ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
AW: Militär setzt Mursi ab.. Meinungen ?
Ein erheblicher Teil der Bevölkerung war und ist für ein theokratisches System...
Das vergessen irgendwie scheinbar immer alle, sobald es um Staaten im arabischen Raum geht: Teile der Bevölkerung wollen keine westliche Demokratie und noch wesentlich größere Teile sind zu keinen Kompromissen bereit, unabhängig davon, was sie wollen. Unter diesen Bedingungen eine funktionierende Demokratie zu errichten ist verdammt schwer - und bei regelmäßigem Einsatz von Gewalt und Waffen unmöglich.
(ich darf daran erinnern, dass Deutschland, mit wesentlich besseren Ausgangsvorraussetzungen, rund 70 Jahre, internationale Hilfe und 2-3 Versuche -mit einem nicht ganz unerheblichen Rückschlag dazwischen- gebraucht hat, um zu einem demokratischen Staat zu werden)
Mursi hat in seiner Regierungszeit so einiges ins Rollen gebracht, da gab es garantiert keine Einschränkungen. Das Problem war die Richtung sämtlicher seiner Entscheidungen - Islamismus.
2/3 der Wahlbeteiligten. Nicht 2/3 der Wahlberechtigten.
Bereits das Zustandekommen der Verfassung war alles andere als demokratisch und repräsentativ und die Regierungsmitglieder wurden iirc vom Präsidenten ausgesucht.
Und das nicht gerade ohne Grund. Statt Neuwahlen zu organisieren hat Mursi danach aber die Machtlücke kurzerhand mit sich selbst gefüllt.
Es ist einen Unterschied, ob man einen Staat auf eine Religion baut, oder ob man sich für die Verfassung eines Staates ein paar gute Ideen ausleiht. In ersterem Fall erhebst du nämlich die Religion zur ultima ratio und das bedeutet nicht nur, dass es schwierig wird, sich auf "vieles", was darin steht, zu beschränken, sondern das bedeutet auch, dass du eine Institution "Gott" einführst, die über Exekutive, Legislative und Judikative steht und die durch nicht-demokratisch ernannte Personen vertreten wird.
Ein religiöser Staat erreicht im best case ein Demokratieniveau, dass mit einer konstitutionellen Monarchie vergleichbar ist und im Worst Case ist er eine reine Tyrannei. Und der Übergang dazwischen ist extrem fließend.
Staat und Kirche sind in Deutschland nicht getrennt. Wir haben kirchliche Vertreter in jedem zweiten Ausschuss sitzen, wir haben regelmäßige Treffen zwischen Kirchenvertretern und Regierungsmitgliedern, wir gestalten Gesetze nach unserer "christlichen Tradition", der deutsche Staat finanziert mit gigantischen Summen kirchliche Einrichtungen, die Kirche genießt exklusive Sonderrechte und spezifische Gesetze, sie hat Verwaltungshoheit über Bereiche staatlicher Universitäten, wir haben kirchliche Zwangsindoktrination in unseren Bildungseinrchtungen,......... (man kann die Liste sicherlich sehr weit fortsetzen, nachdem man den Brechreiz überwunden hat) Und unsere Regierungschefin ist afaik auch auf Gott vereidigt - und damit sind weder Yawehe noch Allah gemeint (von unserem Präsidenten braucht man gar nicht erst zu reden).
Selbst die größten Wirtschaftsverteter dürften weniger Einfluss und Sonderstatus haben, als die Kirche in Deutschland.
Mursi und die Muslimbrüder sind eine Bedrohung für Agypten, die Bevölkerung und den Nahen Osten gewesen, deswegen ist eine Absetzung dieses fundamentalistischen Regimes zu begrüßen. Ägypten bleibt jedoch ein Pulverfass. Zwar bevorzuge ich grundlegend eine Militärdiktatur einem fundamentalistischen System wie dem Mursis, jedoch wäre es nun wünschenswert, dass nach einer Übergangsphase die Bevölkerung die Chance bekommt, eine freiheitliche Demokratie ohne fundamentalistische Grundstruktur zu errichten, sofern überhaupt gewünscht oder realisierbar.
Ein erheblicher Teil der Bevölkerung war und ist für ein theokratisches System...
Das vergessen irgendwie scheinbar immer alle, sobald es um Staaten im arabischen Raum geht: Teile der Bevölkerung wollen keine westliche Demokratie und noch wesentlich größere Teile sind zu keinen Kompromissen bereit, unabhängig davon, was sie wollen. Unter diesen Bedingungen eine funktionierende Demokratie zu errichten ist verdammt schwer - und bei regelmäßigem Einsatz von Gewalt und Waffen unmöglich.
(ich darf daran erinnern, dass Deutschland, mit wesentlich besseren Ausgangsvorraussetzungen, rund 70 Jahre, internationale Hilfe und 2-3 Versuche -mit einem nicht ganz unerheblichen Rückschlag dazwischen- gebraucht hat, um zu einem demokratischen Staat zu werden)
Und wie viele Menschen hat Mursi getötet?Man hätte Mursi mehr Zeit geben müssen,um zu sehen wie es weiter geht.In einem Jahr kann man nichts erreichen und wenn man was erreichen will,braucht man viel Geld,das Ägypten nicht hat.
Mursi hat in seiner Regierungszeit so einiges ins Rollen gebracht, da gab es garantiert keine Einschränkungen. Das Problem war die Richtung sämtlicher seiner Entscheidungen - Islamismus.
2/3 der Wähler haben bei der Volksabstimmung für die Verfassung gestimmt.
2/3 der Wahlbeteiligten. Nicht 2/3 der Wahlberechtigten.
Wer sich die Verfassung, welche die Regierung entworfen hat, auch nur oberflächlich anschaut, wird feststellen, dass sich Mursi nicht zum Diktator ernannt hat.
Bereits das Zustandekommen der Verfassung war alles andere als demokratisch und repräsentativ und die Regierungsmitglieder wurden iirc vom Präsidenten ausgesucht.
Dies war bitter nötig. Z.B. hatte die Justiz kurzerhand die Parlamentswahl für ungültig und somit das Parlament für aufgelöst erklärt.
Und das nicht gerade ohne Grund. Statt Neuwahlen zu organisieren hat Mursi danach aber die Machtlücke kurzerhand mit sich selbst gefüllt.
Naja auch Deutschland glaube ich hat den Eid auf die Bibel. Man kann so einen staat bauen denn vieles was darin steht ist noch nicht mal so doof man muss es nur im Zusammenhang betrachten. Und man darf niemanden eine religion oder unvernünftige regeln einer religion aufdrücken.
Es ist einen Unterschied, ob man einen Staat auf eine Religion baut, oder ob man sich für die Verfassung eines Staates ein paar gute Ideen ausleiht. In ersterem Fall erhebst du nämlich die Religion zur ultima ratio und das bedeutet nicht nur, dass es schwierig wird, sich auf "vieles", was darin steht, zu beschränken, sondern das bedeutet auch, dass du eine Institution "Gott" einführst, die über Exekutive, Legislative und Judikative steht und die durch nicht-demokratisch ernannte Personen vertreten wird.
Ein religiöser Staat erreicht im best case ein Demokratieniveau, dass mit einer konstitutionellen Monarchie vergleichbar ist und im Worst Case ist er eine reine Tyrannei. Und der Übergang dazwischen ist extrem fließend.
Nein.
Sowas machen nur US Präsidenten. Aber nicht weil sie es machen müssen sondern weil es gerne gesehen wird.
Clinton hatte das damals nach seiner Wiederwahl nicht gemacht und wurde dafür -- vor allem von der christlichen Rechten die die USA für den Staat Gottes auf Erden halten -- stark kritisiert.
In Deutschland ist Staat und Kirche getrennt was auch gut so ist. Ich will mir nicht von irgendwelchen Kirchenvertretern vorschreiben lassen wie ich zu leben oder zu lieben habe.
Freie Selbstbestimmung, freie Meinungsäußerung und die Wahrung der Gleichheit sind die Grundlagen der Demokratie. In Ägypten habe ich davon noch nie was gesehen.
Staat und Kirche sind in Deutschland nicht getrennt. Wir haben kirchliche Vertreter in jedem zweiten Ausschuss sitzen, wir haben regelmäßige Treffen zwischen Kirchenvertretern und Regierungsmitgliedern, wir gestalten Gesetze nach unserer "christlichen Tradition", der deutsche Staat finanziert mit gigantischen Summen kirchliche Einrichtungen, die Kirche genießt exklusive Sonderrechte und spezifische Gesetze, sie hat Verwaltungshoheit über Bereiche staatlicher Universitäten, wir haben kirchliche Zwangsindoktrination in unseren Bildungseinrchtungen,......... (man kann die Liste sicherlich sehr weit fortsetzen, nachdem man den Brechreiz überwunden hat) Und unsere Regierungschefin ist afaik auch auf Gott vereidigt - und damit sind weder Yawehe noch Allah gemeint (von unserem Präsidenten braucht man gar nicht erst zu reden).
Selbst die größten Wirtschaftsverteter dürften weniger Einfluss und Sonderstatus haben, als die Kirche in Deutschland.
Ist mir ja auch durchaus bekannt (bin als Politik- und Geschichtsstudent gewissermaßen "vom Fach"
); nichts anderes wollte ich, zugegeben stark verkürzt, mit "sofern überhaupt gewünscht oder realisierbar" ausdrücken. Der Allheilgedanke einer "Demokratie" des Westens für alle Kulturen ist zum Scheitern verdammt, besonders in Zeiten wie diesen, in denen in der westlichen Welt die demokratischen Regime verstärkt zu bröckeln beginnen. Nicht umsonst bezeichnen die Profs. unsere gegenwärtigen politischen Systeme im Westen vermehrt als postdemokratische Parteiendiktaturen. Die gewaltsame Einsetzung westlicher Dikaturen in Kulturen, welche in der Mehrheit diese gar nicht wollen, stehen unangenehm in der Tradition des Imperialismus - am amerikanisch/europäischen Wesen soll die Welt verwesen, oder so ähnlich.

