Sicher, aber gibt es etwas Besseres? Die Basis des Zusammenlebens ist entweder anachistisch, nach dem Recht des Stärkeren oder auf Gesetzen basierend. Und an den Gesetzes des Völkerrechtes können alle mitarbeiten. Und es gilt für alle gleich. Das ist doch eine Basis.
Ich sagen ja nur, dass man vorsichtig sein muss, nicht dass es der schlechteste Ausgangspunkt ist. Wenn einige Leute in Sachen Nahostkonflikt stur auf das Völkerrecht pochen, meinen sie nicht selten fix "In den Grenzen von 67" oder "von 49", weil die damaligen Wächter des Völkerrechtes da bestimmte Entscheidungen getroffen haben.
Gemäß der heutigen Wahrnehmung des Selbstbestimmungsrechts von Menschen und der Schutz vor der Willkür anderer ist dieser "völkerrechtliche" Status aber eigentlich Kolonialismus von einer Sorte, der diesseits ethnischer Säuberungen kaum noch zu unterbieten ist. Also etwas, dass ein neutraler Beobachter rundheraus ablehnen müsste und das ja tatsächlich auch beide Parteien vor Ort rundheraus ablehnen tun(leider, wenn auch auf nachvollziehbare Weise, in entgegen gesetzter Richtung).
Das, was einige unter "Völkerrecht" verstehen, kann in diesem komplexen Fall also wenig mehr als ein Diskussionsausgangspunkt sein, den man vermutlich zügig hinter sich lassen muss, wenn man ein stabiles Endergebnis erreichen möchte. (Was, again: leider, derzeit keine machthabende Gruppierung in der Gegend will.)
Ja, das ist ein Widerspruch, aber ein lösbarer. Es gibt das Kernland Israels und das ist anerkannt. Viele besetzte Gebiete gelten weiterhin auch vor dem Völkerrecht als "Besetzt" und die Siedlungen sind durch und durch illegal. Und das wird den Israelis auch von Steinmeier regelmäßig gesagt. Sicherlich ohne harte Konsequenzen.
Das ist aber eben nicht bedingungslose, "uneingeschränkte" Solidarität. Sondern ganz im Gegenteil eine teilweise Anerkennung unter Auflagen, die der anzuerkennende Staat in diesem Fall ganz entschieden ablehnt. So etwas im Alltagsgeschäft der Diplomatie unter der Hand laufen zu lassen ist üblich und oft die praktikablste Option, das weiß ich. Aber jemand, der sich wie Steinmeier & Co auf großer Bühne in nicht-diplomatischem Kontext so hinstellt und im Gegenzug auch noch Leute aufs schärfste verurteilt, die irgend etwas anderes sagen, der ist für mich einfach nur ein scheinheiliger Lügner (in die eine oder die andere Richtung). Und Scheinheilige und erst recht Lügner stehen bei mir verdammt weit unten auf der Sympathieskala.
Wir werden den Konflikt nicht lösen. Und wie Du leider treffend beschrieben hast, hat Israel der Hamas den Vernichtungskrieg angekündigt. Aber was soll man machen. Das ist Notwehr, oder?
Nö. Notwehr ist ein akuter Gegenschlag, solange Gefahr in Vollzug ist. Die Grenzverteidigung der israelischen Armee in den ersten 1-2 Tagen, das war Notwehr. Angriffe auf feuerbereite Raketenstellungen wären es ggf. auch noch. Aber alles andere/seitdem ist, wie du selbst sagst, Krieg. Vernichtungskrieg. Gegen eine teilweise zivile Organisation in einem zivilen Umfeld.
Da stehen Deppen, die erkennen dich nicht an, die terrorsieren seit Jahrzehnten und sie bekommen jetzt die Rechnung. Das mag für uns schlimm sein, für einen religiösen Fanatiker der Hamas geht der Traum, als Märtyrer zu sterben, das beste, was einem passieren kann, in Erfüllung.
Ich habe 0 Mitleid mit Kämpfern der Hamas. Die haben ihrerseits ganz Israel den Vernichtungskrieg erklärt und das aus keinem besseren Grund, als ihn umgekehrt die Israelis für ihre Angriffe haben. Wenn die also alle gegeneinander Krieg führen wollen, dann sollen sie doch.
Aber die treffen sich halt nicht auf dem Feld vor der Stadt dazu ich habe sehr wohl Mitleid mit all jenen, die schlicht aufgrund der äußerst geringen Möglichkeiten, die Palästinenser haben, nichts anderes übrig bleibt, als sich in deutlich weniger als einem Bombenradius um Hamas-Kämpfer, Hamas-Stellungen und Hamas-Einrichtungen sowie jeweils um "mutmaßliche ..." aufzuhalten. Diese "Kollateralschäden" bedauere ich genauso, wie die von der Hamas in israelischen Siedlungen niedergemetztelten Unschuldigen.
Zudem sehe ich einfach keine Erfolgsaussichten. Die von Israel angewandten Methoden führen direkt zu einer kompletten neuen Generation, die sich der Hamas anschließen wird und dass dann eben leider aus Gründen, die zwar weiterhin nicht besser, aber auch nicht schlechter als die der IDF ist: "Die andere Seite hat meine Familie ermordet und ist auch noch Stolz drauf. RACHE!!!!"
Hätten nicht alle gewonnen? Die Israelis haben ein wenig Ruhe, die Palästinenser werden von der Hydra befreit und die Hamas Leute sind im ewigen Paradies. Win Win Win.
Wenn Israel alle geschätzt 40000 Hamas-Kämpfer unter 2040000 Gaza-Einwohnern tötet (Zahl in praktischer Richtung gerundet

), dann haben wir danach nicht einen Gaza-Streifen mit 2000000 nicht-militanten Palästinensern. Sondern einen mit 1900000 Zivilisten und mit 100000 (neuen) Hamas-Kämpfern. Nettobilanz: Hamas stärker, 40000 Unschuldige weniger am Leben. Loose Loose Loose. Sowas kann ich nicht gut heißen.
Traurig wird es nur für die israelischen Soldaten, die aus der ganzen Aktion nicht unbeschadet heraus kommen. Aber welche Alternative gibt es? Es gibt keine. Die Hamas könnte jetzt erklären, dass sie versteht, dass sie keiner in der Welt mag, die Waffen abgeben und sich freiwillig in Gefangenschaft begeben.
Eine beidseitig diplomatische Lösung wäre ein Waffenstillstand unter internationaler Kontrolle mit internationalen Verpflichtungen. Mangels Vertrauen von praktisch jedem Akteuer außer dem Iran würde das auf Seiten der Hamas sicherlich eine weitestgehende Entwaffnung erfordern, weswegen die an dieser Stelle eher unter Zugzwang steht. Eine einseitig erzwingbare Lösung wäre die dauerhafte Besetzung des Gaza-Streifens durch Israel mit vollständiger Verantwortungs-Übernahme durch Israel inklusive Wiederaufbau, Einrichtung eines Rechtsstaats und Sicherung vollwertiger Bürgerrechte.
Beides erfordert eine Bereitschaft, etwas für Frieden zu geben, die derzeit keine Partei auch nur näherungsweise zeigt. Aber "nicht wollen" ist nicht das gleiche wie "wir haben keine Alternative".
Man wird keine einvernehmliche Lösung finden, solange es noch die nahöstlichen Religionen gibt, die in Konkurrenz zueinander stehen. Man kann froh sein, dass in der heutigen Runde wenigstens die Christen nicht auch noch als dritte aktive Partei in den Kamp eingreifen, aber um Jerusalem und Umland wird praktisch ewig gekämpft.
Juden haben jahrtausende Erfahrung darin, friedlich im Umfeld anderer Religionsmeinschaften zu leben. Eigentlich ist das, mit der Ausnahme der Zionisten in Israel und des Israelitischen Reiches, sogar der absolute Normalzustand für jüdische Gemeinden. Muslime umgekehrt sind qua der Grundlage ihrer Religion dazu angehalten, Juden zu achten und zu schützen. Anhänger des Propheten Abraham gelten zwar als im Laufe der Jahrhunderte etwas irrgeleitete, aber dennoch als Gläubige eigentlich-Allahs, denen man nichts böses zu tun darf. (Solange sie nicht gegen den Muslime vorgehen. Da kennt der Islam allgemein keine Zurückhaltung.)
Von daher: Religiös ist das überhaupt kein Problem. Der gesamte Stunk in der Gegend resultiert zu einem geringen Teil aus Tradition, vor allem aber aus Nationalismus. Die Zionisten bestehen auf IHREN Staat, die Araber bestehen auf IHREN Staat und da die ethnischen Grenzen zwischen beiden auch religiöse sind, lässt sich die Religion wunderbar instrumentalisieren. Aber sie ist nicht Ursache dieses Konflikts.
Wären die Menschen zu Frieden bereit, könnten die gemeinsamen religiösen Wurzeln umgekehrt sogar wunderbar für versöhnende Symbolpolitik herhalten. Israel hat im Laufe der Jahrzehnte nämlich zunehmend theorkatische Züge angenommen, in derem Rahmen auch nicht-jüdische Israelis deutlich benachteiltigt werden, was man mal hochsymbolisch abstellen könnte (und sollte); jüdische Organisationen in aller Welt (mit einem aus Sicht dieser armen Region enormen Hilfspotential) kümmern sich bislang einen Dreck um notleidende Muslime (im Gegensatz zu christlichen Organisationen). Umgekehrt würden sich die Muslime eigentlich überhaupt keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn sie Juden eine Gebetsmöglichkeit (je nach Denkmalschutzüberlegungen inklusive Behausung) auf dem Tempelberg zugestehen würden. "drittheiligste Stätte des Islam" sind von dem nämlich nur die paar m² unter der Kuppel des Felsendoms. Alles andere, einschließlich z.B. der kompletten Al-Aksa-Moschee ist für Muslime (deren glauben von Menschen "geheiligte" gar nicht kennt, da heiliges nur von Gott persönlich kommen kann) einfach nur ein Ort mit Tradition und politischem Symbolcharakter, mit dem man aber machen darf, was man will.
Wer also ein Symbol für Frieden, Miteinander und Zukunft setzen will, lädt einfach mal zum Tag der offenen Tür. Und wer dieses Symbol bestätigen will, nutzt das nicht für eine imperialistische Besatzung inklusive Abrissphantasien, sondern bringt zum nächsten Zuckerfest mal eine Stiege Lekach vorbei.
[/EinhornUtopie]
[grausame Wirklichkeit]
Du meinst damit die Abschaffung des israelischen Nationalstaates und "Rückgabe" des Territoriums an die Palästinenser?
Selbst da würde ich nicht wetten, dass das allen in der Hamas reicht. Die ist zwar im Laufe der Jahre softer geworden (hat sich, von vielen unbemerkt, 2017 sogar bereit erklärt, Israel unter bestimmten Bedingungen in seinen ursprünglichen Grenzen ein Existenzrecht zuzugestehen), aber de facto wäre das ja nur eine Rückkehr zur Vor-Konfliktsituation. Darüber hinaus fordert die Hamas aber regelmäßig auch noch Rache für die erlittenen Leiden der Palästinenser. Obwohl die überwältigende Mehrheit schon über ein weitaus kleineres Geschenk seitens der Isralis so froh sein dürfte, dass sie die Mundwinkel bis ans Lebensende an die Ohren getackert hätten, würden sich sicherlich ein paar Dutzend total Bekloppte finden, die einige bestimmte Israelis aus Verantwortungspositionen selbst weiterhin ermorden wollen würden.
Absolute Sicherheit durch Selbstenteignung ist eine Illusion, egal wie weit man geht, auch wenn ein paar Schritte in dieser Richtung verdammt viel zum Frieden in der Gegend beitragen dürften. Nicht vergessen darf in dem Zusammenhang auch: Genauso wie Netanjahu und vor allem seine Koalistionspartner baut die Hamas-Führung ihre Autorität und Popularität darauf, dass sie "den großen Feind" bekämpft. Wenn der auf einmal zum Freund würde, wäre diese Führung nur noch ein korrupter Haufen Arschlöcher, der nicht nur so manch Israeli, sondern zwei Jahrzehnte lang auch ziemlich vielen Palästinensern das Leben schwerer gemacht hat. Freundschaft ist also gar nicht das Ziel der Hamas, sondern ein Sieg.
mir ist es doch völlig egal, wer wo wie betet, demonstriert oder sonst was macht. Entscheidend ist, dass man sich an die Gesetze hält.
Aber man muss es eben auch nicht übertreiben.
Deutsche Gesetze erlauben sowohl Veranstaltungen vor dem Brandenburger Tor als auch öffentliche Gebete. Beides, Versammlungs- und Religionsfreiheit gehören sogar mit zu den am höchsten geschützten Werten unserer Verfassung. Also halte dich mal an deine eigene, gerade eben geäußerte Maxime und höre auf, damit Probleme zu haben, wenn jemand öffentlich vor dem Brandenburger Tor betet.
Ist aber der falsche Zeitpunkt.
Wann, wenn nicht zwischen tausenden Luftangriffen und einer Bodenoffensive wäre denn der "richtige" Zeitpunkt, um die Achtung von Menschenrechten anzumahnen?
Wenn der UN da was nicht passt, sollen sie Blauhelme hinschicken und gut.
Das kann nur der Sicherheitsrat, nur halt nicht gegen US-Verbündete. Die Vollversammlung oder gar der Generalsekretär können das nicht. Die können nur ihre Meinung zum besten geben, aber wäre ja noch schöner, wenn die Weltgemeinschaft in der UN was zu sagen hätte.
Kann man das denn wirklich aus unabhängiger Quelle überhaupt so sagen?
Ich wäre da sehr sehr vorsichtig.
Soweit ich das sehe, sind sämtliche Meldungen zu Opferzahlen aus dem Gaza-Streifen mit äußerster Vorsicht zu genießen, nachdem die Hamas auch hier die Kontrolle über die Informationsgestaltung nach außen hin ausübt.
Hier muss man sämtliche westliche Medien im Übrigen stark dafür kritisieren, das diese Verlautbarungen vielfach ungeprüft übernommen und in die Headlines verarbeitet werden, die in den Köpfen hängen bleiben.
Es sind, auch nachdem Israel jedem weiteren den Zutritt verwehrt und die explizit ausgewiesenen Unterkünfte einiger bereits vor Ort befindlcher Journalisten (mitsamt diesen) gesprengt hat, immer noch mehrere Kamerateams und Reporter in Gaza unterwegs. Bilder von denen kannst du täglich in den Nachrichten sehen, Beobachtungen werden regelmäßig mit den Zahlen der Hamas, vor allem aber mit denen der zahlreichen weiterhin aktiven Hilfsorganisationen abgleichen. In einem Kriegsgebiet sollte man allgemein nicht die letzte Vorkommastelle betonen und natürlich dauert es im Einzelfall ein paar Tage, bis man sich sicher sein kann oder nicht, aber die Größenordnungen sind durchaus belastbar. Zum Teil werden sie ja auch von den Israelis bestätigt - nur der Status der Opfer ist in deren Mitteilungen ein anderer.
Nichts desto trotz täten die Medien gut daran, "heiße" Meldungen erstmal einen Tag abkühlen zu lassen. Das gilt übrigens für beide Parteien: Wenn die IDF berichtet, sie habe "Hamas Einrichtungen zerstört", dann läuft auch das ungefiltert in unseren Medien und wird mit Verweisen auf blutrünstige Terroristen assoziiert. Ob es am Ende nicht vielleicht doch die Hamas-Führerscheinstelle war oder auch nur die Privatwohnung des Schwippschwägers einer Tochter eines Hamas-Beamten, das prüft niemand vor der Sendung. Die Wahrheit stirbt im Krieg immer zuerst.
Nein! Das sagen nicht nur die Israelis.
Es ist durchaus recht schlüssig durch Bilddokumentationen der Schäden und des Einschlagsortes dargelegt.
Das einzige, was Bilder vom Ort des Grauens belegen können, ist eine Explosion in der Luft darüber. Aber wer für diese verantwortlich ist, dass könnten nur Leute mit fein auflösender Radar- oder permanenter optischer Überwachung des Gebietes sagen. Also Israel, die parteiisch sind, vielleicht die Hamas, die es ebenfalls sind und eventuell vielleicht noch die USA, die ihre Rohdaten nicht rausrückt. Also bleibt einem nichts anderes übrig, als die Sache offen zu lassen oder einer von zwei nicht vertrauenswürdigen Quellen zu glauben. (Was nicht heißt, dass die in gleichem Maße vertrauensunwürdig sind. Die Hamas erzählt sehr, sehr viel mehr falsches, aber diese Erkenntniss bringt einem im Einzelfall auch nur eine Wahrscheinlichkeit, keine Gewissheit.)
Man muss da wirklich mal fragen, wieso gerade im Islam die Extremisten so weit verbreitet sind.
Falsches Framing.
Korrekte Frage 1: Warum sind Leute in den armen, besonders übel und spät vom Kolonialismus gebeutelten (sub-)äquatorial-Regionen Eurasiens und Afrikas besonders schlecht gebildet und besonders oft verzweifelt?
Korrekte Frage 2: Warum haben Vorderasien und Nordafrika mehr Kontaktzone zu anderen Weltteilen als die Nördlichsten, westlichsten, südlichsten und östlichsten Spitzen des Kontinentalverbunds?
Wer die Antwort auf 1 als schwierig ansieht, sollte vielleicht noch mal die Mittelstufe nachholen, wer mit Antwort 2 kämpft, die Grundschule.