AW: Moral ohne Gott möglich?
Auch Atheisten denken und handeln praktisch moralisch (teils sogar moralischer als viele Theisten), aber wie sieht es mit der Theorie aus, mit dem philosophischen Fundament?
Wertung in einer wissenschaftlichen Frage?

Damit lenkst du ja schon fast die hier zu erwartenden Ergebnisse und verfälscht damit die Beantwortung deiner Frage.
Auch wenn ich nicht direkt aus wissenschaftlicher Literatur zitieren kann, da das einfach nicht mein Gebiet ist, versuche ich mal den passenden Ansatz dazu zu liefern.
Für die Betrachtung müssen wir aber Moral an sich als eine individuelle Ebene betrachten, nicht als die soziale Konstruktion, die sie eigentlich ist.
So sehe ich Moral als etwas, was in jedem Menschen inherent ist, wenn natürlich auch teilweise mit weitaus verschiedenen Hintergründen und Motiven. Ein einfacher Ansatz hierzu wäre "was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem ander'n zu"
Hieraus resultiert zumindest eine Moralvorstellung, jeder Mensch, egal seiner Hintergründe, Taten und Motive im Leben, hat selbst einmal, oft bereits schon sehr früh, in einem Stadium, in dem die geistige Fähigkeit nicht ein mal ausreicht um den Begriff "Moral" zu erfassen, Dinge erlebt, die ihn verletzt, enttäuscht, etc. haben - hieraus resultiert die Vorstellung von "Moral", auf der Basis dass man, mit einer gewissen Aktion als Empfänger dieser, sich schlecht fühlt - man möchte sich aber nicht schlecht fühlen, einfach gesagt ist es in Nachhinein dann ziemlich unschön, wenn einem dieses oder jenes dennoch wiederfahren ist. Was einem selbst wiederfahren ist, versucht man selbst, anderen nicht anzutun (oder in einem anderen Moralkonstrukt, z.B. Rache, dies gleichzutun), um den-/diejenigen nicht ebenso mit seinen eigenen Taten zu "verletzen"
Dieses Denken ist durchaus ohne eine theistische Ebene möglich, angefangen beim Säugling, der von Mama gefüttert werden möchte und es als "unmoralisch" (das übersteigt die geistigen Vorstellungen eines Säuglings) ansieht, wenn er nicht von Mama gefüttert wird.
Zu meinem Denkansatz gehört natürlich, dass man Moral so sieht, wie ich das gerade sehe -> als Aktionen, die man selbst als enttäuschend/verletzend (= unmoralisch) empfindet - in der Literatur, mit der ich wieder nicht vertraut bin, könnte Moral wieder ganz anders definiert sein - den Wiki-Eintrag dazu spare ich mir jetzt mal einfach.
Unter einem prädeterministisch-theistischen Ansatz (= Gott bestimmt all unsere Taten, Menschen sind hirnlose Marionetten weil nur das passiert, was Gott will), funktioniert mein Erklärungsansatz natürlich nicht mehr, allerdings bedeutet die Falsifizierung durch einen anderen Denkansatz nicht gleich, dass meine Theorie strikt falsch ist.
Nehmen wir mal aus aktuellem Anlass die IS-Terroristen. Deren moralischer Kompass ist dermaßen im A**** und die glauben ja laut eigener Aussage an Gott.
Nein, sie haben nur andere moralische Vorstellungen als du, die allerdings für die Beantwortung der Frage des OT's nichts zur Sache tun. Ob das im A ist, hat in der Beantwortung nichts verloren und interessiert eigentlich vorrangig dich und Menschen die deine Meinung teilen.