Die prekäre Beschäftigung haben sich die Leute selbst angeschafft.
Es gibt keinen Arbeitskampf, kaum noch neue Gewerkschaften (und die alten schrumpfen), die Leute haben einfach keinen Arsch mehr in der Hose. Zum Ausbeuten gehören immer zwei dazu - der, der ausgebeutet wird sollte sich hier wehren und er hat mittlerweile alle Mittel dazu die er sich wünschen kann.
Das ist doch dann aber due Schuld der Arbeitnehmer. Wenn sie sich nicht organisieren haben sie halt Pech gehabt, Vielleicht sollten die Gewerkschaften auch mal darüber nachdenken wieso sie so wenig bzw. immer weniger Mitglieder haben. Oft fühlt sich der gemeine Arbeitnehmer dort nicht mehr richtig vertreten. Postengeschacher unter Gewerkschaftsbonzen und falsche Prioritäten in der Aussendarstellung, Da wird die massenhafte Migration in die Sozialsysteme von den Gewerkschaften verteidigt und für gut befunden. Damit könnte ich, wäre ich Arbeitnehmer, nichts anfangen. Ich würde erwarten dass sich die Gewerkschaften um meine Belange kümmern denn dafür zahle ich ja Beiträge und nicht um irgendwelche jungen Männer aus Afrika oder dem nahen Osten. Das ist für den Arbeitnehmer gar kein Thema.
Hier mal so als kleiner Denkanstoß, was passiert, wenn man einen Betriebsrat gründen bzw. eine gewerkschaftliche Organisation etablieren will und der Chef ein Problem damit hat:
Wombat`s Hostel Berlin: Protest gegen Auslagerung zieht Kreise | arbeitsunrecht in deutschland
Wombat`s: Protest gegen Outsourcing | arbeitsunrecht in deutschland
Hat übrigens dazu geführt, dass die Betreiber das gewinnbringende und sehr gut laufende Hostel geschlossen haben - vermutlich, um es mit neuem Personal neu zu eröffnen.
Das ist den Investoren doch Rille, was die Stadt durchgemacht hat, wie die Geschichte aussieht (sogar bei Objekten wo sie direkt rein investieren ists denen oft egal).
Mir ist es ziemlich latte ob die Investoren sich noch einen Cent mehr in die Tasche stecken. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und muss bezahlbar bleiben - das trifft für einen immer größeren Teil der hiesigen Bevölkerung aber nicht mehr zu.
cryon1c schrieb:
Die EZB hat diverse Probleme geschaffen und deswegen gehen die Investoren in den Immobilienmarkt. Das hat den positiven Effekt das unsere steinalte Häuser endlich mal die finanzielle Spritze bekommen, die den Genossenschaften usw. immer gefehlt hat um umfassend zu modernisieren und Wohnraum zu schaffen der richtig gut ist. Billig ist nicht gut, wer spart, spart sich hier kaputt. Wenn nur Geld für Instandhaltung ausgegeben wird (so wie Genossenschaften halt arbeiten) dann bleibt der Wohnraum im besten Fall auf dem Stand so wie der gebaut wurde, im schlimmsten Fall werden nur die nötigsten Arbeiten gemacht und die Häuser werden hässlich, ungemütlich und einer weltoffenen Metropole wie Berlin in einem stinkreichen Land nicht würdig. Da entstehen Ghettos usw.
Keine Ahnung was du hast - die Genossenschaften pflegen ihre Wohnungen doch gut. Wir haben schon vor Jahren eine Wärmedämmung bekommen, wir haben schnelles Kabelinternet, wir haben einen Fahrstuhl, einen Keller, praktisch alle Wohnungen haben einen Balkon, alle Fenster wurden schon um die Jahrtausendwende neu doppelt verglast, die Flure sind gepflegt und im Zuge der letzten Balkonsanierung hat man uns sogar vor die Wahl gestellt, ob wir ne Verglasung (auf eigene Kosten) haben wollen oder nicht. Selbst bei einer Neuvermietung würde unsere Wohnung kaum über 600€ warm kosten.
Die großen privaten Konzerne stopfen sich für solche Selbstverständlichkeiten die Taschen voll und sorgen mit überflüssigen Luxussanierungen dafür, dass sich der gemeine Durchschnittsverdiener die Wohnungen zunehmend schlechter leisten kann. Keiner braucht einen Kokosfußboden, ne Video-Gegensprechanlage oder integriertes SmartHome (gerade letzteres wäre für mich ein NoGo...). Vielleicht bleibt der Wohnraum dann nicht auf dem modernsten Stand - das ist den Leuten aber herzlichst egal, die den modernen Wohnraum nicht bezahlen können, im Zweifelsfall auf der Straße landen und dadurch ihre Lebensgrundlage verlieren. Zumal es für einen modernen Wohnraum keinen Kokosfußboden, ne Video-Gegensprechstelle oder SmartHome braucht...
Ghettobildung entsteht nicht durch nicht luxussanierte Wohnungen. Ghettobildung entsteht dadurch, dass die ärmeren und damit auch tendenziell sozial schlechter Gestellten Menschen gehäuft in billigere, ranzige Gegenden ziehen, weil die sich woanders die Mieten nicht mehr leisten können und sich dadurch Armut auf gewisse Hotspots begrenzt. Viele der heutigen Brennpunktbezirke sind auch durch die unglaublich dämliche Einführung der Fehlbelegungsabgabe in den 80ern entstanden, also durch den umgekehrten Effekt, dass besser verdienende und damit tendenziell sozial besser gestellte Leute weggezogen sind. Nur mal so als Beispiel...
High-Deck-Siedlung – Wikipedia
cryon1c schrieb:
Wie umgeht man das? Na in dem sich Arbeit wieder lohnt. Damit der Arbeiter sich halt auch ne gute Wohnung leisten kann, genau so wie der Anwalt 2 Stockwerke drüber.
Wiegesagt. Dann kostet das ÖPNV-Ticket aber auch nicht mehr nur 81€, der Friseur nicht mehr nur 18€, der Latte nicht mehr 2€ dann kostet das Brötchen auch nicht mehr nur 15 Cent und dann kostet der Döner auch nicht mehr nur 3,50€. Wo viel Geld ist, sind auch die Preise höher.
Und was ist so schlimm daran, wenn Investoren richtig viel Geld zu uns bringen und Rendite erwarten? [...]Es ist nicht umsonst alles privatisiert, das ist gewollt - von allen, weil das einfach effizienter ist als staatliche Einrichtungen die dann alle gnadenlos veraltet sind und sehr zäh arbeiten.
Lass mal schauen... Ach, schau dir doch selber an, wozu bspw. die Privatisierung der Telekom geführt hat. Wir sind für solch eine reiche Nation peinlich weit hinten, was den Internetausbau angeht.
Oder bei der Deutschen Bahn - eine Pünktlichkeitsquote, die ganz offiziell und garantiert schon geschönt bei nur 70% liegt ist einfach peinlich. Oder die Deutsche Bahn, die die S-Bahn hier in Berlin zur Profitmaximierung auf kriminelle Art und Weise kaputtgespart hat (u.A. hat man Wartungsbücher "optimiert").
Analyse: Wie die S-Bahn in Schieflage geriet - Berlin - Tagesspiegel
Beide Beispiele haben gemeinsam: Der Ausbau wird zu großen Teilen von den Steuerzahlern getragen, weil man ja den armen Aktionären noch Dividenden zahlen muss und im Falle der Telekom der Wille fehlt, die großen Gewinne anstatt in Bonis und Dividenden mal in das eigentliche Produkt zu stecken.
Oder die Privatisierung großer Teile des Berliner Wohnraums - darum gehts hier die ganze Zeit. Die Mietpreise explodieren.
Die Berliner Wasserbetriebe wollte man auch privatisieren - hat man auch gemacht, festgestellt, dass die Preise nur einen Weg kannten (nach oben), und sie zum Glück rechtzeitig wieder verstaatlicht.
Es gibt gewisse Dinge, die stellen eine Grundlage für die Entstehung von wirtschaftlicher Stärke dar. Dazu gehört jegliche Infrastruktur, Recht und Ordnung. Das gehört auf keinen Fall privatisiert - weil dann keine langfristige Zukunftssicherheit im Raum steht, sondern einzig möglichst kurzfristiger Gewinn.
Bisher hat sich Privatisierung einzig in einer Form bemerkbar gemacht: Am Anfang durch ein günstigeres und besseres Angebot, das sich schon nach kurzer Zeit ins totale Gegenteil verwandelt hat - kaputtgespart und extrem teuer, weil nur kurzfristig gedacht und investiert wird und daher alles doppelt und dreifach bezahlt werden muss. Und das allerbeste: Will der Staat nun an der Infrastruktur modernisieren oder arbeiten um das Land konkurrenzfähig zu halten, muss man bei den Privatunternehmen den Stiefellecker spielen.
Willst du mich veräppeln? Die Personalkosten gehen von der Rendite ab. Dann haben die Heimbesitzer halt keine 8% sondern nur noch 6%, an den Kosten wird sich nichts ändern. Und wenn die versuchen die Preise zu erhöhen, ziehen die Bewohner um.
Pflege ist ein Bereich wo die Löhne dauerhaft zu niedrig sind, da müssen sie steigen. Und diese bezahlen wir am Ende mit, daran ist ja nichts verwerfliches, dafür verdienen wir hier auch gut.
Du glaubst doch selber nicht, dass die stinkreichen Unternehmer freiwillig was vom Kuchen abgeben. Die Kosten werden 1:1 an die Kunden weitergegeben...
Einfach so den Pflegeheimplatz wechseln funktioniert auch nicht - die Plätze sind eh schon knapp. Bei alten Leuten sind Ortswechsel sowieso so eine Sache (sowohl sozial, als auch gesundheitlich) - insbesondere aber bei Pflegeheimbewohnern.
Und so als kleiner Tipp: Immer weniger Leute haben überhaupt die Möglichkeit, die Pflegeheime mitzuzahlen. Die Pflegeversicherung zahlt nur einen Teil, bei ehemaligen Geringverdienern ist die Rente zu klein um die Differenz aufzufressen, oft sind kaum private Rücklagen vorhanden - den Rest dürfen dann die Angehörigen zahlen. Und das kann gerade, wenn die Eltern keine sonderlich hohe Rente haben, richtig teuer werden.
Also sind junge Arbeitnehmer nicht nur durch immer höhere Sozialkosten und durch eine immer höhere Abgabenlast bestraft - gerade Arbeitnehmer mit Eltern die Geringverdiener oder "nur-gerade-so-Normalverdiener" waren werden in Zukunft noch ihr blaues Wunder erleben und doppelt bestraft sein. Jetzt schon. Da sind höhere Eigenanteile bei den Pflegeheimkosten nicht gerade förderlich.
Das in DIESE Käffer niemand von außerhalb ziehen möchte, hat sehr offensichtlich Gründe. Aber davon abgesehen: Nö, da scheint es kein gigantisches Job-Angebot zu finden. Jedenfalls find ichs spontan nicht. Erster Treffer für "Elektriker Plauen":
Ergebnisse Ihrer Jobsuche
Niemand, der einen gelernten Kabelleger sucht. Die Bahn würde wahrscheinlich einen nehmen, die nehmen gerade fast alles - aber dafür muss ich nicht nach Plauen.
Fliesenleger?
Friseur?
negativ
Mag sein, dass es auch die falsche Plattform ist, hab da keinen Überblick. Aber ich bezweifle, dass du irgend eine finden wirst, in der zu klassischen Ausbildungsberufen 10 Stellenausschreibungen zu finden sind. Klar gibt es auch in Kleinstädten freie Stellen für hunderte spezialisierte Fachkräfte. Aus genau dem Grund, den ich oben beschrieben habe: Pro Spezialisierung ist es jeweils nur ein Job von einem Arbeitgeber. Für so eine Stelle zieht nur jemand um, der ungebunden ist und an seinem aktuellen Arbeitsort gar keine Chance sieht. Alle anderen werden den Teufel tun und irgendwo hinziehen, wo nicht mindestens ein halbes dutzend potenzielle Arbeitgeber für sie in Reichweite sind.
Oder Einzelhandelskaufleute, Personalkaufleute, Industriemechaniker, KFZ-Mechaniker, Lokführer, Busfahrer... Die Jobmöglichkeiten auf dem Kaff sind äußerst begrenzt. Nebenher gibts oft kein vernünftiges Internet, eine allgemein eher schlechte Infrastruktur, kaum Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten und kaum spezielle Einkaufsmöglichkeiten innerhalb eines Dorfes bzw. einer Gemeinde. Und ohne Auto ist man auf dem Land generell aufgeschmissen.
Gibt eine Menge gute Gründe wieso immer mehr Leute in die Stadt ziehen. Eigentlich müsste man das Land zumindest hinsichtlich der Infrastruktur fördern... Nur naja, fast jeder dürfte wissen, dass cryon1c die Landbevölkerung quasi egal ist.
ruyven_macaran schrieb:
Gutes Angebot? Nö. Aber ein zweites, wenn das erste nichts wird. Ein sicheres schlechtes Einkommen ist besser, als ein unsicheres mittelmäßiges Einkommen (jeweils bezogen auf die lokalen Lebenserhaltungskosten)
Und Jobs, für die sich umziehen allgemein lohnen kann, also min. 1500 netto, eher 2000, gibt es in einer Kleinstadt mit 5000 Leuten oft nicht mal einen je Branche. Bei 100000 dann vielleicht 2-3, aber das ist trotzdem ein extremes Risiko. Nur für ungelernte würde die reine Einwohnergröße keinen Unterschied machen, aber die haben allgemein in wachsenden Gemeinden die besten Jobchancen und das sind auch wieder die großen Städte.
Seit wann haben Ungelernte die besten Jobchancen, gerade für was, womit man halbwegs komfortabel über die Runden kommt?
Eigentlich ist es eher so: Egal als was man später Arbeiten will, aber irgendeine Ausbildung sollte man immer gemacht haben. Höre ich andauernd.
Für einen 1500€ Netto-Job würde ich übrigens nicht umziehen. Das ginge ab 2000€ Netto los - 1500€-Jobs bekommt man selbst hier in Berlin zu hauf... Ist ja auch kein Wunder, liegen 1500€ doch schon recht nah an der Geringverdienerschwelle.
Und das auch nur in Abhängigkeit von der vorhandenen Infrastruktur und/oder der Leistbarkeit eines Autos.
ruyven_macaran schrieb:
Das bieten sie schon heute nicht mehr. Ich kenn niemanden, der in einer Großstadt lebt und die Stadt toll findet.
Naja, würde man hier in Berlin etwas mehr Wert auf Recht und Ordnung legen, wäre alles ok.
Wegziehen werde ich hier trotz meiner grundsätzlichen Verachtung der derzeitigen Berliner Politik trotzdem nicht - meine gesamte Bekanntschaft wohnt hier, meine Freunde wohnen hier und meinen Arbeitgeber gibts auch nur hier (und mit meiner Ausbildung hätte ich eh nur die Option, in andere Städte mit einer U-Bahn umzuziehen...).
Höchstens würde ich in den Speckgürtel ziehen - dann aber nur mit Auto. Der ÖPNV-Ausbau bis in den Speckgürtel wird niemals über das Notdürftigste hinausgehen können.
ruyven_macaran schrieb:
Die meisten der genannten Verbindungen sind die westlichen Enden der längeren Strecken. Also die Trassen, die bis 1990 tot fahren und aus Westberlin in abgeschnittene, tote Vororte nicht-führten. In den 90er und frühen 0ern war da afaicr auch kein Bedarf für Ausbau - Berlin wuchs nicht und zu DDR-Zeiten war da nie was hochgewachsen, weil das alle Orte mit dem Rücken zur Mauer und der brandenburgischen Leere vor sich waren. Ganz abgesehen davon, dass große Teile Westberlins selbst erst mal S-Bahntechnischn ausgebaut werden mussten, die BRD hatte in weiten Teilen nur auf Buslinien gesetzt, die schon mit dem Verkehr innerhalb der Insel ihre Mühe hatten.
Es gab damals so einige Problematiken...
Einerseits die Tatsache, dass nach dem Krieg weite Teile des Streckennetzes zerstört waren oder als Kriegsentschädigung abgebaut wurden und man wegen der politischen Unsicherheit nicht sonderlich viel ausgebaut hat.
Andererseits die damalige Problematik, dass die S-Bahn auch in Westberlin durch die Reichsbahn der DDR betrieben wurde. Entsprechend "beliebt" war die S-Bahn - und entsprechend gepflegt wurde sie. Im Grunde wurden nur die wichtigsten Strecken notdürftig geflickt, während unwichtigere Strecken zurückgebaut oder eingestellt wurden. Selbst der verbliebende und in Betrieb befindliche Bestand musste 1984, als die BVG West den S-Bahn-Verkehr im Osten übernommen hatte, grundlegend saniert werden. Da war kein Geld für den S-Bahn-Ausbau angedacht.
Ost-Berlin hat fast nur auf einen Straßenbahnausbau gesetzt, während in West-Berlin mWn. 1965 oder 1967 die letzte Straßenbahn fuhr und zum Großteil auf den Bus und den, in dicht besiedelten Gebieten sinnvolleren aber recht teuren, U-Bahn-Ausbau gesetzt hat.
Der Osten hat mWn. die S-Bahn ebenfalls kaum ausgebaut. Die BVG Ost hat von 1987-1989 allerdings Marzahn-Hellersdorf und Hönow per U-Bahn mit oberirdischer Streckenführung angebunden. Quasi eine S-Bahn, nur halt als U-Bahn betrieben.
West-Berlins Ansatz der U-Bahn und der Feinversorgung mit dem Bus war meines Erachtens nach nicht nur in Hinsicht auf eine autofreundliche Stadt der bessere - eine U-Bahn amotisiert ihre hohen Anfangskosten im Falle eines unterirdischen Streckenverlaufes durch ihre hohe Durchschnittsgeschwindigkeit, ihre extrem hohe Fahrgastkapazität, die geringe Störanfälligkeit im Vergleich zur Straßenbahn und insbesondere durch den praktisch nicht vorhandenen Platzbedarf an der Oberfläche. Eine Straßenbahn hingegen ist in erster Linie billig, dafür genauso unflexibel, auch mit eigener Trasse sehr Störanfällig, ohne eigene Trasse noch viel störanfälliger und noch viel langsamer, hat eine geringe Fahrgastkapazität und insbesondere der hohe Platzbedarf bei vorhandener Infrastruktur ist problematisch. Auch ist der Wartungsaufwand hoch und Bauarbeiten sorgen in doppelter Hinsicht für ein Verkehrschaos.
ruyven_macaran schrieb:
Erst jetzt, mit dem Boom der letzten 10-15 Jahre ist die Gegend auf einmal Speckgürtel und man braucht mehr S-Bahnen für die Häuslebauer. Im Osten, wo ein historisch konstant genutztes und auch zu DDR-Zeiten (gewohnt langsam) ausgebautes ÖPNV-Netz besteht, kenne ich nur eine einzige eingleisige Strecke auf Stadtgelände: Die südöstzliche Abzweigung vom Ring Richtung Köpenick/Müggelseeumfeld. Da ist ab Schöneweide bis Spindlersfeld nur ein Gleis in Benutzung und die Flächen für das Zweite wurden seit der Wende afaik auch teilweise überbaut. Spindlersfeld ist dann aber auch Endhaltestelle, sodass wie bei vielen jwd eingleisig verlaufenden Strecken gilt: Da wäre ein dichter Takt durchaus möglich, weil es nur ein kurzes Stickstück betrifft und Expresszüge, die nicht ganz durchfahren, währen überhaupt kein Problem.
Die Strecke nach Strausberg Nord wurde bis vor kurzer Zeit auch nur Eingleisig bedient. Deshalb gabs zwischen Strausberg und Strausberg Nord lange Zeit nur einen 40-Minuten-Takt. Die Strecken abzweigend von Blankenburg nach Hohen Neuendorf ist auch zum Großteil nur eingleisig ausgeführt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass spätestens ab Zeuthen die Strecke nach Königs Wusterhausen ebenfalls nur eingleisig ausgeführt war - wobei ich nicht weiß wie das da aktuell aussieht, ich war seit über einem Jahrzehnt nicht mehr dort.
Die Strecke nach Spindlersfeld könnte durchaus auch im 10-Minuten-Takt betrieben werden - spätestens dann, wenn man den Bahnhof Oberspree zweigleisig ausführt, damit ausgewichen werden kann. Ein großer Bedarf an der S-Bahn besteht dort aber nicht wirklich, die Gegend um Spindlersfeld wird hauptsächlich durch die Straßenbahn bedient.
ruyven_macaran schrieb:
Aber solange die BVG nicht genug Züge und Personal hat, nützt auch das ausreichenste Gleis nichts.
Der eigentliche Grund, weshalb ich mich genötigt war auf diesen Post zu antworten... DIE S-BAHN GEHÖRT NICHT ZUR BVG.


Die S-Bahn ist durch die Deutsche Bahn betrieben. Damit hat die BVG nichts zu tun.
ruyven_macaran schrieb:
Investoren, die Rendite erwarten, bringen kein Geld, sondern entziehen es netto. Das ist nun einmal der Grundgedanke: Hinterher mehr haben als vorher. Und wenn der, der hat, nicht in der Stadt wohnt, dann fließt das Geld offensichtlich ab.
Besser kann man es nicht ausdrücken.
ruyven_macaran schrieb:
Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich die Lohnhöhe nach der Seltenheit der Qualifikation richtet und ein massenhaft benötigter Job mag zu knapp, aber nie selten ausgebildet werden. Und (glücklicherweise) leben wir nicht mehr in einer exponentiell wachsenden Bevölkerung, sodass insbesondere jetzt in der Babyboomer-Verrentungszeit häufig nur ein Nachkomme in arbeitsfähigem Alter (möglicherweise aber auch noch ohne Job) auf zwei Pflegebedürftige mit bekanntermaßen in vielen Fällen knapper Rente kommt.
Und ehe du jetzt wieder den Smartarsch mit Eigenverantwortung und selber Vorsorgen auspackst: Die verarmten Rentner sind zwar Mitschuld an diversen Problemen unserer Zeit, haben während ihres Arbeitslebens aber noch erzählt bekommen, dass der Staat sich um alles kümmert. Heute stehen sie da und können sich gut bezahlte Pflege schlicht nicht leisten. Das müsste wenn dann über öffentliche Mittel z.B. aus Unternehmenssteuern bezahlt werden, wenn sich der Lebensstandard von niemand anderem verschlechtern soll. Und ich kann mich nicht erinnern, dass du deren Erhöhung zustimmst.
Ebenfalls bestens ausgedrückt. Wie oben schon erwähnt entsteht halt noch die Problematik, dass durch höhere Pflegeheimbeiträge speziell die Angehörigen enorm belastet werden. Insbesondere Angehörige von ehemals gering verdienenden Eltern oder solche, die selber nicht viel verdienen.
@ruyven_macaran
Es gibt aktuell halt den Trend, umweltbewusst zu leben und work/life-balance zu schaffen, da gehört es auch dazu, keine X Stunden pro Tag zu verschwenden um sich im Stau aufzuregen oder in den ÖPNV zu schwitzen. Daher gibt es auch wieder Leute die aufs Land ziehen, nicht nur in Speckgürtel, sondern auch in kleinere Städte.
Aufs Land ziehen viele Leute hauptsächlich deshalb, weil die sich die Mieten in den Städten nicht mehr leisten können, Ruhe haben und wenigstens wieder etwas Recht und Ordnung genießen wollen.
Niemad würde diese Vorteile....
cryon1c schrieb:
Was die Leute in die Städte zieht: Kultur, alles in Reichweite, Freunde/Familie, Weiterbildung (um sich halt auch zu entwickeln, das muss ja nicht mal was offizielles sein), bessere Verkehrsanbindung (Flughafen etc.) - es gibt so viele Gründe und der Job steht recht weit hinten bei vielen - man arbeitet um zu leben, man lebt NICHT um zu arbeiten.
... die du ja schon passend wiedergegeben hast aufgeben. Gerade in Zeiten, wo man in Städten das Auto am liebsten verbieten will, würde niemand freiwillig aufs Land ziehen, da die ÖPNV-Anbindung ins Land/auf dem Land bestenfalls notdürftig und absolut unflexibel ist.
cryon1c schrieb:
Und genau das hält die Leute in den Städten: alles was sie dahin zieht. Alles was auf dem Land fehlt. Bei einigen Sachen kann man das verstehen - welche Kultur, für die paar Rentner da? - aber einige andere Sachen sind höchst seltsam - auf dem Land lässt es sich doch wunderbar arbeiten, es gibt auch sehr sehr viele große Unternehmen die gerade die Standorte in der Pampa wählen weil man da Grundstücke hinterhergeworfen bekommt - es lohnt sich also. Thomann ist z.B. so ein Unternehmen, auf dem platten Land steht einer der besten Onlineshops für Musiker&DJ-Bedarf.
Schön und toll das Thomann ein auf dem Land gut laufendes Unternehmen ist. Weil es ein Versandunternehmen ist und daher nicht auf lokale Kundschaft angewiesen ist. Das sind Handwerksbetriebe, Supermärkte, Friseure, diverse Einzelhandelsgeschäfte usw. hingegen schon. Nur sind die Käffer so klein, dass sich das Geschäft kaum lohnt.
cryon1c schrieb:
Wenn alle anderen Gebiete auch anfangen den Leuten was zu bieten, wird sich das umkehren wie gesagt. Niemand will in einer 45m² Betonkiste leben wo man die Nachbarn ****** hört wenn man 30km weiter ein Haus haben kann fürs gleiche Geld.
Den jungen Leuten würde ein zeitgemäßer Internetanschluss vielleicht auch erstmal reichen. Das kann sich das Land aber nicht alleine leisten. Lohnen tut es sich für die privaten Unternehmen scheinbar kaum - und jedem dürfte bekannt sein, dass du das Land beim Internet am liebsten in der Steinzeit siehst...
Selbst für Internetunternehmen, für die der Ort sowieso praktisch egal ist, ist das Land unattraktiv - eben weil das Internet auf dem Land so schlecht ist. Nur willst du daran auch nichts ändern...
Mal abgesehen davon: Ich bin mir ziemlich sicher dass du, wenn nicht in diesem Thread, irgendwo mal geschrieben hattest, dass 45m² für eine Person doch eh recht viel wären und diejenigen die sich das nicht leisten könnten doch in eine noch kleinere Wohnung umziehen sollten...