Das ist aber auch wieder typisch. Sie wollen unbedingt das Geld raushauen und klagen, damit sie es in den Fluss werfen können.

Denkst du nicht, dass da eine Menge daneben läuft?
Doch. Ich weiß zwar nicht, was genau Du mit dem ersten Satz meinst, aber ich bin der Meinung, daß da tatsächlich eine Menge schiefläuft. Der Kardinalfehler ist doch die immens lange Planungsphase. Vor 15 Jahren oder so waren alle dafür. Dann hätte man's auch machen sollen. Einzelne Akteure haben aber durch Klagen, Bürgerbegehren und anderes die Ausführung ewig lange hinausgezögert. Heute sind eben nicht mehr alle dafür, aber die beteiligten Parteien sind durch mannigfaltige rechtliche Verpflichtungen eigentlich zur Durchführung gezwungen. Das hingegen wollen die Gegner des Projekts nicht akzeptieren und bezeugen damit ein reichlich gespaltenes Verhältnis zum Rechtsstaat, in dem man sich nunmal an geltende Verträge zu halten hat. Wie man das für alle Beteiligten zufriedenstellend lösen soll, ist mir allerdings völlig unklar. Im Endeffekt sollte die Mehrheit entscheiden. Im Hinblick auf das Wahlergebnis in Baden-Württemberg könnte man natürlich sagen, daß die Mehrheit entschieden hat, daß grün-rot regieren und somit auch S21 nicht durchgesetzt werden soll. Allerdings ist das nur halbrichtig, denn die absolute Mehrheit aller Wähler hat ja für Parteien votiert, die S21 durchführen wollen, SPD inklusive.
Persönlich bin ich geneigt zu sagen, daß wir unseren Rechtsstaat nicht den wankenden Stimmungen der Bevölkerung opfern dürfen, die, ohne wirklich Ahnung von der Sache zu haben, mal Hü und mal Hott ruft. Und ich finde es eine Schande, unnötig Geld zum Fenster rauszuwerfen. Und hier geht es ja nicht nur um irgendeine unwichtige Verkehrsinsel, die man mal hinbauen und mal abreißen kann, sondern um richtig viel Geld, von dem ein großer Teil schon geflossen ist. Und das wäre nun richtig verschwendet, wenn man nicht den eingeschlagenen Weg weitergehen würde. Ob das Ergebnis dann wirklich besser als die bestehende Lösung ist, kann sich natürlich erst dann zeigen. Aber schon der enorme Landgewinn in der Stuttgarter Innenstadt wäre doch sicherlich auch für das Lebensgefühl in der Stadt insgesamt soviel wert, daß man das kaum in Geld aufwiegen kann.
Gerade letzteres kann ich als Mensch, der in Bonn lebt, wahrscheinlich ganz gut beurteilen, denn Bonn wird der ganzen Länge nach von der Hauptbahnlinie mitten in der Stadt zerschnitten. Und das ist ganz großer Mist. Wenn uns hier jemand plötzlich eine Tieferlegung der Bahnlinie schenken oder wenigstens in großem Umfang bezuschussen würde, wäre sicherlich ein ganz großer Teil der Bonner sofort dafür. Wer jede Woche mindestens zweimal 20 Minuten oder länger am Bahnübergang wartet, hat irgendwann die Schnauze wirklich voll von der Bahn. Wahrscheinlich muß man erstmal in so einer Stadt leben, um erfassen zu können, was das eigentlich heißt.