Jaaa, stimmt, hattest Du geschrieben. Hab ich doch geflissentlich überlesen. Das war von mir anderes gemeint. Ich meinte nicht "sämtliche Deutschen", sondern das in Summe nichts passiert ist. Es gab keine Freischärler, die in Polen, dem russischen Protektorat Königsberg oder in die Tschechoslowakei einfielen, um zu rauben, zu vergewaltigen, zu morden oder zu entführen. Das gab es alles nicht. Dass am Stammtisch extrem harte Worte fielen, darf man aber, so meinte ich es, nicht unerwähnt lassen. Der Topf gährte, aber der Deckel blieb drauf. was sicherlich auch an der guten wirtschaftlichen Versorgung lag.
Jup, wie geschrieben: Die Lage war deutlich besser. Heißt umgekehrt: Man hatte was zu verlieren und lässt sich nicht auf Himmelsfahrtskommandos ein. Und die Besatzungsmächte haben einerseits dafür gesorgt, dass sich die zivile Lage weiterhin verbessert hat und andererseits dafür, dass an Waffen sowieso kein rankommen war. Ab den 50ern standen wannabee-Rückeroberer dann sowieso vor dem Eisernen Vorhang oder zumindest vor Stasi + DDR-Ostgrenze - denkbar schlechte Ausgangslage. Ehe terroristische Aktivitäten in Ostpreußen praktisch möglich wurden, vergingen rund 50 Jahre, die Lebenssituation war bis dahin weit besser als in den Gebieten aus denen man vertrieben wurde (geschweige wie sie dort vor der Vertreibung gewesen wäre) und die noch lebenden mit Heimatverlustgefühl waren eine absolute Minderheit in der deutschen Gesamtgesellschaft, die zudem aufgrund der Kriegsschuld missträuisch beäugt wurde und wird.
Gut, letzteres ist der unübertragbare Teil, an dem dieses Beispiel zwangsläufig hinkt, aber der Rest ist genau dass, was ich als langfristige Lösung für den Nahostkonflikt predige: Man muss sicherstellen, dass jeder eine wirklich lebenswerte Zukunft vor sich sieht, wenn er sich friedlich verhält und man muss beide Konfliktparteien für mindestens zwei Generationen voneinander abschotten. Und auch wirklich nur das, ohne weitere Aggression zu produzieren. Selbst wenn z.B. ein paar übersehene (Neo)
nazis hamasler ein
Oktober Pessachfest angreifen, darf nicht das Militäreingreifen, sondern dann muss polizeilich ermittelt werden. (Idealerweise sauber, man muss ja nicht alles 1:1 nachstellen)
Und wen wählten die Palästinenser?
Vor 1996, als die Kind längst in den Brunnen gefallen war: Niemanden. Die wurden erst von Osmanen, dann von Briten und schließlich von Israelis unterdrückt. Zwischendurch auch mal von Ägpytern respektive Jordaniern, wobei die wenig gedrückt, sich aber dennoch genausowenig um die Meinung der Leute vor Ort geschert haben.
Das letzte/einzige andere Mal durften sie dann 2006 wählen - mit dem zu erwartenden Ausgang für israelfreundliche Parteien, ein Jahr nach der Niederschlagung der zweiten Intifada mit Mittel der IDF.
Und warum tun sie nichts gegen die Terroristen im Land?
Aus dem gleichen Grund, warum die deutsche Bevölkerung nichts gegen Blood & Honour + Nachfolgegenerationen & Kollegen, nichts gegen die RAF und nicht gegen die hiesigen Ableger von Hells Angels, Bandidos, Russen- und italienischer Mafia tun: Das wäre schlecht für die Gesundheit. Und auf die muss man in Anbetracht des palästinensichen Gesundheitssystems besonders acht geben.
Ein weiterer Faktor könnte es sein, dass "das eigene Überleben sichern" selbst ohne direkten Angriff auf einen selbst in den westjordanischen Lagern oder gar im Gazastreifen ein Full-Time-Job ist und auch schon vor den israelischen Militärschlägen war. Da eine anti-terroristische Zivilbewegung aufzustellen, zumal mit gestörten/nicht vorhandenen und/oder ausfallenden Kommunikationsmitteln sowie, im Westjordanland, während man in seinem eigenen Kaff teilweise eingesperrt ist, ist gar nicht mal so einfach.
Tja, gerade der Beitrag, den ich verlinkt habe, beschreibt ganz gut, dass wohl "lediglich" Fahrzeuge benutzt wurden, um "Kämpfer zu transportieren". Eine Magere Begründung, Krankenhäuser zu bombardieren.
Selbst wenn man nur die israelische Story folgen und, wie die israelische Luftwaffe, die Massen unschuldiger in einem zivilen Krankenhaus und in dessen städtischem Umfeld ignorieren würde, so wäre selbst die absichtliche Bombardierung eines rein militärischen Lazaretts mit dem Ziel der Tötung nicht mehr Kämpfähiger, ein Kriegsverbrechen. Sogar mit eines der schwersten, was man mit konventionellen Waffen begehen kann.
Nein. Die UNIFIL hat 2006 ein entsprechend erweitertes Mandat mit rund 15000 Soldaten, die auch entsprechend bewaffnet und ausgerüstet sind, für den Südlibanon bekommen. Zu diesem gehört u.a. auch die Bekämpfung von Waffenschmuggel und die Entwaffnung und ggf. auch Bekämpfung aller Gruppen, wie z.B. der Hisbollah.
Falsch. "Die Bekämpfung aller Gruppen" gehört sogar explizit nicht dazu. Sonst bräuchte UNIFIL ja z.B. eine Luftabwehr, um die fortwährenden israelischen Verletzungen der Resolution zu unterbinden. Aber nicht einmal das Einsammeln von vorhandenen Waffen gehört zum Auftrag und gar keine Maßnahmen gegen Kämpfer, sondern ausschließlich die Verhinderung des Einschmuggelns neuer Waffen und das auch nur im südlichen Grenzland. Nicht entlang des mittleren und nördlichen Teil des libanesisch-syrischen Grenze oder gar mitten in Beirut, wo Israel seit Wochen fleißig bombardiert. Und selbst in dem Teil, wo UNIFIL gegen weitere Aufrüstung aktiv sein sollten, gelten Personaldecke und Ausstattung als unzureichend, um das rund um die Uhr zu gewährleisten - was die ganze Mission zu einem Papiertiger macht, denn wo und wann die Kontrolleure unterwegs sind, kann eine lokal verwurzelte Guerillatruppe wie die Hisbollah ziemlich leicht im Auge behalten.
Es war ein direkter Angriff auf die Kommunikation und die Mitglieder einer Terrororganisation,
Keineswegs ausscließlich.
das ganze noch als Reaktion
Schlicht falsch.
auf beständig von dieser Organisation ausgeführt Raketenangriffe nur auf zivile Ziele.
Ebenso falsch.
Wenn ich nicht irre, waren das auch nur militärische Pager. Es war gesichert, dass nur die Hisbollah dieser Pager benutzt und keine Zivilisten.
Zum gefühlt 23253462. mal für diejenigen, die diesen Thread genauso lesen, wie die Forenregeln:
Die Hisbollah ist eine Organisation, zu erheblichen, wenn nicht sogar deutlich überwiegenden Teilen aus Zivilisten besteht. Und die Pager wurden nicht selektiv an die Milizionäre ausgegeben. Das hätte vielleicht teilweise bei den an Tag zwei gesprengten Funkgeräten der Fall sein können, aber selbst sowas wird eben auch bei zivilem Crowmandangement, im Kastatrophen- und Rettungsdienst genutzt. Und Israel hatte entweder null Kontrolle oder null Interesse daran, diese Empfänger auszuschließen, sondern hat einfach blind Mordanschläge auf alle durchgeführt. Inklusive Familienangehörige und Nachbarn.
Ja, das lässt sich nicht vermeiden, wenn man alle Pager gleichzeitig zündet.
Aber besser als wenn man alles mit einem Luftangriff platt gemacht hätte.
Und ein Luftangriff ist besser, als eine Giftgasanschlag. Und ein Giftgasanschlag ist besser als eine taktische Nuklearwaffe. Und eine taktische Nuklearwaffe ist besser, als viele strategische.
Aber was genau willst du uns mit der Feststellung, dass diesseits der totalen Vernichtung der menschlichen Zivilisation immer noch ein militärisches "könnte schlimmer kommen" gibt? Maßstab für Menschen- und Völkerrecht ist nicht, was man schlimmes tun könnte. Maßstab ist, was man alles schlimmes nicht tun darf. Z.B. Bomben in zivilem Umfeld verteilen und willkürlich zünden. Das nennt man Terrorismus und Israels Ausbringungsmethode war unpräziser als z.B. die Anschläge der RAF auf US-Soldaten, die trotzdem vollkommen zurecht als Terrortaten einer terroristischen Vereinigung zählen.