Kann man was von China lernen?

Aber wir kommen hier vom Thema ab. Ich will wissen, ob man sich von China etwas abschauen kann, was uns in der Summe als Gesellschaft voranbringt?
Gesellschaftlich meines Erachtens gar nichts. Für mich ist Freiheit entscheidend und ich will in keinem Land leben, in dem man seine Freiheit aufgeben muss, nur damit ein Flughafen in 2 Jahren gebaut ist. Abgesehen davon wie sehr China die Umwelt zerstört.
Unsere Demokratie ist keines Wegs perfekt, gerade was die Undurchsichtigkeit des Lobbyismus angeht, aber in China gibt es offenbar Korruption, dazu die Unterdrückung von Minderheiten. Hongkong wird unterdrückt, dazu die Taiwan Sache, Tibet. Es gibt so viel, was in China falsch läuft.
 
Ich bin mir auch ehrlich gesagt nicht sicher, ob so ein repressives System wirklich auf längere Sicht überlegen ist, auch wirtschaftlich nicht.
Klar kann man Projekte einfacher und schneller umsetzen, wenn man auf Individualrechte und Bedenken schicen kann. Ich vermute aber, dass wirkliche Innovationskraft durch Beschränkungen des Geistes eher gebremst wird; also abseits davon, Vorhandenes zu übernehmen oder zu verbessern. Und in dem Bereich müsste sich China auch erstmal beweisen. Mir wäre jedenfalls keine bahnbrechende neue Technologie bekannt, die in den letzten Jahrzehnten dort entwickelt wurde.
 
Aber wir kommen hier vom Thema ab. Ich will wissen, ob man sich von China etwas abschauen kann, was uns in der Summe als Gesellschaft voranbringt?
Das eine hängt mit dem anderen Zusammen. Was willst Du Dir da abschauen?
Unserer Wirtschaft täte es ganz sicherlich besser gehen mit Wiedereinführung der 6 Tage 48 Stunden Woche. Selbstverständlich bei jetzigem Lohn. Da werden natürlich unsere Produkte wieder Wettbewerbsfähig. Viel Spaß beim umsetzen.
Arbeitnehmer haben dafür gekämpft, dass Papi am Samstag zu Hause bleibt.
Kann man natürlich die Arbeitnehmerrechte kassieren.
Zu viel Vorschriften um schneller bauen zu können? Einfach die Gesetze ändern sprich einfach streichen. Abstimmen darüber im Bundestag? Ach was das sollte ein Minister schon selber entscheiden können.
Nein da wird auch nach vier Jahren niemand anderes gewählt. Da wird schon der oder die richtige auf dem Posten sitzen oder gegangen werden.
Proteste wird es auch keine geben. Die lässt das Volk einfach nieder prügeln. Ebenso die Presse wenn diese Lügen zum Beispiel über angebliche gefährliche Baumaßnahmen bringt oder das zu viel gearbeitet wird.

Solange wir unser Gesellschaftssystem nicht ändern werden wir uns da, meiner Meinung, nichts abkucken können von China.
 
Ist unser Ideal vom Individualismus eine Stärke, Schwäche oder beides?
Schätze, je nach Perspektive - kann man positiv wie negativ betrachten

Ich denke, ohne Indiviualismus der Europäer hätte es z. B. niemals "Entdecker" gegeben, niemals Kolonialismus.
Das ist alles prinzipiell doof, aber genau genommen profitiert Europa immer noch davon, dass es Jahrhunderte lang eine Vormachtstellung inne hatte und Schifffsladungen voll Reichtum einsammelte.

Es gab da mal eine einzige riesige "Expedition" einer Chinesen, meine bis nach Indien oder gar Afrika mit einer Riesenflotte, das war aber von kaiserliche Anordnung aus. Individuelle Helden oder Abenteurer aus China mit globalem Bekanntheitsgrad sind mir nicht bekannt.
 
Ist unser Ideal vom Individualismus eine Stärke, Schwäche oder beides?
Individualität wird zuweilen dämonisiert - den Herrn Sokrates haben die Dialoge mit seinem Daimonion glatt den Kragen gekostet! Westliche Kulturen zeigen eher die Neigung zu "Subjekten", während der Ferne Osten "Verbindungen" setzt. Das zeigt sich auch sprachlich, religiös und philosophisch. Zu außerordentlichen Leistungen hat das nicht immer geführt. Anthropologisch ist gemeinschaftliches Denken und Handeln ziemlich erfolgsversprechend - besonders generationenübergreifend, und wenn sich unterschiedliche Kompetenzen ergänzen können, also gut geschmierte Synergien entwickelt werden. Da kommt dann auch mal 'ne Pyramide bei rum. Persönlich stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn sehr viele Menschen gemeinsam die gleichen Parolen brüllen, egal welchen Inhalts.
Die Leistungen Chinas lassen sich so allgemein aber kaum zutreffend beschreiben, und einen "Deep Dive" kann ich dir auch nicht anbieten.
 
Aber wir kommen hier vom Thema ab. Ich will wissen, ob man sich von China etwas abschauen kann, was uns in der Summe als Gesellschaft voranbringt?

Nö. Man kann an China sicherlich sehen, dass sich vorrausschauende Planung und Integration in großem Maßstab auszahlen. Aber um das zu wissen, braucht man kein China. Da gibt es nicht "zu lernen".

Und um ersteres umzusetzen braucht man einen Zusammenschluss von 1,4 Milliarden Menschen sowie einen hinreichend großen Kontinent mit genug Rohstoffen, um diese zu Versorgen. Um letzteres umzusetzen eine politische Führung, die sinnvoll und rational handelt. Die Zeiten, in denen man sich als Europäer Kontinente nehmen konnte, sind aber vorbei und einen freiwilligen Zusammenschluss in großem Mastab können nicht "wir" "uns" "abgucken". Dafür müssten ein Bewusstseinswandel weit über Europa hinaus einsetzen. Und wie man eine vorrausschauende, mitdenkende Regierung ins Amt bekommt, ist eine Frage die seit der Antike nicht abschließend beantwortet werden konnte. Die Chinesen haben eine Einparteiendiktatur und sich damit unter Mao so richtig in die Scheiße gesetzt. In den 80ern/90ern hatten sie, rein vom Wohlstand her betrachtet, Glück mit den Machthabern. So viel, dass der Aufschwung bis in die heutige Zeit nachgewirkt hat und es ging sogar gesellschaftlich geringfügig voran (dafür umwelttechnisch so steil bergab, dass die Zustände unhaltbar waren). Seitdem das gleiche System Xi an die Macht gebracht hat, geht es gesellschaftlich steil bergab und der wirtschaftliche Fortschritt hat sich immmer weiter verlangsamt. Geb dem noch 5-10 Jahre und er hat das gesamte Momentum aufgebraucht, dass seine Vorgänger durch Vorausdenken aufgebaut und teils auf niederer Ebene durch Personalentscheidungen verstetigt hatten.

Wir haben mittels Demokratie in der gleichen Zeit diverse Regierungsrichtungen durchprobiert und dabei immer mal wieder Fort- und ebensooft Rückschrittchen gemacht. Fand ich im Schnitt ehrlich gesagt besser und dass netto weniger Fortschritt dabei herauskam, lag nur zum Teil am System, primär aber an den Ausgangsvoraussetzungen: Wer ganz hinten startet und Entbehrung gewohnt ist, kann viel Abgucken und schultert hohe Belastungen. Wer es schon relativ gut hat und wenig tut, wird ausgehend von der Spitze keine großen Sprünge nach vorne machen.

Für die nächsten Jahrzehnte könnte es aber eine gewisse Verschiebung geben: Während die Welt durch die ökologische Überlastung, die klimatische Überlastung, den Ressourcenaufbrauch und den technischen Fortschritt immer komplexer wird, werden unsere Informationssysteme immer ineffektiver und fehlerhafter. Dagegen ist eine Demokratie, in der von jedem Bürger erwartet wird, dass er mitentscheidet, was gut ist, ein echtes Problem. Autokratien sind gegen dieses Problem in erstere Instanz resilient, weil sie einerseits die Informationsflüsse lenken und andererseits unabhängig von der Mehrheitsmeinung jemanden fragen können, der sich auskennt.

Allerdings ist aus Nordkorea, Kuba und einigen andern Autokratien bekannt, dass in zweiter Instanz die Bildung der eigenen Führungsriege genau dem gleichen Problem unterliegt und für Xis China gibt es ebenfalls hinweise, dass kompetente Leute ruhiggestellt und durch führertreue ersetzt werden, weil die Machthaber selbst zu inkompetent sind, um die geeigneten Experten auszusuchen und gleichzeitig zu paranoid, um an jemand fähigeren zu deligieren. Was bei solchen Prozessen rauskommt, hat man am dritten Reich gesehen und bekommt es die nächsten Jahre auch in den USA in deutlich höherer Geschwindigkeit und mit bessern Einblickmöglichkeiten als in China vorgeführt.+

tl;dr: Man kann von China nichts lernen. Aber die europäischen Bürger sollten endlich mal anwenden, was man als Allgemeinwissen betrachten kann.
 
Hatte beruflich mit jemandem zu tun, der häufig in China war (soviel zur Einordnung der Quelle), und sich sehr beeindruckt von der öffentlichen Ordnung zeigte: Kriminalität, Sauberkeit, etc. Die Credits rollen. Der für die Lenkung kaum fassbarer Menschenmassen, teils gestapelt auf engem Raum, "nötige Druck" muss jedoch immens sein.
Während autokratische Gesellschaften resilienter gegenüber äußeren Einflüssen auf diese Lenkung erscheinen, müssen sie wirklich aufpassen, dass der Kessel nicht aus dem letzten Loch pfeift. Das kann sich dann so anhören:
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