Da habt ihr beide nicht mal unrecht.
Was unterscheidet jetzt aber das Volk in genau dieser Sachlage von den Volksvertretern, die momentan darüber entscheiden dürfen?
Nichts ... und zwar rein gar nichts.
Doch, und zwar ne ganze Menge: in der Politik sind dann eben doch viele Fachleute und auch Berater, die sich wochen- oder gar monatelang NUR mit diesem einen Thema beschäftigen, über das evlt. abgestimmt wird. Inklusive den ganzen Überlegungen, was für Auswirkungen die Entscheidung haben kann für die Zukunft. Selbst wenn dann Lobbyisten Druck machen, wissen die Entscheidungsträger dann trotzdem viel mehr als der Normalbürger, sie kennen alle Fakten und Überlegungen, und sie Wissen auch, dass natürlich aus Interessenlagern Beweise für ein pro und ein contra kommen, die man mit Vorsicht genießen muss. Keiner wird
nur aufgrund eines angeblich korrekten Gutachtens zB der Automobilhersteller über ein Ablehnen eines generellen Tempolimit urteilen.
Der "normalbürger" aber wird sich im Schnitt aber nur auf dem Weg zur Arbeit den halbseitigen Kommentar in der Zeitung zu der anstehenden Abstimmung durchlesen und nach der Arbeit mal 10 Minuten Nachrichten, und wenn es ein überdurchschnittlich interessierter Bürger ist, schaut er sich sogar eine Poltiktalkshow zu dem Thema an, bei der im Zweifel dann der lauteste Politiker den Bürger überzeugt wie zB ein Gredor Gysi, der als Meinungsmacher wirklich sehr gut ist und IMMER ne Antwort parat hat und/oder ein Gegenargument bringen kann... Dazu noch die ein oder andere "Stammtischdiskussion", bei der wie ja alle wissen, dass da im Endeffekt meist eher populistische Meinungen bei rumkommen wie zB "Wenn ein Kanacke was klaut, dann gehört der abgeschoben, basta!" oder "wenn einer ein Kind anfasst, gehört der gelyncht" oder "Moscheebau? Die sollen zurück in ihre Bergdörfer, wenn die hier nicht zurecht kommen!" usw usw - und die Verbände, die besonders viel Geld haben, kommen dann mit "Info"-Ständen zu Supermärkten und in die Fußgängerzonen und "klären auf", welche Entscheidung die richtige ist...
Die Entscheidungsgrundlage, die der Normalbürger hat, ist eben eine viel viel schlechtere als bei einem Berufspolitiker inkl. dessen Team, und die wenigen Infos, die der Bürger bekommt, sind dann wiederum oft "Meinungsmache" - der Durchschnitt der Bürger ist nunmal auch ungebildeter als ein durchschnittlicher Politiker.
Natürlich stehen auch die unter Einfluss von Lobbyisten usw., aber letztenendes wurden die Politiker ja auch vom Volk gewählt, WEIL die eine gewisse Bildung und Intelligenz haben, ganz bestimmte Ansichten und Meinungen vertreten, denen der Brger zustimmt, und auch Fachwissen haben.
Ich würd daher bei Volksentscheiden sehr vorsichtig sein. Ich denke, dass die bei eher kleineren Populationen ganz gut funktionieren können, aber je mehr Einwohner, desto schwieriger wird es. zB ganz banal verglichen: wenn in nem Ort mit 1000 Einwohnern entschieden werden soll, dass der gesamte Ort Tempo 30 sein soll, kann man sich viel schneller darauf einigen als wenn 80 Mio über ein "Innerorts 30" abstimmen sollen. Die Einwohner des kleinen Ortes kennen sich fast alle und werden eher zustimmen, weil sie mit der kleinen Einbuße an Geschwindigkeit dafür allen anderen Einwohnern und vor allem Kindern einen sichereren Ort gewährleisten. Aber Bundesweit kommen dann die Autoverbände an, ADAC usw., und man überlegt selber auch "hmm... in meinem Viertel wär das o.k, aber ich will nicht nur 30 fahren, wenn ich mal in dr Stadt X oder Y unterwegs bin..." *edit so wie Robin123 es auch andeutet: auf kleinerer Ebene is das eher o.k.
Wobei selbst da: wenn ich zB an meine Stadt Köln denke: hier wird eine große Moschee gebaut, und ich finde das gut. Damit können die Muslime ihrer Religion offen nachgehen, das ist auch ein Zeichen, das "wir" das akzeptieren. Das finde ich viel besser, als wenn die quasi wie konspirative Gruppierung behandelt werden und teils sogar Garagen in Hinterhöfen als Moschee benutzen müssen. ABER: die Sache war umstritten, die Anwohner in dem Viertel wollten das natürlich nicht, und so 10-15% der Bevölkerung haben halt auch was gegen Ausländer/Muslime, weitere bestimmt 30% haben "Angst" vor Islamismus - da braucht es dann nur ein bisschen Meinungsmache seitens der "Betroffenen" Anwohner, und schon ist man schnell über 50% "gegen Moschee"...