AW: Telekom-Chef zu DSL-Vectoring: Vergiftete Debatte über eines der besten Netze Europas
Du scheinst das nicht so recht zu verstehen. Es geht bei deinen "Auflagen" nicht um die Telekom. Es geht darum, wie beim Straßenbau zukünftig zu verfahren ist. Das ist alles. Ob diese Kabel dann irgendwann mal aus Netz angeschlossen werden, ist im Endeffekt eine ganz andere Sache. Hauptsache die Kabel liegen erstmal unter der Erde.
Genau genommen hat die Telekom damit zunächst gar nichts zu tun.
Bis auf die letzte Meile entspricht es modernen Anforderungen mittlerweile sehr häufig sehr wohl.
Was hältst du davon, wenn du endlich damit aufhörst mit irgendwelchen Begriffen um dich zu schmeißen, nur um zu suggerieren, dass du "Ahnung hast", und einfach mal ganz normal und verständlich diskutierst? Hier geht es um Kupfer vs. FTTH. Mit diesen Begriffen kann jeder was anfangen und man kann auch ohne Fachbegriffe zielgerichtet diskutieren.
Genau das ist die Problematik. Witzigerweise korrodieren auch LWL.
LWL steht fuer Lichtwellenleiter, FTTH ist eine Bezeichnung fuer einen Kommunikationsanschluss im Haus basierend auf LWL.
Um das Fachliche zu erlaeutern, fuer optische Uebertragung wird Licht gepulst durch einen Lichtwellenleiter mittels Totalreflektion uebertragen. Dieser Lichtwellenleiter kann Glasfaser- aber auch Plastikfaser basiert sein. Die Lichtsteuerung kann durch gepulste Lichtquellen (auch mehrere mit unterschiedlichen Lichtfarben (multispektral) zur Bandbreitenerhoehung) oder statische Lichtquellen mit Shuttern, welche das Licht bedarfsweise abdunkeln/ablenken, erfolgen.
Es gibt noch Unterschiede (Multi Mode / Single Mode), aber wer sich dafuer interessiert, kann das auch selbst noch nachlesen.
Am anderen Ende sitzt ein Empfaenger, welcher die Lichtfarben/helligkeiten in elektrische Signale umwandelt. Zur Uebertragung in die andere Richtung ist dieser Aufbau in umgekehrter Reihenfolge zustaendig.
Es gibt uebrigens Sonderformen der LWL, z.B. sogenannte Bildleiter, bei denen muss darauf geachtet werden, dass alle Fasern ueber den gesamten Verlauf gleichpositioniert sind. Die haben aber andere Einsatzgebiete.
LWL werden auch dort eingesetzt, wo Sicherheit unumgaenglich ist, denn via verschraenkter Lichtquanten laesst sich eine ungestoerte Uebertragung weitestgehend sicherstellen. Das mit der Energieeffizienz hatte ich ja schon mehrfach erwaehnt. Der Einsatz von LWL bietet also viele Vorteile.
Wohlbemerkt, der Einsatz, nicht das Herumliegen.
Aber richtig, das Kernnetz der Telekom ist kein Schlechtes. Nur erfahren das die meisten Kunden nicht, denn sie duerfen es nur bezahlen. Genutzt wird es von Anderen. Der Teil, welcher fuer die grosse Masse der Kundschaft zaehlt, quasi im Idealfall FTTH, der soll nun auch noch aus Steuergeldern querfinanziert werden, da Marktgepflogenheiten anscheinend nicht fuer die Telekom gelten. In das eigene Kerngeschaeft zu investieren geht ja gar nicht.
Wenn aber jemand die Mittel schenkt, wie in Stolberg, dann geht es ploetzlich schnell zumindestens teilweise LWL zum Einsatz zu bringen (FTTC) aber selbstverstaendlich mit der Option noch mal die Haende aufzuhalten fuer den Ausbau zu FTTH.
Ein FTTH Netz wird auch durch den Bürger bezahlt.
Naja, aber der Buerger bezahlt erst die Erstellung via Steuern und dann die Nutzung via Nutzungsentgeld. Also genaugenommen 2x (oder gerne auch noch oefter). Ganz offensichtlich ein beliebtes Geschaeftsmodell der DTAG (Deutsche Telekom AG).
Und wieso kann man oeffentliche Transportinfrastrukturen nicht mit ehemals oeffentlichen Datentransportinfrastrukturen vergleichen? Weil das ein haessliches Bild auf die Telekom wirft?
Wuerde jetzt das Strassennetz im Stile der Telekom privatisiert werden, dann wuerde der neue Betreiber fleissig Gebuehren einheimsen, nur Schlagloecher flicken und Ausbau/Renovierung nur dort betreiben, wo es sich am meisten lohnt. Ein Ersatz der Strassendecke muesste vom Staat uebernommen werden. Bei Strassendeckenerneuerung wuerde sich gleichzeitig die Nutzungsgebuehr verdoppeln. Wenn andere private Strassenanbieter anschliessen wollen, dann liesse sich das erst via Regulierungsbehoerden einrichten. Es wuerde darauf geachtet werden, dass Autobahnen so konstruiert werden, dass kein nachtraeglicher Anschluss von anderen Anbietern stattfinden kann. Die Erloese werden in auslaendische Autobahnen investiert, welche aber mit der selben Liebe zum Detail gehandhabt werden wie die Inlaendischen und deswegen der Konkurrenz nicht standhalten koennen. Daraufhin werden sie in Sammelpools mit anderen Firmen, die aehnliche Interessen haben, geworfen und man haelt sich als Aktionaer vornehm im Hintergrund. Schuld sind die Anderen!
Anhang:
Annex A: in den meisten europaeischen Landern verbreitet, derzeit meist auf ADSL2+ beschraenkt mit 24/1.5Mbit.
Annex A kann niedrigere Frequenzen nutzen, damit erhoeht sich die Reichweite/Nutzgeschwindigkeit. Nachteil: ISDN nicht moeglich.
Annex B: Nur in Deutschland flaechendeckend ausgerollt, ISDN moeglich, geringere Reichweite, grosse wichtige Frequenzbereiche fuer den Endnutzer ohne ISDN unbrauchbar. Folge: schlechte Verbindung.
Annex J: Aehnliche Situation wie Annex B, aber bei geringer Leitungslaenge waere ein deutlich besserer Upload moeglich. Nutzung bei kleinen SDSL-Leitungen. Weiterer Nachteil fuer den Endkunden: er muss neue Hardware kaufen und sein Telefon funktioniert nicht mehr bei Stromausfall. Da heutzutage fast jeder ein Mobiltelefon hat, wurde dem Umbau zugestimmt.