@EndangeredSpecies
Alles gut und richtig.
Allerdings ist der Kapitalismus die einzige Gesellschaftsform für die der Mensch evolutionär gemacht ist. Jede andere Gesellschaftsform muss scheitern. Du kannst nur die ungerechten Spitzen des Kapitalismus abfedern und eine soziale Komponente als Unterbau machen. Dem Menschen das Ziel zu nehmen, mehr erreichen zu wollen, führt zu Stagnation und Repression. Anders geht es nicht.
Also entweder das China-Modell oder das "soziale Marktwirtschafts"-Modell. Andere Optionen sehe ich nicht.
Mir ist diese Sichtweise zu
biologistisch und
fatalistisch. Zu sagen, es läge in der Natur des Menschen, lässt den großen Teil seines Wesens außenvor, wonach der Mensch ein Kulturwesen ist, das sich seine sozialen Verhältnisse selbst einrichtet. Letzteres wäre eine linke Sichtweise: Der Mensch wird zuallererst durch seine sozialen Verhältnisse bestimmt. Dadurch wie er aufwächst, wie er aufgezogen wird, welche Werte und Verhaltensweisen er angenommen und gelernt hat, aber auch welche gesellschaftliche Strukturen aktuell welches Verhalten begünstigen bzw. bestrafen. Der Einfluss also von Familie, KiTa, Schule, Freund*innen, Medien, später Arbeitsumfeld usw..
Das eine, ist anzuerkennen, dass der Kapitalismus ungemeine industrielle Kraft entfesselt und Fortschritt vorangetrieben hat, dass andere ist, anzuerkennen, womit dies alles erkauft worden ist. Ein paar "Nachteile" führte ich weiter oben ja auf. Die allerdings sind meines Erachtens so gravierend, dass mensch sich nicht nur über Alternativen Gedanken machen sollte, sondern auch versuchen sollte, etwas zu ändern. Dabei ist uns durch menschengemachte Klimaerhitzung und Massensterben der Tiere ein zeitliches Limit gesetzt, da durch deren weitere Zuspitzung letztlich auch die Lebensgrundlage für Menschen vernichtet würde.
Eine zentrale Eigenschaft im Kapitalismus ist die Ungleichheit, begleitet u.a. von
Individualisierung und
Subjektivierung. Es geht dabei nicht nur um die materielle (Geld und Einkommen) sondern auch um die Machtebene. Wer also hat wieviel Macht und Einfluss?`Dabei ist festzustellen, dass Reiche ungemein mehr Einfluss geltend machen können als Arme. Sie halten Anteile an Unternehmen, die wiederum mittels Lobbyismus Einfluss auf die Politik und mittels Werbung Einfluss auf Konsument*innen nehmen, gründen Stiftungen (bspw.
Bertelsmannstiftung) mit gleichem Effekt, besitzen selbst Medien, sponsern "soziale Projekte" nach ihrer Ideologie usw.. Dann wird es den Ärmeren erschwert höhere Bildungsabschlüsse und berufliche Positionen zu erreichen. Tatsächlich gibt es keine wesentliche
soziale Durchlässigkeit. Weder haben sie große Chancen darauf Millionär*in zu werden (Der "american Dream" - vom Tellerwäscher*in zur Millionär*in - ist eine Lüge), noch Akademiker*in oder Abgeordnete. Desweiteren vereinzelt der Kapitalismus durch Schaffung von Konkurrenzverhältnissen (vor allem um Arbeit) und Verlagerung von Verantwortung auf das Individuum. Der Mensch als Einzelne*r soll und muss sich um sein "Schicksal" kümmern und soll sich stetig optimieren (Karriere, Gesundheit, Bildung, Aussehen, Image usw.). Das führt zu einer Fokussierung auf sich selbst. Die Mitmenschen und deren Schicksale werden weniger beachtet. Vor diesem Hintergrund ist es meines Erachtens durchaus nicht leicht, Veränderungen zu erzielen, auch wenn ich damit nicht sagen will, dass es unmöglich wäre und noch weniger, dass mensch es nicht versuchen sollte. Tatsächlich gibt es ja auch immer wieder Anzeichen dafür, dass bei vielen Unzufriedenheit da ist - siehe Proteste, Streiks, soziale Unruhen. Sie beinhalten durchaus das Potenzial zu einer Hinterfragung und Herausforderung der sozioökonomischen Verhältnisse.