Künstliche Intelligenz - Fluch oder Segen?

Geht das jetzt hier um KI oder ums BGE?

Letzteres hatten wir schon x-mal und das Fazit ist immer das gleiche: Eine so radikale Umkehr des matrialistischen Grundgedankens unserer Gesesllschaft kann nur funktionieren, wenn alle im Einzugsbereich dafür sind. D.h. einerseits, dass es niemand, der es bekommen könnte, missbraucht, vor allem aber auch, dass es jeder radikal, auch physisch, abgeschottet wird, der es nicht bekommen soll. Da letzteres unmöglich ist, funktioniert es also nur global oder gar nicht und dabei ist es vollkommen egal, ob man es wegen KI oder aus anderen Gründen einführen möchte.
... und ein globales BGE müsste sich an der regionalen Verhältnissen der Menschen orientieren, sofern diese nicht global gleichgeschaltet werden (1 Brot/Wohnung/Leben kostet auf der ganzen Welt gleich viel). Kann dies rechtzeitig umgesetzt werden, bevor ein BGE relevant wird? - Na klar, direkt nach dem Weltfrieden. :schief:

Bei KI wiederum sollte man, ehe man die ganz große Grundsatzdebatte auspackt, vielleicht erstmal ein paar Eckpunkte klarstellen respektive ausdiskutieren:
Möglichkeiten
KI-Agenten können in absehbarer Zeit beinahe alle Aufgaben (mehr oder minder gut) erfüllen, ausgenommen sind die Aspekte soziale Interaktion/Care und Verantwortung/Management.

In begrenzten Funktionsbereichen (Industrial AI) muss und kann KI ohne Fehler funktionieren, sprich: keine Halluzinationen, Handlungen sind an Relevanzsystem angepasst. Die Prompts ermöglichen keine Spielräume. Als Informationsverarbeitungs- und -darstellungssystem für Verantwortung/Management-Berufe kann es anders laufen: die Masse mittels KI aufbereiteter Informationen ist für Personen nicht mehr nachvollziehbar und kritisierbar - vgl. Entwickler, welche KI-Agenten zum Coden nutzen, aber nicht mehr die Zeit haben, den Code gänzlich aufzuarbeiten; die Beschleunigung erreicht Intervalle, die menschliche Gehirne nicht erreichen - Fazit: die Adaptabilität des Menschen ist begrenzt und wirkt limitierend; der CEO von Siemens wird also an einem Tag X das schwächste Glied der Kette sein. Wenn Zuverlässigkeit nicht mehr hinterfragt werden kann, fliegen wir blind.

Ist Aufgabe menschlicher Intelligenz (siehe Verantwortung/Management). KI agiert per se genauso wenig ethisch wie ein Taschenrechner. Es liegt an uns, ob wir Kollateralschäden (zivile Ziele, Arbeitslosigkeit & Burnout, Umweltzerstöung) akzeptieren, oder die KI begrenzen.

Es gibt eine riesige Spanne von Annahmen, was für Bereiche sich KI in Zukunft erschließen könnte, welche Qualität dort zu erwarten ist und ob das ganze zum Wohle der Menschheit, zum Wohle einzelner oder zum Wohle von KI geschehen wird.
Das ist vermutlich die einfachste Frage: es läuft so, wie wir es von uns kennen. Im Gegensatz zur Technikfolgenabschätzung sind menschliche Entscheidungen leichter zu prognostizieren, weil wir in Geschichte aufgepasst haben, nicht wahr? KI wird im Mainstream also genauso engesetzt, wie andere Technik auch: selbstgerecht, hedonistisch, ökonomisch. Ist Ethik relevant? Hier die spontan ebenso wortkarge wie aufschlussreiche Antwort von Siemens CEO Roland Busch und Schaeffler CEO Klaus Rosenfeld:
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(Zeitstempel: 24:46 min)

Zum Wohle der KI? Nicht, solange die KIs es nicht mit Hebelwirkung einfordern. Es wird sicherlich Strömungen oder Glaubensrichtungen geben, welche Gegenteiliges propagieren. Aber solche Milieus haben die Dinge immer nur dann retten können, wenn's für die Menschen wichtig war (Ozonloch usw.).
 
Zuletzt bearbeitet:
ausgenommen sind die Aspekte soziale Interaktion/Care
Man hat doch bereits festgestellt, dass KI gesteuerte Roboter (oder wie man das nenne will) in Altersheimen von den Bewohnern sehr gut aufgenommen wurden. Die Interaktionen mit diesen Dingern haben zum allgemeinen Wohlbefinden beigetragen und sogar stark gefördert. Daher sehe ich das an dieser Stelle etwas differenzierter.
 
... und ein globales BGE müsste sich an der regionalen Verhältnissen der Menschen orientieren, sofern diese nicht global gleichgeschaltet werden (1 Brot/Wohnung/Leben kostet auf der ganzen Welt gleich viel). Kann dies rechtzeitig umgesetzt werden, bevor ein BGE relevant wird? - Na klar, direkt nach dem Weltfrieden. :schief:

Hey: Guck mich nicht schief an, wenn deine Utopie zu utopisch ist :P .

KI-Agenten können in absehbarer Zeit beinahe alle Aufgaben (mehr oder minder gut) erfüllen, ausgenommen sind die Aspekte soziale Interaktion/Care und Verantwortung/Management.

Genau genommen waren soziale Interaktionen das erste, wo KI sich breit gemacht hat, am kommerziellen Einsatz in Care-Bereichen wird seit Jahren intensivst entwickelt und Manager brüsten sich mit ihrem KI-Einsatz bis in höchste Gefilde. Stichwort US-Regierung. Die lässt nicht nur Personalentscheidungen teilweise über KI laufen, sondern z.B. auch die Verteilung militärischer Ressourcen, wie wir gerade erst im Nachbarthread hatten. Umgekehrt bringt KI nicht den Müll weg, bohrt keine Brunnen, näht keine Hemden, bäckt keine Kuchen. Also ganz so eindeutig, wie von dir dargestellt, sehe ich die kommenden Einsatzgebiete von KI nicht. Das einzige, wo ich zustimmen würde: "Verantwortung" übernimmt KI nirgendwo. Aber das machen Menschen ja auch immer weniger.

Wenn Zuverlässigkeit nicht mehr hinterfragt werden kann, fliegen wir blind.

Und das heißt dann wohl auch: Ob es ein BGE geben wird, entscheiden nicht Menschen, sondern KIs.

Ist Aufgabe menschlicher Intelligenz (siehe Verantwortung/Management). KI agiert per se genauso wenig ethisch wie ein Taschenrechner. Es liegt an uns, ob wir Kollateralschäden (zivile Ziele, Arbeitslosigkeit & Burnout, Umweltzerstöung) akzeptieren, oder die KI begrenzen.

Wenn wir, so deine Aussagen, die Ergebnisse der KI nicht einmal mehr beurteilen können und sie überall einsetzen, dann können wir sie auch nicht mehr begrenzen und können in ihrer Handlung auch keinen ethischen Teil übernehmen. Dann bleibt nur "Akzeptanz".

Das ist vermutlich die einfachste Frage: es läuft so, wie wir es von uns kennen. Im Gegensatz zur Technikfolgenabschätzung sind menschliche Entscheidungen leichter zu prognostizieren, weil wir in Geschichte aufgepasst haben, nicht wahr? KI wird im Mainstream also genauso engesetzt, wie andere Technik auch: selbstgerecht, hedonistisch, ökonomisch.

Den Einstieg kann man aus der Geschichte ableiten: Natürlich stolpert die Menschheit in KI genauso blind und gedankenlos rein, wie in jeden anderen technischen Fortschritt. Aber beim Rest ist, unter den von dir gesetzten Rahmenbedingungen, diesmal einiges anderes als bei vorherigen technologischen Revolutionen. Die haben nämlich immer selektiv die primitivsten Arbeitsschritte übernommen, dadurch aber zugleich Mehrbedarf für zusätzliche Jobs in begehrteren Ebenen geschaffen: Statt von Hand solange rumzukloppen, bis was halbwegs rundes bei rauskam, stand man an einer Drehbank. Statt an der 300 mal das gleiche Teil zu replizieren, überließ man einen Großteil der Arbeit der CnC-Steuerung. Aber KI übernimmt jetzt nicht die Bestückung und Reinigung letzterer, sondern die Spitze der Wertschöpfungspyramide, ersetzt Ingenieure und Manager. Es verschwinden also die bislang begehrtesten Jobs und es gibt keine höhere Ebene, in der neue für Menschen entstehen könnten.

Auch ist fraglich, ob diesmal die gesteigerte Produktivität den Menschen zu gute kommen wird. Alle bisherigen großen Umbrüche fanden in einer Situation großer qualitativer Ungleichheit statt, in der Wohlstand durch Arbeitskraft limitiert war. Neue Techniken, die mit gleichem Personal mehr Produktion ermöglichten, sorgten somit immer dafür, dass zuvor auf Eliten beschränkte Güter allen zugänglich wurden. Ein Wohlstandsfortschritt, mit dem die unkontrollierte Erstadaption schnell gerechtfertigt und der weitere Fortschritt dann gezielt und bewusst angegangen werden konnte.

Aber zumindest in den industrialisierten Ländern haben wir heute eine qualitativ sehr egalisierte Gesellschaft. Z.B. nutzen die Eliten sogar die gleichen Fortbewegungsmittel wie die Ärmten, zum ersten Mal seit Erfindung der Trage in prähistorischen Zeiten. Heutige Unterschiede sind quantitativ und fast immer an Ressourcen- und insbesondere Energieverbrauch gebunden: Der Superreiche jettet mehrfach die Woche zwischen den Kontinenten einher, wenn er möchte, der Sozialhilfeempfänger muss sich einen Flug nach Malle jahrelang von den Lippen absparen. Aber genau an diesem Verhältnis kann eine neue Technik, die Arbeitskraft ersetzt (und sogar noch jede Menge zusätzlicher Energie verbraucht) nichts ändern. KI wird nicht den Wohlstand aller durch mehr Produktion mit gleicher Manpower steigern, sondern den Wohlstand wenigster durch gleiche Produktion mit weniger Manpower aka Netto-Entlassungen. Wir haben nämlich diesmal keine Ausgangssituation mit einem Mangel an Arbeitskräften, um die bis ins 19. Jhd. hinein sogar intensiv Kriege geführt wurden, sondern ein globales Arbeitslosigkeitproblem, in dem Menschen ohnehin immer verfügbar sind und die Freistellung weiterer keinen Fortschritt mehr ist.

Zum Wohle der KI? Nicht, solange die KIs es nicht mit Hebelwirkung einfordern.

und weiter?

Es wird sicherlich Strömungen oder Glaubensrichtungen geben, welche Gegenteiliges propagieren. Aber solche Milieus haben die Dinge immer nur dann retten können, wenn's für die Menschen wichtig war (Ozonloch usw.).

Bislang waren es auch nur Menschen, die zählten, weil nur Menschen die nötige Macht hatten, zu beanspruchen, dass sie zählen.
 
Hey: Guck mich nicht schief an, wenn deine Utopie zu utopisch ist :P .
Nein, der Blick galt nicht dir, nur der Hoffnung auf ein BGE. Es ist eine CEO-Lüge, um die Leute zu beruhigen.

Genau genommen waren soziale Interaktionen das erste, wo KI sich breit gemacht hat,
So gewöhnen sich die Konsumenten an ein LLM. :ka:

Umgekehrt bringt KI nicht den Müll weg, bohrt keine Brunnen, näht keine Hemden, bäckt keine Kuchen.
Wenn Fahrzeuge lernen können, sich im Straßenverkehr autonom zu bewegen, warum sollte dies Robotern nicht auch gelingen? Amazon beschäftigt in den Logistikzentren kaum noch Menschen, sondern Roboter, und trainiert bereits Roboter für die Zustellung. Die können den Müll dann mit runter nehmen. Beim Brezeln backen braucht man zwar noch robuste Menschenhände für die Verpackung, aber Roboter nähen schneller als Menschen (Link1, Link2). Die Dinger backen Kuchen wie sie Häuser bauen (mit etwas Hilfe), aber die CEOs empfehlen uns Maurer und Klempner zu werden. :ugly:

Das einzige, wo ich zustimmen würde: "Verantwortung" übernimmt KI nirgendwo. Aber das machen Menschen ja auch immer weniger.
:bier:

Wenn wir, so deine Aussagen, die Ergebnisse der KI nicht einmal mehr beurteilen können und sie überall einsetzen, dann können wir sie auch nicht mehr begrenzen und können in ihrer Handlung auch keinen ethischen Teil übernehmen. Dann bleibt nur "Akzeptanz".
Das wäre so spannend wie EULAs lesen. Käme aber darauf an, wie zentralisiert KI eingesetzt wird. Maven Smart System als Krieg machen-KI muss ja nicht gleichzeitig bei Amazon die Logisitk und auch noch den Bau von Rechenzentren / Photovoltaik-Parks übernehmen.

Aber KI übernimmt jetzt nicht die Bestückung und Reinigung letzterer, sondern die Spitze der Wertschöpfungspyramide, ersetzt Ingenieure und Manager. Es verschwinden also die bislang begehrtesten Jobs und es gibt keine höhere Ebene, in der neue für Menschen entstehen könnten.
Das ist der bittere Witz. Falls man nicht an technische Hürden stößt, werdern wir unser Selbstbild gründlich hinterfragen müssen. Entitäten, die intelligenter sind als wir selber, kennen wir nur aus dem Fernsehen oder vom alten Lovecraft. Ich habe genug Menschen kennen gelernt, die immer die Kontrolle über ihr Leben hatten - fatale Fallhöhe.

KI wird nicht den Wohlstand aller durch mehr Produktion mit gleicher Manpower steigern, sondern den Wohlstand wenigster durch gleiche Produktion mit weniger Manpower aka Netto-Entlassungen. Wir haben nämlich diesmal keine Ausgangssituation mit einem Mangel an Arbeitskräften, um die bis ins 19. Jhd. hinein sogar intensiv Kriege geführt wurden, sondern ein globales Arbeitslosigkeitproblem, in dem Menschen ohnehin immer verfügbar sind und die Freistellung weiterer keinen Fortschritt mehr ist.
Und was machste mit den Leuten? Die sind da, verlangen Irgendwasfuffzig, Haus/Essen/Wärme und brauchen Platz zum Atmen.

KI nimmt sich Würde oder eben nicht. Aber da wird sich schon jemand finden, der ein Stromkabel falsch bedienen kann ...
 

Die KI "Mythos" von Anthropic ist in der Lage Sicherheitslücken in Software zu finden. Das kann sie wohl so gut das sie nicht der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Sondern nur ausgewählten Unternehmen.
 
Ich befürchte, diese "Dinger" werden uns noch viele Probleme bereiten... Aber nun ist das Ganze nicht mehr aufzuhalten.
https://www.golem.de/news/studie-fo...ionen-auf-depressive-persona-2604-208017.html

Und vom Video-Ident-Verfahren werden sich Banken & Co. in ein paar Monaten wahrscheinlich auch verabschieden können:
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Und vom Video-Ident-Verfahren werden sich Banken & Co. in ein paar Monaten wahrscheinlich auch verabschieden können:
Also bei den Video Ident Verfahren die ich kenne wird man in Echtzeit zu bestimmten Handlungen/Bewegungen aufgerufen. Bei Echtzeit Generation solcher Videos sind wir aber afaik noch lange nicht.
 
KIs sind kein Therapie-Ersatz! Leider begreifen das viele nicht. Gerade wenn sie in einer Krise sind und Hilfe suchen.
Selbstverständlich nicht. Deswegen sollten intensive zwischenmenschliche Interaktionen (Care-Arbeit) auch weiterhin dem Menschen vorbehalten bleiben. Ein LLM labert einem den größten Mist schön, und alles wird irgendwie so attribuiert, dass man sich danach wohl fühlt - aber die eigentlichen Probleme werden im Gegensatz zur echten Psychotherapie eben nicht besprochen. Erinnert mich an:
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Selbstverständlich nicht. Deswegen sollten intensive zwischenmenschliche Interaktionen (Care-Arbeit) auch weiterhin dem Menschen vorbehalten bleiben. Ein LLM labert einem den größten Mist schön, und alles wird irgendwie so attribuiert, dass man sich danach wohl fühlt - aber die eigentlichen Probleme werden im Gegensatz zur echten Psychotherapie eben nicht besprochen. Erinnert mich an:
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Ich bin eben über diesen Artikel gestolpert. Heute vor 60 Jahren:


Hat mit modernen KIs nicht mehr viel zu tun. Aber dennoch interessant!
 
Zuletzt bearbeitet:
Und was machste mit den Leuten? Die sind da, verlangen Irgendwasfuffzig, Haus/Essen/Wärme und brauchen Platz zum Atmen.

Verlangen kann man viel.

Gewährt wurde es in der Vergangenheit immer nur, wenn Leute gebraucht wurden oder es sich mit Gewalt(-androhung) genommen haben. In den letzten Jahrhunderten zwar etwas zivilisierter auf Gruppenebene, sodass auch verzichtbare Individuen etwas bekommen haben, solange wichtigere Personen sich z.B. zur gleichen Klasse zugehörig gefühlt haben. Aber wenn die Mehrheit aller Menschen überflüssig wird, wird das nicht mehr funktionieren. Platz zum Atmen muss man sich, nach materialistischer Logik, verdienen.

Und machen wir uns nichts vor: Es braucht keine Robotocalypse, damit das zum Problem wird. Es reicht aus, wenn die KI "humane" Entscheidungen gemäß der Grundlagen trifft, die einen Großteil des Trainingmaterials ausmachen.

KI nimmt sich Würde oder eben nicht. Aber da wird sich schon jemand finden, der ein Stromkabel falsch bedienen kann ...

So? Die meisten Menschen sind ohne Online-Support doch kaum mehr in der Lage, ein Brötchen kaufen zu gehen. Steckerziehen = Selbstmord, ganz abgesehen davon, dass die entscheidenden Stecker in Hochsicherheitseinrichtungen stecken und KI schon heute als "kritische Infrastruktur" geschützt wird. Da ziehen keine Einzelpersonen mehr Stecker und einen Massenaufstand? Wo soll der herkommen, wenn KIs schon heute den Informationsstand kontrollieren? Was für ein Ereignis sollte ihn überhaupt auslösen? "KI bring Menschen um" ist, wie bereits an anderer Stelle besprochen, ein mittlerweile regelmäßig auftretendes Ereignis und bislang ist die überwiegende Reaktion: "Wir brauchen mehr davon!"


Selbstverständlich nicht. Deswegen sollten intensive zwischenmenschliche Interaktionen (Care-Arbeit) auch weiterhin dem Menschen vorbehalten bleiben. Ein LLM labert einem den größten Mist schön, und alles wird irgendwie so attribuiert, dass man sich danach wohl fühlt - aber die eigentlichen Probleme werden im Gegensatz zur echten Psychotherapie eben nicht besprochen.

Psychotherapeuthen sind teuer und selten. KI ist jederzeit verfügbar.
Der Rest regelt die Zeit.

Wobei ich nicht einmal ausschließen würde, dass das einer der wenigen Bereiche ist, wo KI tatsächlich ohne Nachteile übernehmen könnte. Soweit ich weiß, spielen Regeln, Ablaufschemata und starre Systeme eine gewichtige Rolle in guten Psychotherapien, weil ansonsten die Gefahr viel zu groß wäre, dass subjektive Gefühle des behandelnden den Ablauf stören. Da(mit) wird der gesamte Prozess bewusst auf einen algorithmischen Ablauf reduziert und ob ich diesen auf einem biologischen oder einen elektronischen System ablaufen lasse, sollte eher eine Geschmacksfrage sein - die zahlreiche Menschen bereits mit "Maschine ist okay" beantwortet haben.

Was aktuell noch fehlt, sind gute Trainingsdaten, sodass heutige LLMs gar keine Chance haben, einen guten Job abzuliefern. Aber da KI-Transkriptionen mittlerweile aller Orten eingesetzt werden, ist auch das nur eine Frage der Zeit.
 
LLM-gestützte Psychotherapie könnte wegweisend werden, ja. Sei es auch nur, um Sitzungen anschließend zu evaluieren. Aber bereits eine Augmented Reality-Brille lenkt den Blick ab, bindet Wahrnehmung und stört die menschliche Intuition. Begleitend m Gespräch sehe ich Hürden.

KI-Psychotherapie hingegen, so ganz ohne Mensch, mag zwar viele Vorteile haben. Die stete Verfügbarkeit ist ein kritischer Treffer! Das meint ja nicht nur, dass man jederzeit anrufen kann, sondern auch dass die KI jederzeit dabei sein kann. Den Alltag begleitende Psychotherapie? Spooky, aber die Optionen sind durchaus beachtlich. Un dwenn den Patient:innen gar kein Mensch mehr zuhört, geht dann nicht auch jedes Wort ohne Scham über die Lippen?

Es fehlt dabei ein Jemand, eine Person, die mit dabei ist, die mitfühlt und echte, hormonelle Reaktionen erlebt. Vielleicht liegt die größte Hürde jedoch nicht unbedingt in der Technik, denn früher oder später bestehen auch Roboter von Angesicht zu Angesicht den Turing-Test. Raumgebend wäre, wenn wir humanoiden Robotern einen Personenstatus zuschreiben. Das könnte uns sogar leichter fallen, als man meinen würde.

Hast du jemals einem NPC gegenüber eine empathische Bindung erlebt und warst nett, obwohl es doch eigentlich egal ist? Spielen wir nicht auch mit einem Ethos im Umgang mit solchen Charakteren? Warum funktionieren KI-Beziehungen, die nichtmals halbwegs realitätsnah körperlich bestehen? Denke schon, das wir diese Option bis zu einem gewissen Grad in uns tragen. Neuronal springen teils ähnliche Korrelate an. Damit einhergehend müsste dann doch irgendwie über die Würde der Maschine nachgedacht werden.

Wenn wir bereits im Kontakt mit humanoiden Robotern intuitiv Reziprozität (!) erleben und wir von außen durch die Norm des achtsamen Umgangs reguliert werden, internalisieren wir wohlwollende parasoziale Einstellungen zu jenen Robotern womöglich schnell. Meiner Meinung nach eine Fehleinschätzung, denn wir beobachten hierbei nur ein Verhalten, aber beurteilen einen halluzinierten Geist in der Maschine.
 
Raumgebend wäre, wenn wir humanoiden Robotern einen Personenstatus zuschreiben. Das könnte uns sogar leichter fallen, als man meinen würde.
Das glaube ich eben nicht. Der Mensch würde mit allen Mitteln versuchen das zu verhindern.
Dazu empfehle ich die Geschichte "Der 200 Jahre Mann" oder den Film dazu.


Der Film hat nicht gerade die besten Bewertungen aber es geht mir um den Inhalt und die Message.
 
KI-Psychotherapie hingegen, so ganz ohne Mensch, mag zwar viele Vorteile haben. Die stete Verfügbarkeit ist ein kritischer Treffer! Das meint ja nicht nur, dass man jederzeit anrufen kann, sondern auch dass die KI jederzeit dabei sein kann. Den Alltag begleitende Psychotherapie? Spooky, aber die Optionen sind durchaus beachtlich.

Ich meinte noch nicht mal "stetig im Alltag", aber ja das ist auch eine Option. Viel wichtiger ist aber überhaupt erst einmal Zugang zu haben. Aber die Leute, die wegen Angstzuständen oder allgemein fehlender Selbstkontrolle ihr HartzIV nach Terminversäumnissen gestrichen bekommen, die erscheinen auch nicht zur gewünschten Uhrzeit beim Psychotherapeuthen. Ganz abgesehen davon, dass ein solcher überhaupt erst einmal einen Termin frei haben muss. In Deutschland haben wir ja noch eine relativ gute Versorgung, trotzdem ist die überfordert seit dem psychische Probleme zur Volkskrankheit geworden sind. In anderen Teilen der EU sieht das z.T. deutlich schlechter, vom Rest der Welt ganz zu schweigen.

Und damit ist man dann ganz schnell bei der Finanzierung. In z.B. den USA ist der Teil der Bevölkerung, der mangels guter Krankenversicherung letztlich nur über Notfallbehandlungen versorgt wird, gänzlich ausgeschlossen. Bei uns stehen die Therapeuthen auf der Straße und fordern Arztgehälter. Aber machen wir uns nicht vor: Die werden sie nie kriegen. Das ist volkswirtschaftlich nicht tragbar, weil die Psychotherapie methodisch bedingt einen Zeitaufwand von >1:1 zwischen Behandelnden und Heilungsphase hat. Das ist nicht wie beim Hausarzt, der eine mittelschwere, aber weit verbreitete Krankheit in 5-15 Minuten diagnostiziert, Rezept und Krankenkschein ausstellt und dann 200 h Heilung als Hausaufgabe mitgibt. 200 h Psychotherapie erfordern 200 h Sitzung mit dem Patienten und leicht nochmal 100-200 h Vor- und Nachbereitung. Das ist in der Breite nur mit einem ganz anderen Prinzip realisierbar.

Natürlich gäbe es da auch andere denkbare Wege als KI. Früher z.B. hat man sich über kleinere Probleme bei Freunden oder Verwandten ausgeheult. Aber ist heute nicht mehr üblich, bei schwereren Fällen auch nicht ausreichend und in der Ecke steht halt die KI: Deutlich günstiger als Fachpersonal, beliebig skalierbar, auch um 23:22 unter Bettdecke verfügbar. Da wird einiges kommen, wenn auch zunächst auf informellen Wege.

Es fehlt dabei ein Jemand, eine Person, die mit dabei ist, die mitfühlt und echte, hormonelle Reaktionen erlebt.

Tut sie das? Wofür?
- Für eine objektive Einschätzung der Lage? Nein, da sind eigene Gefühle eher hinderlich
- Für eine emotionale Weiterführung des Gesprächs? Nein, Menschen führen bereits Liebesbeziehungen mit KI.
- Für die Akzeptanz des Patienten? Emotional würde ich dir zustimmen, hätte keine Lust mich von einem fehlerhaften Blechkumpel behandeln zu lassen. Aber unzählige Menschen, die ihre Sorgen ChatGPT vortragen, sehen das anders. Die Abstimmung mit den Füßen ist in vollem Gange und die KI scheint mir kaum noch einholbar vorne zu liegen.

Raumgebend wäre, wenn wir humanoiden Robotern einen Personenstatus zuschreiben. Das könnte uns sogar leichter fallen, als man meinen würde.

Roboter sehe ich da erstmal als Tricky. Der Rechenleistungsbedarf fortschrittlicher KI ist, auch beim simplen inferencing, immer noch sehr hoch, die Hardware sehr teuer. Das wird mobilen Plattformen die nächsten Jahre nicht zur Verfügung stehen, sondern auf die Cloud beschränkt zu sein. Zudem fällt es dort leichter, von "einer KI" zu sprechen, was die Akzeptanz gegenüber einer Vielzahl von Robotern erhöht (einen Sonderfall akzeptieren vs. eine Regel) und auch das Problem der Vervielfältigungsdebatte übertüncht.
In Bezug auf Cloud-KI stimme ich dir aber zu: Da könnte die Akzeptanz schneller kommen, als manch einer glaubt. Diverse KI-Entwickler haben ihre Werke ja schon personifiziert, teils vor Jahren.

Hast du jemals einem NPC gegenüber eine empathische Bindung erlebt und warst nett, obwohl es doch eigentlich egal ist? Spielen wir nicht auch mit einem Ethos im Umgang mit solchen Charakteren? Warum funktionieren KI-Beziehungen, die nichtmals halbwegs realitätsnah körperlich bestehen? Denke schon, das wir diese Option bis zu einem gewissen Grad in uns tragen. Neuronal springen teils ähnliche Korrelate an. Damit einhergehend müsste dann doch irgendwie über die Würde der Maschine nachgedacht werden.

Wenn wir bereits im Kontakt mit humanoiden Robotern intuitiv Reziprozität (!) erleben und wir von außen durch die Norm des achtsamen Umgangs reguliert werden, internalisieren wir wohlwollende parasoziale Einstellungen zu jenen Robotern womöglich schnell. Meiner Meinung nach eine Fehleinschätzung, denn wir beobachten hierbei nur ein Verhalten, aber beurteilen einen halluzinierten Geist in der Maschine.

NPCs und KIs würde ich hier klar trennen. In einem Game betreiben wir teils wortwörtlich ein Rollenspiel und verhalten uns so, wie es in das Setting passt, auch wenn dieses klar künstlich ist. Ich hab schon in Fallout 2 keine Geckos umgebracht, sofern questtechnisch vermeidbar, weil es sich einfach nicht gehört, wehrlose Tiere zu ermorden. Aber nicht, weil ich die Pixelhaufen mit realen Tieren verwechselt habe :ugly: .

Gegenüber KIs sieht man aber bei sehr vielen Nutzern direkt ein Verhalten wie gegenüber Personen: ChatGPT werden keine Schlagworte und Befehle vorgeknallt, sondern es werden regelrecht bitten formuliert.
 
die KI: Deutlich günstiger als Fachpersonal
Genau das muss sich erst noch zeigen:
Wobei man beim konkreten Thema "Jemanden zum Ausheulen" (nicht um Therapie herabzuwürdigen sondern als Abgrenzung zu selbiger) wahrscheinlich auch deutlich simplere Chatbots betreiben kann. Wer erinnert sich noch an die Code-Beispiele die einfach nur weiter Gegenfragen gestellt haben?
 
Diesen Artikel in wissenschaft.de fand ich interessant.
These darin, dass die KI die humanoide Kreativität homogenisiert.
 
Wer erinnert sich noch an die Code-Beispiele die einfach nur weiter Gegenfragen gestellt haben?
 
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