Na, vielleicht genügen schon ein paar Verhaltensweisen, um dem Gegenüber - in dem Fall eine Lovebot-KI oder eine Psychotherapie-KI - einen eingeschränkten Personenstatus zuzuschreiben. Es gibt mehrere neuronale Areale, die nicht nur im Kontakt mit Menschen, sondern auch im Kontakt mit Chatbots bzw. LLMs anspringen, wobei letztere nicht ganz so umfassende Reaktionen auslösen. Auch beim Telefonat funktioniert das. Anscheinend (ja, ich bin da vorsichtig) lässt sich unser Gehirn bereits mit eingeschränkten Mitteln davon überzeugen, dass wir mit einem "Jemand" kommunizieren. Würde dann auch bedeuten, dass eine virtuelle Person genügt, um das Gefühl zu haben, dass jemand mitfühlt.Menschen führen bereits Liebesbeziehungen mit KI. [...] Die Abstimmung mit den Füßen ist in vollem Gange und die KI scheint mir kaum noch einholbar vorne zu liegen.
Dabei handelst du moralisch. Nicht, weil deine moralische Handlung im Gegenüber begründet liegt, denn die KI, der NPC, der Gecko oder anderweitige virtuelle Gestalten sind weder autonom noch leidend oder gar beseelt. Man könnte einen Roboter vor's Schienbein treten, und es wäre abgesehen vom finanziellen Schaden nichts anderes, als hätte man einen Stein gekickt. Aber weil du die Tugend des Nicht-Schadens auf dein Verhalten gegenüber dieser Sachen projezierst, handelst du moralisch - was etwas anderes ist, als würdest du einen Stein kicken.NPCs und KIs würde ich hier klar trennen. In einem Game betreiben wir teils wortwörtlich ein Rollenspiel und verhalten uns so, wie es in das Setting passt, auch wenn dieses klar künstlich ist. Ich hab schon in Fallout 2 keine Geckos umgebracht, sofern questtechnisch vermeidbar, weil es sich einfach nicht gehört, wehrlose Tiere zu ermorden. Aber nicht, weil ich die Pixelhaufen mit realen Tieren verwechselt habe.
In dieser Sache würde ich zunächst nicht allzu sehr zwischen KI und NPC unterscheiden, weil bereits der Dialog als Resonanzraum genügt, um eine Reaktion zu erwarten. Der Pixelhaufen wie auch die KI könnte virtuell reagieren (Trauer, Zorn, Ablehnung).
Es bedeutet nicht, dass dabei etwas vermenschlicht wird oder notwendig ein Geist unterstellt würde, aber die zynische Ansicht, es sei nur ein Ding wie ein Stein, ist es auch nicht. Wir verhalten uns gegenüber einer solchen Entität mit einer Verantwortung uns selbst gegenüber, anstatt uns freien Lauf zu lassen, als würden wir am Strand spazieren oder über eine Wiese laufen. Unsere anthropozentrische Sicht der Welt verlangt uns also im Umgang mit bloß virtuellen Dingen mitunter mehr Moral ab, als die vielen kleinen, realen Lebewesen unter unseren Füßen.
Angenommen, du könntest Dialoge in einem RPG mit eigenem Freitext oder spontaner Sprachsteuerung gestalten. Würdest du dich dann nicht auch so artikulieren, als wäre der NPC ein Jemand? Ich würde ganz sicher gewisse Grenzen austesten (besonders wenn man Speicherstände nutzen kann).Gegenüber KIs sieht man aber bei sehr vielen Nutzern direkt ein Verhalten wie gegenüber Personen: ChatGPT werden keine Schlagworte und Befehle vorgeknallt, sondern es werden regelrecht bitten formuliert.
Aber ich würde mit einem Goblin vermutlich sogar anders kommunizieren, als mit der Gemüsehändlerin oder dem Avatar eines rechtschaffenen Gottes.Teils aus rollenspielerischen Gründen, aber teils auch, 'weil es sich einfach nicht gehört', wenn man sich wie die Axt im Walde benimmt.
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