AW: Heise greift durch und schließt Kommentarthread zu Transgender-Debatte
Da gehts ja schon los! "...wenn jemand ordentlich gekleidet ist..."!?!?!? Was bitte ist denn ordentlich? Das ist vollkommen subjektiv. Für mich ist ein Kleid immer etwas feines, feminines und graziles. Es unterstützt die Weichheit und das Zarte des Körpers der da drin stecken sollte. Ein männlicher Körper gehört da meines Erarchtens nach nicht hinein. So wie deutlich zu kräftige Menschen (egal welches Geschlecht), nicht zu enge Kleidung tragen sollten. Ich werde mich hüten, ihnen da etwas vorzuschreiben, aber ich finde es schwer daneben. Andersherum ebenso. Hier im Ort läuft eine Frau spazieren, die sich gibt wie ein Mann. Haarschnitt, Kleidung, reden mit tiefer Stimme, eben das komplette Auftreten. Was aber tut SIE/ER? Streitet sich bei einem örtlichen Geschäft um eine Stelle, die für Frauen ausgeschrieben war. Ja was will sie denn nun und wie soll ich sie nun einordnen? Ich persönlich brauche diese klassifizierung. Es fällt mir dadurch deutlich leichter, angebracht auf mein Gegenüber einzugehen. Der Hammer kommt aber erst noch! Um diese Person nicht unwillentlich falsch anzureden, habe ich mir gedacht, dass ich sie einfach frage. Daraufhin hat sie mir entrüstet einen Vortrag über Ausgrenzung gehalten und darüber, dass sie behandelt werden möchte wie jeder andere auch und dass ich das sicherlich nicht jeden fragen würde. Dann ist sie abgezicht und seitdem werde ich in dem Laden seltsam angeschaut, als hätte ich etwas verwerfliches getan.
Wenn ich sie jedoch wie jeden anderen behandeln soll, dann würde ich sie als Frau ansprechen, egal wie sie sich gibt und ihre Bemühungen wie ein Mann zu wirken einfach ignorieren. Das kanns doch aber nicht sein, oder?
Die Frage der Anrede mag tatsächlich Fettnäpfchen und Schwierigkeiten bergen. Klassifizieren werden wir wohl alle schon unbewußt; der berühmte "Erste Eindruck" ist ja auch schon oft der Entscheidende. Leider!
Denn wie sich jemand anzieht, oder überhaupt nach Aussen gibt, sagt noch wenig über den Menschen aus.
Damit komme ich auch zu dem Menschen, der Dir etwas über Ausgrenzung erzählte: Einmal können einem dazu Zeilen der Toten Hosen einfallen: ".. auch Lesbische, Schwarze,
Behinderte, können ätzend sein."
Man kann es aber auch als Ausdruck des eben problematischen Verhältnisses sehen: Hat sie immer wieder Ausgrenzung erfahren, reagiert sie vielleicht allergisch beim kleinsten Verdacht. Auch wenn Du es vielleicht gar nicht so
rüberbringen wolltest..
Das hier ist doch die Diskussion unter dem Heise-Artikel, oder nicht?
Ich finde das übrigens nicht besonders gut. Es stimmt zwar, aber jemanden auszugrenzen nur weil er anderer Meinung ist, halte ich für nicht okay!
Witzig, aber glücklich finde ich es auch nicht. Allerdings: In Bezug auf den Heise-Artikel war es sicher nicht nur "Meinung". Wenn man sich alleine hier einige Kommentare ansieht, kann man
sich einigermaßen ausmalen, was da abging.
... Ich möchte damit nur sagen, dass man nicht erwarten kann, immer und in jeder Situation von der Gesellschaft akzeptiert zu werden.
Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen von normal und nicht normal und das ist auch gut so. Und wenn jemand für sich entscheidet, dass ein Transsexueller für ihn und sein Weltbild nicht "normal" ist und er damit nichts anfangen kann, dann muss das akzeptiert werden. Würde ich mit neongrünen Haaren und ohne Hose zu einem Kundentermin fahren dann wird das ein sehr kurzer Termin. Und ich könnte das völlig verstehen und fange nicht an von meinem Gegenüber zu verlangen, dass er doch bitte meine Kleiderwahl und meine Frisur am heutigen Tag tolerieren muss.
Ich bin mir da nicht so sicher, ob dass so gut ist. Jedenfalls nicht, wenn dann auf diese "Normalität" beharrt wird, komme was da wolle.
Zu den Konventionen: Ohne Hose: gut, vollständige Kleidung meinetwegen. Die neongrünen Haare sollten aber eigentlich durchgehen. Die Freie Entfaltung der Persönlichkeit sollte da, für mich, noch vor irgendwelchen Arbeitsplatzrichtlinien stehen.
Klar, es sind Konventionen. Aber was sagt Kleidung und Erscheinungsbild schon tatsächlich aus? Eine angemessene Körperhygiene sollte gegeben sein, ansonsten halte ich es für Selbstbetrug.
So manchen Investmentbanker, Politiker, Bankberater stufe ich (zumindest für ihre Auswirkung auf das Gemeinwesen) als pervers ein. Auch wenn sie in feinsten Zwirn von Armani und bei der Haarpracht mit
Bundeswehrlook herumstolzieren. Die Wirkung auf viele "Normalos" mag da anders sein.
Die Medien könnten vielleicht ihr Scherflein beitragen.
Nehmen wir den Tod von Robin Williams. Carmen Miosga stieg in den Tagesthemen auf einen Stuhl, in Anlehnung an den Club der Toten Dichter,
in dem es auch um Nonkonfirmtät ging.
Es gab keinen großen Aufschrei (*afaik*). Es wurde im Kontext des Todes von Williams gesehen.
Warum nicht auch ausserhalb solcher Gelegenheiten? Ein Moderator mit der Frisur im Stile Sascha Lobos? Das
gäbe einen schönen Aufschrei der Konformisten, wäre im Sinne einer gesellschaftlichen Diskussion über Normen nicht verkehrt!
Denn was ändert es an der Qualität der Nachricht? (wie immer man die vorher angesehen hatte

)
Das ist auch ok ...die Frage ist ..WAS ist NORMAL ...wer setzt diese Norm ein ?
Die Welt ...im allgemeinen verändert sich.
Was früher als normal galt ist heute unnormal und anders herum ...bsp früher 6-8 Kinder in der Familie heute wäre das schon unnormal
....
Eben. So war beispielsweise Homosexualität vor einigen Jahren noch strafbar (mal abgesehen davon, dass z. B. manche kirchliche Kreise noch heute von einer Krankheit sprechen, gegen die man Pillen nehmen sollte

)
Aber noch wichtiger als Definition der"Norm" finde ich eben den Umgang mit denen, die da eben herausfallen.