AW: Wasserkühlungsguide - (Stand 16.04.12)
Das ist keine Theorie, sondern Beschreibung der beweisbaren Praxis. Theorie, wäre es wenn es sich dabei um eine noch nicht bewiesene bzw. bislang noch vollständig widerspruchsfrei beweisbare Behauptungen handeln würde.
Bin übrigens auch Praktiker, zumindest soweit es eben hilft - und das tut es oft

. Ein Ingenieur der nicht zum guten Teil Praktiker ist, ist aus meiner Sicht Physiker oder Chemiker aber kein Ingenieur - zumindest kein guter

. Der Unterschied zum reinen Praktikern besteht meines Erachtens vor allem darin, dass der Ingenieur in der Regel auch die theoretischen Grundlagen mitbeachtet und so weniger Fehler macht. Reine Praktiker machen gern alles wie man´s schon immer gemacht hat, ohne die Grundlagen zu reflektieren. Das geht in vielen Fällen zwar gut, aber eben lange nicht in allen. Das Übertragen von von rudimentär verstandenen Zusammenhängen von System A auf System B ohne die Randbedingungen zu beachten gehört da auch dazu. Ist ebenfalls nicht gegen dich gerichtet, aber das ist halt meine Erfahrung mit den reinen Praktikern

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Manches was vom Praktiker als schlechte Planung angesehen wird, hat btw oft recht handfeste Hintergründe - da sollte man auch als Praktiker nicht zu vorschnell urteilen. Man kann im Regelfall davon ausgehen, dass sich Ingenieure etwas Sinnvolles dabei denken, wenn es sie etwas planen, und dass Dinge die augenscheinlich komplizierter als nötig erscheinen, oft schon die einfachste Lösung darstellen, wenn man nur alle Randbedingungen kennt.
Die o.g. Dinge passieren jedenfalls Tatsächlich - auch in einer sauberen Wakü. Und ja auch in einer Wakü wird das Korrosionsinhibitor-Reservoir mehr oder weniger schnell verbraucht - das ist keine graue Theorie sondern Realität. Das Einzige worin wir uns hier unterscheiden ist die subjektive Bewertung dieser Tatsachen und deren Auswirkungen. Wie lange das dauert wäre eher eine Frage über die man diskutieren kann - da gibt´s recht große Spielräume, aber wer auf Nummer Sicher gehen will, ist zumindest bei einem üblichen Kupfer-Nickel-Lötzinn-Messing-Kreislauf mit einem jährlichen Wasserwechsel sicherlich recht gut bedient. Bei Alu im Kreislauf sieht das alles nochmal ganz anders aus.
Deine Ablagerungen im Kühler usw. sind nichts anderes als elektrochemische Korrosion (und im Falle der Schläuche reine Chemie, evtl. kombiniert mit Korrosionsprodukten). Die Frage ist nur wie man dies bewertet. Ich stimme mit dir überein, dass angelaufenes bzw. dünnschichtig korrodiertes Kupfer keinerlei messbaren Einfluss auf die Kühlleistung hat - auf die Optik unter einem Plexi-Deckel aber sehr wohl und auf den Wiederverkaufswert ebenfalls, wenn man den Kühler nicht mühsam restauriert. Es geht mir aber vor allem um die Fälle bei denen Korrosionsschutz wirklich wichtig ist. Das betrifft natürlich insbesondere all diejenigen die Alu im Kreislauf haben, oder großflächige Metallkombinationen mit potentiell hohem Korrosionspotential (Edelstahl-Kupfer) - da ist es das einfach äußerst sinnvoll und nicht nur reine Spielerei. Wenn da länger nichts passiert ist eher Glückssache (sprich dichte Eloxalschichten oder hochwertiger angriffspunktarmer rostfreier Stahl).
Ein sauberer Cu-Ni-SnAg-CuZn-Kreisläufen der nur 1 1/2 Jahr in Betrieb war, ist nicht gerade ein Paradebeispiel, für das was einem so an Korrosionsproblemen im Wakü-Bereich begegnet. Nichts desto trotz stellst auch du die von mir genannten Probleme fest, was die sog. "Theorie" doch sehr schön bestätigt. Korrosion besteht nicht nur aus makroskopisch sichtbaren Korrosionsnarben die zur Undichtigkeit führen. Das sind Ausnahmefälle die bei Cu-Ni-SnAg-CuZn-Kreisläufen äußerst selten vorkommen. Nein, ich meine damit tatsächlich die Art Korrosion die z.B. in deinem System stattgefunden hat - flächendeckend oder punktuell aber in jedem Fall einfach unschön - mehr nicht.
Ich stimme auch vollkommen mit dir überein, dass eine gründliche Reinigung des Systems das A und O ist, wenn eine Wakü möglichst lange sauber bleiben soll (wobei das nun teilweise mit Korrosion zu tun hat) und auch, darin, dass in einem Cu-Ni-SnAg-CuZn-Kreislauf selbst ganz ohne Korrosionschutz innerhalb kurzer Zeiträume hinsichtlich böser Korrosion (sichtbare Korrosionsnarben bis zur Undichtigkeit) selten etwas passiert. Auf lange Frist ist das hingegen etwas anders zu bewerten und die optischen Nachteile hast du ja selbst schon festgestellt. Das mit den Schläuchen muss man dabei aber separat betrachten, denn dagegen hilft Korrosionsschutz im Regelfall wenig (je nach Qualität der Schläuche bewirkt er evtl. sogar das Gegenteil). Andereseits können auch ausgeschwämmte korrosionsprodukte Schläuche trüben - hier beißt sich Katze also in den Schwanz. Die Lösung sind qualtitiv hochwertige oder gefärbte (vorzugsweise schwarze) Schläuche - dann leidet zumindest dort nicht die Optik. In eminem Fall sind Kupferrohre verbaut - das erübrigt sich das Thema ganz

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Was die angebliche Geldschneiderei angeht: Es zwingt dich doch niemand teure Fertigmischungen zu verwenden

. Eine 1,5l-Flasche G48 Konzentrat kostet weniger als ein Liter vieler Fertigmischungen und reicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag - selbst wenn man halbjährlich das Kühlmittel wechselt - und AquaDest. ist sowieso kein ernst zu nehmender Kostenpunkt. Nur falls einem die Farbe von G48 nicht passt (insbesondere wenn man transparentes Kühlmittel will) muss man auf teurere Fertigmischungen ausweichen - das ist aber eher ein Luxusproblem . Andere Farben sind mit G48 btw machbar und auch langzeitstabil. Habe selbst rote, grüne und tiefblaue Mischungen mit bestimmten Druckertinten im Langzeitversuch als tauglich verifizieren können (Testdauer inzwischen > 2 Jahre).
Was den Wartungunsfreundlichen Aufbau vieler Waküs angeht, ist das lediglich eine Frage von Können und Wollen. Wer auch nur ein Fünkchen Gehirnschmalz in den Aufbau steckt wird normalerweise eine zufriedenstellenden Lösung für diese Problematik finden. Dabei muss es ja nicht mal die Non-Plus-Ultra-Lösung sein, bei der Wasser bis zum letzten Tropfen ohne Weiteres Zutun ausläuft. Es geht ja nur darum das Kühlmittel zum allergrößten Teil problemlos ablassen zu können und Neues nachzufüllen.
Wer das nicht hinkriegt legt sicherlich auch sonst keinen Wert auf einen optimale Wakü - das muss ja nicht der Maßstab sein

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In meinem neuesten Wakü-Rechner ist zur Zeit beispielsweise gar kein Korrosionschutz. Hab allerdings auch nur zwei kurze schwarze PVC-Schlauchstücke mit wenig Weichmacheranteil (der Rest sind Kupferrohre), eine unbeleuchtete POM-Aquatube und keine Kühler mit Plexiglasdeckeln im Kreislauf. Der Pumpendeckel ist vernickelt. Ansonsten hat nur POM, 1.4301, der Kunststoff des Pumpengehäuse und die Pumpenlagerung Wasserkontakt. Abgesehen davon sind natürlich alle Komponenten vor dem Einbau gründlich gereinigt worden. In so einem System stört die, ohne Korrosionsschutz unvermeidliche Flächenkorrosion wenig, weil sie nirgends sichtbar werden kann - zumal ich nicht vor habe davon irgendwelche Komponenten zu Zeiten wieder zu verkaufen, zu denen sie noch einen hohen Wert haben (bin kein ständiger Graka-Wechsler und der Kühler auf er CPU ist sowieso unverkäuflich, da Eigenbau).
Wie du siehst ist es wirklich eine Abwägungsfrage, mit dem Korrosionsschutz. Nur bei Alu im Kreislauf ist er, genau wie sein regelmäßiger Austausch, absolut Pflicht und in normalen Cu-Ni-SnAg-CuZn-Kreisläufen ist es Unsinn ihn nicht nach angemessener Zeit (bei üblichen Konzentrationen jährlich) auszutauchen, da man ihn sich im Ergebnis sonst auch ganz sparen könnte und dann eben gleich die Auswirkungen zu sehen bekommt. Worüber man sich aber auch bewusst sein sollte, ist die Tatsache, dass Korrosionschutz zwar die übliche Flächenkorrosion recht zuverlässig unterbindet, aber gegen Spaltkorrosion haben Korrosioninhibitoren nur wenig Wirkung. Da sollte man besser Konstruktiv vorsorgen, wenn einen das stört (keine vernickelten Gewinde in Kufperblöcke schrauben sondern besser nur in POM). Ganz vermeiden lässt sich da jedoch auf Dauer in den seltensten Fällen an allen Anschlüssen. Kommt aber auch bisschen auf die Qualität der Beschichtungen an.