Was ist los in Syrien?

Als Deutschland aufgebaut wurde, haben sich auch eine Menge Länder eingemischt, trotzdem war das Land stabil, weil es eben keine Differenzen innerhalb der Bevölkerung gab.
Das ist im Irak aber nun mal nicht der Fall und das nutzen dann auch die anderen Länder aus -- allen voran der Iran.
Die sind meiner Erachtens schon daran interessiert, dass die Schiiten dort die Macht haben und die Sunniten klein gehalten werden.

Und weil sich das in den letzten 12 Jahren nicht großartig geändert hat, wird es aus meiner Sicht auch in 12 Jahren nicht großartig anders sein.
Mag sein, dass der Westen mit Russland zusammen den IS militärisch zerschlagen können, weiß ich nicht, aber letztendlich wird sich am Problem an sich nicht viel ändern.
Ich muss nur mal nach Afghanistan schauen. Dort herrschen die Taliban inzwischen fast schon wieder so, wie vor 2001.
Was hat der Krieg dort also gebracht? Geht es der Bevölkerung besser als vorher?
Die gleiche Frage kannst du auch für den Irak stellen.
Du hast einen Diktator entsorgt und dafür hat sich nun eine Gruppe gebildet, die völlig fern des normalen Verstandes agiert.
Ich selbst hab keine Ahnung, wie das enden wird, aber die Iraker -- und ich meine die Iraker -- haben es selbst in der Hand, dass sich was daran ändert.
 
Vor allen Dingen gab es nachher (und zwar nach gerade einmal 4-6 Jahren) Friede, Stabilität und Unterstützung - und eine in weiten Teilen funktionierende Infrastruktur.
Im Irak gab es nachher (nach 40-60 Jahren Unterdrückung, Chaos und Gewalt!) Machtfolgekämpfe, Terror und externe Einmischung, aber keine Infrastruktur.




"Die" Iraker?



Kein schlechter Vergleich. Die Konflikte in Somalia verlaufen zum Teil bis heute entlang von Kolonialgrenzen und begannen, nachdem eine vom Westen (zuvor aber auch von der UdSSR - das ist ungewöhnlich) massiv unterstützte Diktatur kollabierte. Art und Weise der Einmischung in der ersten Hälfte des 20. Jhd. schwanken zwar (Kolonie, enge Zusammenarbeit mit lokalen Monarchien, Putsch durch unterstützte Parteien,...) - aber die Grundzüge "Schaffung von Spannungen" und "Unterstützung von Unterdrückern" findet sich so tatsächlich auch im Irak. Und in Afghanistan. Und auch in quasi jeder anderen Ecke Vorderasiens - einschließlich Syriens.




Und jedes mal machen sie es mit fleißiger Unterstützung von außen.



An Religionen liegt es nicht und westliches (oder in der Vergangenheit auch russisches) Handeln sind auch nicht die Auslöser. Aber wie lächerlich wären wohl viele kritische Konflikte ohne Waffenlieferungen von NATO-Mitgliedern/-Verbündeten oder UdSSR gewesen? Ohne Petro-Dollars? Ohne geheimdienstliche Einmischung?

Konflikte gibt es in der Gegend seit Jahrhunderten. Aber erst seit einigen Jahrzehnten gehen sie mit Sturmgewehren, Panzerfäusten, Artillerie und Luftschlägen gegen Zivilsten einher - und mit der daraus folgenden Eskalation.

Da stimme ich dir in allen Punkten zu !!!
 
Als Deutschland aufgebaut wurde, haben sich auch eine Menge Länder eingemischt, trotzdem war das Land stabil, weil es eben keine Differenzen innerhalb der Bevölkerung gab.
Außerdem hat man zwar paramilitärische Truppen gegen den Feind aufgebaut, aber nur für die Notfall zurückgehalten.
Welch ein Wunder. Mal wieder an einem Freitag gibt es Vorfälle, die nichts mit dem Islam zu tun haben.
Ja das hat was mit dem Islam zu tun, aber dauernd darauf hinzuweisen bringt genau so wenig wie es abzustreiten.
Wir brauchen eine andere Lösung für den Islam. Am besten eine mit der jeder Leben kann und die Gewaltfrei erreicht wird.
 
Ja das hat was mit dem Islam zu tun, aber dauernd darauf hinzuweisen bringt genau so wenig wie es abzustreiten.
Wir brauchen eine andere Lösung für den Islam. Am besten eine mit der jeder Leben kann und die Gewaltfrei erreicht wird.

Wie soll man mit einer Ideologie eine gewaltfreie Lösung finden, wenn man nach dieser Ideologie per Definition ein Ungläubiger ist?

Wir haben es lange genug mit Appeasement gegenüber dem Islam probiert. Dieses Konzept ist doch offensichtlich gescheitert.
 
Wir haben es lange genug mit Appeasement gegenüber dem Islam probiert. Dieses Konzept ist doch offensichtlich gescheitert.
Wiedermal hast du recht.

Aber Religion ist doch wie Marx sagt Opium für das Volk, aber wer verabreicht dieses Opium hauptsächlich?
Wo werden die Imame ausgebildet und in welcher Sprache werden die Gottesdienste gehalten und die Gebete gebetet?

Das sind Punkte an denen wir ansetzen können, kein Appeasement, den Islam an den Westen anpassen.
 
Das Problem ist halt, dass es nicht den Islam gibt.
Jeder interpretiert das anders und jeder lebt das anders und einige suchen sich eben Verse heraus und sehen nur die und blenden alles andere aus und pervertieren somit den Koran.
Man muss die Leute einfach aus den Moscheen jagen, die diese Art der Pervertierung durchführen und auch die verfolgen, die das finanzieren.
 
Das Problem ist halt, dass es nicht den Islam gibt.

Natürlich gibt es den. Gelebt von Mohammed und niedergeschrieben im Koran.

Jeder interpretiert das anders und jeder lebt das anders und einige suchen sich eben Verse heraus und sehen nur die und blenden alles andere aus und pervertieren somit den Koran.

Es ist doch eher so, dass die Ideologie pervertiert ist, die solche Tötungslegitmation hat. Außerdem pervertiert der IS den Koran nicht, sie leben ihn und sie leben wie ihr Prophet Mohammed.

Islamkritiker Hamed Abdel-Samad rechnet mit dem Propheten ab - DIE WELT

Man muss die Leute einfach aus den Moscheen jagen, die diese Art der Pervertierung durchführen und auch die verfolgen, die das finanzieren.

Also unsere bisherigen Partner Saudi-Arabien und Katar z.b.?

Zusatzfrage: Wenn der Koran pervertiert wird und missverstanden wird, warum gibt es denn in keinem Land der Welt, in dem der Islam die Macht hat, Demokratie, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Rede-, Presse- und Meinungsfreiheit, sowie den Schutz von sexuellen und religiösen Minderheiten?

Hat im Zweifel auch nichts mit dem Islam zu tun.
 
und Katar z.b.?

Zusatzfrage: Wenn der Koran pervertiert wird und missverstanden wird, warum gibt es denn in keinem Land der Welt, in dem der Islam die Macht hat, Demokratie, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Rede-, Presse- und Meinungsfreiheit, sowie den Schutz von sexuellen und religiösen Minderheiten?

Hat im Zweifel auch nichts mit dem Islam zu tun.

Das gab es in Ländern, in denen das Christentum an der Macht war, ebenfalls nicht. Das gab es im antiken Griechenland ebenfalls nicht.

Und auch heute gibt es Christliche Länder, welche einige Punkte, der von dir aufgezählten Rechte, nicht haben.

Allein der Vatikanstaat hat keine Gleichberechtigung von Mann und Frau...
 
Das bestreite ich auch gar nicht. Der Unterschied ist nur, es gibt christliche Länder die all das haben. Es gibt einen jüdischen Staat, der all das hat.

Es gibt aber nunmal keinen islamischen Staat der all das hat. Das ist der Unterschied.
 
Das sind Punkte an denen wir ansetzen können, kein Appeasement, den Islam an den Westen anpassen.

Dieses "an den Westen anpassen" ist einer der wichtigsten Gründe, warum der Westen als Feind wahrgenommen wird. Solange wir nicht lernen, auf Augenhöhe gegenüber zu treten und nur dann mitzuwirken, wenn wir dazu aufgefordert werden, werden wir überhaupt nichts erreichen.


Zusatzfrage: Wenn der Koran pervertiert wird und missverstanden wird, warum gibt es denn in keinem Land der Welt, in dem der Islam die Macht hat, Demokratie, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Rede-, Presse- und Meinungsfreiheit, sowie den Schutz von sexuellen und religiösen Minderheiten?

Hat im Zweifel auch nichts mit dem Islam zu tun.

Hat etwas mit Religion beziehungsweise mit offensichtlichen Sprachunkenntnissen zu tun.

"Demokratie": "Herrschaft des Volkes"
Per Definition kann in einer Demokratie keine Religion an der Macht sein. Und passend hierzu sind alle Staaten auf der Welt, in denen der Islam, das Christentum, der Buddhismus,... an der Macht sind, undemokratisch.

Ähnliches gilt für Presse-/Meinungsfreiheit und dem Umgang mit religiösen Minderheiten beziehungsweise mit Ungläubigen. Das ist nämlich alles das Gleiche, wenn eine Religion an der Macht ist, die aus ihrem Selbstverständnis heraus die einzige, ultimative Wahrheit verkündet (wie dies alle monotheistischen Religionen machen). Jede von dieser "Wahrheit" abweichende Ansicht ist eine Form von Unglaube und ein Widerspruch gegenüber der machthabenden Instanz. Und wie in jeder anderen Herrschaftsform auch geht diese mit Nachteilen für die Abweichler einher. (Wobei die meisten Interpretationen des Islams hier im Vergleich zu anderen Religiös regierten Gesellschaften gut abschneiden, nicht zuletzt da der Koran die Angehörigen einiger anderer Religionen unter Schutz stellt, solange diese sich nicht offen gegen den Islam betätigen.)

Der einzige tatsächlich islamspezifische Punkt in der Auslistung sind die Rechte von Mann und Frau. Da liefert der Islam klar abgegrenzte Rollenbilder, die sich zum Teil in islamischer Rechtssprechung niederschlagen. Nüchtern betrachtet bestände aber gerade hier hohes Reformpotential, wenn nicht mittlerweile alle Verbesserungsvorschläge aus westlicher Richtung als Imperialismus aufgefasst werden würden. Denn zum einen weisen viele Staaten mit auf dem Islam basierten Rechtssystem einiges an Nachholbedarf auf, was die Durchsetzung von Pflichten für ein Geschlecht angeht, zum anderen waren die Verteilung von Rechten und Pflichten mal als Gleichberechtigung gedacht – und gemessen an den damaligen Verhältnissen und dem Vergleich zu Europa, wo Frauen eher kostenfreie Sklaven waren, war sie das auch. Erst durch die Ent- beziehungsweise Aufwertung verschiedener Funktionen im Laufe der Zeit resultierte aus der starren Verteilung auf Aufgabengebieten eine Ungleichbehandlung.
 
Tja man braucht halt ein Talent dafür und wenn man das in Deutschland schafft dürfte das ein respektabler Anfangserfolg sein.
 
Dieses "an den Westen anpassen" ist einer der wichtigsten Gründe, warum der Westen als Feind wahrgenommen wird. Solange wir nicht lernen, auf Augenhöhe gegenüber zu treten und nur dann mitzuwirken, wenn wir dazu aufgefordert werden, werden wir überhaupt nichts erreichen.

Das sind nur ein paar Gedanken dazu: Dieses "an den Westen anpassen" kann man auch schlicht als Aufklärung begreifen, die in ihrer Konsequenz den Umbruch in die Moderne bedeutet. Es hat so gesehen vielleicht weniger etwas mit einer vom Westen aufgezwungenen Ideologie, als mehr mit einem, ich sag mal, sozialevolutionären Schritt, der durch wissenschaftliche Erkenntisse, die die Bedeutung von Mensch und Universum in den letzten 100, 200 Jahren entscheidend umgewälzt haben, zu tun. Es geht vielleicht mehr um Einsichten der Vernunft, der sich die theokratischen Länder anpassen müssen. Einfach ausgedrückt: Die leben noch im Mittelalter und ihr Gegner ist in Wahrheit nicht der Westen, sondern die Neuzeit.

Aber das sind wirklich nur Gedanken. Das Thema ist so komplex, ich hab da keine feste Meinung.

Allerdings gibt es auch ein paar sehr praktische Gründe, weshalb sich die theokratischen Länder "an den Westen anpassen" müssen. Erstens hat es keinen Sinn, Menschen anderer Religionen zu bekämpfen oder auch nur gering zu schätzen. Das ist völlig atavistischer Bockmist, der nur allzu oft im sinnlosen Blutvergießen endet. Mit einer westlichen Lebensweise, die auf Gleichheit und Toleranz gründet, wäre dort unten DIE Triebfeder für Konflikte überhaupt beseitigt. Zweitens ist der Iran in seiner jetzigen Form eine erhebliche Bedrohung für Israel. Würde der Westen nur mitwirken, wenn er dazu aufgefordert wird, dann würden da möglicherweise bald die Atombomben fliegen. Natürlich wieder völlig sinnlos. Drittens bestünde dann wohl auch die erhöhte Gefahr, dass eine radikale Splittergruppe wie der IS an Atomwaffen käme, was natürlich ebefalls völlig fatal wäre. Und viertens hat sich mit dem Arabischen Frühling angekündigt, dass viele Menschen der arabischen Welt mehr Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie wollen, und zwar aus eigenen Stücken. Die Aufstände waren DAS Signal, dass die Masse der Menschen dort für eine westlichere Lebensweise mehr als nur offen ist. Stell dir mal vor, alles wäre so gekommen wie in Tunesien, wäre das nicht besser für alle gewesen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Das sind nur ein paar Gedanken dazu: Dieses "an den Westen anpassen" kann man auch schlicht als Aufklärung begreifen, die in ihrer Konsequenz den Umbruch in die Moderne bedeutet. Es hat so gesehen vielleicht weniger etwas mit einer vom Westen aufgezwungenen Ideologie, als mehr mit einem, ich sag mal, sozialevolutionären Schritt, der durch wissenschaftliche Erkenntisse, die die Bedeutung von Mensch und Universum in den letzten 100, 200 Jahren entscheidend umgewälzt haben, zu tun. Es geht vielleicht mehr um Einsichten der Vernunft, der sich die theokratischen Länder anpassen müssen. Einfach ausgedrückt: Die leben noch im Mittelalter und ihr Gegner ist in Wahrheit nicht der Westen, sondern die Neuzeit.

Der Westen wird aber in erster Linie als korruptes, imperialistisches System gesehen, an dem sich einige wenige exorbitant bereichern und die meisten anderen nur tatenlos daneben stehen.
Und so unrecht haben sie ja auch nicht, wenn man sich die Verzahnung von Finanzwesen, Politik und Konzernen so anschaut.
Der Emissionsbetrug des VW Konzers ist ja auch politisch akzeptiert worden, ebenso die Machenschaften anderer Konzerne im Bereich Bestechung und die "Steuervermeidung" von Großkonzernen ist ebenso politisch gewollt.
 
Als Deutschland aufgebaut wurde, haben sich auch eine Menge Länder eingemischt, trotzdem war das Land stabil, weil es eben keine Differenzen innerhalb der Bevölkerung gab.
Das ist im Irak aber nun mal nicht der Fall und das nutzen dann auch die anderen Länder aus -- allen voran der Iran.
Die sind meiner Erachtens schon daran interessiert, dass die Schiiten dort die Macht haben und die Sunniten klein gehalten werden.
Kleiner Exkurs in die Geschichte des Irak und warum der Vergleich mit Deutschland einfach so nicht sinnvoll ist, da es komplett andere Voraussetzungen gab:
Das war generell ein Problem im nahen Osten. Da haben immer viele Länder mitgemischt weil es dort Öl gab. Das spielte schon zur britischen Kolonialzeit seine Rolle und die Iraker selbst hatten die allermeiste Zeit keine Möglichkeit zur Selbstbestimmung.
Der Irak gleicht vielen afrikanischen Staaten deren Grenzen willkürlich am Reißbrett gezogen wurden, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung. Das sowas in vielen Fällen gar nicht funktioniert sah man ja auch in Europa. Im Irak gibt es auch sehr viele Volksgruppen bzw Angehöriger verschiedener Religionen.
Das gibts unter anderem die Kurden im Norden, ebenso wie die Turkmenen, Sunniten im Westen und im Zentralirak, Schiiten in Nadschaf und Basra und dann hat man noch assyrisch-christliche Kultur in manchen Städten im Norden. Hat die damals überhaupt jemand gefragt, ob sie mit den anderen in einem Staat leben wollen, ob sie sich als "Iraker" fühlen? Da gibts nicht die große Identifikation mit dem Staat Irak wie in Deutschland, oder Frankreich oder England. Das macht die Situation nicht leichter.
Du darfst nicht vergessen das der Irak erst 1932 unabhängig wurde, zumindest am Papier. Da gab es Deutschland bzw den Vorläufer schon Jahrzehnte. Die heutigen Grenzen wurden damals hauptsächlich von Churchill gezogen.
Dann kommt eine Zeit der "Fremdherrschaft" durch Ölkonzerne, genannt "Seven Sisters". Die Ölkonzerne traten als Kartell auf und teilten sich Förderung etc unter sich auf. Welche Konzerne da jetzt dabei waren weiß ich nicht genau, kann man aber leicht herausfinden. Dieses Kartell wurde extrem mächtig und als eine FOlge davon wurde die OPEC in Bagdad gegründet. Als dann in den 60er Jahren die Baath-Partei an die Macht kam und dann ein gewisser Saddam Hussein die Erdölindustrie 1975 verstaatlichte.
Das sind seit der Staatsgründung nun fast 40 Jahre in denen man komplett von den ausländischen Firmen abhängig war. Danach folgte die Herrschaft Saddams mit Unterdrückung, Gewalt und Terror, keine guten Voraussetzungen für einen Frieden innerhalb der Bevölkerungsgruppen. Dazu der Krieg gegen die Kurden, den Iran, USA und so weiter.

Da kommt kein Nationalgefühl auf wie in Deutschland. Und Nationalgefühl meine ich nicht negativ. Es gibt zwar auch in Deutschland Unterschiede zwischen den Bundesländern und später zwischen Ost und West, aber davor gab es zumindest schon einmal Deutschland. Dieses Deutschland hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Der Irak nicht.
Dazu kommt halt die in Rückschau betrachtet ungünstige Lage über dem Erdöl, denn das hat einfach Begehrlichkeiten geweckt und stand im Vordergrund. Was mit den Irakern passierte, war nachrangig.

Die gleiche Frage kannst du auch für den Irak stellen. Du hast einen Diktator entsorgt und dafür hat sich nun eine Gruppe gebildet, die völlig fern des normalen Verstandes agiert.
Ich selbst hab keine Ahnung, wie das enden wird, aber die Iraker -- und ich meine die Iraker -- haben es selbst in der Hand, dass sich was daran ändert.
Die Amis haben Saddam doch nicht entsorgt um den Irakern etwas gutes zu tun.
Und wie schon gesagt, "die Iraker", da musst du einen anderen Maßstab ansetzen. Du kannst "die Iraker" nicht mit "den Deutschen" oder "den Franzosen" vergleichen, warum habe ich oben erklärt.
Der Irak, wie wir ihn nun kennen, wäre vermutlich nie so entstanden.
Dazu fehlt dem Land leider die Identität, die Geschichte. Museen wurden ja beim Einmarsch der USA geplündert, historische Stätten werden vom IS vernichtet. All das sind Faktoren die keineswegs zu einem gemeinsamen Nationalgefühl führen. Zusätzlich zu den anderen Dingen die ich aufgezählt habe.

Wie soll man mit einer Ideologie eine gewaltfreie Lösung finden, wenn man nach dieser Ideologie per Definition ein Ungläubiger ist?

Wir haben es lange genug mit Appeasement gegenüber dem Islam probiert. Dieses Konzept ist doch offensichtlich gescheitert.

Gegenüber "dem Islam"? Setzt du jetzt alle Muslime mit den Leuten des IS oder jenen die die Scharia anwenden gleich?
Demnach müssten ein sehr großer Prozentteil der Muslime (die normalen Muslime, nennt man auch gemäßigt) den Islam falsch leben, was absurd ist.

Wiedermal hast du recht.
Aber Religion ist doch wie Marx sagt Opium für das Volk, aber wer verabreicht dieses Opium hauptsächlich?
Wo werden die Imame ausgebildet und in welcher Sprache werden die Gottesdienste gehalten und die Gebete gebetet?
Das sind Punkte an denen wir ansetzen können, kein Appeasement, den Islam an den Westen anpassen.
Marx bezieht das aber auf alle Religionen. Keine Religion ist für ihn wirklich gut, da macht er keinen Unterschied zwischen Islam, Christentum etc.
Den Islam an den Westen anpassen? Wieso? Damit stellt man sich automatisch über die Gesamtheit der Muslime. Da ist Ablehnung eine logische und verständliche Konsequenz.
Das wäre das gleiche wenn die USA nun hergehen und sagen: Wir müssen die europäische Wirtschaft an die Wirtschaft der USA anpassen, oder einfach man solle das anglo-amerikanische Einheitensystem einführen, weil es besser ist. (Nur Beispiele) Hättest du auch nicht so gern oder?

Das bestreite ich auch gar nicht. Der Unterschied ist nur, es gibt christliche Länder die all das haben. Es gibt einen jüdischen Staat, der all das hat.
Es gibt aber nunmal keinen islamischen Staat der all das hat. Das ist der Unterschied.
Die Türkei hatte es. Aber nun macht man dort leider 3 Schritte zurück.
Christliche Länder haben das alles, ja, sehr oft aber nur am Papier.
Ach ja, in Russland gibt es auch eine christliche Religion, aber mit Meinungsfreiheit und gelebter Demokratie hat man es da auch nicht so ;)

Das sind nur ein paar Gedanken dazu: Dieses "an den Westen anpassen" kann man auch schlicht als Aufklärung begreifen, die in ihrer Konsequenz den Umbruch in die Moderne bedeutet. Es hat so gesehen vielleicht weniger etwas mit einer vom Westen aufgezwungenen Ideologie, als mehr mit einem, ich sag mal, sozialevolutionären Schritt, der durch wissenschaftliche Erkenntisse, die die Bedeutung von Mensch und Universum in den letzten 100, 200 Jahren entscheidend umgewälzt haben, zu tun. Es geht vielleicht mehr um Einsichten der Vernunft, der sich die theokratischen Länder anpassen müssen. Einfach ausgedrückt: Die leben noch im Mittelalter und ihr Gegner ist in Wahrheit nicht der Westen, sondern die Neuzeit.
Leider sind wir schon länger nicht mehr in der Moderne, sondern in der Postmoderne.
Aufklärung, hmm, klingt gut, ja, wäre ich dafür. Funktioniert von außen aber nur sehr schwer, wenn überhaupt. Das was wir heute unter Aufklärung verstehen war ein längerer Prozess, der wie etwa in Frankreich von innen heraus in Gang gesetzt wurde.
Man könnte es vielleicht mit dem arabischen Frühling vergleichen, auch wenn der in vielen Teilen gescheitert ist. Aber auch in Europa waren nicht alle Revolutionen erfolgreich. Aufklärung passiert nicht von heute auf morgen oder innerhalb eines Jahres, leider, das dauert.
Die Macht der Religion ist groß, auch heute noch. Schau dir an wie lange es gedauert hat bis die katholische Kirche naturwissenschaftliche Erkenntnisse akzeptiert hat. Das geht leider nicht so schnell wie wir uns das wünschen.

Allerdings gibt es auch ein paar sehr praktische Gründe, weshalb sich die theokratischen Länder "an den Westen anpassen" müssen. Erstens hat es keinen Sinn, Menschen anderer Religionen zu bekämpfen oder auch nur gering zu schätzen. Das ist völlig atavistischer Bockmist, der nur allzu oft im sinnlosen Blutvergießen endet. Mit einer westlichen Lebensweise, die auf Gleichheit und Toleranz gründet, wäre dort unten DIE Triebfeder für Konflikte überhaupt beseitigt. Zweitens ist der Iran in seiner jetzigen Form eine erhebliche Bedrohung für Israel. Würde der Westen nur mitwirken, wenn er dazu aufgefordert wird, dann würden da möglicherweise bald die Atombomben fliegen. Natürlich wieder völlig sinnlos. Drittens bestünde dann wohl auch die erhöhte Gefahr, dass eine radikale Splittergruppe wie der IS an Atomwaffen käme, was natürlich ebefalls völlig fatal wäre. Und viertens hat sich mit dem Arabischen Frühling angekündigt, dass viele Menschen der arabischen Welt mehr Freiheit, Gleichberechtigung und Demokratie wollen, und zwar aus eigenen Stücken. Die Aufstände waren DAS Signal, dass die Masse der Menschen dort für eine westlichere Lebensweise mehr als nur offen ist. Stell dir mal vor, alles wäre so gekommen wie in Tunesien, wäre das nicht besser für alle gewesen?
Ich weiß nicht inwiefern der Westen, bzw dort im Nahen Osten wir "der Westen" ja zumeist von den USA verkörpert bzw mit den USA gleichsetzt wirklich in der Position ist zu sagen: Wir sind tolerant und schätzen Gleichheit, ihr habt das nicht und deswegen macht es doch so wie wir es machen.
Denn so etwas impliziert doch ein "wir sind besser, wichtiger, schlauer", selbst wenn es nicht so gemeint ist. Ein praktisches Beispiel: Land X wirtschaftet auf eine gewisse Weise halbwegs erfolgreich und irgendwann kommt Land Y und sagt: "Hey, ihr seit von der Technik und Planung usw sowas von veraltet, macht es doch so wie wir". Da wird man vermutlich nicht auf so viel Gegenliebe stoßen. Das ist jetzt an sich ja nichtmal negativ, viele Menschen wollen halt in gewissen Bereichen keine Einmischung.
Besser für alle? Das ist mutig zu sagen. Aus unserer Sicht sicher, aber die Übernahme unserer Sicht würde dort eine Paradigmawechsel in der Denkweise der meisten Menschen erfordern. Und das braucht Zeit.
Der arabische Frühling war eine Gelegenheit, die vom Westen verpasst wurde. Man hat halt wieder die eigenen Interessen bevorzugt und letzten Endes gehofft, das sich alles in Wohlgefallen auflöst. So etwa: Helfen wir bei der Revolution etwas mit und dann werden sie schon hoffentlich eine Lösung finden". Leider hat man dort den religiösen Fundamentalismus unterschätzt, außerdem waren die "Aufständischen" ja auch nicht komplett vereint in ihren Ideen. Und die konnten sich teilweise nicht einigen und der lachende Dritte war entweder das Militär oder Fundamentalisten.
 
Threshold


Na ja, der Westen ist aber unendlich mehr als nur ein korruptes, imperialistisches System. Er steht auch für Humanismus, Bildung, Pragmatismus, kritisches Hinterfragen usw. Alles Dinge, die die islamischen Machthaber nicht brauchen, solange sie ideologische Abweichler/Kritiker wegen "Abfall vom Glauben" in den Knast schicken und mundtot machen können. Man glaubt halt das, was man seit Jahrhunderten glaubt und versteckt sich hinter einer riesigen Mauer der Ignoranz. Aber wie lange wird diese Mauer noch halten?

Prügelstrafe für Blogger in Saudi-Arabien: Die nächsten 50 Peitschenhiebe - taz.de
 
Zuletzt bearbeitet:
Die westliche Gesellschaft steht für Toleranz, Meinungsfreiheit und Aufgeschlossenheit. Aber eben nicht die Regierungen, die schnüffeln lieber überall, wie die NSA ja zeigt.
Und die westlichen Geheimdienste "schaffen" auch Angstbilder bzw. Feindbilder, damit sie weiterhin Milliarden in den Arsch geblasen bekommen und nicht als Überflüssig gelten.
Dass Vorratsdatenspeicherung und eine lückenlose Videoüberwachung nichts bringt, haben doch jetzt die Anschläge in Paris und damals in London gezeigt.
Der Westen hat meiner Meinung nach das Problem, dass die "guten Seiten" nicht angesehen werden, sondern immer nur die "bösen Sachen" überwiegen.
Das kannst du nur ändern, indem du die Außenpolitik, Wirtschaftspolitik und Militärpolitik mal änderst.
Die USA stecken 500 Milliarden Dollar ins Militär. 100 Milliarden müssten meiner MEinung nach auch reichen, mit den restlichen 400 Milliarden könnten sie ihre eigenen Infrastruktur erneuern, die Bildung verbessern, mehr für die Minderheiten tun, den Leuten Jobs und Perspektiven geben. Die Anzahl der Gefängnisse könnte man langfristig reduzieren, das Land könnte ein Vorbild für andere werden.
Aber nein, die CIA schildert ein Feindbild, die Rüstungsindustrie werkelt mit und alle verbreiten Angst.
 
Zurück