Vielleicht macht man das dieses Mal. Wärst du damit zufrieden?
Nein, alleine dadurch nicht. Ich erwarte auch, dass man Unschuldige vorher schont und das man Leute, die das bewusst nicht machen, hinterher bestraft. sowie das man den Schaden bei den Opfern nach Kräften wieder gutmacht. Erst dann wäre "ich" "zufrieden", was iirc nicht das wichtigste Ziel von Nahostpolitik ist. (Vielleicht unterschätze ich da meine Bedeutung?)
Aber die von dir suggerierten Entwicklung an sich würde ich positiv bewerten und als guten Baustein für eine dann ggf. insgesamt zufriedenstellenden Lösung betrachten. Nur ist das halt eine derart weltfremde Hypothese von dir, dass man sie fast schon als Offtopic bezeichen müsste. Im realen Israel hat absolut rein gar niemand auch nur Andeutungen für Überlegungen gemacht, sowas vielleicht mal zu planen. Aber viele Regierungsmitglieder haben sich ganz klar für das exakte Gegenteil ausgesprochen. Genauso gut hättest du fragen können, ob ich es begrüßen würde, wenn die Hamas sich geschlossen vor Gaza-Stadt aufstellt und eins auf
Suizid Kommando judäische Volksfront macht? Yeah! Ja! Klar! Natürlich!
Wird aber nicht geschehen.
Für ein Gebiet, dass täglich schon ohne Krieg von Hilfslieferungen abhängig ist, sollte man sich grundsätzlich eine bessere Lösung ausdenken, finde ich.
Jo. Man könnte zum Beispiel die Bevölkerung aus diesem Gebiet, die völkerrechtlichen Anspruch auf Grundeigentum jenseits der Grenze hat, endlich ihr Aufenthaltsrecht dort zurückgeben. Das würde schon ordentlich entlasten. Dann könnte man den Zugang zu den zugehörigen Meeresgebieten und damit nicht nur Fischgründen, sondern mittelfristig auch rentablen Gasvorkommen ermöglichen, anstatt teilweise sogar das Baden zu verbieten. Und wenn Israel dann noch den international finanzierten Flughafen in den Zustand versetzt, den u.a. wir bezahlt haben, sodass Tourismus denkbar wird, sowie die Infrastruktur wieder aufbaut, dann könnte es vielleicht was werden.
Vielleicht. Für eine wirklich saubere Lösung müsste man halt den imperialen Teilungsplan, der diese kaum überlebensfähige Enklave erschaffen hat, revidieren.
Aber das ist, nachdem man die gemachten Fehler zum Teil über 80 Jahre lang hat laufen lassen hat, alles nicht so einfach. Die heutigen de-facto-Profiteure davon sind nicht die, die sich dafür entschieden haben, sondern die wurden in dieses Leben hineingeboren. Und wollen ungern für die Fehler ihrer Vorfahren zahlen. (Gleiches gilt natürlich auch für die heutigen de-facto-Opfer, deren Vorfahren z.T. auch einiges auf dem Kerbholz hätten. Aber einem nackten Mann kann man sowieso nicht in die Taschen greifen.)
Wärst du ohne diese Lieferungen zufriedener? Kleine Schritte in die richtige Richtung sind halt auch Möglichkeiten zur Annäherung. Mir wären ausreichend Hilfslieferungen auch lieber.
Es geht, s.o., nicht darum, womit ich zufrieden bin, also spar die persönliche Ebene.
Es geht darum, was nötig ist, was ein Fortschritt ist und was ein beinahe nutzloses Trostpflaster ist. Was die israelische Regierung derzeit macht hat mit Völker- und Menschenrechten in etwa so viel zu tun, wie Putins Osterfeuerpause, wird aber von nicht wenigen präsentiert, als wäre es die Auferstehung Mutter Theresas.
Noch sind sie nicht Besatzungsmacht
Wer die Kontrolle über ein Gebiet mit militärischen Mitteln übernimmt, ist Besatzungsmacht. Und das ist Israel spätestens seit der totalen Grenzschließung zu Ägypten wieder. In kurzen Abständen alles kurz und klein zu schlagen und sich zurückzuziehen oder direkt nur Fernwaffen einzusetzen, entbindet einen nicht davon, die Versorgung der Zivilbevölkerung zu ermöglichen. Oder, das sollte man noch zusätzlich betonen: Die Flucht derselbigen über die Konfontrationslinie samt Unterbringung in Flüchtlingseinrichtungen dort. In diesem Fall also nach/in Israel, das wäre eigentlich zu verlangen. Die Versorgung in den Ruinen und Gefahrengebieten vor Ort ist bereits der deutlich schlechtere Plan B.
Und aber ich denke dass das so 3-6 Monate dauert. Dann sehen wir auch, ob sie die Bevölkerung versorgen.
Wenn die Bevölkerung auch nur 3-6 weitere Wochen nicht versorgt wird, sollte das leicht zu erfüllen sein: Wo schon alle verhungert sind, reicht im weiteren Verlauf eine Packung Reis für eine Versorgungsquote von über 100%.
Ich gehe fest davon aus, wenn dort Ruhe einkehrt, dass auch eine umfangreiche Unterstützung erfolgt. Dass man wenig Bock drauf hat, die Hamas mitzuversorgen, kann ich nachvollziehen.
Nachvollziehen kann man vieles. Nur weniges davon sollte man auch gutheißen.
Wir leben nicht mehr im Mittelalter, wo man zivile Gebiete ausgehungert hat, bis jeder Widerstand gestorben ist. Der letzte derartige Fall in unseren Breiten, an den ich mich erinnern kann, war die Kürzung der Nahrungsmittelversorgung fürs Warschauer Ghetto auf 0, nachdem jüdischen Untergrundkämpfern ein paar Achtungserfolge gelangen.
Unter anderem als Reaktion auf diese Untaten wurden Völker- und Menschrechte noch einmal deutlich weiterentwickelt und man hat sich geschworen, so etwas nicht noch einmal zuzulassen respektive Verbrecher, die es versuchen, zu stoppen und zu richten.
(sorry für die 3 Punkte Godwin. Nazivergleiche kommen im Themenkomplex Nahost immer besonders schlecht an. Aber mir fällt halt tatsächlich kein jüngeres Beispiel ein, wo eine große Gruppe Zivilisten erst in einem kleinen Gebiet ohne brauchbare Infrastruktur und ohne Reserven zusammen mit militanten Gegnern konzentriert wurde, um dann die Lebensmittelversorgung von außen unmöglich zu machen mit der Aufforderung, sämtliche der opponierenden Kämpfer mögen sich doch bitte ergeben. Sowas ist halt einfach Völkermord, denn in einem Mangelgebiet verhungern nicht die Leute ohne Skrupel und mit Waffen als erstes. Die wären auch in 6 Monaten noch da, streben tun gezielt Unschuldige.)
Ich meine auch die Extremisten in Israel.
Mit einer linken, liberalen Regierung würde Israel eher bereit sein, die Siedlungen zu stoppen und den Palästinensern Raum zu geben.
Mir ist schon klar, wen du gemeint hast. Aber meine allgemein gehaltene Aussage stimmt halt allgemein: Du kannst nicht irgendwo mit Militär in ein Gebiet reingehen, wo eine komplette Gesellschaft lebt, und nur die Extremisten welcher Art auch immer rauspicken. Die geben sich, zumindest nach kurzer Zeit, nicht (mehr) zu erkennen und bislang hat dafür niemand eine Lösung gefunden. Egal ob man eine der aberdutzenden Militärbesetzungen Israels in Gaza und im Westjordanland betrachtet, die Unterdrückungsmaßnahmen der Taliban gegen liberalere Afghanen oder umgekehrt die Bekämpfung der Taliban durch die Nordallianz, der Briten gegen die NRA oder, siehe weiter oben, der Nazis gegen diverse Widerstandsgruppen: Das Ergebnis waren, sind und werden sein: Überwiegend Fehlzuordnungen.
Je nach Grad der Menschenfeindlichkeit hat man False-Negatives, weil man lasch und vorsichtig vorgeht, sodass jede Menge Extremisten verbleiben. Oder man macht einen auf hart und produziert viele False-Positives, verhaftet oder tötet also jede Menge Unschuldige. Damit bestätigt man dann aber halt einerseits die Extremisten, denn man führt halt tatsächlich einen Angriff auf die Mehrheitsbevölkerung, gegen diese sich gewaltsam verteidigen muss/will/sollte. Und andererseits motiviert man ganz direkt die Angehörigen und Freunde der unschuldigen Opfer, sich den Extremisten anzuschließen, um diesen Verteidigungskampf zu führen. Am Ende stehen dann sogar mehr Extremisten da, als vor dem Eingriff.
Gerade in Gaza, dass nun schon wirklich oft von Israel unter erheblichen Opferzahlen und unter erheblicher Zerstörung von Infrastruktur (und damit von Hoffnungen und Zukünften) besetzt wurde, hat man diese Eskalationsspirale x-fach beobachten können. Um 100 Terroristen zu töten, wird soviel Unschuldigen Leid hinzugefügt, dass die Terrorganisationen 110 neue rekurtieren können. Am Ende ist der Gegner stärker als vorher, wenn auch auf Basis neuen Personals. Oder es entsteht sogar ein neuer Gegner, der den Angegriffenen verspricht, noch extremer gegen die Angreifer vorzugehen.
Genau so ist ja z.B. die Hamas entstanden: Israel hatte Gaza mehrfach erobert, lange bevor es die überhaupt gab. Und irgendwann hatten ein paar Gazianer die Schnauze voll davon, dass die älteren palästinenischen Paramilitärs diese Angriffe nicht stoppen konnten. Als "Lösung" haben sie die Hamas gegründet, mit dem (ursprünglichen, mittlerweile offiziell aufgegebenen) Ziel, israelische Angriffe nicht nur zurückzuschlagen, sondern Israel komplett zu vernichten. Diese Aggression ist heute stärker denn je und für Israel nur deswegen keine deutlich größere Bedrohung, weil der israelische Grenzschutz noch stärker aufgerüstet wurde.
Und die nächste Eskalationsrunde steht schon in den Startschuhen: Es gibt leider verdammt wenig Medien, die sich noch die Mühe machen, zwischen gazianischen Terroristen zu differenzieren. (Respektive es gibt, dank IDF, halt praktisch keine Journalisten mehr, die das könnten...) In den wenigen Fällen, wo ich einen Zuordnungsversuch gesehen habe, wurden die schwereren Geiselmisshandlungen und die, relativ zur Größe der Organisation, schwereren Raketenangriffe aber dem sogenannten ""islamischen Jihad"" zugeschrieben (der mit de muslimischen Glauben in etwa so viel zun tun hat, wie die NSDAP mit Marx und Engels). Sollte die IDF also wieder erwarten die Hamas zerschlagen bekommen, ist vollkommen klar, was folgt: Der IJ übernimmt mit dem Slogan "ihr habt ja gesehen, was es der Hamas genützt hat, mit Israel zu reden und Austausche auszuhandeln. Wir werden sowas nicht machen, wir sind härter." Und sofern in Gaza dann überhaupt noch jemand überlebt, wird der IJ auch keinen Mangel an Rekruten haben.
Und genau dieses Dilemma hätte auch eine von dir angedachte eine internationale Eingreiftruppe, die auf Demokratie noch weniger als Netanjahu und auf Völkerrecht wenig mehr gibt und die aktuelle israelische Regierung stürzt. Damit wäre zwar erstmal die Leitfigur weg, aber die gewaltsamen Zionisten, die radikal-Religiösen und die Mitglieder der Siedlerbewegung wären immer noch da, immer noch gewaltbereit und gegen die Eingreifer vereint - zusammen mit vielen weiteren Israelis, die solche Einmischung ablehnen werden. Ergebnis: Mehr Gewalt als je zuvor.