AW: Innenminister beschließen Verbot von Killerspielen
@Adrenalize
Autofahren habe ich bei Gran Tourismo nicht gelernt, aber driften.

Wenn jedes Auto in Wirklichkeit so driften würde wie in den Games, dann wäre was los auf den Straßen!
Darüber habe ich letztens einen sehr interessanten Beitrag gesehen.
Es wird gezeigt, dass eine Laufverriegelung, wie sie für Handfeuerwaffen vorgesehen ist, absolut nichts bringt und leicht entfernt werden kann.
Danke für das Video, kannte ich noch nicht, sehr interessant. Da sieht man auch mal wieder, wie wenig Ahnung die Politiker von technischen Dingen haben. Beispiel Biometrie vs Zahlencode: Das ist einfach eine andere art der Kryptographie, inwiefern soll sich dadurch denn die Sicherheit erhöhen? Fingerabdrücke kann man abnehmen und nachmachen, so kompliziert ist das nun auch nicht. Zumal, was der Beitrag auch schön zeigte, das alles keine Rolle spielt, so lange das System mechanische Schwachstellen hat.
Fällt mir immer wieder auf, dass die Parteien in Sachen Kryptographie und Sicherheitsverfahren wohl irgendwie schlechte Berater haben, oder aber wissentlich wenig effektive Verfahren als
die Lösung schlechthin anpreisen... siehe auch KiPo-Filter. Jeder IT-Security-Spezialist kritisiert das Teil aus technischer sicht, da fragt man sich echt, wer das ding dann erfunden hat. ein Hobby-Progger?
Ich habe auch nicht bemaengelt, dass Spiele in falsche, weil nach Rechtsnormen zu junge Haende geraten sind.
Du hast dich mehrfach darauf bezogen, dass Minderjährige das spielen, und das ist halt ein Punkt den die Politik auch bringt: Verbot, um damit die Minderjährigen zu schützen. Dafür bräuchte es aber kein neues Gesetz, weil die alten es bereits verbieten.
Wo steckt da die Logik? Ich habe ein Gesetz, das offensichtlich nicht durchführbar ist oder nicht effektiv, also erlasse ich ein Schärferes, das vermutlich ebensowenig effizent sein wird?
Natürlich kann man, wenn es die Spiele nicht mehr in der Ladentheke gibt, ein paar Verkäufe (= Fehltritte der Ladenbesitzer) verhindern, aber sozial isolierte, psychopathische Jugendliche (aka Amokläufer in Spee) werden wohl kompentent genug sein, sich das Zeug zu saugen. Torrent oder Rapidshare sind ja so kompliziert nicht...
Ich bemaengele das Angebot als solches - naemlich Krieg "spielbar" und damit zu einem Unterhaltungsobjekt zu machen. Ich halte bereits viele Kriegsfilme fuer grenzwertig (obwohl es da Ausnahmen gibt, die gewollt schockieren - siehe Eroeffnungssequenz von "Private James Ryan"), aber bei diesen reduziert sich die Interaktionsmoeglichkeit des "Konsumenten" wenigstens auf die Betaetigung der Stopp-Taste am DVD-Player. Wenn Krieg dagegen zum interaktiven Erlebnis wird, bei dem sich die Anbieter mit immer neuen Visualisierungen des Toetens und Sterbens ueberbieten, wird eine Grenze ueberschritten, die nicht ueberschritten werden sollte.
Moral ist so eine Sache, die ist nicht in Stein gemeißelt. Was der eine als empörend empfindet, ist dem anderen egal oder gar sympathisch. Aber davon abgesehen? Ist es Aufgabe des Legislative, sich zur höchsten Moralinstanz aufzuschwingen und hierbei zu zensieren? Es gibt Tierschützer, die Jagd als Freizeitsport für moralisch inakzeptabel halten, oder das Halten von Nutztieren auf engstem Raum (Hühner z.B.). Strenge Christen sehen homosexuelle Beziehungen als moralisch verwerflich an. Ein weiteres Thema wäre die Darstellung von Pornographie und die Verbreitung durch das Internet, welches auch bei Jugendlichen eine Rolle spielt. Wo also darf der Staat verbieten, und wo nicht?
Deshalb bin ich nicht Fan dieses Moralarguments, ich erlaube mir kein Urteil über die Freizeitbeschäftigungen der Leute. Solange andere darunter nicht zu leiden haben.
Ausdruecklich auch nicht von Personen, die 18+ sind. Warum? Frag eine Person Deiner Wahl, die Krieg erlebt hat. Sie wird es Dir mit wenigen Worten besser erklaeren koennen als ich mit einem Aufsatz.
Mein Großvater war in Russland, das Problem ist nur, dass er davon nicht wirklich traumatisiert ist. Wohl nicht nah genug an Stalingrad dran, oder so, auf jeden Fall ist er da nicht der geeignete Ansprechpartner, fürchte ich.
wie dem auch sei, den Spielen wird hierbei gerne unterstellt, den Krieg als amüsant und spaßig darzustellen. Das ist oft gar nicht so, nehmen wir mal die Call of Duty-Reihe. Hier wurden oft Filmszenen nachgebaut, was die Spiele recht authentisch wirken lässt, etwa Normandielandung, Kesselschlacht um Stalingrad usw. In CoD2 z.B. startet man als russischer Soldat mit einem Magazin in der Hand ohne Waffe. Die soll man, historisch korrekt, von einem gefallenen Kameraden aufheben. die ersten Minuten des Spiels bestehen darin, wehrlos zu sein und am Leben zu bleiben. Ist das unterhaltsam? Nicht wirklich; es ist eine Herausforderung, und es vermittelt einen Eindruck über die damalige Brutalität des Krieges und der Lebenserwartung eines Soldaten von oft nur wenigen Minuten. In CoD4 z.B. gibt spielt man im Vorspann einen Politiker, der exekutiert wird, später dann einen sterbenden Soldaten in einem abgestürzten Heli. Das Spiel schafft es dabei ohne Übertreibungen zu vermitteln, dass Krieg keine Sieger kennt, dass die Guten nicht immer überleben. Es gibt kein Happy End.
Im Grunde genommen die Botschaft, die auch viele Kriegsfilme rüberbringen, mit dem Unterschied, dass man hier selbst die Hauptperson ist, nicht Tom Hanks oder Mel Gibson.
Natürlich sind nicht alle Spiele hier Positivbeispiele, insofern wäre es auch mal wichtig, den Begriff "Killerspiel" hart zu definieren. Ist jedes Kriegsspiel automatisch ein Killerspiel? Ist ein Geballere auf mutierte alien-Zombies a la Deadspace gleichzusetzen mit einem historisch korrekten WKII-spiel ohne übertriebene Gewaltdarstellung?
Die Poltik umschifft diese Definition bisher natürlich gekonnt.
Noch ein Beispiel: Das spiel
Defcon von Introversion ist eine Hommage des Szenarios "Thermonuklearer Krieg" aus dem Film
Wargames. Das Spiel zeigt
eine vereinfachte Weltkarte ohne Texturen mit Städten und militärischen Einrichtungen. Es werden nacheinander die Defcon-Phasen durchlaufen und am Ende filegen die Atomraketen. Es gewinnt die Seite mit dem höheren Bodycount. soweit alles genau wie im Film.
Ich hab das spiel mal eine Runde lang getestet und fand es total verstörend. Gewaltdarstellung ist nicht vorhanden, aber der Einschlag einer Atomrakete in einer Großstadt und die nüchterne Anzeige von Millionen Toten als einfache Zahl fand ich um vieles verstörender als irgendeinen Shooter. einem Freund von mir ging es ähnlich, er fand das spiel zu makaber.
Wer will, kann ja mal die Demo testen, ich finde es ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die Grausamkeit eines spiels nicht unbedingt etwas mit grafischer Gewaltdarstellung zu tun haben muss.
Wie gesagt, der juristische Aspekt der Verbreitung ist nicht so sehr mein Thema. Und dafuer, dass es eine abstumpfende Wirkung gibt, gibt es ebensoviele Beweise wie es Wiederlegungen gibt. Allein das haarspalterische Aufzaehlen von Studien offenbart, wie gross das ethische Problem mittlerweile ist.
Genau das ist das Problem: Beim Verfassen und Erlassen von Gesetzen geht es numal um die juristischen Aspekte. Nicht umsonst sitzen im Bundestag soviele Anwälte, das ist genau deren Ding. Sinn von Gesetzen ist es doch, klar definierte Regeln für ein Gesellschaftliches miteinander zu definieren. Dabei sind die Begriffe Recht und Gerechtigkeit nicht immer deckungsgleich, insofern halte ich moralbasierte Zensurgesetze für gefährlich, wenn das juristische System an sich nicht moralisch einwandfrei ist.
Niemand hat ein Problem mit deiner moralischen Ansicht zu dem Thema, nur die Forderung, diese Ansicht juristisch in Stein zu meißeln, teilen wir eben nicht.
Klassische Egoistenlogik. Wenn A Shice baut, weil B einen Fehler macht, kann C nichts dafuer. C ist man entweder selbst oder bietet etwas an, was man gerne moechtet. Sachlich nicht zu beanstanden, moralisch fragwuerdig.
Darauf kann ich jetzt im Grunde nicht eingehen, weil es methaphysisches Geblubber ist. Wenn C immer verantwortlich ist, könnte man quasi alles verbieten, weil A mit sehr vielen Dingen ******** bauen kann, falls B einen Fehler macht.
Dasselbe Prinzip - sachlich nicht zu beanstanden. Aber was bedeutet es, denkt man den Gedanke zu Ende? Ich kann die (spekulativ) groessere Fehlentwicklung nicht verhindern (was so nicht stimmt; es wird Praeventionsarbeit geleistet und ausgebaut - auch wenn der Erfolg nicht befriedigen kann), also kann man mir meine ganz private, (wiederum spekulativ) weniger schlimme Fehlentwicklung nicht absprechen?
War nur der hinweis darauf, dass es in Hinsicht auf den Jugendschutz auch andere, dringliche Probleme gibt, die man juristisch strenger angehen könnte, es aber nicht tut.
Mir stellt sich halt die Frage, warum nicht? Oder anders: Wenn über jeden toten Jugendlichen, bei dem Alkohol im Spiel war, wochenlang in den Medien berichtet werden würde, kämen dann auch sofort Gesetzesvorschläge für ein generelles Alkoholverbot?
Ich werfe der Politik hier eben Aktionismus vor, die drehen ihr Fähnchen nach dem Wind der Medien und der Wählerstimmen, die Moral wird zwar vorgeschoben, dahinter steht aber das Buhlen um die Gunst der Wähler.
Die Politiker können den Eltern ja schlecht sagen: Schaut, wenn ihr euch mal mehr mit eurem Nachwuchs befassen würdet, wüsstet ihr, ob die Spiele spielen, die sie dem Gesetz nach gar nicht haben dürfen, und ob sie psychische Probleme haben, in der Schule gemobbt werden usw.
Weil das wäre zwar sachlich korrekt, würde aber Wählerstimmen kosten.
Wobei es relativ betrachtet ja halbwegs zu funktionieren scheint, es gibt ja genug Familien, die Umziehen, oder ihre Kinder auf andere Schulen schicken, und oft reicht das schon, um dem Martyrium des Mobbings ein Ende zu setzen. Nur selten kommen all diese Faktoren (Gewalt, Mobbing, psychische Labilität, ignorante Eltern, Erfahrung mit Waffen...) zusammen und es kommt zum Amoklauf. Wobei ich selbst aber auch den Eltern der Mobbing-Täter einen Vorwurf mache. Oft gibt es da 1-2 Rädelsführer und der Rest sind Mitläufer. Es ist möglich, auch Kindern und Jugendlichen soweit ein Unrechtsbewusstsein zu vermitteln, dass sie bei sowas nicht mitmachen oder für das Mobbingopfer Partei ergreifen. Nur ist das nicht Aufgabe der Lehrer (die sollen lehren ,nicht erziehen) und Spiele und Medien sind dafür nicht geeignet. Kinder brauchen Vorbilder. Bekommen sie keine, suchen sie sich die Falschen...
Falsch. Gewaltkriminalitaet hat rasant zugenommen; jeder Kriminologe wird Dir bestaetigen, dass speziell die Jugendgewalt ein bis vor wenigen Jahren nicht vorstellbares Mass an Brutalitaet erreicht hat. Und zwar laengst nicht nur in Muenchner U-Bahn-Stationen. Die Hemmschwelle ist also nicht so hoch, wie Du vermutest - oder es faellt immer leichter, sie zu ueberwinden.
Sachlich korrekt, aber der Bezug zum Thema Amoklauf fehlt. Das in den U-Bahnen hier bei uns waren alles Jugendliche mit Migrationshintergrund, die legen es bewusst auf körperliche Nähe und persönliche Konfrontation an, oft sogar ohne Waffen und mit bloßen Fäusten. Das sind keine distanzierten Killer sondern einfach nur gemeine Schläger. Völlig anderer psychologischer Hintergrund.
Natürlich auch ein großes soziales Problem, aber da spielen Killerspiele keine große Rolle, eher dieses Gangsta-Milieu nach amerikanischem Ghettovorbild und Musik, in der körperliche Gewalt als Maß für Stärke und Coolness dargestellt wird.
Der Amokläufer hingegen braucht Schusswaffen, er fühlt sich ja als körperlich unterlegen und sucht die Distanz, nicht die körperliche Konfrontation, denke ich.
Keine Sorge, meine Motivation zum Antworten ist inzwischen auch in diesem Thread nahe Null. Meinen Standpunkt sollte inzwischen jeder verstanden haben, der daran Interesse hegt.
Ich denke, ich verstehe deinen Standpunkt, und konnte hoffentlich den meinigen noch etwas weiter beleuchten.