Am Ende des Tages ist es doch völlig egal, woher ich meinen Strom für die XYZ Watt bekomme.
Für 600W brauche ich bei einer Spannung von 12V insgesamt 50A Stromfluss. Die kann ich auch über eine Leitung laufen lassen, das ist überhaupt kein Problem.
Die Fragen sind im Wesentlichen:
- wie lange geht das gut?
- wie dick muss die Leitung sein?
- wie weit ist der Weg?
Alles andere lassen wir mal Außen vor.
In der Praxis wird nicht einfach eine 4 mm^2 oder 10 mm^2 Leitung genommen, weil das einfach sehr unpraktisch wäre. Stattdessen werden in der Regel bei ATX-Netzteilen AWG18-Leitungen mit einem Querschnitt von ca. 0,82mm^2 genommen und davon einige parallel geschaltet.
Mein altes NT zum basteln hat zum Beispiel:
2 x 12V am 24Pin
je 1x 12V an 3 x "Drives" für alle Molex/Sata-Anschlüsse
je 3 an 2 PCIe Anschlüssen für je 8/6-Pol-Strang
Insgesamt also 11 Leitungen, von denen mir 9 praktischerweise zur Verfügung stehen.
Darauf kann ich mir den Strom aufteilen wie ich lustig bin. Ob ich jetzt über eine Leitung 50 Ampere jage oder alles parallel schalte und je (50A/9
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5,55A drüberjage, fällt dem Netzteil erstmal nur auf, wenn es Gruppenreguliert ist und keine Brücke drin ist oder was schief läuft, was bei 50A über eine AWG18-Leitung früher oder später recht schnell gehen sollte, aber ich könnte ja auch wie oben beschrieben, einfach eine 4 mm^2 Leitung angelötet haben und es gäbe überhaupt keinen Grund zur Sorge.
Dasselbe gilt nochmal für Masse. Ich brauche schließlich Hin- und Rückleiter...
Die Frage ist also nur, wieviel Ampere wir unseren Leitungen, Anschlüssen und weiteren Teilen wie internene Leiterbahnen o. Ä. zumuten wollen oder können. Eine Grafikkarte mit einer einzigen Zuleitung anzuschließen ist überhaupt kein Problem, auch nicht eine mit 3 8-Pol-Steckern. Wenn ich mir einen Adapter baue, der stumpf alle 9 12V-Leitungen und alle Masseleitungen verbindet und das jeweil über eine ausrechend dicke Leitung verbinde und mit entsprechendem Netzteil versorge.
Der Unterschied vom 6- udn 8-Pol GPU-Anschluss zeigt das doch sehr deutlich, wenn man einen 6+2-Pol-Stecker in der Hand hält:
Über dieselben 3 12V-Leitungen "dürfen" einmal 75W und einmal 150W fließen, der Unterschied sind die Masseleitungen. (Nachtrag: Ok, laut spezifikaztion hat der 6-Pol eigentlich nur 2 12V Leitungen, aber das Prinzip bleibt dasselbe)
75W über 3Leitungen macht 25W pro Leitung, was knapp über 2A entspricht, 150W über 3 Leitungen macht 50W pro Leitung, was knapp über 4A entspricht. Über dieselbe Leitung. Der Unterschied ist, dass die Graka auf Pol 7 und 8 zusätzlich ein "Massesignal", also es liegt stumpf Masse an, signalisiert bekommt, dass ein 8-Pol drin ist und damit das Netzteil genug liefern können sollte.
Also zusammengefasst: Ich kann mir wenn ich will aus einer 12V Zuleitung und einer Masseleitung jeden beliebigen Adapter bauen, um jede beliebige 12V-Grafikkarte damit zu befeuern und es liegt an mir, dafür zu sorgen, dass Leitungsquerschnitte und Verbindungsklemmen das auch mitmachen. An 4 mm^2 brauche ich nicht mit Molex-Crimpkontakten ankommen.
Zum Basteln/Testen lasse ich über die klassischen Molex- oder PCIe-Verbinder maximal 8A kurzzeitig laufen, bei sehr kurzen Leitungswegen und viel Sicherheit. Mit etwas rumgesuche kommt man darauf, dass einige der Crimpkontakte auf 8A spezifiziert sind. Das sind die kritischen Teile, 8A über die 20cm 18AWG ist für nicht allzulange zeit nicht das Problem, eher das rein und rausstecken oder wackeln. Denke, da habe ich genug Reserve.
Für mehr Ampere bevorzuge ich dann feste Verbindungsklemmen und dickere Leitungen. Oder mehrere parallel.
Die Leitungen und Steckverbindungen von 6 und 8-Pol PCIe-Anschlüssen sind m.M.n. mit sehr viel Reserve ausgelegt.