Das ist so ein abgedroschener Satz. Ich z.B. nur Projekte, hinter denen ich voll und ganz hinter stehe. Ist das dann Arbeit oder macht es Freude? Das verstehen viele aber nicht, weil viele gar nicht erlebt haben, wie unglauiblich befriedigend es ist, eine Idee zu haben und dann eine Firma in der man arbeit, mit der man diese Idee umsetzen kann. Freiberuflich würde mir dazu immer das Geld fehlen. Einfach schöne Projekte. Soll ich statt dessen meinen Transporter zum Wohnmobil umbauen und das als "leben" ansehen, obwohl es eigentlich "arbeit" ist?
Der Satz ist prinzipiell allgemeingültig. Und deutlich weniger abgedroschen, als z.B. "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" und so n Quatsch.
Viel zu viele Leute bilden sich was darauf ein, hart und vor allem lange (Stichwort Überstunden) gemacht zu haben, gehen selbst krank zur Arbeit etc. etc. So werfen sie im Endeffekt ihr restliches Leben der Firma zum Fraß vor. Und merken nicht mal, dass sie es nötig hätten, mal längere Zeit Urlaub zu machen, weil der gute alte Burnout und seine Frau, die seelische Krankheit, vor der Tür steht. Und das sind keine Ausnahmen.
Ich verstehe die Forderung das man wegen der steigenden Kosten mehr Geld verdienen möchte, aber es muß immer noch im Verhältnis stehen.
Von welchem Verhältnis sprechen wir denn da? Zur Leistung? Zur Arbeitszeit (die ungleich Leistung ist)? Zur Verantwortung? Oder von welchem Verhältnis sprichst du?
Beispiel: Ein Erzieher in einer Kita oder in einem Hort verdient nicht besonders viel. Und ohne Zuschläge würden auch Heimerzieher nicht besonders viel verdienen. Nicht gemessen an der Leistung und Verantwortung jedenfalls, die ein Erzieher zu tragen hat.
Es folgt ein kleiner Rant:
Ein Erzieher hat in der Regel viel zu leisten und auch viel zu erdulden. Wir reden hier nicht nur von Papierkram, der jährlich immer mehr wird, und den man ja auch noch so nebenbei machen muss. Wir reden hier von überfüllten Gruppen. Wir reden hier von schlechten Personalschlüsseln. Von unfreundlichen bis aggressiven Eltern. Von Sprachbarrieren, von Kindern mit besonderen Förderbedarf, die einfach mal in die Einrichtung gesteckt werden und denen dadurch auch nicht geholfen ist. Wir reden von politischen Entscheidungen, von denen Erzieher noch deutlich mehr abhängig sind, als Arbeiter im freien Arbeitsmarkt. Wir reden von massiver Lärmbelastung und Personalmangel, weil (verständlicherweise) weniger Leute diesen Beruf übernehmen möchten oder können, als eigentlich nötig wäre, und weil viele Neueinsteiger nach durchschnittlich fünf Jahren das Handtuch werfen.
Sicher, es gibt jährlich ein paar Prozent oben drauf (bei Kommunen automatisch, bei Freien und privaten Trägern muss die Gewerkschaft verhandeln), aber genug, um der Verantwortung und der Leistung gerecht zu werden, ist es nicht. Dabei leisten Erzieher grundlegende Bildungsarbeit und haben immense Verantwortung, die aber durch politische Entscheidungen schlichtweg nicht adäquat umgesetzt werden können. Funktioniert einfach nicht. So ist weder der Berufsgruppe, noch dem Klientel geholfen.
Dazu kommt noch, dass völlig verantwortungslose Eltern ihre kranken Kinder in die Einrichtung stecken und dadurch eine Infektionskette los getreten wird, die im Worst Case dazu führt, dass noch weniger Mitarbeiter da sind und im Endeffekt nur noch Schadensbegrenzung betrieben werden kann. Weil die Eltern entweder kein Bock auf ihre Kinder haben oder weil sie sich fürchten, auf als Arbeit unkollegial bezeichnet zu werden oder n schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie mit dem kranken Kind daheim bleiben.
Ein guter Freund von mir hat satte 1000 Euro mehr aufm Konto, als ich (ich bin Erzieher). Der Mann hat einen Bürojob und sitzt vier Stunden am Tag auf Arbeit rum, weil er seine Aufgaben in der Hälfte seiner Arbeitszeit erledigt. Im Endeffekt zeigt er nur Präsenz und sitzt da, weil irgendwann mal auch mal ein Anruf erfolgen könnte. Der Mann kennt den Begriff "Stress" gar nicht. Er wird nach Arbeitszeit, nicht nach Leistung bezahlt. Und mit fast 3000 netto aus meiner Sicht überbezahlt, weil weder Leistung, noch besondere Verantwortung gegeben sind.
PS: Ihm mach ich übrigens keinen Vorwurf. Es geht hier nur um das Verhältnis.
Wo bitte ist da das Verhältnis zur Leistung und zur Verantwortung? Ich kann hier auch gern Pflegekräfte als Beispiel heran ziehen. Friseure? Angestellte im Handwerk (bei weitem nicht jeder verdient gut im Handwerk)? Alles Berufsgruppen, die verdammt viel leisten, teilweise auch viel erdulden müssen und viel Verantwortung haben, aber gemessen an dem, was sie tun, unterbezahlt sind. Auch Gemeindearbeiter, die auf der Straße den Müll aufsammeln müssen, haben meine Hochachtung.
Wollen wir auch nicht irgendwelche Manager und Vorstände vergessen, die jährlich Millionen scheffeln, für...ja, für was eigentlich? Die halten den Laden nicht am Laufen.
Fakt ist einfach, dass das Märchen von "viel Geld für viel Leistung" ein Mythos oder zumindest eine Rarität im Arbeitsmarkt ist.
Natürlich vergesse ich hier nicht die Qualifikation. Aber ob Qualifikation ein Faktor ist, an dem sich die Bezahlung messen lassen sollte, ist auch fraglich. Ein Programmierer (der in der Regel einen akademischen Abschluss hat), der eine smarte Waschmaschine programmiert, sodass man sie mit dem Smartphone bedienen kann, leistet sicher etwas, das ich durchaus respektiere (unabhängig davon, ob er auch viel leistet), aber keinesfalls hat diese Person Verantwortung in dem Maß, wie von mir genannte Berufsgruppen.
Rant abgeschlossen.
Aber es gibt ja das tolle Bürgergeld, was die ganze Sache unterstützt.
Wenn Bürgergeld für den ein oder anderen attraktiver ist, als Arbeit, dann läuft nicht beim Bürgergeld was schief, sondern beim Arbeitsmarkt. Und Arbeit würde sich nach aktuellem Stand auch dann nicht lohnen, wenn das Bürgergeld geringer ausfallen würde. Oder meinst du, dass Leute ernsthaft glauben, dass die Löhne steigen, wenn Bürgergeld geringer ausfallen würde?
So ist dieser Tritt in Richtung Thema Bürgergeld nichts anderes als bloße Polemik, ohne Hand und Fuß.