Waren Iran und Israel eigentlich nicht schon länger im Krieg? Ich meine mich an so ein paar gegenseitige Raketenangriffe erinnern zu können.
Jein bis Nein.
Iranische Angriffsversuche auf Israel gab es vor Israels jüngster Bombardierung zwei Stück, beide letztes Jahr: Einmal als Vergeltung im April, nachdem Israel die iranische Botschaft samt Personal in Syrien zerstört hatte, und ein weiteres Mal nach dem Israel den Südlibanon großflächig angegriffen und dabei auch Iraner getötet hat. Vor 2024 hat der Iran dagegen, so oft das Regime auch mit totaler Vernichtung gedroht/diese gefordert hat, nicht einen einzigen Angriff auf Israel durchgeführt, seit der Staatsgründung nicht. Man hat nur (so ziemlich alle) Gruppen unterstützt, die sich ohnehin im Kampf mit Israel befinden/befanden. (Aber sowas ist ja, leider, international gängige Praxis.)
Direkte Israelische Angriffe auf den Iran beschränkten sich umgekehrt lange Zeit auf Geheimdienstaktivitäten. Vor allem die Mordserie an Wissenschaftlern und Bombenanschläge auf das iranische Atomprogramm seit 2010 haben den Konflikt immer heißer werden lassen, aber die zahlreichen Angriffe gegen iranische Aktivitäten (militärische wie zivile, in Zusammenhang mit Gegnern Israels stehende wie unabhängig davon) in anderen Ländern der Region haben auch ihren Anteil. Offizielle Kriegshandlungen gibt es aber auch in dieser Richtung erst ab 2024 und ebenfalls nur zwei Stück (ein kleiner Luftschlag als Antwort auf Irans erste Raketensalve, ein großangelegter Angriff einen Monat nach dem zweiten). Inoffiziell wird darüber hinaus bei einigen der großen Explosionen im Iran vor 2024 spekuliert, dass eher die israelische Luftwaffe denn der Mossad verantwortlich sind, aber nichts genaues weiß man nicht. (Iranische Luftabwehr und Spurensichtung sind nicht ausreichend, um bei einer in Rauch aufgehenden Raffinierie zwischen platzierter Bombe und F-35 zu unterscheiden.)
Der Konflikt mit Milizen ist nicht mit dem Konflikt mit einem Land vergleichbar, da die jeweilige Landesarmee gar nicht involviert ist.
In Syrien greift Israel auch Gebiete an, die keiner oppositionellen Miliz zugeordnet sind. Beim aktuellen Zustand der syrischen Regierung ist es natürlich schwer von "von der Regierung" oder "regulärer syrischer Armee zu sprechen" und etwaige vorhandene Truppen wurden schlichtweg zurückgezogen, anstatt sie abschlachten zu lassen, aber Israel beschießt und besetzt definitiv Gebiete, die zuvor nicht in der Hand israel-feindlicher Milizen waren (wie im Libanon). Das ist vergleichbar mit dem russischen Einmarsch auf der Krim, den ich ebenfalls als militärischen Angriff bezeichne. Ein Kriegstreiber bleibt imho ein Kriegstreiber, auch wenn der Angegriffene nur flieht und nicht zurückschießt.
In Gaza und Jemen ist es wiederum eine reine Definitionsfrage: Laut eigener Aussage schießt Israel nur auf organisierte Kämpfer, mithin eine Armee, und die Führungen haben in beiden Fällen Staaten ausgerufen und jahrelang sowohl die zivile als auch militärische Herrschaft beansprucht. Die Huthis haben sie auch definitiv gehalten, bei der Hamas behauptet Israel ebenfalls, die hätten die volle Verantwortung und Kontrolle für die Entwicklung gehabt (...strittiger...). Also handelt es sich de facto aus israelischer Sicht um Kriege gegen "Landesarmeen".
Nur weigert sich Israel halt im gleichen Atemzug, die ausgerufenen Staaten anzuerkennen. Es ist in solchen Fällen aber eher unüblich, die Leugnung von Staatlichkeit durch Beteiligte als Maßstab für die Beurteilung eines Konfliktes heranzuziehen. Siehe z.B. die Gründungskriege Israels, in denen auch keiner der Angreifer Israel als Staat anerkannt hat. (Und im ersten waren Israels Streitkräfte nicht einmal besser organisiert, sondern auf ähnlichem Miliz-Niveau, wie Huthi oder Hisbollah.)
Ja das finde ich auch merkwürdig, dass man an so vielen Fronten den Konflikt sucht. Ich weiß nicht ob es zu viel Spekulation ist aber vielleicht legitimiert man sich so in der Regierung, die vielleicht ohne Krieg gar keine wirkliche Mehrheit mehr hätte?
Ich würde mal sagen, dass da schlichtweg eine Regierung gewählt wurde, die Kriege führen will und die eine Möglichkeit dazu sieht, dies siegreich zu machen. Die Konflikte sind ja alle nicht neu, aber seit 2022 hat Isreal halt erstmals eine rechtsextreme, explizit imperialistisch-expansionistische Führung. Die bombardieren eben, wo andere an Frieden interessiert waren, ohne Rücksicht auf die Zahl Fronten. Rein militärisch muss man auch sagen, dass Israel schon mehrere Mehrfrontenkriege gewonnen hat und seitdem seinen Rüstungsvorsprung gegenüber den Nachbarn immer weiter ausbauen konnte, also sollten sie auch diesen Gewinnen.
Umgkehrt ist es ausgeschlossen, dass die Gegenseite gewinnt. Schließlich ist Israel die einzige Atommacht in der Gegend, sogar mit Zweitschlagsfähigkeit (danke, Deutschland).
In jedem Fall kann man so aber ganz geschickt vom Gazastreifen ablenken.
Und dabei sollte der doch vom Westjordanland und von Netanjahus Korruption und Rechtsstaatlichkeitsabbau ablenken...
Speaking off, falls es jemand über den ganzen Trubel verpasst haben sollte:
- Die palästinenischen Milizen in Gaza, denen internationale Organisationen die Plünderung von Hilfsgütern vorwerfen (im Gegensatz zu Israel, denen zu Folge für alles die Hamas verantwortlich sind. Wollte die nicht eigentlich mal wer bekämpfen?), wurden
offiziell von Israel bewaffnet. Nach vergleichbarer "teile und herrsche"-Grundidee wird Israel übrigens seit langem unterstellt, die Hamas in einer Frühphase nicht nur geduldet, sondern zwecks Schwächung der PLO sogar unterstützt zu haben.
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Israel hat 22 weitere Siedlungen genehmigt und bestehende legalisiert. Der nächste Schritt ist, laut dem israelischen Finanz- und Siedlungsminister "die Gebietshoheit über das Westjordanland".
Was ich denke was momentan passiert ist folgendes: Der Iran ist in Hochtouren dabei Atombomben zu entwickeln. Sie bauen aktiv daran. Der Mossad weiss das. Iran möchte Israel vernichten, in der Regierung sitzen Fanatiker.
Irans Trägersysteme haben aktuell wohl eine Erfolgsquote von deutlich unter einem Prozent gegen Israel und größtenteils nicht einmal die nötige Nutzlast für eine einfache (= schwere) Atombombe. Selbst wenn sie eine Angriffsmöglichkeit hätten: Was sollten sie damit beschießen, ohne Hisbollah, Palästinenser und/oder die "heilige Stadt" in Mitleidenschaft zu ziehen? Von Tel Aviv bis Jerusalem sind es nur 50 km. Die am weitesen von Iranverbündeten entfernte Stadt dürfte Aschdod sein und selbst von da sind es nur je 35 km bis Gaza in die eine, bis zum südlichen Westjordanland in eine andere und bis zum nördlichen in eine dritte Richtung. (Und erneut nur 53 km bis zum Felsendom)
Wenn der Iran Israel zuverlässig erreichen könnte, könnte er es auch mit konventionellen Waffen dem Boden platt machen, so klein ist das Zielgebiet. (Was nicht heißt, dass ein Iran mit Bombe was gutes wäre. Europa, Teile Arbiens und vor allem die USA wären durchaus attraktive Ziele und haben, im Gegensatz zu Israel, keine lückenlosen Schutz vor geheimdienstlich ins Ziel gebrachten Bomben. Blöd halt, wenn diese moralischen Hochrösser auch allesamt ihre eigenen zivilen und nicht selten sogar militärischen Atomprogramme haben...) Umgekehrt hat Israel übrigens dem Iran jetzt mehrfach mit großflächiger Vernichtung gedroht und Israel hat sowohl Atomwaffen als auch die Möglichkeit, sie einzusetzen. Also wenn die Bevölkerung aus der jeweiligen subjektiven Perspektive Atomangst haben muss, dann wohl eher die in Teheran denn die in Tel Aviv.
Aber Israel greift im Iran überwiegend Militär-, nicht Atomanlagen an. Selbst die Zahl der Angriffe auf Öl- und Zivilanlagen übersteigt die Zahl derjenigen auf das Nuklearprogramm. Die Israelis wollen einfach (genau wie der Iran. Und wie Saudi Arbien. Und wie die Türkei.) die militärische Kontrolle über gesamt Vorderasien. Nur darum geht es in diesem Krieg; das Atomprogramm (dass übrigens schon vor 20 Jahren "kurz vor der Bombe" stand, aber irgendwie immer noch genauso zivil wirkt) ist wenig mehr als ein vorgeschobener Anlass.
Und Netanjahu hat augenschleich auch die Möglichkeiten, sich die konventionelle Obermacht zu nehmen.
Europa und die Nato profitieren ganz gewaltig von dieser Festung im nahen Osten. Es ist in der heutigen Welt wichtig, so starke Verbündete wie Israel und die Nato zu haben.
Um ganz ehrlich zu sein: 100% der internationalen Gewaltätigkeit auf NATO-Territorium seit Gründung des Verbundes kann auf die Aggression rund um Israel zurückgeführt werden. Ein erheblicher Teil der diplomatischen und sozialen Spannungen in/für Europa ist ebenfalls eine Folge von Israels Wirken und direkte Kosten für die Aufrechterhaltung dieser ""Festung"" haben wir auch noch. Einen Nutzen/Profit sehe ich dagegen keinen einzigen. Der einzige Grund, Israel zu erhalten/unterstützen, ist idealistischer Natur: Es gibt in Israel ein paar Millionen Menschen, die es verdient haben, dass man sie nicht dem zu erwartenden Schicksal überlässt. Dazu sollten wir auch weiterhin stehen!
Würden Europa die Sache dagegen rein egoistisch/nicht-idealistisch betrachten (Gruß an die Rechtswähler aller orten), wäre der Schluss wohl ganz schnell, dass wir bei der ganzen Sache nur fleißig draufzahlen.
Während der Iran möglicherweise die Atombombe baut ist er gleichzeitig dabei Drohnen an Russland zu liefern, die in der Ukraine täglich für Angst, Terror und Tod sorgen.
Die Drohnen baut Russland längst in Eigenregie. Technik liefert in beiden Fällen unser guter Freund, Hauptgeschäftspartner und wichtigste Hoffnung der deutschen Wirtschaft in Peking.
Dieses Regime gehört abgesetzt, das sind nicht die Guten, das sollte man nicht vergessen.
Das sind garantiert keine Guten, soweit wird hoffentlich jeder zustimmen. Bevor man sich mit Ziel einer Absetzung einmischt, sollte man aber nochmal über fünf Dinge nachdenken:
1. Das Regime kam nur an die Macht, weil sich der Westen eingemischt hat.
2. Unser letzter Einmischungsversuch endete nach 20 Jahren Krieg und Zerstörung mit mehr Kontrolle, mehr Macht und weniger Gegner für das ursprüngliche Regime. Und das war verglichen mit dem Iran eine Amateurtruppe.
3. Der Iran hat iirc noch keinen einzigen internationalen Konflikt angefangen, sondern wurde immer von außen angegriffen - übrigens mit westlicher Unterstützung oder sogar direkter Beteiligung
4. Auch diplomatische Bemühungen, das iranische Atomprogramm zu begrenzen, wurden nicht vom Iran, sondern von den USA torpediert. Und das wurde von der EU hingenommen bis unterstützt.
5. Trotz dieser Angriffe und trotz dieses Verrats setzt sich das iranische Regime bis heute an den Verhandlungstisch.
Wie gesagt: Innenpolitisch ist das iranische Regime übel; irgendwo auf halbem Wege zwischen Taliban und Saudi-Arbien, zwischen Kongo und Nord-Korea, zwischen Russland und Lybien. Es wäre nicht nur für Israel, sondern vor allem für die Menschen vor Ort schön, es auszutauschen. Aber außen-/regionalpolitisch war es unter allen Schurkenstaaten der Welt bislang der mit Abstand angenehmste. Selbst die Hisbollah und andere Verbündete wurden zurückgehalten, solange niemand einen Anlass geliefert hat und bei aller Rhethorik gegen Israel muss man klar sagen: Selbst in dieser seit langem üblen Beziehung gibt es weitaus weniger konkrete, besorgniserregende Handlungen durch den Iran, als zum Beispiel von China gegen Taiwan.
Ich sehe daher durchaus Potential, dass es nach Einmischung von außen auch deutlich schlimmer werden könnte. Und ich sehe nicht annähernd genug Kontrolle/Macht westlicher Verbündeter über die Region, um so einen Prozess zu steuern/zu verhindern, selbst wenn sich die Verwantwortlichen dabei weniger als blöd anstellen würden, als in Afghanistan. (Wofür ich nicht einmal Anzeichen sehe, obwohl es eigentlich leicht sein müsste.)
Und um das mal klar zu stellen: Die laufende Mordserie gegen hochrangige iranische Offizielle ist nichts weiter als eine laufende Einmischung mit dem Ziel politischer Änderungen. Das gleiche hat man auch schon gegen die Hamas gemacht und jedesmal wurden die Nachrücker radikaler und gefährlicher.