.... Ich finde es daher so schade, dass hier verglichen mit den Vorjahren kaum noch etwas los ist. Die Leute ziehen weiter. Doch, wohin? ...
Das ist eine gute Frage, die ich mir auch regelmäßig stelle, ohne fundierte Antworten zu finden. Ich bin, meinem Alter geschuldet, seit den ersten Tag des Internets dabei. Früher noch mit Modem, oder direkt am Rechenzentrum arbeitend mit ausreichend schneller Leitung. Und schon vor dem heutigen Internet schuf ein guter Freund das erste Voicemail Forum, in dem sich in einem steuerbaren Anrufbeantworter mit Unterforen ungefähr hundert Menschen "unterhielten" und allerlei Schabernack anstellten.
Das war damals eine ganz neue Form der Kommunikation. Reden mit Unbekannten nur der Sache wegen. Austausch von Informationen, Hilfen und anderem. Alle, die damals mitmachten, gaben und nahmen,. es war ziemlich ausgeglichen, anarchisch, höflich, offen und ofrtauch sehr hart. Aber immer menschlich fair.
Und in all den vielen Jahrzehnten habe ich so ziemlich alle Forenarten durch, von politischen, medizinischen, naturwissenschaftlichen, technischen, juristischen etc und in allen erlebt man denselben Wandel. Ich identifiziere drei mögliche Gründe.
Erstens der im Rahmen der neokapitalistischen Umformung der Gesellschaft steigende Egoismus, der nur dazu führt, dass Foristen Hilfe abgreifen, aber keine mehr geben. Damit zerfällt die Forenkultur.
Zweitens war die Einführung der Bewertungen, insbesondere der Negativbewertungen, ein Totesstoß. Anstatt offen seine Meinung zu sagen und Meinungen anderer argumentativ zu beantworten, wurde nur "mag ich" oder "mag ich nicht" gedrückt. Das führt zu massiver Normierung, zu Frust und Aggression und ebenso zu absurder positiver Bestätigung.
Drittens waren es die großen sozialen Medien. Hatten wir früher hunderte kleine Foren, schrumpfte alles auf eine Handvoll zusammen, die dann auch noch Suichtkriterien bedienten.
Und diese drei Gründe sind meiner Meinung wesentlich, wenn es um die Frage geht " Wohin ziehen die Leute denn". Auf jedemfall weg von den kleinen Foren hin zu riesigen und am Ende ganz weg, weil es einfach zu viel und zu blöd wird. Ich bin schon mehrmals komplett ausgesteigen, einfach, weil der Spaß weg war, die Leichtigkeit, der Nutzen.
Von daher ist es meiner Meinung nach eine ganz normale Entwicklung, dass hier Leute kommen und gehen. Und wenn leute gehen, sollte man das auch akzeptieren und nicht großartig nachbohren. In Fällen von Krankheit wäre es natürlich schon schön, so etwas zu hören, dann hätte ich Threshold z.B. einen selbstgebackenen Kuchen ins Krankenhaus geschickt.
Ion hab ich früher total gemocht. Es gab unendlich viele lange Diskussionen, liebevoll PN Kontakte, und überhaupt eine ganz tolle Userin. Vermisse ich sehr. Auch wenn es spannende Neuzugänge gibt, gerade in der Redaktion.
Apropos Redaktion, was machten eigentlich der Carsten Spille? Den zog es ja irgendwann nach Hannover und er wurde dann hier auch ganz leise. Sehr schade, das war extrem fundiert. Aber die Nachfolger sind es natürlich auch.