweise im freien Raum schwebende Empfehlungen in den Datasheets,
andere Empfehlungen in Reviewer Guides und im Falle Raptor Lakes dann
noch einmal abweichendes im Rahmen der "empfohlenen" Base-/Performance-/Extreme-Profile.