Seit wann heißt es eigentlich "Krieg", wenn eine militärische Übermacht Zivilbevölkerung systematisch vernichtet...
Soweit ich auf die schneller herausfinden konnte: 5000 BC, ggf. 15000 BC.
Die wichtigere Frage wäre:
Wie lange wollen wir Subjekte, die auf diesem Niveau verharren, noch als Teil der modernen Zivilisation akzeptieren?
Kümmert sich der Iran um das Völkerrecht?
Kümmert sich die Hamas um das Völkerrecht?
Kümmert sich die Hisbollah um das Völkerrecht?
Wenn mans Streng auf das eigentliche (Kriegs-)Völkerrecht, also das Recht zwischen Völkern bezieht:
Ja
Ja
Ja
Bei der Hamas hat es zwar einige Jahrzehnte gedauert, aber mittlerweile kämpfen sie offiziell nur noch für ein Palästina innerhalb der sogenannten völkerrechtlich festgelegten Grenzen (welche in Anbetracht der damaligen Einflusssphären wohl eher "kolonialrechtlich" genannt werden müssten, aber sei es drum). Die Hisbollah wurde sogar explizit zur Verteidigung völkerrechtlicher Rechte gegründet und der Iran hat bislang ausschließlich Verteidigungskriege geführt, die allgemein vom Völkerrecht gedeckt sind.
Humanitäres Völkerrecht (also Rechte von Menschen im Krieg, von den meisten wohl eher instinktiv als Teil der Menschenrechte betrachtet und überwiegend direkt aus diesen herleitbar) hält der bewaffnete Teil der Hamas als reine Terrororganisation natürlich nicht ein und die Hisbollah teilweise nicht. Aber der Iran sehr wohl, da bloße Unterstützung von Gruppen keinen Verstoß darstellt.
Ich habe noch nicht gelesen oder gehört, dass der Bundeskanzler den Völkerrechtsbruch seitens Israel legitimiert hat.
Möchtest du damit behaupten, der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland hätte "größten Respekt" für eine seiner Meinung nach illegtime Tat ausgedrückt? Dass Merz also Rechtsbrüche, Kriminalität, Angriffskriege und alles mögliche andere ohne Legitimitation einfach allgemein toll findet?
Eine etwas radikale These finde ich, bis hin zur Beleidigung gegenüber Merz. (Auch wenn sein "macht für uns" impliziert, dass Deutschland unter seiner Führung mittelfristig selbst einen Angriffskrieg geführt hätte, wenn niemand anders "die Drecksarbeit gemacht hätte".) Bislang wurde Merz nur vorgeworfen, dass er den einen Völkerrechtsbruch okay findet, weil er ihn als legitim von diversen anderen abgrenzt.
Eine Interpretation übrigens, der Merz im "legtitim"-Teil meines Wissens nach nicht widersprochen hat.
Hat man aber nicht, weil man von Anfang an dem Iran das Recht auf Atomanlagen nicht zugestehen wollte, weswegen auch das Abkommen unter Trump unmittelbar gekündigt wurde, worauf hin der Iran erst mit der vermehrten Anreicherung begann.
Ne, selbst dann nicht.
Erst gab es ein Abkommen.
Dann hat Trump das gekündigt und der Iran hat von den anderen Bündnispartnern gefordert, dass diese die USA zurück ins Boot holen oder ihrerseits Druck/Sanktionen gegen den Vertragsbrecher verhängen.
Die anderen Abkommenspartner (z.B. Deutschland) haben nichts gemacht.
Dann hat der Iran darum gebeten, dass man die Folgen des amerikanischen Aussteigens kompensiert, um die im Abkommen zugesicherten Leistungen an den Iran auf anderem Wege zu gewährleisten.
Die anderen Abkommenspartner (z.B. Deutschland) haben nichts gemacht.
Dann hat der Iran verlangt, dass man doch wenigstens die indirekten Folgen des US-Ausstiegs auf die eigentlich aus den anderen Abkommensmitgliedern zu erwartenden Vorteile für den Iran aushebelt/ausgleicht. (EU-Unternehmen haben auch nach Ende der EU-Sanktionen keine Geschäfte mit dem Iran gemacht, weil ihnen dafür US-Sanktionen gedroht hätten, wovor die EU ihre Unternehmen aber nicht geschützt hat.)
Die anderen Abkommenspartner (z.B. Deutschland) haben nichts gemacht.
Dann, erst dann, nach über einem halben Jahrzehnt, wurde es dem Iran zu bunt immer nur Bittsteller zu sein und die Anreicherung wurde wieder angefahren. Auf niedrigem Niveau. Hat wieder keinen interessiert, in folgenden Jahren wurden die Anreicherungsstufen dann langsam weiter angehoben, aber immer noch weit von der Waffenfähigkeitsschwelle weg. Die 60%-Eskalation dagegen kam erst, nachdem eine Nuklearmacht direkte militärische Angriffe auf den Iran durchgezogen und die Vernichtung von dessen Regime impliziert hat.
Worüber es übrigens bis heute keine Berichte gibt und wozu scheinbar auch US-Geheimdienste zumindest beim letzten Statement vor ein paar Monaten keine Informationen vorliegen hatten: Dass der Iran Forschung zum Rest der für den Bombenbau nötigen Technik betreibt. Selbst primitive Gun-Type-Bomben erfordern ja zumindest hochstrahlungssichere Zündtechnik, Raketen sogar entsprechende Steuerungselektronik. Ein einfacher Haufen HEU allein taugt nur für schwere Laborunfälle, aber nicht zur Kriegsführung.
VR gilt wohl kaum für Terrororganisationen.^^
Sowohl Hamas als auch insbesondere Hisbollah haben den Anspruch, ein Volk zu vertreten. Ob man ihnen diesen Status auch zugestehen sollte (interessanterweise schließen dass die hiesigen Whataboutismer am vehementesten aus), wäre diskutabel, aber ihrem Selbstverständnis nach sollten sie sich an das Völkerrecht halten. Die Hisbollah macht dass, wiederum aus ihrem Selbstverständnis nach (das nicht-kämpfende Landbesetzer als Teile der feindlichen Eroberungstruppen definiert) überwiegend auch, wenn man die vorgetragenen Begründungen betrachtet. Aber einige der Raketen letztes Jahr gingen auf Ziele jenseits der völkerrechtlichen Grenzen, wohl bis Tel Aviv runter. Das waren mit hoher Wahrscheinlichkeit Völkerrechtsverstöße und afaik hat die Hamas auch gar nicht erst beansprucht, auf militärische Einrichtungen gezielt zu haben. (Obwohl das eine naheliegende Ausrede wäre.)
Das ist aber auch eine extrem dünne Argumentation. Israel ist auf "unser" Wohlwollen angewiesen. Was denkst du wohl wie das aussieht wenn man eine Bombe direkt in ein Flüchtlingslager schmeißt?
So:
Israel bombardiert Flüchtlingslager im Gazastreifen
www.tagesschau.de
Oder so:
Nach einem Luftangriff bei Rafah wird Israel vorgeworfen, es habe ein Zeltlager für Geflüchtete in einer humanitären Schutzzone angegriffen. Israel weist das zurück. Was ist bekannt?
www.tagesschau.de
Vielleicht auch so:
Israel hat nach eigenen Angaben ein Flüchtlingslager in Al-Mawasi im Gazastreifen bombardiert, das als Schutzort für vertriebene Zivilisten diente. Mindestens 40 Menschen wurden laut dem palästinensischen Zivildienst bei dem Angriff getötet.
www.faz.net
Bei Nicht-Zeltlagern, die nicht in Gaza stehen, übrigens so:
Nachdem in einem Vorort von Tel Aviv mehrere Busse explodiert sind, ordnet Netanjahu einen massiven Militäreinsatz im Westjordanland an. Die Streitkräfte der IDF bombardieren und räumen das Zuhause von Zehntausenden Palästinensern - unter dem Vorwand, Strukturen militanter Truppen treffen zu wollen.
www.n-tv.de
Es wurde gesagt das es gut sein kann, dass 400 Gramm angereichertes Uran in Sicherheit gebracht wurde.
Damit kann man 6 Atombomben bauen wenn ich das richtig in Erinnerung habe!
Deine Erinnerung ist falsch. Sowohl was die Menge an Uran angeht (keine Gramm) als auch die benötigte Menge für Atombomben; siehe ältere Antworten an dich.
Das U235 in den jetzt berichteten "400 kg 60% angereicherten" Uran würde zwar rechnerisch knapp für 6 Bomben der Größenordnung 10-30 kt reichen (also groß genug, um eine kleinere Stadt zu zerstören / 50% Lethalität in rund 1 km Entfernung). Aber weder kann man etwas vergleichbares mit 60% angereicherten Material machen (das ist prinzipiell bombentauglich, aber man muss viel mehr nehmen - und hat dann ein rein vom Gewicht her kaum noch militärisch einsetzbares Ergebnis), noch kann man 60%iges Uran auf 80% anreichern, ohne etwas vom enthalten U235 zu verlieren. Eine Abreicherung auf 0% U235 im abgeschiedenen Teil entspräche einer ""Anreicherung"" auf 100% U238 und das ist wegen des exponentiell ansteigenden Aufwands unmöglich. (Ich glaube zu Forschungszwecken hat man mal winzige Mengen 97% hergestellt.)
Im
Wiki-Beispiel zum (real aufgewandteN) wird zum Beispiel nur soweit getrennt, dass das abgeschiedene, "abgereicherte" Uran halb so viel U235 enthält, wie die Ausgangsmasse. Übertragen auf 400 kg 60% U235 würde man diese Trennen in 160 kg 30% angereichertes Uran und 240 kg 80% angereichertes. Das entspricht aufgerundet vier Bomben von oben genannter Größe.
Deren Gesamtgewicht weiterhin die Tragfähigkeit selbst der stärksten iranischen Raketen um Faktor 3 übersteigt.
Und als weitere Einschränkung möchte ich anmerken:
In den regulären Berichte der IAEA (in den letzten Tagen werden ja nur schnell-Updates bekannt gegeben) lautete die Angabe noch im März diesen Jahres
"275 kg enriched up to 60%. Das aus 275 kg, ein knappes Quartal später 400 kg geworden sind, passt zum bisherigen Fortschritt. Aber das "up to" sollte geblieben sein und jeder, der schon mal Intel gekauft hat, kennt den Unterschied. Da HEU bei 20% beginnt, könnten es also auch 100 kg 60%iges, 100 kg 50%iges, 100 kg 40%iges und 100 kg 30%iges U235 sein, die der Iran jetzt in Sicherheit gebracht hat.
(Das kein Uran mehr in den Anlagen war und der Krieg somit keinerlei Einschränkungen auf bislang vorhandene Bombenbaufähigkeiten des Irans hat, würde ich mal als gegeben ansehen: Angeblich soll nirgendwo Radioaktivität freigesetzt worden sein. Also waren die Anlagen leer. Interessant finde ich an der Stelle übrigens, dass die gleichen Inspektoren, denen angeblich nichts gezeigt wurde, nicht nur den genauen Lagerbestand vor dem Krieg gekannt haben, und jetzt schon wieder bestens im Bilde sind, wie die Situation nach den Angriffen ist, obwohl die Anlagen laut Trump komplett zerstört, also rein physisch nicht mehr zugänglich sind.)