... dem wuerde ich, als Laie, widersprechen. Gerade Gase koennen taktisch durchaus "sinnvoll" sein, weil sie fluechtig sind und eher wenig Schaden an der Infrastruktur des Einsatzgebietes anrichten. Will man also z. B. Verluste an den eigenen Bodentruppen gering halten und / oder das eigene militaerische Engagement verschleiern, kann einem Gas durchaus attraktiv erscheinen.
Insbesondere wenn in Gebieten, in denen man per Definition keine Freunde sieht, aber die Feinde zahlreiche leicht befestigte Stellungen und in ihrer Lage nicht exakt bekannte Tunnel gebaut haben. Gas wirkt zuverlässig bis in den Keller, wenn kein aufwendiger Schutz besteht.
Besagte Kampfstoffe sind nur keine Gase sondern liegen in flüssiger Form vor.Das "Zerstäuben" vor Ort ist ein grosses Problem was die Effizienz stark beeinträchtigt.
Gase im eigentlichen Sinn werden schon wegen den schlechten Erfahrungen im WK1 nicht genutzt.
Letztendlich ist das auch gut so.
Die meisten Giftangriffs-Vorwürfe in Syrien laufen auf Chlor hinaus. Das ist ein Gas und die im ersten Weltkrieg herrschten andere Bedingungen (geringer Abstand zwischen schmalen Fronten, keine Angriffe gegen primär zivile Ziele, kein luftgestützten Einsätze).
Im übrigen waren die Erfahrungen im ersten Weltkrieg mit Gas-Mörsergranaten gut genug, dass alle Nationen auch im zweiten Weltkrieg entsprechende Pläne hatten. Die Militärmanöver waren nur zu dynamisch für deren Einsatz und bei Angriffen auf zivile Ziele ging es trotz 0 Rücksicht auf Menschenleben immer vor allem um die Zerstörung von Infrastruktur, wofür Gas nicht geeignet ist.
Nein, um nochmal ernsthaft zu der Sache zu werden, man kann jetzt natürlich sagen Russland und Assad blockieren absichtlich die Untersuchungen, wäre nicht auszuschließen, aber man könnte auch durchaus annehmen das es wirklich noch nicht ausreichend sicher in Douma ist.
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Und ich will garnicht wissen was passieren würde wenn OPCW-Mitarbeiter beim nehmen der Proben wirklich erschossen werden würden...
Vieleicht würden wir dann lesen das Russland und Damaskus die Mitarbeiter umgebracht hätten.
Ich bin sicher, dass die NATO-Staaten militärisch hinreichend gehärtete Teams bereitwillig in eine gemeinschaftliche Mission entsendet hätten, wenn Assad und Putin um eine Widerlegung der Angriffsthesen gebeten hätten. Stattdessen blockiert Putin Untersuchungen von nicht rein russischen Teams nach Möglichkeit und faselt was von fehlender Sicherheit für Krisenregions-Experten in gepanzerten Fahrzeugen, während die gleiche Sicherheit für Zivilisten, Siegesfeiern und Fernsehteams vollkommen ausreicht...
Heißt nicht, dass Giftgas eingesetzt wurde und schon gar nicht von wem - ist aber ein sehr deutliches Zeichen dafür, wer keine Aufklärung möchte und sei es nur um diejenigen zu ärgern, die Fakten bevorzugen.
Hmm, heh Russland, wollt ihr mich eigentlich nicht offiziell einstellen, meine "Rechtfertigungen" sind irgendwie gefühlt besser als eure.
Upgrade vom Putinversteher zum Putin(v)erklärer?
Das erste was im Krieg verloren geht, ist die Wahrheit...
Strategisch gesehen müsste doch gerade auch Russland ein vitales Interesse haben, ihre eigene Unschuld in dieser Causa zu beweisen.
Nicht, um zwangsweise vor der (westlichen) Welt besser dazustehen, sondern um noch mehr politische Kontrolle über Syrien zu haben.
Russland hat 100% Kontrolle über Assad, da gibt es nichts zu steigern. Umgekehrt gibt es keine Schuldvorwürfe gegen Russland (sondern nur gegen Assad) => passt hinten und vorne nicht, deine Argumentation.
Ganz abgesehen davon, dass Putin in sämtlichen anderen Konflikten mit russischer Beteiligung der letzten Jahrzehnte ebenfalls keine großes Interesse an Aufklärung zu haben schien, sondern eher im Gegenteil viel Freue an Verwirrspielen. Egal ob England, Krim, MH317 oder Georgien, immer gab es eine Blockadehaltung und meist mehrere grundverschiedene Märchengeschichen nacheinander. Die primären Ziele russischer Militär-/Geheimpolitik scheinen Machtdemonstration und Schädigung der NATO-Partner zu sein. In dem man diese vorführt, erreicht man beides auf relativ sichere und einfache Art und Weise.
Ich halte es ebenso persönlich, allerdings aus der technischen Betrachtungsweise heraus, für nahezu ausgeschlossen,
dass irgendeine Rebellengruppe logistisch in der Lage ist, Giftgas gleich welcher Art herzustellen oder gar über einen längeren Zeitraum sachgerecht zu lagern.
Siehe oben: Das (angeblich) meist genutzte Gift in Syrien ist Chlor. Einfach zu beschaffen, selbst aus Haushaltsmitteln einfach zu erzeugen und ohne Aufwand abseits der individuellen Verpackung leicht zu lagern. Die wesentlich seltener angenommen militärischen Kampfstoffe hat Assad früher in großer Menge selbst in waffenvorbereiteter Form hergestellt und gelagert. Es ist unwahrscheinlich, dass Rebellen nenneswerte Mengen selbst produzieren können (auch wenn rein statistisch ein paar der alten Produzenten heute Rebellen sein werden und die Herstellung kleinerer Mengen unter unsicheren Bedingungen z.T. bewältigbar sein könnte), aber sie sind mit Sicherheit in der Lage, erbeutete Chemiewaffen zu handhaben. Umgekehrt ist seit Einschreiten der UNO auch Assads Zugang zu diesen Stoffen eingeschränkt, so dass man eigentlich nur noch aus den verfügbaren Verbreitungsmethoden Rückschlüsse ziehen kann - ohne Hubschrauber, Jet oder vergleichsweise große Raketensysteme (respektive großkalibriger Artillerie, zu der ich in Syrien aber noch nicht einmal Vorwürfe gehört habe) lässt sich Gift fast ausschließlich in Suizidangriffen freisetzen. Und letzteres auch nur in befriedeten Regionen mit freien Straßen. Der Zugang von Rebellengruppen zu allen vieren ist minimal.
Eine halbwegs faire Autonomieregelung verbunden mit der Verpflichtung sich zusammenzuraufen (ohne Waffen) würde evtl. den Lernprozess in Richtung (Basis-)Demokratie anstoßen,
ohne von Heute auf Morgen traditionelle Stammesstrukturen vor den Kopf zu stoßen.
Der Kandidat erhält 100 Punkte...
...wenn er jetzt noch erklärt, wie man dutzende bewaffnete Gruppierungen zu einer unbewaffneten Regierung zusammen bringt. Alles andere ist nämlich so alter Kaffee, dass selbst Assad ja "nur gegen bewaffnete Terroristen" vorgeht.
Nenne mir doch mal ein Bericht oder Reportage, aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren, wo auf den Unterschied zwischen Suniten und Chiiten eingegangen wird oder die völlig andere Gesellschaftsform der Araber durch ihre Stammes und Familien Organisation?! Ich kenne da keine.
Kenne allgemein wenige Berichte aus den 60ern/70ern/80ern, habe aber zu Hause National Geographics mit Berichten aus den 50ern und zum Teil 40ern und 30ern über diverse heutige ...stans, die arabische Halbinsel und den Nahen Osten. Weder Kultur noch Struktur noch Probleme dieser Regionen waren prinzipiell unbekannt, nicht einmal auf politischer Ebene wie das Geschachere um die Grenzen des Iraks oder das britische "Konfliktmangement" zwischen einheimischen Palästinensern und einwandernden Zionisten in den 30ern beweisen.
Aber es war den verantwortlichen einfach egal, was die Leute vor Ort für Wünsche haben bzw. wenn man mal an irgendwas anderes als den eigenen Einfluss gedacht hat, dann wusste der wahre Kolonialist sowieso selbst am besten, was für diese Regionen "gut" ist.
Das was sich in den letzten 70 Jahren dort abgespielt hat, deckt eigentlich jetzt erst das tiefe Zerwürfnis unter den arabischen Staaten auf, der "Konfessionskrieg" zwischen Chiiten und Suniten, m.M. nach dreht sich darum mittlerweile alles und das wurde die letzten 70 Jahre Stück für Stück durch die einzelnen Kriege und auch Radikalisierung aufgedeckt/zugespitzt.
Der Konflikt ist fast so alt wie der Islam (genauer: Es ist eine Generatino jünger als Mohammed selbst) und hat im Laufe der Jahrhunderte zu zahlreichen Kriegen geführt. Lediglich die europäische und amerikanische Einmischung hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen und dabei u.a. mit der bewährten Grenzziehungsmethode ein paar dieser Konflikte zu Bürgerkriegen gemacht.
Was eine relative junge Entwicklung der letzten Jahre (nicht Jahrzehnte) ist: Sowohl Saudi Arabien als auch der Iran (letzterer "mal wieder") haben ein Niveau erreicht, auf dem sie nicht länger mit sich selbst ihrer Relation zum/Abhängigkeit vom Westen beschäftigt sind, sondern auf dem sie als Regionalmacht vermehrt Einfluss auf kleinere Nachbarn ausüben wollen. Auf die gleichen kleinen Nachbarn...
Ich glaube nicht, dass das der Westen alles seit Irak I (Iran Irak Krieg) auf dem Schirm hatte.
"Der Westen" hat Irak I, Irak II, Irak III, Afhganistan II (und in Teilen I) und Israel selbst initiiert sowie sämtliche Diktatoren, deren Systeme Grundlage des arabischen Frühlings waren, hoffiert. Unsere Politiker sind nicht so blöd, dass sie gar keine der Konsequenzen gesehen hätten. Sie sind nur so ignorant respektive so menschenverachtend, dass es ihnen das wert war.