Dass eine höhere Initialladung derartigen Einfluss hat und auch noch entgegengesetzt der vorherrschenden meinung ist aber interessant - am interessantesten finde ich persönlich, dass wir nach so vielen Jahren Li-Ion Akkutechnikentwicklung und Nutzung solche fast schon Basics nicht wissen bzw. noch nicht getestet haben.
Technisch interessant: Ja.
Praktisch relevant: Nein.
Da steht, dass statt 10 Prozent 30 Prozent des in der Zelle vorhandenen Lithiums gebunden werden. Das heißt die Zelle hält danach zwar 70% mehr Zyklen aus, hat aber auch nur noch gut 75% ihrer eigentlichen Kapazität. Wenn ich die Lebensdauer einer immer von 0 bis 100% strapazierten Li-Io-Zelle mit einer vergleiche, die immer zwischen 15 und 90% oder 10 und 85% gehalten wird, also ebenfalls nur 75% ihrer Kapazität nutzt, bekomme ich die auch 1,7 mal so viele (Teil-)Zyklen hin, ganz ohne Starkstromformatierung, und behalte zusätzlich die Option, in Ausnahmefällen eben doch 100% zu nutzen. => Die Akkus so zu produzieren, wie heute üblich, ist die bessere Wahl.
@warawarawiiu
Du kannst dir ziemlich sicher sein, dass die 5 Jahre Akkugarantie auf genau solche Leute wie dich gerechnet ist die für den Akku den worst case darstellen - und dein Akku nach deiner Behandlung auch erst nach 6-7 Jahren bzw. nach Garantieablaiuf durch ist und du dann blöd aus der Wäsche kuckst während die Leute die etwas schonender mit dem Akku umgehen (was schon reicht ihn nicht absichtlich zu quälen) locker 10+ Jahre damit hinkommen werden.
Jup, wenn er die Strategie so durchzieht, dürfte er die Garantie in der Tat knapp verfehlen. Meist werden um die 1000 Vollzyklen von 0% bis 100% garantiert, ehe die Grenze (meist 70-80% Restkapazität) erreicht wird. Mit 5% bis 100% könnten es dann rund 1100 Zyklen draus, was bei der angegebenen Fahrweise 5,5 Jahre wären. Nach 4,5 Jahren wird der Akku soweit durch sein, dass niemand die Schrottmöre mehr kaufen möchte, aber nicht soweit, dass die Grantie greift. Man beachte hierbei auch die enorome Streckenleistung: 4,5 Jahre lang wöchentlich 4 mal 95% Laden bei 100% = 400 km wären fast 360000 km. Vermutlich sind viel Autobahn und maximal aggressiver Fahrweise im Spiel, um den Akku überhaupt so schnell leer zu bekommen, aber sodass es eher um die 250000 km sind. Aber auch so eine Karre ist offensichtlich durchgenudelt und hat, ohne (unmöglichen) Nachweis guten Akkuzustands, einen Restwert nahe null.
Bei etwas gesitteterer/normaler Nutzung (3 h Autobahn an jedem. einzlenen. Werktag? rly?) und "nur" 100000 km/a, würde ein viermal die Woche geladener Akku dagegen weniger als die Hälfte der möglichen Zyklen in 4,5 Jahren nutzen und wäre danach noch vollkommen okay. Allgemein halte ich es für ziemlich schwierig, mit einem Batterieauto >300 km WLTP die Akkuzyklen aufzubrauchen, bevor Fahrwerk/Antrieb/Karrosserie/Innenraum oder irgendwas anderes am Arsch sind. Und nur Extrem-Viel-Fahrer werden sowas innerhalb der zunehmend üblichen 8 Jahren Garantie schaffen. Schlagen kann man die Garanatie die nur bei sehr kleinen Akkus (WLTP <200 km, eher 150 km), wie einige i3-Käufer bewiesen haben. Aber die gibt es nur noch selten und dann oft in Kombination mit "100000 km" o.ä. als Fallback-Klausel.
Der Durchschnittsnutzer hat eher das gegenteilige Problem: Ein Akku mit der nötigen Kapazität für größere Ausflüge oder gar Urlaubsfahrten würde 50-100 Jahre halten, ehe die Zyklen ausgeschöpft sind. Aber niemand gibt eine Garantie für mehr als 10 Jahre kalendarische Alterung, die meisten nicht einmal das - und zwar vollkommen egal ob Batterieauto order irgend ein anderes Gerät. 10 ist das absolute Oberlimit, nur fahren Autos im Schnitt 20 Jahre auf deutschen Straßen - und danach nicht selten noch einmal 10-20 im Ausland. Der Restwert fällt dabei schon früh in Bereiche, in denen ein Akkutausch den finanziellen Totalschaden bedeutet.
Nicht zu vergessen, dass schon die 80%-Garantiegrenze bei vielen Modellen einen praktischen Totalschaden darstellt. 80% von 400 km sind 320 km. Davon die oberen 10% auch weiterhin ungenutzt lassen sind 288 km und ab 88 km Restreichreichweite sollte man sich normalerweise eine Tankstelle suchen. => 100 km Aktionsradius. Bei Autobahntempo wie üblich 1/3 weniger, im Winter die Hälfte. Das ist was für Leute, die als ökologische Katastrophe leben und einen Zweitwagen für Fahrten in ÖPV-erschlossene Städte "brauchen" und für die 2% der Bevölkerung, die tatsächlich auf dem Land leben und arbeiten, sodass sie in den kleinen Lücken zwischen Städten mobil bleiben müssen. Aber individuelle Massenmobilität basiert auf Gebrauchtwagen für <10000 €, die min 1000 km (oftmal auch 1500 km) mit 5 Minuten Pause schaffen. (zzgl. 15-30 Minuten an Pausen für Fahrerwechsel und Pinkeln, weil die Menschen nicht ganz so langstreckentauglich sind.)
Und noch ergänzend:
Wenn der Fahrzeughersteller möchte, dass der Akku nur bis 80% geladen wird, dann sollte er diese Funktion im Fahrzeug integrieren.
Höherpreisige/moderne Fahrzeuge bieten genau solche Funktionen, soweit ist man dann doch mittlerweile.