Also ich kenne die Bücher nicht. Das ist mein Nachteil. Aber die Vorgänger habe ich gespielt und für mich ist Teil 3 dennoch kein "laues Lüftchen". Die Entscheidung im Bezug auf Ciri musst du dennoch treffen und wenn du da Mist baust wirst du am Ende unzufrieden sein. Was Witcher 3 hier anders macht als die Vorgänger ist das es nicht so offensichtlich ist. In den Vorgängern hat man immer sofort gewusst wann es um die Wurst ging. Die spiele schlugen einem den Zaunpfahl regelrecht ins Gesicht. Getreu dem Motto, "Hey du Depp, jetzt musst du mal aufpassen!"
Witcher 3 verpackt diese Entscheidungen eher unbewusst. Gerade im letzten Drittel das du ansprichst. Ich stimme zu das der Abspann etwas dünn rüber kommt, die Entscheidungen sind aber dennoch da. Man hat Einfluss wie der Krieg endet, was mit Ciri passiert usw. Im Bezug auf einige Charaktere wäre deutlich mehr drin gewesen, da stimme ich zu. Man hat recht wenig Einfluss auf die Spielwelt, aber man hat sehr wohl Einfluss auf die anderen Charaktere.
Eine Entscheidung, die man mehr oder weniger unbewusst fällt, ist keine Entscheidung mit emotionalem Impact. Außerdem sprach ich von MORALISCHEN Entscheidungen. Und nichts, was man im Zusammenhang mit Ciri entscheiden kann, ist wirklich moralisch kompliziert oder hat die berühmten Graustufen der Vorgänger. Schlimmer noch, gerade weil die paar Entscheidungen bezüglich Ciri so gut versteckt sind, kann man keinen guten "educated guess" machen, was Basis für eine gute Entscheidung im Spieldesign ist. So wie diese Situationen präsentiert sind, sind sie mehr oder weniger willkürlich und haben NULL emotionalen Impact. Die dienen nur dazu, die Geschehnisse in verschiedene Handlungsstränge bzw. Epiloge aufzuteilen. Wenn man durch ist, kann man nachvollziehen ala "ah ja, deshalb ist XY" passiert, das stimmt schon. Das macht die Entscheidungsituation an sich aber nicht besser. Da gibt es nichts abzuwägen, keine schwierigen Entscheidungen zu fällen, keine Gewissensbisse, keine "was wäre wenn" Gedanken. Zumal man das teilweise auch noch mit einem völlig kontraproduktiven Timer versehen hat, der in der jeweiligen Situation aber mal NULL Sinn macht...
Es hat seinen Sinn, dass in Videospielen Entscheidungen als solche zu erkennen sind, weil sie dadurch eine bestimmte emotionale Wirkung erzielen. Das ist so beabsichtigt und macht Sinn. Wenn man davon abrückt, muss man es schon VERDAMMT gut machen und das macht Witcher 3 eben nicht. Gerade in Bezug auf Entscheidungen (vor allem moralischer Natur) ist Witcher 3 für ein RPG eine riesengroße Enttäuschung imo.
Was mich aber auch interessieren würde, mal ab von The Witcher. Warum sind bei vielen hier eigentlich immer die Konsolen schuld wenn ein Spiel nicht ganz den persönlichen Wünschen entspricht? Zum Thema Grafik kann ich das ja noch nachvollziehen aber im Bezug auf erzählerische Qualität? Das würde im Umkehrschluss bedeuten das auf den Konsolen eben das dumme Volk zuhause ist das mit tiefgründig erzählten Geschichten nichts anfangen kann und eher Bling Bling Grafik mit viel Action braucht.
Geht ja nicht nur um die Geschichte, sondern auch um das generelle Spieldesign. Und ja, ich bin durchaus der Meinung, dass ein Großteil der Spieler auf Konsolen auf schnelle Action steht, die möglichst zugänglich sein sollte. Komplexe, tiefgründige, text- und storylastige RPGs waren schon immer eher auf dem PC zu Hause.
Witcher 3 musste bei der Größe und den Entwicklungskosten ein Erfolg werden. Daher hat man nun mal kein Titel draus gemacht den nur Fans der Bücher und der Vorgänger verstehen. Dann wäre das Teil nämlich grandios gefloppt. So gesehen wurde es für den Mainstream entwickelt um möglicht viele Spieler zu erreichen. Der Mainstream spielt aber auch am PC und nicht nur auf Konsolen.
Und weiter? Muss ich das jetzt mögen? Ich bin eher der Meinung, dass ein nur halb so großes Witcher 3 ein deutlich besseres Spiel hätte sein können, wenn man sich auf die Grundformel der Vorgänger und die Stärken der Serie besonnen hätte und eben NICHT der Hybris erlegen wäre bzw. der scheinbaren Zwang, neue Spiele immer noch größer zu machen. Größe ist völlig zweitrangig und vercasualisierte Mainstreamspiele gibts schon genug. Wenn man seinen Fokus verliert und seine Stärken nicht ausspielen kann, weil man sich übernommen hat oder das den Mainstream nicht anspricht, muss man sich eben nicht wundern, wenn sich alte Fans der ersten Stunde von einem abwenden, sorry. Mit PC und Konsolen hat das erst mal gar nichts zu tun, weil man auch nicht zwangsläufig den Mainstream auf dem PC ansprechen muss. Man kann auch einfach ein Spiel für eine bestimmte Zielgruppe machen, wenn man nur will. Aber CDPR wollte das offensichtlich nicht. Sie wollten halt "groß" rauskommen, und das geht scheinbar nicht (zumindest dem Ergebnis nach), ohne dass gewisse Dinge auf der Strecke bleiben...
Und wenn du mal mit Leuten sprichst die mit Witcher 3 angefangen haben, ohne Vorwissen zu haben, kann ich dir versichern das da oft genug nur Bahnhof verstanden wird da man die Hintergründe nicht kennt.
Alles relativ. Ich kenne auch Leute, die einen Großteil des Spiels prima verstanden haben, auch ganz ohne Vorwissen. Jedes Detail versteht man natürlich nicht, aber das ist ja auch nicht nötig. Ich kann dir aber versichern, dass es imo besser ist, wenn man Witcher 3 mit WENIGER Vorwissen spielt als wenn man das ganze Franchise zu 100% kennt. Denn je mehr man darüber weiß, desto mehr fällt die Narrative in Witcher 3 ab und letztlich auseinander...
Kurzum, für mich gehört die Witcher Trilogie zusammen mit The Elder Scrolls (vor allem Skyrim und Oblivion) zum besten was es gibt in Sachen RPG.
Unabhängig davon, was ich von Witcher 3 halte ist es imo ein Verbrechen, die Witcher Serie in einem Satz mit Skyim zu nennen. DAS hat CDPR nun wirklich nicht verdient.
Außerdem sind die wahren (W)RPG-Größen BG 2, PC:T, Fallout 2, PoE, D:OS, Gothic 1/2, Vampires: The Masquerade, Deus Ex 1/HR, Witcher 1/2 und mit einigen Abstrichen DA:O und ME. Einzig Morrowind kann da vlt. noch mithalten. Kann dir nur empfehlen, wirklich mal etwas tiefer in das Genre einzusteigen. Das hat viel mehr zu bieten als TES...
