Diese ist so oder so der Leidtragende, wenn ein Sieg der Ukraine in immer weiterer Ferne rückt, aufgrund fehlendem Rückhalt aus Europa. Nüchtern betrachtet, stellt sich dann nur die Frage, ob die ukrainische Regierung nachgeben und ein Leben in etwaiger Unterdrückung leben, oder stolz und frei bis zum letzten Mann sterben möchte.
Kapitulationsinteressen sehe ich in der Ukraine gar keine. Aber zwischen kämpfen und ergeben gibt es noch eine dritte Möglichkeit, die eher an Popularität zunehmen könnte, wenn die Hoffnung schwindet: Fliehen.
...und hier würde ich den Satz dann weiterführen, weil eben das eines der schwierigsten Probleme ist.
Das russische Volk wird dem Westen nicht zu jubeln. Und genauso wenig hört das ganze auch nicht auf wenn Putin das zeitliche segnet. Dann kommt der nächste.
Kann passieren, muss aber nicht. Der ganze Ukrainekrieg ist für Russland ein riesen Verlustgeschäft und einzig und allein einem geschichtsrevisionistischen Großmachtswahn verschuldet. Während es im Zuge von Putins Maßnahmen in Russland sicherlich keine prowestliche Mehrheit gibt (außerhalb von Friedhöfen), ist diese Art von Größenwahn keineswegs allgegenwertig. Die meisten Russen dürften ihre Söhne, ihr Urlaub, ihr Gehalt und ein paar nette Alltagsgegenstände deutlich mehr interessieren als die Krim oder gar gar der Rest der Ukraine. Und vor allem in der Wirtschaftselite gibt es eine Reihe von mächtigen Leuten, die Putin mit seinem Angriff vor zwei Jahren ganz bewusst überrumpelt hat, weil nicht einmal er mit Zustimmung gerechnet hat. Ähnliche Zeichen von Widerstand waren lange aus dem Militär zu hören und aus der Ecke der Söldner sowieso.
Unter denjenigen, die sich um Putins Erbe streiten werden, gibt es also einige, von denen eine Beendigung des Krieges zu erwarten wäre. Und allein die ziemlich sichere Tatsache, dass die bislang komplex ausbalancierten Kräfte sich ohne den Typen in der Mitte gegenseitig bekriegen werden, reicht, um die Angriffsfähigkeit Russlands für einen gewisse Zeit massiv zu reduzieren.
Daher: Putin weg => Ukraine hat eine Verschnaufpause. Oder sogar dauerhaft Frieden.
Aber allen Gerüchten zum trotz sieht Putin halt nicht so aus, als würde das in den nächsten 1-2-3 Jahren anstehen. Viel mehr gebe ich der Ukraine aber nicht mehr, wenn sie mittelfristig ein normaler Staat werden soll. Nach einem sechsjährigen Krieg kann man noch wieder aufbauen, das haben die europäischen Kriege des 20. Jhd. gezeigt. Aber was nach 10 Jahren oder mehr andauernder Kriegshandlungen ist, kann man in Afrika und Vorderasien oft genug sehen: Failed States soweit das Auge reicht. Man hat dann mindestens eine Generation im Land, die im Krieg aufgewachsen ist.
Die müssen schon selbst darauf kommen, dass da was nicht richtig läuft.
Das sollte wenn es so weiter geht aber ihr innerpolitisches Problem bleiben.
Du kannst nicht reihenweise ihre Söhne an der Front eines Krieges der verklärt dargestellt wird töten und dann als Held gefeiert werden.
Wie würdest du denn reagieren? Da spielt es auch irgendwann keine Rolle mehr ob deine Regierung recht hat oder nicht.
Mit abnehmender Kampfkraft der Ukraine sterben eben immer weniger Söhne an der Front. Relativ zur Größe Russlands verläuft sich das, zumal außer der Armeeführung und den Politikern darüber ja niemand genau weiß, wie viele da denn sterben. Die russische Armee hat ganz bewusst in abgelegenen Regionen rekrutiert, die kaum Zugang zu unabhängigen Medien haben. Da wird dann jedem Dorf besonderer Dank für ihr großes Opfer ausgesprochen, dass gerade sie außergewöhnlich viel Pech hatte und 10% ihrer Söhne im Krieg für das Vaterland verloren gingen und gut ist. Weiß doch Dorf A nicht, dass Dorf B die gleiche Ansprache erhält; in den übergreifenden Nachrichten wird einfach eine verhältnismäßig kleinere Summe angegeben.
Und falls doch mal jemand am Arsch der Welt protestiert, lässt sich das leicht vertuschen oder niederschlagen.
Revolutionäres Potential würde nur entstehen, wenn so viele russische Soldaten in so kurzer Zeit sterben (oder besser -sowohl für sie als für einen Stimmungswandel- verletzt nach Hause zurückkehren), dass es mitten in Moskau unübersehbar wird, obwohl da besonders zurückhaltend rekrutiert wurde. Aber genau diese Wirkungskraft hat die ukrainische Armee nicht mehr, seitdem mangels westlicher Unterstützung der Bewegungskrieg eingestellt werden musste.
Auch das kann man so gar nicht unbedingt sagen.
Laut Kreml-Stimmen wäre ein Trump auch für Russland nicht zwingend optimal, da unvorhehbar und dank seinem großen Ego einigermaßen wankelmütig.
Genau das Gegenteil von dem, was man gerne sieht: Verlässlichkeit in der Prognose von Handlungen.
Trump ist zwar wankelmütig in seinen Positionen und vor allem seiner Handlungsbereitschaft, aber nicht in seinen Interessensgebieten. Und Russland gehört nie dazu. Ein US-Präsident, der in ANDEREN Teilen der Welt Chaos stiftet, dürfte Putin sehr gelegen kommen. Als Rohstoffexporteur ist Russland zudem weitaus weniger auf eine ruhige Welt angewiesen als andere Wirtschaftsnationen. Unverzichtbare rohproduktlieferungen von A nach B vertragen weitaus mehr Chaos als komplexe Lieferketten und noch komplexere Zollsysteme für Luxusartikel.
Am Ende kann nämlich genau die Trump'sche Kritik an NATO und Verteidigungsausgaben zu dem führen, was Russland strategisch schadet: Eine militärisch stärkeres und von NATO / USA emanzipiertes Europa.
Ein militärisch starkes Europa schadet Russland aber nicht. Im Gegenteil: Putins Lügenmärchen von der Bedrohung durch die EU wäre viel leichter rüberzubringen, wenn die EU tatsächlich eine militärische Bedrohung für Russland sein könnte.
Zumal ich mir ohnehin nicht vorstellen kann, dass ein Trump die NATO tatsächlich sprengen kann.
Er ist zwar als US Präsident mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet, aber a) gibt es noch weitere Stäbe, die hier mit entscheiden und Einfluss nehmen und b) sind die 4 Jahre, die ihm bleiben, seine letzten als POTUS.
Nach ihm wird es weitergehen. Und auf jeden (mäßigen) Republikaner folgt auch stets wieder ein Demokrat.
Komplett sprengen ist unwahrscheinlich. Aber allein dass er das Vertrauen in die NATO massiv schwächt und koordinierte internationale Handlungen für vier Jahre unmöglich macht, würde den Einfluss des Westens in der Welt deutlich und über einen weitaus längeren Zeitraum schwächen. USA einzeln und EU einzeln bedeutet nichts weiter als das China der mit Abstand größte Akteur wird und der Rest des gerade erweiterten BRI(C)s zur Nummer 2. Zugleich fehlt alles, was die EU in "für den Fall der Fälle"-Militär steckt an anderer Stelle.
Dieser Mord passt aber irgendwie nicht richtig zum Zeitpunkt.
Wir haben jetzt die Sicherheitskonferenz, Natogipfel, Selensky in Berlin und dazu massive Erfolge der Russen in Avdiivka.
Warum also genau zu diesem Moment?
Er überdeckt alles und gibt politische Möglichkeiten in die Hand, die Hilfe wesentlich zu verstärken und eine gewisse " Müdigkeit" zu beseitigen.
Es wäre ein Schuss in das eigene Knie.
Eigentlich ist das genaue Gegenteil der Fall:
Bereits heute nehmen Sicherheitskonferenz, Israel und selbst der Rückzug der ukrainischen Armee eine größere Rolle in den Nachrichten ein als Nalwanys Tod. Ich sehe zwar auch keinen rationalen Anlass, ihn gerade an diesem Tag versterben zu lassen (auch wenn Putin eine Vorliebe für runde Jubiläen zu haben scheint), sodass der genaue Zeitpunkt auch schlicht zufällige Folge der lebensverkürzenden Haftbedingungen gewesen sein könnte. Aber wenn man ihn ohne viel internationales Heckmeck tot haben wollte, dann war jetzt der medial beste Zeitpunkt seitdem Nawalny überhaupt internationale Aufmerksamkeit erhalten hat.
Vielleicht gibt es einen innenpolitischen Grund, in die Richtung wurde jedenfalls am ehesten eine Message gesendet. Politisch war Nawalny noch nie von großer Bedeutung und ja genau deswegen noch am leben und leiden, während höherrangige russische Oppositionelle in den vergangen 1-2 Jahrzehnten weitaus wirkungsvollere "Unfälle" hatten. Aber kurz vor der Pseudo-Wahl musste Putin vielleicht noch mal in irgendeine Richtung betonen, dass sich politische Karrieren auch über "im Zuchthaus sitzen" hinaus entwickeln können, wenn man in Russland die Klappe aufmacht.
Ich glaube jetzt hast du mich falsch verstanden. Ich hatte geglaubt die würden irgendwo rumliegen, weil ich natürlich davon ausgegangen bin, das die USA oder DE den ganzen Markt auf der Welt längst befragt haben wer etwas zu verkaufen hat. das nun ausgerechnet das kleine Tschechien Quellen auf dem Weltmarkt gefunden überrascht auch. Wieso nicht die EU, oder DE etc. Aber es ist so wie es ist, ich beschwere mich bestimmt nicht über 800000 Granaten für die Ukraine in den kommenden Wochen.
DE hat bislang oft nur auf der Bremse gestanden und die USA haben praktisch ausschließlich aus eigenen Beständen und, in weitaus geringerm Maße, eigener Produktion abgegeben. Oder anders gesagt: Sie haben ihren Schrott verschifft und ihre Wirtschaft gefördert. Und das ist eigentlich auch Schema F in absolut jeder militärischen Entscheidung der USA.
Von daher ist es für mich keine große Überraschung, dass irgend ein anderer EU-Staat (oder Großbritannien) in Sachen internationale Verhandlungen weiter ist. Und zumindest für die 122er haben ex-Ostblockstaaten wie Tschechien vielleicht sogar die besseren Kontakte/Verhandlungspositionen. Das Problem bei dem Zeug ist schließlich nicht, dass es das nirgendwo gäbe, sondern dass man jemanden überreden muss, einen nenneswerten Teil seiner eigenen Verteidigung zu einem realistischen Preis zu verkaufen.