AW: Politischer Gegenwind für die Telekom: "Rückentwicklungen sind indiskutabel"
Warum tauchen hier eigentlich immer nur die negativ Schlagzeilen auf?
Das Interview mit der Computer Bild wurde hier noch gar nicht erwähnt:
(Falls ich die News dazu übersehen haben sollte, dann Entschuldigung im vorraus)
Dort wird sehr kritisch jedes Detail nachgefragt bzw hinterfragt. Telekom stellt sich aber den Fragen und weicht denen auch nicht aus.
Seit Wochen steht genauso fest, das es weiterhin Tarife als Flatrate geben wird.
Zudem werden die Tarife mit den Datenvolumen noch angepasst, auch was die Namensgebung und den Preis betrifft.
Das sollte man bei all dem Bashing nicht vergessen. Zusammengefasst kann man sagen, wer wenig verbraucht, zahlt weniger, wer mehr verbraucht zahlt zukünftig mehr.
Interview:
COMPUTER BILD: Sigmar Gabriel wollte das Tempo auf deutschen Autobahnen auf 120 drosseln. Jetzt wollen Sie den Deutschen auch noch den Internetspeed nehmen. Glauben Sie so die Wahl zu meinem künftigen Provider zu gewinnen?
Niek Jan van Damme: Der Vergleich ist schlicht falsch: Wir wollen die Datenautobahnen für sechs Milliarden Euro schneller machen. Wir wollen für unsere Kunden die Tempobremse lösen. Fakt ist aber auch, dass nur drei Prozent unserer Kunden wirklich Vielnutzer sind, die das Internet im Durchschnitt zehn bis zwanzigmal stärker nutzen als die übrigen 97 Prozent. Diese 3 Prozent sind für 20 bis 35 Prozent des Verkehrs verantwortlich. Wir glauben, es ist absolut fair, dass diese 3 Prozent einen Beitrag leisten dafür, dass wir in Zukunft die Netze weiter ausbauen können. Und übrigens: Bei der Telekom wird es für Vielnutzer auch in Zukunft Flatrate-Angebote mit unbegrenztem Highspeed-Datenvolumen geben.
COMPUTER BILD: Wer ist eigentlich auf diese 75 Gigabyte-Grenze gekommen?
Niek Jan van Damme: Das ist ungefähr das Fünffache des durchschnittlichen Verbrauchs unserer Kunden.
COMPUTER BILD: In unserer Beispielrechnung kommen wir für eine Familie, die aktuelle Dienste wie Mediatheken, Skype und Spotify nutzt, auf einen Tagesverbrauch von 12 Gigabyte. Das reicht dann ja gerade mal für eine Woche, bis gedrosselt wird.
Niek Jan van Damme: Wir orientieren uns an der Realität in unserem Netz. Wir haben berechnet: 75 Gigabyte wären 10 Videos, 3 HD-Filme, 60 Stunden Radio, 16 Stunden Spiele, 400 Fotos und normaler Surf- und E-Mail-Verkehr. Damit würde man die 75 Gigabyte erreichen. Aber die meisten Kunden schaffen das gar nicht.
COMPUTER BILD: Und wenn doch? Kommt dann der Ladebalken wieder, den Sie 2006 in Ihrer DSL-Werbung mit dem Slogan "Tschüss Ladebalken!" verabschiedet haben?
Niek Jan van Damme: Ganz im Gegenteil, durch unsere Investitionen in den Aufbau neuer Netze, durch Vectoring und durch LTE werden wir immer schneller. Die 3 Prozent Vielnutzer werden sich entscheiden müssen, ob Sie 10 bis 20 Euro mehr im Monat zahlen wollen, um weiterhin eine unbegrenzte Flat zu haben. Außerdem werden wir auch eine Lösung anbieten für alle, die etwa sagen: Nur in diesem Monat brauche ich wirklich mal mehr Volumen. Dann kann man wie im Mobilfunk schnell und einfach Volumen dazubuchen. An unseren Überlegungen können sie sehen, dass wir an kundenorientierten Lösungen arbeiten.
COMPUTER BILD: Glauben Sie, dass die Drosselungsgrenze von 75 Gigabyte 2016 noch realistisch ist?
Niek Jan van Damme: Oft gesagt und wenig geschrieben: Die Werte sind dynamisch und werden sich mit der Nutzung ändern. Die sind nicht in Stein gemeißelt, auch hier gilt: Wir stellen uns der Realität, wenn wir 2016 den Durchschnittsverbrauch bei unseren Kunden im Vergleich mit 2013 betrachten, werden wir womöglich auch unser Maximalvolumen von 75 auf 150 verdoppeln. Aber wir kennen die Werte für 2016 noch nicht. Es gibt viele Studien, die sagen, die Datenvolumen werden sich bis 2016 vervielfachen. Schauen wir doch einfach 2016, wie es dann wirklich ist.
COMPUTER BILD: Woher sollen die Kunden wissen, wie viel sie verbrauchen?
Niek Jan van Damme: Auf unserer Homepage finden unsere Kunden zwei Programme, mit denen sie ihre Datennutzung am heimischen PC messen können (Anmerkung der Redaktion: Damit wird nur die Datenübertragung an dem einzelnen PC gemessen, auf dem die Software installiert ist, nicht der Datenverkehr von weiteren PCs, Tablets, Smartphones oder Spielekonsolen). Außerdem werden wir diese Informationen bis spätestens 2016 auch im Online-Kundencenter und auf der Rechnung bereitstellen.
COMPUTER BILD: Warum machen Sie es nicht wie die Krankenversicherung? Dort bekommt man oft am Ende des Jahres etwas erstattet, wenn man zum Beispiel nicht zum Arzt geht. Ist das ein Modell? Wer die 75 Gigabyte nicht verbraucht, könnte etwa mit 20 Gratisfilmen belohnt werden.
Niek Jan van Damme: Ich finde die Idee sympathisch. Wir schauen uns alles an und werden dann entscheiden. Wir nehmen das mal als Anregung mit.
COMPUTER BILD: Wenn die meisten das Limit gar nicht erreichen, geht es offenbar gar nicht um höhere Einnahmen von den Nutzern. Sondern darum, von Diensten wie Spotify oder YouTube Geld zu kassieren. Nehmen Sie die Kunden dann nicht in eine Art Geiselhaft, um Druck auf diese Anbieter auszuüben?
Niek Jan van Damme: Lassen Sie doch mal die Kirche im Dorf. Erstens: Der Netzausbau ist eine Riesen-Aufgabe, die Deutsche Telekom ist mit weitem Abstand der größte Investor. Wir wollen über die nächsten Jahre in den Breitbandausbau zusätzlich investieren. Für solche Investitionen brauchen wir das Vertrauen unserer Aktionäre, tragfähige Geschäftsmodelle und natürlich zufriedene Kunden. Zufriedenheit ist immer auch eine Frage der Gerechtigkeit. Deshalb nehmen wir die 3 Prozent Vielnutzer in die Verantwortung und nicht alle rund 12 Millionen Breitbandkunden... Wir werden von den wenigen Kunden 2016 voraussichtlich 10 bis 20 Euro extra im Monat verlangen für eine unbegrenzte Fiat, so wie Sie die heutzutage auch kennen. Zweitens gibt es tatsächlich Anbieter, die daran interessiert sind, mit unterschiedlichen Qualitäten Dienste im Netz anzubieten. Für Dienste wie Tele-Medizin etwa ist es notwendig, dass man da ruckellose Qualität anbietet. Ich kann mir das Modell zum Beispiel so vorstellen: Die Kunden bezahlen bei Spotify. Spotify bezahlt uns, um dafür zu sorgen, dass Spotify-Verkehr nicht noch mal auf das Kontingent berechnet wird. Solche Angebote gibt es auch bei unseren Wettbewerbern. Wir sind für alle Partnerschaften offen - gerne auch mit Start-ups.
COMPUTER BILD: Was sagen Spotify und YouTube oder Google zu diesen Vorschlägen?
Niek Jan van Damme: Die sind grundsätzlich an diesen Modellen interessiert. Die möchten natürlich auch gerne Geld verdienen. Nehmen Sie zum Beispiel YouTube. Ich könnte mir vorstellen, da wird ein YouTube-Basisdienst geboten, der für jeden mit guter Qualität anzuschauen ist - wie heutzutage auch schon. Zusätzlich aber gibt es zum Beispiel YouTube HD. Und wir werden sehen, ob Kunden bereit sind, für HD-Qualität 5 bis 10 Euro im Monat mehr zu bezahlen. Das kann jeder selbst entscheiden. Vielleicht sind andere auch bereit, für YouTube-Videos ohne Werbung 2 Euro im Monat zu zahlen. Diese 2 Euro können wir uns dann mit YouTube teilen. Solche Beispiele gibt es ja auch im Verlagswesen, denken Sie an Online-Angebote von Zeitungen, die für zusätzliche Inhalte Geld verlangen.
COMPUTER BILD: Laufen da schon konkrete Verhandlungen?
Niek Jan van Damme: Ja! Wir sprechen durchaus schon mit ähnlichen Diensteanbietern. Und zwar diskriminierungsfrei. Sowohl für die Anbieter als auch für den Endkunden. Es gibt den Vorwurf, wir würden über Inhalte entscheiden. In den meisten App-Stores entscheiden die Anbieter, welche Angebote eingestellt werden. Ich kenne keine Proteste, die sich gegen diese Praxis wenden. Wir nehmen keinen Einfluss auf Inhalte. Das ist nicht unser Interesse. Es ist eher umgekehrt. Wir sind daran interessiert, das Internet so breit und so groß zu machen wie möglich. Schon jetzt entstehen neue Geschäftsmodelle im Internet. Man sieht doch, dass Kunden verstehen, dass zusätzliche Leistungen etwas mehr kosten. Wenn sie Strom zu Hause nehmen, um zusätzlich damit zu heizen, werden Sie natürlich eine höhere Stromrechnung haben...
COMPUTER BILD: Sie sagen ja selbst, 2016 wird es echte Flatrates nur gegen Aufpreis geben. Dürfen Sie dann die aktuellen Tarife mit Drosselungs-AGB überhaupt noch als Flat bewerben?
Niek Jan van Damme: Ich finde es wichtig, dass wir offen kommunizieren. Dass unsere Kunden wissen, wie ihr Surfvolumen aussieht, dass wir klare AGB haben und unseren Kunden die Wahl lassen. Im Mobilfunk haben wir eine ähnliche Logik. Es wird natürlich in Richtung 2016 eine Differenzierung geben. Vielleicht nennen wir den Standardtarif dann "Flat 75", das Vielnutzer-Angebot "Full-Flat", das kann ich mir so durchaus vorstellen. Aber ich weiß es noch nicht.
COMPUTER BILD: Sie haben zunächst gesagt, für Bestandskunden ändere sich nichts. Jetzt kam heraus, dass im Zuge der Umstellung auf IP Telefonie zumindest alle Kunden mit alter Telefonie-Technik (analog und ISDN) auf die neuen Tarife umgestellt werden. Wurden die Kunden da nicht getäuscht?
Niek Jan van Damme: Nein. Die Umstellung auf die neue Technologie ist freiwillig. IP-Telefonie hat viele Vorteile, was etwa die Qualität angeht. Und Kunden mit mehreren Rufnummern sparen sogar vier Euro im Monat. Wir müssen von dieser alten Technologie weg. Aber das dauert noch etwas. In fünf Jahren sieht die Welt wieder total anders aus. Da reden wir vielleicht wieder über andere AGB.
COMPUTER BILD: Wir haben natürlich auch mal bei der Konzerntochter Congstar nachgefragt. Die drosseln nicht und haben es auch nicht vor. Eine Hintertür für Sie, wenn Ihnen die Kunden weglaufen?
Niek Jan van Damme: Auch hier gilt: Vor 2016 wird es keine Änderungen geben und für Congstar-Bestandskunden ändert sich nichts.
COMPUTER BILD: Sie haben jetzt in den letzten Jahren viel ins Marketing investiert. Jetzt macht dieses Wort Drosselkom die Runde. Ein unglaublicher Rückschlag. Was müssten Sie jetzt investieren, um dieses Image wieder loszuwerden?
Niek Jan van Damme: Zunächst müssen wir in den Ausbau unserer Netze investieren. Wir stehen heute für Qualität, diesen Anspruch haben wir auch für die Zukunft. Wir haben in den vergangenen Jahren massiv in den Service und in unser Netz investiert. Wir haben uns als Deutsche Telekom selbst diese Verpflichtung auferlegt, in Deutschland eine super Infrastruktur zu bauen. Eine Infrastruktur, die am Ende auf Glasfaser hinausläuft - aktuell mit dem Zwischenschritt VDSL-Vectoring. Ich kann doch nicht aus lauter Angst vor einer öffentlichen Diskussion die Augen vor den Herausforderungen der Zukunft verschließen. Leider geht dieser Aspekt in der derzeit laufenden Diskussion unter.
COMPUTER BILD: Zu Ihrem Leidwesen entscheidet sich der Kunde inzwischen ja oft gegen die Telekom und geht zum Beispiel zu den Kabelnetzbetreibern. Im letzten Jahr haben Sie gut eine Million Kunden in dem Bereich verloren. Und jetzt verschlechtern Sie noch mal die Konditionen. Man könnte fast das Gefühl bekommen, Sie möchten Ihre Kunden loswerden.
Niek Jan van Damme: Nein, wir möchten selbstverständlich alle unsere Kunden bestmöglich bedienen - auch Vielnutzer. Wir halten es aber für fair, wenn der Nutzer, der das Netz stärker in Anspruch nimmt, auch etwas mehr zahlt.
COMPUTER BILD: Wie viel kommt an monatlichen Kosten raus, wenn sie bei der Bestellung eines DSL-Anschlusses alle Optionen in den Warenkorb aufnehmen - ohne Entertain?
Niek Jan van Damme: Ein DSL-Anschluss mit 16 Megabit pro Sekunde kostet im Moment 34,95 Euro im Monat. Dafür erhalten Sie ein Komplettangebot. Zusatzoptionen können Sie dazubuchen, wenn Sie wollen.
COMPUTER BILD: Wir haben mal ganz genau nachgerechnet. Wenn man alles bucht, sind es genau 86,72 Euro.
Niek Jan van Damme: Das ist mehr, als ich gedacht hätte, da bin ich ganz ehrlich. Diese Zahl kommt auch nur zustande, wenn Sie sich für das gesamte Spektrum an Optionen entscheiden. Das ist praktisch bei keinem Kunden der Fall. Ihr Beispiel zeigt die Möglichkeiten, die wir unseren Kunden anbieten. Jeder Kunde entscheidet am Ende selbst, welche Optionen er möchte.
COMPUTER BILD: Apropos Netzqualität in Deutschland: Alles, was Sie machen, hilft eigentlich nur den Städtern. Bei der UMTS-Versorgung auf dem Land sah die Telekom im COMPUTER BILD-Netztest nicht so gut aus. Und die Ausbaupläne für VDSL mit Vectoring helfen auch der ländlichen Region nicht. Was sagen Sie den Leuten dort?
Niek Jan van Damme: Bitte nicht nur Schwarz und Weiß. Zur Mobilfunkversorgung: Bei LTE mit 800 MHz ist das Modell eher umgekehrt, da wird der ländliche Raum bevorzugt. Was 3G (UMTS) angeht: Wir haben mittlerweile rund 87 Prozent mit 3G abgedeckt. Das ist durchaus eine sehr gute Leistung. Im Festnetz wird das Tempo durch die Länge des Kabels begrenzt. Daran können Sie und daran kann ich nichts ändern. Deshalb wollen wir ja auch neue Technologien wie Vectoring nutzen. Wir sind nicht mehr das Staatsunternehmen, das verpflichtet ist, jede Jagdhütte mit 100 Megabit zu versorgen.
Quelle: Computer Bild