AW: Hifi-Verstärker
bei all den Markenverstärkern der 80iger oder 90iger schaut man auf die Anschlüsse, mir waren 3 Tape Ein & Ausgänge wichtig, darauf, das kein Poti kratzt, auf die Oberfläche und den Preis. Alles andere kann man als 'Wurscht' bezeichnen.
Wenn einem die Anzahl der (Tape) Aus- und Eingänge wichtig ist, ok, da haben die meisten heutigen Verstärker marktgerecht weniger vorzuweisen. Den meisten Leuten dürfte das egal sein, da analoge Aufnahmegeräte eher selten anzutreffen sein dürften - zumal in gehäufter Form, die mehrere Tape Aus- und Eingänge rechtfertigen würde. Die reine Anzahl der anschließbaren Quellen dürfte auch bei den wenigsten 3 oder 4 überschreiten. Aber wenn du das brauchst, dann mag das ein Argument sein.
Die Meßunterschiede sind rein akademischer Natur und weit von jeder Hörbarkeit weg.
Das letztere gilt auch für den Vergleich mit modernen Verstärkern.
Das kommt darauf an welche Werte man miteinander vergleicht. Es ist nämlich z.B. nicht unbedingt wichtig wieviel Klirr produziert wird, sondern welcher (eher gerad- oder ungeradzahlige Obertöne) und dessen Verhalten. Ich erinnere mich an Verstärkertests aus den 70ern in denen vor allem die Messwerte miteinander verglichen wurden und der Hörvergleich eher unter Funktionstest lief.
Heute werden Verstärker weniger auf Messwerte getrimmt, sondern eher auf natürlichen Klang. Das bedeutet nicht, dass ein Verstärker mit guten Messwerten auch ein guter ist (z.B. Mark Levinson, topp Messungen, klanglich völlig leblos -> solche Verstärker haben dazu geführt, dass "analytisch" in Hifi Kreisen mitunter sehr negativ besetzt ist) anders rum stehen gute Messwerte aber auch einem guten Klang nicht zwingend im Weg (Spectral z.B. klingt super und hat überwiegend Messwerte im Bereich eines Messgeräts - sollte aber aus Stabilitätsgründen mit nicht zu niederinduktiven Kabeln betrieben werden).
Allerdings gibt es auch sehr gute Verstärker, die neben ihrem sensationellen Klang eher durchwachsene bis schlechte Messwerte haben. Wer z.B. mal einen single-ended Class A Versterkerchen gehört hat wird das bestätigen können.
Ich nicht! Ich empfand immer das die alle gleich klingen. Und ich hab im Laufe meines Lebens einiges gehört.
Die Bedingungen für einen korrekten Vergleich:
Hast du auch jedesmal einen korrekten Pegelabgleich an den Ein und Ausgängen gemacht? Lauter wird immer als besser empfunden.
Hast du gewusst welcher Verstärker gerade spielt? Schon ist es mit der Objektivität vorbei
hast du die Verstärker im gleichen Raum, an den gleichen Lautsprechern und, wie schon oben erwähnt, mit exakt gleicher Lautstärke gehört? Und auch im direkten Vergleich?
Ich habe zu Studentenzeiten alles durchgemacht DBT und Konsorten. Mit ein wenig Übung hat man da recht gute Trefferquoten erreichen können. Viele machen bei solchen Vergleichen den Fehler zu schnell hin und her zu schalten. Das machts nicht leichter. Aber wenn man sich mal ne Stunde oder gerne länger "eingehört" hat, dann kann man schon Unterschiede erkennen.
Es ist eine Frage der Übung, sprich Hörerfahrung, der notwendigen inneren Ruhe (hektisch oder gar unter Druck gesetzt wird man sich sehr leicht vertun) und natürlich auch des Willens. Ich kenne viele, die nichts Hören, weil es ja eh keine Unterschiede gibt, nicht nur bei Verstärkern, sondern bei praktisch allen Geräten - von LS mal abgesehen. Viele meinen auch, dass es unmöglich sei den Unterschied zw. MP3 und CD zu hören... Man hört erstaunlich viel, wenn man sich Mühe gibt.
Man kann aber auch beim Thema Blindtest ganz schön auf die Nase fallen und das bei Dingen, wo mans nie vermuten würde. Wers probieren mag, der verkoste mal Wein mit verbundenen Augen. Normalerweise fällt es da schon schwer weißen von rotem zu unterscheiden - trotzdem würde niemand behaupten, dass Weiß- und Rotwein generell gleich schmeckt! In der Hifiecke steht man aber immer sofort unter dem Voodoogeneralverdacht...
Ein (zugegeben kleiner aber spaßiger) Teil meiner Arbeit besteht übrigens darin technische Geräte subjektiv zu bewerten...
Wenn ich bei mir zu Hause, gegenüber den Lautsprechern, ein Regalfach, das mit Vinylplatten vollgestellt ist ausräume, verändert sich der Klang Mess und Hörbar.
Wenn ich einen Röhrenverstärker statt einer Transe nehme - dasselbe.
Wenn ich andere Lautsprecher nehme - wieder dasselbe.
Ansonsten aber, ab ins Reich der Voodoomärchen.
Die Beispiele nehm ich dir sofort ab, das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Das aber alles andere Voodoomärchen sind (wobei, da gibts schon einiges worüber sich das Kopfschütteln lohnt) ist schon stark übertrieben!
Häh? Wo hast du denn DAS her? Welche Messung wurde denn früher nicht gemacht, die heute wichtig ist?
Also ich beschäftige mich jetzt schon einige Jahre mit HiFi, aber sowas hab ich bisher nirgends gelesen.
Ok, vielleicht bei diversen Voodooforen, in denen sie auch Stromkabeln oder Klangschälchen oder Kabeluntersetzern, den Klang verändernde Eigenschaften andichten.
Voodooforen kenne ich keine. Messungen werden heute vor allem anders interpretiert und stehen nicht mehr im absoluten Fokus. Wie schon oben geschrieben zählt es heute nicht mehr unbedingt, wer die meisten Nullen nach dem Komma hat beim Klirr oder wer noch mehr Leistung bringt. Moderne Verstärker haben z.B. oft deutlich weniger Gegenkopplung als früher. Das macht die Messwerte nicht besser, aber sehr oft den Klang. Das hat nichts mit dem häufig gebrauchten Totschlagargument "sounding" zu tun, sondern mit Natürlichkeit (Klang ist nunmal schwer verbal zu beschreiben, aber Natürlichkeit ist das was mMn anzustreben ist).
Wir sind hier bei einer Technik, die seit Jahrzehnten bis in Verästelungen hinein erforscht ist. Und unser Ohr ist ein sehr grobes Instrument, unser akustisches Gedächnis ist katastrophal, wie will da der Mensch die winzigen klanglich irrelevanten Unterschiede bei verschiedenen Verstärkern unterscheiden?
Und bitte erzähl mir nix von irgendwelchen Dingen die noch nicht erforscht seien. Die Menschheit hat bis auf die Ebene der Quanten so vieles erforscht. Da taucht nix mehr auf dem Gebiet der Transistortechnik auf.
Messen kann man tatsächlich schon seit sehr langem mehr, als man hören kann. Diesbzgl. wird es vermutlich auch keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse geben, wenngleich auch hier sicher noch die Entwicklung weiter geht. Das Gehör ist deswegen dennoch im Vergleich zu unseren anderen Sinnen sehr gut entwickelt mit erstaunlichen Eigenschaften.
Was aber immer noch ein interessantes Forschungsgebiet ist, dass ist die Psychoakustik, d.h. wie wir Dinge wahrnehmen und was für unser Hören und unser Klangempfinden wichtig ist. Ob sich daraus Erkenntnisse ergeben, die zu besseren verstärkern führen? Keine Ahnung!
Was die Transistortechnik angeht, so gibts auch da natürlich noch neue Entwicklungen. Ob daraus noch bahnbrechende neue Verstärker entstehen? Keinen Schimmer!
Ehrlich gesagt ist mir das auch nicht so wichtig, ich habe lieber Spaß an der Musik!
Ich würde wie andere vor mir zur modernen variante raten.
Ich für meinen teil hab mir für 300,- € mit dem Denon AVR 1912 als Aussteller das volle Programm in die bude geholt.
Es gibt fast nix, was das teil nicht kann:
Was soll jemand, der einen Hifi Verstärker sucht mit nem AVR? Das meiste von dem Zeug was der kann ist nunmal zum Musikhören entbehrlich. Man zahlt aber dafür eine Menge Funktionen, Endstufen und Lizensen mit, die man nie braucht. Dazu klingts schlechter...
mMn ist das absolut keine Alternative!