Ist hier Irgendwer von den Mitdiskutierenden/Anwesenden davon betroffen?
Spielt das eine Rolle? Ist Kommunikation über Ethnien hinweg und Diskrimnierung gegen bestimmte Ethnien/Geschlechter/etc. nur ein Thema für diese Ethnien/Geschlechter/etc., von dem alle anderen die Finger lassen sollen? Das wäre für mich die Spitze der Cancel Culture.
Eine Beleidigung jedweder Art ist hier in DE eine Straftat. Dabei ist es im Prinzip egal, ob ein Herr L. den Herrn A. als "Quotenschwarzen" bezeichnet, oder ich (als "Kartoffel") den Herren Polizeibeamten als A*schloch bezeichne.
Es ist ein Anzeigedelikt und Herr A hat keine Anzeige gestellt. Die von A getätigte Aussage wiederum richtete sich gegen gar keine Person und die von Herrn P ist bestenfalls eine üble Nachrede, wurde aber ebenfalls nicht angezeigt. Wenn du dich mit dem Thema nur de jure auseinandersetzen möchtest, kannst du also eigentlich wieder aufhören: Rein rechtlich betrachtet ist nichts passiert.
Trotzdem hat außerhalb des Strafgesetzes ein afaik Selbstständig einen Dauerauftrag verloren, ein afaik Angestellter lässt seinen Job ruhen und ein Politiker sieht sich einem Parteiausschlussverfahren gegenüber und darüber kann man mal reden.
Begriffe wie "Fräulein", "Weib" und sogar die klassische "Hausfrau" finden heutzutage auch keine Anwendung mehr.
Kann ich nicht bestätigen, auch wenn die ersten beiden zugegebenermaßen seltener geworden sind.
Da haben wir unseren Wortschatz komischerweise quasi sofort und ohne nachzudenken angepasst.
Es ist also im Prinzip das gleiche Begriffe wie "People of Color" oder "Natives" im Alltag zu verwenden, anstatt "N3ger" und "Indianer".
Nö, das ist nicht das Gleiche. Es ist etwas grundlegend anderes, wenn man für etwas neues, für das man keinen Begriff hat, einen neuen Begriff adaptiert. Das ist einfach eine Notwendigkeit, wenn man nicht ständig "über das Ding ohne Namen da, dieses zu Hause bleiben müssen, na du weißt schon, gemäß Erlass XYZ, wegen Corona und so" reden möchte. "Natives" im Alltag zu verwenden ist dagegen einfach nur Denglisch (das deutsche Wort ist "Ureinwohner") und statt differenziert einzelne Gruppen von Menschen nennen zu können allgemein von "People of Color", also je nach Definition über rund 6 Milliarden Menschen zu reden, ist in den meisten Fällen eine fehlerhafte Verallgemeinerung.
"Tolle" Wörter übernimmt man sofort und unreflektiert
aber die "bösen" Wörter lässt man sich aus Prinzip natürlich nicht verbieten, wo kommen wir denn da hin?
Hilfreiche Wörter übernimmt man zusätzlich, aber verbieten lässt man sich gar nichts. Das hat nichts mit gut und böse zu tun, abgesehen davon dass niemand "gute" Wörter verbieten will und neue "böse" Wörter selten hilfreich sind. (Ich persönlich habe aber damals "old europe" dankend und mit Stolz von Bush übernommen.)
Außerdem finde ich die Einordnung "Quoten..." in manchen Fällen richtig. In neueren Krimis und Serien z.B. spielen in letzter Zeit immer mehr Farbige mit. Es ist ja nicht so das ich etwas dagegen hätte, aber es wirkt gezwungen um irgendeinen Anspruch gerecht zu werden. Oder um bestimmte Debatten zu vermeiden. Aber letztendlich wird dadurch das Gegenteil ausgelöst.
Ich hab die Beschwerde zum Teil schon über deutsche Produktionen gehört, wo ich sie nicht beurteilen kann, weil ich deutsche Produktionen zu oft als Brechmittel empfinde. Aber in US-Produktionen, die den nächst größeren Teil des bei uns gesendeten Materials ausmachen, spiegelt das einfach einen zurückgehenden Rassismus wieder: In den letzten 5-15 Jahren ist es da drüben langsam als merkwürdig erkannt worden, dass dunkelhäutige Personen zwar einen sehr großen Anteil der Bevölkerung ausmachen und somit auch einen recht großen Teil derjenigen stellen sollten, die zufällig Schauspieltalent haben, aber irgendwie kaum unter den höhererrangigen Schauspielern vertreten waren. Nachdem man die dafür verantwortlichen Rassisten rausgeworfen hat oder diese sich nicht mehr trauten, wegen der allgemeinen Aufmerksamkeit weiter zu diskriminieren, nähern sich die Besetzungen jetzt ganz langsam einem Durchschnittsbild der US-Bevölkerung an. Und dass beinhaltet halt sehr viele African Americans, Einwanderer aus Lateinamerika und eine gehörige Portion Personen mit asiatischen Wurzeln. Für einen Europäer mag das auf den ersten Blick wortwörtlich "fremd" wirken, weil es eben die Bevölkerung eines fremden Landes wiederspiegelt, aber das Merkwürdige war eigentlich, dass man bislang in US-Produktionen so verdammt wenig davon gesehen hat. Nur ist das einem Europäer, der nie in den USA war, selten bewusst geworden - sah halt aus, wie bei uns und das fällt einem nicht besonders aus, wenn man nicht weiß, dass die USA eben eigentlich nicht wie bei uns aussehen.
Ich hab nix gefunden, nur Rechtfertigungen von Palmer um weiterhin seine "eigentliche Intention" rechtfertigen zu können. Wie passend, mal eben den Farbigen ausgebeutet zum eigenen Vorteil und nicht mal in der Lage Reue zu heucheln weil man wichtigeres zu tun hat.
Wenns nur einen Fachbegriff für ein solches Verhalten gäbe...
"Egozentrismus". Palmer hat sich in der Vergangenheit auch schon mit anderen Personen beliebiger Ethnie angelegt und nie von sich aus den Bedarf einer Entschuldigung gesehen. Das scheint ein Mensch zu sein, der einfach nur über sich nachdenkt und gar nicht auf die Idee kommt, dass er jemand anderen verletzt haben könnte oder dass das eine Rolle spielen würde. Rassismus kann man somit aus der Episode nicht ableiten. Natürlich hätte er den Spruch nie mit Bezug zu einer Person der wie auch immer definierten Mehrheitsbevölkerung bringen können, weil es "Quoten..." halt per Definition nur für Minderheiten geben kann, aber mit Sicherheit für eine beliebige nicht-ethnische Minderheit. "Quotenfrau" sowieso als Sexismus, aber sicherlich auch "Quotenkatholik", "Quotenesoteriker" oder was auch immer einem halt sonst in die Vorurteile passen könnte.
(Unabhängig davon hat er in anderen Zusammenhängen aber schon mehrfach bewiesen, dass er negative Eigenschaften gerne mit Fremden assoziiert.)
Welche Partei, deren Klientel die konservativen Wohlhabenden sind, möchte denn unkontrollierte Einwanderung?
Komplett unkontrolliert gar keine, aber die Vorstellungen der FDP sind schon recht liberal.
Ferner würde mich interessieren, wo genau Zuwanderung die Löhne drückt? Die meisten Zuwanderer haben nicht einmal eine Arbeitserlaubnis. Und die, die eine haben, arbeiten entweder hochqualifiziert in Bereichen, in denn es gar keine deutschen Mitbewerber um die selbe Stelle gibt oder extrem unqualifiziert in Jobs, für die sich die Masse der vergleichbar unqualifizierte Biodeutschen zu fein ist.
Natürlich hat ein ZUWANDERER keine Arbeitserlaubnis, aber ein ZUGEWANDERTER erhält sie in aller Regel. Und diejenigen, die sich auf der Flucht vor irgendwas hier niederlassen, haben im Schnitt halt eher die Qualifikationen ihres Herkunftslandes, welche im Schnitt unter der hierzulande üblichen liegen und wegen Anerkennungs- und Sprachbarrieren noch weiter runtergezogen werden. Die landen primär im Billiglohnbereich und da auch da Angebot und Nachfrage von/nach Arbeitskraft die Lohnhöhe bestimmt, geht es bergab. (ausländische Hilfsarbeiter haben da aber ebenfalls einen großen Effekt, da hast du recht)
Wenn der Vorwurf Cancel Culture dann aufkommt, wenn eine Person Konsequenzen für das eigene Handeln erlebt
Nö. Du hast gerade selbst ein Beispiel geliefert, in dem eine Person die Konsequenzen dafür erlebt, dass sie eines Handelns VERDÄCHTIGT wird. Und das ist ein Akt von außen, auf den die Person erstmal wenig Einfluss hat. Eigentlich sollte "im Zweifel für den Angeklagten" gelten, aber nicht bei Cancel Culture. Die zerstört erst einmal Existenzen, die an eine gewisse Popularität gekoppelt sind und wenn es dann fünf Jahre später einen Freispruch gibt, interessiert sich keine Sau mehr dafür. In der Regel nicht einmal für die in der Regel unpopuläre Person, die für die ursprüngliche, falsche Anschuldigung verantwortlich war.