AW: Spielemarkt: Deutsche Gamer werden immer älter
Ich bin Jahrgang 1951. Habe mir vor 3 Jahren meinen ersten PC gebaut, inzwischen sind es 2.
Herzlichen Glückwunsch!
Da bin ich ja noch ganz rüstig (geb. 1958).
Das Spielen hat mich seit dem Aufleuchten des erstem Bildschirms fasziniert.
Und der war grün:
www.robotrontechnik.de - Die Geschichte der Computertechnik der DDR.
Spielen konnte man mit dem MC80.22 (Z80-Clone) noch nicht, aber eine analoge Kennlinendarstellung und Sprachausgabe! war möglich.
Das Kassettenlaufwerk war
vollautomatisch und tipptastengesteuert aus dem SKR 700.
Nur der Auswurf war manuell und ungedämpft.
Ich hab mal eine Assemblerroutine für einen schnelleren Suchlauf geschrieben.
Eine Woche später hätte ich sie komplett vergessen ohne Aufzeichnungen mit Kommentaren .
Mit dem Nachfolger MC80.30 ging dann schon etwas mehr und man konnte kleine Grafiken ausgeben.
Ein großer Schritt und der meistgebaute PC-ähnliche Computer Ostdeutschlands, der PC 1715
www.robotrontechnik.de - Die Geschichte der Computertechnik der DDR
hatte zwar nur ASCII-Grafik, aber es gab tatsächlich Spiele für die Kiste:
- Yazzy,
- Space Invaders,
- Ladder,
- Startrek und weitere.
Die Frau auf dem Bild würde übrigens bei einem Buchwert von 19.000 M nicht mitgeliefert.
Die Kiste hatte eine U880-CPU (CMOS-VAriante des Z80), keine Festplatte! und zwei 5,25 Zoll Diskettenlaufwerke.
Wenn man Pech hatte und es sind beide Disketten gleichzeitig abgeraucht (hab ich mehrmals erlebt), war die ganze Arbeit (als Programmierer) zum Teufel.
Macht besonderen Spaß bei Assembler.
Der Nachfolger dieser Kiste war ein 16Bitter:
www.robotrontechnik.de - Die Geschichte der Computertechnik der DDR.
Der Prozessor war ein echter Russe:
www.robotrontechnik.de - Die Geschichte der Computertechnik der DDR - Nachbau des I 8086.
Festplatte - Fehlanzeige.
Das Grün des Monitors hat die Nerven so schön beruhigt.
Schloß man die Augen, war alles rot.
Der konnte schon Grafikprogramme (monochrom - brrr) laufen lassen.
Mal sehen, ob ich den Buran noch finde, den ich mal gezeichnet habe.
Dann bekamen wir als echten PC den PC 40-3 von Commodore:
Commodore PC-10 bis PC-60 – Wikipedia
Ein XT mit 286er Intel-CPU.
Den konnte man per Tastatur von 8 auf 12 MHz übertakten.
Der Knüller war jedoch der Monitor: ein NEC, vollfarbtauglich.
Die besch... Grafikleistung erlaubte zwar nur EGA-Grafik, aber das war schon wie ein Wunder.
Es war zwar ein Büro-PC gekauft worden, selsamerweise fanden sich daruf solche Sachen wie Grand Prix, Zoom, ... .
Die popelige Soundausgabe war blamabel per 4cm-Lautsprecherlein, aber auch typisch für die Zeit.
Der zweite Pluspunkt: eine 20 MB Festplatte, bis auf ein paar 100kB voll.
Nach dem ich gelernt hatte, den upper Memory für Berechnungen zu nutzen, verkürzte sich ein Programm von 45min (Diskette - Diskette) über 15min (Diskette - Festplatte) auf 5min (Festplatte - RAM).
Das war eine Abrechnungssoftware für Monatsdaten in der Industrie (dBase III +).
Dann kam der große Knall 1989 und die Welt der Computer war offen.
Wie es weiterging, wißt Ihr ja:
- Megadrive,
- PC,
- Playstation,
- Saturn,
... .
Schade, daß ich den Amiga verpaßt habe.
Ich wollte ihn mir gerade zulegen, da gab es ein unschlagbares Angebot von comtech - damals ein Riesenladen.
Also rein in den Laden - 4.000 DM auf den Tisch gelegt und mit schwerem Gerät wieder rausgekommen.
Alle in der Wohnung aufgebaut und große Augen gemacht.
Da war eine ATI-Rage-Karte eingebaut (3D-Xpression).
Mir fielen bald die Augen raus.
Durch den NEC-Multisync Monitor (1.000 DM) waren die Bilder hell und kontrastreich.
Da saß ich fast den ganzen Tag davor.
Die Spieleindustrie explodierte zu der Zeit.
Jazz Jackrabbit hab ich mal als Shareware in einer Schreibwarenhandlung auf einer 3,5 Zoll Diskette gekauft (4 volle Level!).
Das Spiel fasziniert mich bis heute.
Es gab ein Vollfarbhandbuch mit einem wichtigen Hinweis:
"Wenn sie mal nicht wissen, was Sie tun sollen - Schießen sie."
Der Sound war hammermäßig gut (Creative Soundblaster 16:
SETBLASTER=A220 I5 D1 H5 P330 T6) und zählt auch heute noch zu den besten Computerspielsounds.
Dann ging es immer schneller (Unreal, Tombraider, Indian Jones, Rollcage, Descent, ...) und die Grafikkarten wurden immer dicker.
Heute fressen sie mehr Strom, als ein PC von 1995.
Ja, so ging es immer aufwärts mit der Spieletechnik.
Ob das mit der Qualität der heutigen Spiele auch so ist, wage ich zu bezweifeln.
Man hat PCs die das zig Tausendfache an Grafik- und CPU-Power haben.
Aber die Durchkonstruktion eines Spieles und die Leidenschaft der Entwickler scheinen manchmal nicht so durch.
Es kann ein Descent-level wesentlich mehr Spaß machen, als ein Schieß-Alles-Tot der manchmal schon abscheulichen Kriegsspiele von heute.
Bei Duke Nukem Forever mußte ich einem Alien neulich mit Hand den Kopf abreißen.
Ich bin ein großer Fan vom Duke, aber die bestialische Gewalt muß bitte nicht sein.
So, nun wißt ihr, wer vor der Kiste sitzt.
Hail to the Duke and Lara and R9A.
