ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Kann meinem Vorposter nur zustimmen. Sozialismus ist nun wirklich das allerletzte, was wir (wieder) gebrauchen könnten. Bisher ist jede andere Wirtschaftform (nagelt mich nicht auf den korrekten Begriff fest - ihr wisst, was ich meine...) als Kapitalismus (oder eine auf Kapitalismus basierende Wirtschaftsform) in Chaos, noch größerer Armut und einer noch höheren Konzentration des Wohlstandes auf noch weniger Leute geendet (die DDR ist da das Paradebeispiel - oder das SPD-Kind Hartz IV...).
Abgesehen davon, dass HartzIV "soziale Marktwirtschaft" in Reinform ist: Nur weil alle bisherigen alternativen Versuche (es waren nicht gerade viele) schlechter endeten als der Kapitalismus (und das nicht selten wegen direkten Angriffen von letzterem) heißt das nicht, dass dieser okay wäre. Guck dir doch die "Lösungen" des Vorposters an, dem du zustimmst:
- "sozialer Wohnungsbau": Sozialismus pur? Aber in nicht profitablen Bereichen ist der ja immer direkt willkommen, nur Gewinne und gewinnbringendes, die sollen bitte schön privat bleiben...
- "mehr Bauland ausweisen": Land ist, im Gegensatz zur kapitalistischen Leere, keine nachfrageabhängig generierte Ware. Es ist ein endliche Ressource und jedes System, dass für sich beanspruchen muss, mehr als nur schlechte Notlösung zu sein, muss mit einer begrenzten Menge Land auskommen - und dabei ist es vollkommen egal, wo man den Schlussstrich zielt. Der Kapitalismus bekommt den Immobilienmarkt nicht ohne ständigen Landnachschub geregelt? Dann ist der Kapitalismus ungeeignet um den Immobilienmarkt zu regeln, Ende der Diskussion. Die einzige Frage ist noch, wie lange wir welche Teile der aktuellen Regelung übergangsweise nutzen, bis uns was bessere einfällt, aber wir müssen auf alle Fälle weg von der jetzigen Regelung.
- "Baukosten runter": Ist Kostenregulierung nicht die ureigenste Aufgabe des Marktes? Wenn er selbst dafür schon externe Hilfe braucht, was kann er dann überhaupt?
- "Baurecht entschlacken": Das ist zugegebenermaßen eine urkapitalistische Forderung nach Nullregulierung. Frage an alle Marktfans hier: Wie oft kann ein Mensch mitsamt seinem vorschriftsfrei gebauten Haus abbrennen, damit er sich beim nächsten Mal einen anderen Anbieter sucht? Wie oft darf die nächste Etage ihn in seiner Wohnung zermalmen, ehe er zu einem höherwertigen Vermieter wechselt?
- "Umland attraktiver machen": Ich verweise auf Punkt 1 und 2. Wenn der Markt im Interesse der Menschen funktionieren würde, dann würde er das ausgewiesene/günstige Bauland im Umland mit der nötigen Infrastruktur erschließen, um die Nachfrage zu bedienen. Macht er aber nicht. Weil der Markt nicht für Menschen, sondern für Gewinne da ist. Und jetzt soll wieder der Staat in die Bresche springen, sich aber natürlich bitte wieder verdrücken, sobald es rentabel wird? Weil nur "Gewinne machen" kapitalistisch ist, alles andere bitte aus dem nichts kommt?
Soziale Marktwirtschaft lautet da das Zauberwort - weitesgehend freie Marktwirtschaft
"weitestgehend" ist sehr diskutabel. Und genau das wird in Berlin gerade gemacht.
bei der der Staat einzig in sozialpolitischen Fragen eingreifen sollte
ALLES ist einer menschlichen Gesellschaft betrifft Menschen und ist somit sozial und absolut alles in einer Demokratie ist politisch.
Enteignungen sind genauso beschissen - nicht umsonst werde ich einen Teufel tun und beim Volksbegehren unterschreiben. Es ist eine a) sehr teure, b) nicht langfristige und c) kaum ursachenbekämpfende Lösung.
Man könnte diese Formen von Enteignungen auch als marktwirtschaftlichen Prozess betrachten. Das ist eben der Preis, den Volks(un)zufriedenheit hat. Wer sich nicht drum kümmert, wird enteignet und steht ohne was da. Genauso wie jemand mit einer Ruine dasteht, der sich nicht um Brandschutz kümmert. Alternativ sollte man sich halt versichern - sonst gilt: Pech gehabt. Urkapitalistisches Prinzip.
Die Alternative sind soziale Strukturen, in dem einen die Gemeinschaft in einem gewissen Rahmen Stabilität und Sicherheit gibt. Preisfrage: Wo haben sich Vonvia & Co je als Teil einer Gemeinschaft verhalten?
Ich würde eine deutlichere Begrenzung und insbesondere eine zeitliche Begrenzung der Modernisierungsumlagen für sinnvoller halten. Für willkürliche/grundlose Mieterhöhungen und Mietsteigerungen bei Neuvermietungen gibts den Mietspiegel... Würde man dann noch den Wohnungsbau effektiv fördern und knallhart gegen nicht genehmigte Ferienwohnungen vorgehen, würde man ein deutlich effektiveres Mittel gegen die Wohnungsnot schaffen, welches a) nicht mal ansatzweise so teuer ist, b) langfristig wirkt und c) die Ursache, in Form von Gesetzen die einem Schweizer Käse gleichen, behebt.
Speziell die Modernisierungsumlagen werden wegen der fehlenden zeitlichen Grenze für dauerhafte Mietpreissteigerungen genutzt - und da sehe ich ein Hauptproblem.
Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber die zeitliche Umlagedauer IST afaik auf 9 oder 11 Jahre begrenzt. Das Problem ist aber, dass sich kaum ein Mieter eine Mieterhöhung um 50, 100, 150% über 11 Jahre leisten kann. Die wenigsten deutschen Mieter dürften genug Barrücklagen haben, um auch nur 2-3 Jahre daraus zu finanzieren. Alles andere muss aus dem laufenden Einkommen bezahlt werden und da man sich die Wohnung mit ihrer alten Miete passend dazu ausgesucht hat, wird das eben nicht reichen. Genau das nutzen die Vermieter systematisch aus, um lange vor Ende der Umlage-Zeit neu und entsprechend teurer zu vermieten: Alte Mieter rausekeln, bei neuen abkassieren.
Gegen letzteres hätte ich nicht einmal viel einzuwenden. Es behindert zwar das Wachstum von Boom-Städten, aber das ist eigentlich sogar wünschenswert. Man muss nur sicherstellen, dass ARGE & Co niemanden mehr zwingen, dort arbeiten zu gehen. Wenn die Betriebe in der Münchener Innenstadt deutlich höhere Löhne zahlen müssen, um überhaupt jemanden zu finden, dann kann der Markt diesen Teil der Gleichung regeln.
Aber für den ersten Teil mit dem Mieter rausekeln brauchen wir viel drastischere Einschränkungen bei der Umlagenregelung und Mieterhöhungen allgemein. Genaugenommen sollten Umlagen, also der Aufbau von neuem Privateigentum auf Basis erpresster Zahlungen anderer, komplett verboten werden. Nur der tatsächliche Nutzwert einer Modernisierung dürfte in Rechnung gestellt werden und das bei reinen Komfort-Upgrades auch nur bei Vetorecht durch die bestehenden Mieter.
Dazu noch eine Nutzungspflicht gemäß Bebaubauungsplan (=> Enteignung bei langem Leerstand, da Missbrauch als reines Spekulationsobjekt) und härte Regelungen für Kündigungen wegen "Eigenbedarf" und wir haben wieder so etwas wie Waffengleichheit zwischen/Vertragssicherheit für Mieter gegenüber dem Vermieter. Aktuell entwickeln wir uns massiv in die Richtung eines Feudalsystems, das im englischsprachigen Raum so treffsicher mit "Landlord" beschrieben wird.
Wir können aber mit Sicherheit sagen, das die soziale Markwirtschaft mind. 90% der Bevölkerung Deutschlands zu überdurchschnittlichem Wohlstand im Vergleich zum Rest der Welt geführt hat, vor allen dingen, wenn man 1949 als Start ansieht.
Wir können mit der gleichen Sicherheit sagen, dass große Teile dieses Wohlstandes von besagtem Rest der Welt erarbeitet oder durch Belastung künftiger Generationen erzeugt wurde.

Na sieh dir mal Pflege an. Da gibt es massig unbesetzte Stellen, hier werden Prämien bis zu 8000€ ausgeschrieben:
Naechste Runde im Kampf um die Pflegekraefte in Leipzig
Will trotzdem keiner machen weil die Bezahlung nicht OK ist. Fachkräftemangel existiert
Fachkräftemangel wäre, wenn es keiner machen könnte. Und genau das ist eben nicht der Fall bzw. nur kurzfristig/die Länge einer Ausbildungsdauer, die weitaus kürzer ist, also dieser Mangel bereits bekannt ist.
Was es stattdessen ist: Genau das, was du ständig als Lösung aller Probleme herbeifantasierst. Arbeitnehmer weigern sich, in einen hoffnungslos unterbezahltes Jobverhältnis zu gehen. Und die Reaktion darauf ist eben nicht eine supergeile Lohnerhöhung des Arbeitgebers. Selbst hier, wo immerhin schon mal eine Prämie angeboten wird, bleiben die langfristigen Aussichten auf dem gleichen Scheißniveau. (Und die Prämie liegt umgelegt auf ein paar Jahre Anstellung -sagen wir mal 100 Monate, für weniger lohnt sich beispielsweise ein Umzug nie- lächerlich niedrig)
Würde der Markt so funktionieren, wie du es dir ausmalst, würde der Betreiber deutlich mehr zahlen. Sowohl bei Neuananstellungen als auch dem bestehenden Personal. Und parallel würde ein Ausbildungsprogramm mit gutem Azubigehalt aufstellen. In der kapitalistischen Realität lobiiert er aber dafür, dass er einfacher ausländisches Personal einsetzen darf, weil ""Fachkräftemangel"" herrscht. Geheiminformation: Diese Form von Mangel wird solange "herrschen", wie Deutsche ein höheres Lohnniveau als in Burkina Faso verlangen.
"Aus meiner Perspektive ist das ein glatte Lüge!"
Mein Vater arbeitet als Finanzdienstleister, spezialisiert auf Baufinanzierungen, in der Umgebung Stuttgart und ich kann dir sagen, er hat schon für hunderte von normalen Arbeitern, Finanzierungen von Häusern und Wohnungen auf den Weg gebracht.
"normale", also Median-Arbeiterfamilien haben, wie schon mehrfach hier dargelegt, in BW 3692 Euro Netto im Monat. Davon müssen sie in Stuttgart rund 3640 Euro für Miete und Lebenserhaltung ausgeben. Sparquote/Grundkapital also gleich null. Wenn sie direkt zum Start ins die 100% ohne Garantien kreditfinanzierte Eigenheim umziehen, bleiben die Nebenkosten und Alltagsausgaben mindestens gleich, 1204 Euro/Monat entfallende Miete werden für Grundsteuer, Hauserhaltungs-/Sanierungskosten, Kreditzinsen und Tilgung frei.
*rechne*
Ich komme zu drei möglichen Ergebnissen:
- Dein Vater ist ein absoluter Meister seines Faches, dass er ohne jegliche Garantie Finanzierungen findet, die so billig sind, dass das aufgeht
- Du bist ein Lügner
- Du verwechselt "normale Arbeiter" mit Besserverdienern, die sich ein Eigenheim leisten können und beschuldigst deswegen andere der Lüge, weil du ihre vollkommen korrekte Aussage nicht verstanden hast.
Ich habe einfach mal ein paar naive Fragen!
Wie sieht die Re- Finazierung im demokratischen Sozialismus von allen Unternehmen aus, vom Start Up bis zum Großunternehmen, wenn Risikokapital durch Risikokapitalgeber und Investitionskapital durch Aktien völlig wegfallen?
Es gibt im reinen Sozialismus nur Staatsunternehmen und somit keine Start-Ups und kein Risikokapital?
Wer bestimmt welches Unternehmen wieviel Geld bekommt, um Ideen oder Innovationen zu entwickeln oder zu investieren. Wo kann ein Unternehmen Geld außer vom Staat herbekommen?
Siehe oben: Wieso sollte ein Unternehmen, also ein Teil des Staates, irgenwo anders her Geld oder Anweisungen annehmen, außer vom Staat?
Und wenn es ausschließlich vom Staat kommt, wer bestimmt die Leute, die an diesen entscheidenden Vergabepositionen sitzen?
In einer Demokratie: Das Volk. (real existierende Beispiele für einen demokratischen Sozialismus auf Staatsebene hat es nie gegeben, ehe du fragst. Alles, was sich sozialistisch nannte, stürzte schon während des Umbruchs in eine Teildiktatur.)
Wer bestimmt wo Leute wohnen, wer entscheidet darüber wer in Berlin Mitte oder Mazahn wohnt oder in Hamburg Plankenese oderHarburg, München Schwabing oder Moosach.
Wer bekommt eine Seevilla in Starnberg am Wannensee oder an der Alster?
An wen müssen sich Menschen wenden, wenn sie erstmal nur in Deutschland umziehen wollen, gibt es dann Wohnungsvergabeämter? Nach welchen Kriterien werden Villen, Häuser, Doppelhaushälften, 4-3-2-1 Zimmerwohnungen vergeben und wo?
Die Vergabe von Villen stellt sich nicht, wenn der sozialistische Staat keine Villen baut. Und wenn er es doch macht, dann wohl um Leute nach bestimmten, bei dieser Gelegenheit festgelegten Kriterien. Für die allgemeine Festlegung, wer wo wohnt (& arbeitet & ...) gibt es verschiedene Möglichkeiten. In real existierenden Sozialismen ging das tatsächlich meist über Ämter, weil diese Teildiktaturen allesamt verfahrene Mangelplanwirtschaften mit reichlich Mangel an brauchbaren Wohnungen waren. Von der Grundideologie her ist aber alles mögliche denkbar - im dir naheliegensten Fall ein freier Markt. Nur weil alle Firmen dem Staat gehören, der natürlich bestrebt ist, verschwenderische Konkurrenz zwischen diesen zu minimieren, heißt dass nicht, dass es keinen auf Kundenseiten freien Markt geben kann, der die Preise der Nachfrage anpasst.
Nur die Gewinne würden eben nicht unbegrenzt in Taschen einzelner abfließen, sondern entweder auf einen Gesamtwert für alle Wohnungsunternehmen gedeckelt werden (=> Mieterhöhugnen an einer Stelle führen zu Mietsenkungen an anderer Stelle führen) oder aber direkt in anderen staatlichen Bereichen wieder investiert werden. Beispielsweise höhere Löhne.
(Disclaimer: Wie gesagt - idealer Sozialismus. Über realexistierenden braucht man nicht viel zu sagen. Wer einen "Sozialismus" mit einer Beölkerung startet, die nicht aus Sozialisten besteht, sondern einen nenneswerten Teil Materilisten/Kapitalisten beinhaltet, endet zwangsläufig in einer Diktatur. Nichts ist so primitiv und brutal wie der Kapitalismus, weswegen dieser alle anderen Gesellschafts-/Wirtschaftsformen zerstört, wenn er nicht unterdrückt wird. Sobald man unterdrückt, ist die utopische Gesellschaft aber ebenfalls gescheitert - die Leute müssen ein besseres Leben samt angehängender Selbsteinschränkungen wollen und das tun zu viele nicht.)
Bevor du hier große Sprüche über andere Leute und ihre Uneinsichtigkeit klopfst, beantworte doch mal als erstes diese einfachen Fragen!
Ich hab zwar keine Sprüche geklopft, aber hoffentlich die Fragen beantwortet. Bei weiteren nur her. Ich bin zwar kein Sozialist/Kommunist, aber die Grundzüge sind genauso einfach zu verstehen wir der Kapitalismus, was das beantworten theoretischer Fragen leicht macht.
Ach ja fast hätte ich es vergessen, wer bezahlt die Enteigung aller Firmen und Grundstücke?
Beim Berliner Volksbegehren? Letztlich die Steuerzahler, das ist der Haken, vor allem wenn es Entschädigungen in nenneswerter Höhe sind.
Im Sozialismus? Beim reinen, theoretischen stellt sich die Frage nicht, weil er einen ideelen Istzustand beschreibt und deine Frage den Übergang aus einer nicht-idealen Vorängerperiode betrifft. Die real existiernden/klassischen Sozialisten haben mit "gar keiner" geantwortet und die Revoultion ausgerufen. Wieso sollte man auch, wenn die Angleichung aller Vermögen das Ziel ist, diejenigen die bislang viel mehr hatten, entschädigen?





