Moral ohne Gott möglich?

Bester_Nick

Lötkolbengott/-göttin
Moral ohne Gott möglich?

Hallo,

ich möchte wissen, ob moralisches Denken und Handeln auch ohne die Existenz Gottes zu begründen ist. Auch Atheisten denken und handeln praktisch moralisch (teils sogar moralischer als viele Theisten), aber wie sieht es mit der Theorie aus, mit dem philosophischen Fundament? Wie begründen Atheisten ihre moralische Richtschnur?
 
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Ich hatte mal mit nem Religionslehrer eine Diskussion über dieses Thema gestartet und wir sind beide zum Entschluss gekommen, dass das moralische Verhalten großteils auf die Erziehung zurückzuführen ist.
Wird ein Kind falsch erzogen handelt es in Gewissen Situationen des Lebens nicht moralisch.
 
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Das ist eine Diskussion, die nie zu einem "richtigen" Ergebnis kommt.
Das liegt schon allein daran, dass "Moral" von jedem Individuum anders definiert wird. Oder einfach gesagt: Was für dich moralisch ist, muss noch lange nicht für mich gelten.
Um mal ein Beispiel für einen "moralischen Konflikt" zu nennen:
In einer "dem reinen Nutzen zugewandten" Gesellschaftsform, kann es moralisch richtig sein einen Menschen gegen seinen Willen zu töten, um mit seinen Organen mehreren Menschen das Leben zu retten.
Will heißen --> die eigene Moral wird von Allem geprägt, was dein Leben beeinflusst.
Es gibt keine richtige und falsche Moral, es gibt nur Verschiedene.
Und um meinen Comment abzuschließen:
"Stuhlgang schmeckt gut! 1000 Fliegen können nicht irren!":D
 
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AW: Moral ohne Gott möglich?

Nehmen wir mal aus aktuellem Anlass die IS-Terroristen. Deren moralischer Kompass ist dermaßen im A**** und die glauben ja laut eigener Aussage an Gott. Deren brutales Vorgehen rechtfertigt meiner Meinung nach sogar den Einsatz chemischer Kampfstoffe. Mit konventionellen Mitteln wird man die nicht aufhalten können. Würde mich mal interessieren, wie es um deren Fanatismus bestellt ist, wenn sie in einer Wolke aus Sarin stehen und mit dessen Wirkung konfrontiert sind. Ich würde mich ansonsten als moralischer Mensch bezeichnen, aber wer dermaßen brutal vorgeht, darf keine Gnade erwarten.
 
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Auch Atheisten denken und handeln praktisch moralisch (teils sogar moralischer als viele Theisten), aber wie sieht es mit der Theorie aus, mit dem philosophischen Fundament?

Wertung in einer wissenschaftlichen Frage? ;)
Damit lenkst du ja schon fast die hier zu erwartenden Ergebnisse und verfälscht damit die Beantwortung deiner Frage.


Auch wenn ich nicht direkt aus wissenschaftlicher Literatur zitieren kann, da das einfach nicht mein Gebiet ist, versuche ich mal den passenden Ansatz dazu zu liefern.
Für die Betrachtung müssen wir aber Moral an sich als eine individuelle Ebene betrachten, nicht als die soziale Konstruktion, die sie eigentlich ist.

So sehe ich Moral als etwas, was in jedem Menschen inherent ist, wenn natürlich auch teilweise mit weitaus verschiedenen Hintergründen und Motiven. Ein einfacher Ansatz hierzu wäre "was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem ander'n zu"
Hieraus resultiert zumindest eine Moralvorstellung, jeder Mensch, egal seiner Hintergründe, Taten und Motive im Leben, hat selbst einmal, oft bereits schon sehr früh, in einem Stadium, in dem die geistige Fähigkeit nicht ein mal ausreicht um den Begriff "Moral" zu erfassen, Dinge erlebt, die ihn verletzt, enttäuscht, etc. haben - hieraus resultiert die Vorstellung von "Moral", auf der Basis dass man, mit einer gewissen Aktion als Empfänger dieser, sich schlecht fühlt - man möchte sich aber nicht schlecht fühlen, einfach gesagt ist es in Nachhinein dann ziemlich unschön, wenn einem dieses oder jenes dennoch wiederfahren ist. Was einem selbst wiederfahren ist, versucht man selbst, anderen nicht anzutun (oder in einem anderen Moralkonstrukt, z.B. Rache, dies gleichzutun), um den-/diejenigen nicht ebenso mit seinen eigenen Taten zu "verletzen"

Dieses Denken ist durchaus ohne eine theistische Ebene möglich, angefangen beim Säugling, der von Mama gefüttert werden möchte und es als "unmoralisch" (das übersteigt die geistigen Vorstellungen eines Säuglings) ansieht, wenn er nicht von Mama gefüttert wird.

Zu meinem Denkansatz gehört natürlich, dass man Moral so sieht, wie ich das gerade sehe -> als Aktionen, die man selbst als enttäuschend/verletzend (= unmoralisch) empfindet - in der Literatur, mit der ich wieder nicht vertraut bin, könnte Moral wieder ganz anders definiert sein - den Wiki-Eintrag dazu spare ich mir jetzt mal einfach.

Unter einem prädeterministisch-theistischen Ansatz (= Gott bestimmt all unsere Taten, Menschen sind hirnlose Marionetten weil nur das passiert, was Gott will), funktioniert mein Erklärungsansatz natürlich nicht mehr, allerdings bedeutet die Falsifizierung durch einen anderen Denkansatz nicht gleich, dass meine Theorie strikt falsch ist.

Nehmen wir mal aus aktuellem Anlass die IS-Terroristen. Deren moralischer Kompass ist dermaßen im A**** und die glauben ja laut eigener Aussage an Gott.

Nein, sie haben nur andere moralische Vorstellungen als du, die allerdings für die Beantwortung der Frage des OT's nichts zur Sache tun. Ob das im A ist, hat in der Beantwortung nichts verloren und interessiert eigentlich vorrangig dich und Menschen die deine Meinung teilen.
 
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Ich würde sagen Moral ist nicht nur eine Erziehungssache,
oder von Gott abhängig.
Ein Moralinstinkt steckt wahrscheinlich auch schon in den Genen des Menschen.

Moral hat sich vermutlich durch die Evolution des Menschen gebildet,
vom Urmenschen bis heute.

Die moralischen Handlungen sind also abhängig davon,
wie die Evolution das menschliche Gehirn geschaffen oder verändert hat,
so meine Meinung dazu.
 
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@informatrixx

Wenn "Moralinstinkt" die Fähigkeit beschreibt, überhaupt eine Moral zu entwickeln, dann kann das durchaus stimmen.
"Moralische" Handlungen an sich, haben aber eher weniger mit "genetischer Bestimmung" zu tun.
Ein "Kaspar Hauser" hatte trotz gleicher genetischer Vorraussetzung, ganz andere moralische Vorstellungen, als alle Anderen die ihn später untersuchten.
 
AW: Moral ohne Gott möglich?

Nein, sie haben nur andere moralische Vorstellungen als du, die allerdings für die Beantwortung der Frage des OT's nichts zur Sache tun. Ob das im A ist, hat in der Beantwortung nichts verloren und interessiert eigentlich vorrangig dich und Menschen die deine Meinung teilen.
Dann hatte ich die Frage wohl falsch verstanden. Dein erster Satz hätte aber gereicht, um mir das zu verdeutlichen :schief:
 
"Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu."

Und

"Leben und leben lassen."

An beiden Sprichwörtern orientierte ich mich schon mein ganzes Leben und bin meiner Meinung nach super zurecht gekommen. Ich brauch an kein ausgedachtes Fabelwesen zu glauben um richtig zu handeln.
Religion mag zwar wichtig für einige Menschen sein, da sie ihre Hoffnung daraus schöpfen können aber diese ganzen religiösen Institutionen wie z.B. die Kirche mag ich nicht und empfinde sie als Bremse der modernen Zivilisation.
 
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Soll man es Moral nennen oder vielleicht nicht doch eher Skrupel wenn man den Glaubensteil auslässt? Diesen Gott würde ich eher das Alibi beistellen, wenn man als Mensch nicht weiter weiß, da man seine Grundwerte ja eher in der Erziehung bekommt welche nicht den Regeln des Glaubens entsprechen müssen
 
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Zum einen ist Moral nichts umfassend Objektives, da sie sich regional unterscheidet. Dennoch gibt es bestimmte Verhaltensmuster, die weltweit bestimmt zu 95% anerkannt werden.
Es ist allerdings einfacher, etwas als unmoralisch zu bezeichnen, als etwas als moralisch zu empfinden. Das ist letzten Endes auch der Grund dafür, dass es Strafgesetze gibt. Es gibt keine Belohnungen für moralisches Verhalten, allerdings wird unmoralisches Verhalten, welches andere Rechtsträger verletzt, sanktioniert.

Wollte eigentlich noch etwas weiter ausholen, allerdings ist das hier gar nicht nötig.
Wird würden wohl darin übereinstimmen, dass eine göttliche Moral objektiv sein muss. Zumindest, wenn man sich die großen monotheistischen Religionen anschaut. Demnach setzt Moral Gott nicht voraus, da sie subjektiv ist. :D

Ginge es nun darum, ob ein göttliches Wesen innerhalb unterschiedlicher Gruppierungen verschiedene Verhaltensmuster als moralisch empfinden könnte, wäre die Frage nicht zu beantworten. Hier ginge es dann wieder darum, ob solch ein Wesen existieren kann.
 
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Danke für die Beiträge. Allerdings sehe ich mich nicht als Moderator dieses Threads. Ich les nur still mit und denke über das Geschriebene nach. Moral ist ein sehr schwieriges Thema.
 
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Moral ist eine Definitionsfrage.
Ich geben meinen Kindern meine Moralvorstellungen weiter die man mir einerseits beigebracht hat -- sprich Erziehung -- und die ich mir andererseits angeeignet habe im Laufe meines Lebens.
Ob meine Kinder später mal zu anderen Moralvorstellungen kommen weiß ich nicht. Moralvorstellungen sind sicher auch immer ein Teil einer Gesellschaft.
Und Gesellschaften verändern sich. Sie sind nie statisch.
 
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Je nach Generation sollte man die Werte eh anpassen denn nicht alles was man anerzogen bekommen hatte ist noch zeitgemäß.
 
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Je nach Generation sollte man die Werte eh anpassen denn nicht alles was man anerzogen bekommen hatte ist noch zeitgemäß.

Und das ist das Problem bei der Religion.
Dort haben ein paar Männer -- keine Frauen -- ein paar Zeilen oder Bücher oder Buch geschrieben und das wird noch heute als Maßstab genommen.
Dabei wusste man damals noch lange nicht das was man heute weiß. Vor allem aus wissenschaftlicher Sicht.
Ich kenne jedenfalls keinen Vers in der Bibel -- oder Koran -- in dem es heißt dass es nichts bringt vor dem Kühlschrank zu beten denn davon füllt er sich nicht. :ugly:
 
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Gut das es in etlichen Teilen der westlichen Welt der kirchliche Zwang nicht mehr so ausgeprägt ist bis auf ein paar schwarze Ecken und die Gläubigen die Freiheiten einfach nehmen bis hin zum Kirchenaustritt. Die restliche Welt steht quasi fast im tiefsten Mittelalter still
 
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Denk an den christlichen Fundamentalismus in den USA.
Wenn da ein paar Spinner mit merkwürdigen Aussagen in das Repräsentantenhaus oder Senat gewählt werden dann machen mir um die paar Typen in den Abgeordneten Häusern fast schon weniger Sorgen als um die große Anzahl an Leute die die da rein gewählt haben.
 
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Die Gehirnforschung in Punkto Psycologie hat herausgefunden, dass vieles, was wir dachten, es sei angebohren, doch nur von den Eltern erlernt wurde. Stichwort Verhaltensmuster und Spiegelneuronen.

Daher denke ich, dass moralische Vorstellung aus dem kommen, was einem die Eltern vorgelebt haben und was die Umgebung einem vorgelebt hat. Am Ende, wenn man dann seinen eigenen Weg ins Erwachsenwerden findet, sucht man sich aus all dem vorgelebten das beste raus und macht es zu seiner Moral.

Nicht umsonst gibt es Gegenden, wo es unterdurchschnittlich zugeht und gehobene Gegenden. Es gab sogar mal ein Experiment dazu. Man stellte in einer gehobenen Gegend ein Auto mit offener Motorhaube ab. 3 Tage tat sich nichts und als es regnete, machte sogar einer die Motorhaube zu. Das gleiche machte man in einer "unterdurchschnittlichen Gegend". Die Batterie war bereits nach wenigen Stunden weg :ugly:

Daher ist meine Vorstellung der Moral eines jeden, die er in seinem Umfeld "gespiegelt" bekam, abseits von Religion oder nicht.
 
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Ok, die USA das ist auch ein Kapitel für sich mit Rassenhass, Waffenlobby etc.
 
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Ich würde mal sagen, auch Atheisten können einen adäquaten moralischen Kompass haben, oft sogar einen besseren. Eine Religion macht aus einem Menschen keinen besseren, es kann eine Wegweisung sein. Aber wie schon geschrieben, wird das Geschriebene /Gesagte durch derlei Filter/ Interprationen/Auslegungen/ eine Interessen / Machtkalkül missbraucht und entfremdet.
Nach meiner Überzeugung gibt es in allen Religionen /Weltanschauungen eine Gemeinsamkeit, oft Essenz genannt. Leider ist dieses fast kaum noch zu erkennen. Die entsprechenden Essenzen werden oft Mystiker genannt und belächelt. Dabei beherbergen diese oft noch als letzte die Kernaussagen...Dieses löst Reaktionen bei diversen Menschen aus, in diesen Tagen reicht oft schon (auch hier) der Begriff Religion , v.a. die Begriffe Islam und Koran, bei entsprechenden "Personen" eine habituelle Schnappatmung auszulösen...(finde ich Lustig zu lesen...:D).
Aber auch der Islam hat diese Essenz, bei denen wird häufig Sufismus genannt...
Bewusst lebende Eltern, authentisch und offen, können ihren Kindern meist sehr viel mehr mit auf dem Lebensweg geben.

Oh,. ich schweife ab, ich wollte eigentlich damit ausdrücken, das eigentlich jede Religion mit ihrer Essenz einen wertfreien /-armen Kontext mitbringt, dieser Kern (z.b. liebende, mitfühlende Güte...) ist in den Essenzen vorhanden...und dieser ist ganz eindeutig auch ein moralischer Richtungszeig. Gott / oder einen sogenannten exklusiv-Imaginärfreund...braucht es allerdings dafür nicht unbedingt.:D

Ich bin übrigens seit 20 Jahren in keiner Kirche mehr (kenne aber viele, von ex- Zeugen Jehovas, über Fundi-Freikirchen bis hin zu Erzkatholen, die meisten in meinem Gegenwartskontakten würde ich aber eher (genau wie ich selbst) eher dem "dicken Freundlich grinsenden Mann unter einem Baum sitzend" nahestehend bezeichnen..:)
 
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