Gendern? Ja/Nein/Vielleicht

Wäre eine Möglichkeit aber auch hier ist das allgemeine Verständnis dafür beschränkt auf 2 Geschlechterrollen. Die Rolle der Frau und die Rolle des Mannes.

Dem ist so, aber genau das gilt es ja aufzuweiten. Idealerweise auf ein unendliches Kontinuum an soziale Rollen, die rein gar nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Zumindest mit der Entkopplung sind wir in Deutschland auch in den 80ern/90ern/10ern ziemlich stetig vorangekommen, als man sich noch mehr um Lebensentwürfe denn um Sprache gekümmert hat. Frauen mit Karriere wurden ebenso akzeptiert und zunehmend für normal gehalten, wie Männer in Familienrollen - nur bei Zwischenstufen und Mischformen steht noch viel Arbeit bevor. Aber der schadet es sicherlich nicht, wenn man Begriffe wie "Rolle" verwendet, die seit jeher für eine breite denkbare Vielfalt und Wandlungsfähigkeit stehen. Eine Ausdrucksweise, die Gegnern des eigentlichen Anliegen Ausweichmöglichkeiten gibt und Unbedarften Verständnisprobleme beschert, kann dagegen sehr wohl Schäden verursachen => Geschlecht, soziale Rolle und Casus sollte man einfach voneinander getrennt halten. Die sind ja nicht umsonst getrennt benannt. An dieser Sprache etwas zu ändern wäre, selbst wenn es einen Nutzen statt einen Schaden bringen würde, schlichtweg eine zusätzliche Änderungsaufgabe neben der Änderung der sozialen Rollen im Lebensalltag. Kann sich jetzt jeder für sich überlegen, welche Maßnahme er für wichtiger hält.

Eine soziales Geschlecht kann eine soziale Rolle sein, umgekehrt wird es schwieriger. Eine soziale Rolle muss kein soziales Geschlecht sein.

Kannst du für letzteres ein Beispiel bringen? Eigentlich bestehen 100% unseres gesellschaftlichen Lebens aus sozialen Rollen. Das ist quasi Bestandteil der Definition, sogar in beide Richtungen. Enden tun diese erst im privaten, aber das ist ja eben explizit nicht mehr Gesellschaft.


So in der Art, ja. Oder das Spektrum eben bündeln. Durch diese ganze kleinteilige Fragmentierung schafft man doch nur mehr Schubladen, als welche abzuschaffen. Gerade sprachlich.

Ich habe es ja oben schon versucht zu illustrieren: Wenn man etwas von der Größenordnung "1/8000tel" der Erwähnung wert befinden würde, dann würde das in einer vollständig ausdifferenzierten Welt aus gaaanz vielen gleich großen Gruppen bedeuten, dass man 8000 Gruppen der Erwähnung wert befindet. Das zu fordern ist schlichtweg das Ende der Sprache im wahrsten Sinne des Wortes, weil der Zuhörer vor Ende der Einleitung eingeschlafen ist. Aktuell sind wir in der Breite bei zwei Gruppen, mit der weit verbreiteten Tendenz, sich außerhalb formeller Anlässe auf eine Sammelbezeichnung zu beschränken. Drei Gruppen findet man selbst in Situationen mit Anlass nicht zwingend (z.B. wird in Schulen und Kindergärten aus "Sehr geehrte Damen und Herren" in der Regel nicht "Sehr geehrter Damen und Herren und Mädchen und Jungen", sondern "Sehr geehrte Eltern und Kinder", also wieder zwei Gruppen. Und i.d.R. ohne dass ggf. anwesende Großeltern, Onkel oder Bekannte einen Kleinkrieg starten.)

Vielleicht könnte man auf vier hochgehen, aber das bedeutet immer noch, dass man ein Auflösungsvermögen von "25% der Bevölkerung" hätte. Irgendwas kleineres, egal ob individuell oder gesammelt, zu erwähnen, wäre immer selektiv und würde auch immer den Eindruck erwecken, dass hier eine kleine Minderheit in ihrer Summe als genauso bedeutend wie die große Mehrheit bewertet werden soll, also eine Abwertung der Mehrheit stattfindet.


Es gibt sogar Strömungen, die in Erwägung ziehen, dass diese ganze Debatte von aufstrebenden Mächten absichtlich gepusht wird, um von den tatsächlichen Missständen abzulenken, bzw. bewusst die Machtverhältnisse zu deren Gunsten zu beeinflussen.

Da sind viel einfachere Mechanismen am Werk: Je dümmer und primitiver, desto massentauglicher. Eigentlich sollten sich die Menschen damit beschäftigen, was ihre Techniknutzung mit der Süßwasserversorgung in Mikronesien macht. Oder welche Auswirkungen ihre PKW-Wahl auf die Unterdrückung von Muslimen hat. Oder was eigentlich im Völkerrecht steht und warum das gut ist.
Aber dazu müsste man sich oder andere informieren, dafür müsste man selbst und andere Nachdenken. Sprache dagegen? Zu Sprache hat jeder einen Bezug und eine Meinung. Und jeder hat auch das Recht dazu, eine Meinung zu haben, schließlich ist Sprache nichts weiter als eine Konvention zwischen allen Mitgliedern einer Gesellschaft. Mit so einem Thema kann man wortwörtlich jeden ansprechen, ohne erstmal um Aufmerksamkeiten buhlen, recherchieren oder sonstwas zu müssen.
 
Kannst du für letzteres ein Beispiel bringen?
Die Rolle von Lehrer:innen. Soziale Rolle. Hat aber wenig mit einem sozialen Geschlecht zu tun.

Aber der schadet es sicherlich nicht, wenn man Begriffe wie "Rolle" verwendet
Wenn ich "Rolle" lese, denke ich entweder an den Sportunterricht oder an Klischees. Ich finde vor allem das Wort "Rolle" als denkbar schlechte Alternative, da dieses Wort gesellschaftliche Normen vorraussetzt um zu funktionieren.
 
Wenn ich "Rolle" lese, denke ich entweder an den Sportunterricht oder an Klischees.
Das liegt dann aber an dir. Ich denke da z.B. als erstes an Schauspielerei und Theater, wo man auch in Rollen schlüpft.


Ich finde vor allem das Wort "Rolle" als denkbar schlechte Alternative, da dieses Wort gesellschaftliche Normen vorraussetzt um zu funktionieren.
Du wirst immer Normen, Regeln und Rahmen haben, hättest du die nicht mehr wird die Definition disfunktional und nicht präzisierbar was du eigentlich damit ausdrücken und festlegen willst und am Ende geht es auch bei dem Thema genau dadrum, nur eben mit einer Auffächerung / Verbreiterung des Spektrums.

Von Rollen zu sprechen ist also im Grunde völlig passend.
 
Von Rollen zu sprechen ist also im Grunde völlig passend.
Du sagst selbst:

Ich denke da z.B. als erstes an Schauspielerei und Theater, wo man auch in Rollen schlüpft.
Also irgendwie ist das Wort "Rolle" dann doch nicht so passend, oder? In deiner Interpretation von Rolle, schlüpft man in einen Charakter der man nicht ist. Das Wort sorgt also für noch mehr Missverständnisse als das Wort Geschlecht. Und diese Rollen bedienen immer irgendwelche Klischees, was die Wortwahl nicht besser macht.

Du wirst immer Normen, Regeln und Rahmen haben
Ändert nichts daran, dass das Wort keine Übersetzung für Gender ist. Rollen gibt es überall im gesellschaftlichen Zusammenleben und ist damit nicht präzise genug. Um es zu präzisieren braucht's Du wieder den Zusatz "Geschlecht". Wenn ich "Gender" mit "Geschlechterrolle" übersetze und diese zum Beispiel weiblich ist, bin ich wieder dort, wo wir doch von weg wollten. Dem Denken der 50er Jahre.
 
Wenn wir hier aneinander vorbei reden und immer wieder von zwei Geschlechtern geredet wird, dann ist die reine Betrachtung des Chromosomensatzes in Form von XX und XY gemeint, korrekt?
 
Die Rolle von Lehrer:innen. Soziale Rolle. Hat aber wenig mit einem sozialen Geschlecht zu tun.

Hmmm."Lehrer" kenne ich auch nicht als Geschlecht, aber ebensowenig als Rolle, die eine Person definieren würde. Nur als Tätigkeit/Beruf. Müsste man mal weiter abklopfen, wie verbreitet da weiterführende Verständlichkeiten sind. Dass "Geschlecht" in vielen Fällen schon was anderes bedeutet und deswegen ungeeignet ist, heißt ja nicht automatisch, dass jede Alternative eine gute Lösung wäre. Sicher kann man nur sein, wenn man für neue Begrifflichkeiten gänzlich neue Wörter zusammensetzt, aber damit haben Sozialwissenschaften ganz allgemein Problem. (Nicht zuletzt deswegen weil es gerade in den Anfangsphasen oft genauso viele Definitionen wie Autoren gibt und eher wenig Interesse an Vereinheitlichung. Da würden einem also schnell das Alphabet ausgehen.)

Wenn ich "Rolle" lese, denke ich entweder an den Sportunterricht oder an Klischees.

Na und genau um letztere ging es bislang jedes einzige Mal, wenn sich in meiner Gegenwart eine Diskussion um "Gender" drehte: Vorgefertige Rollenbilder, in aller Regel aus Klischees zusammengesetzt.

Das ist nun einmal der Kern dieses neumodischen Schubladendenkens. Wer Menschen als Inidviduen wahrnimmt, der kann damit in der Regel nur wenig anfangen. Für den gibt es nicht 2 soziale Rollenbilder, nicht 4 und auch nicht 60. Sondern gut 8 Milliarden und denen extra Namen (oder gar extra Casi in der Sprache) zu verpassen, erübrigt sich offensichtlich. Umgekehrt brauchen traditionell verhaftete nur "Mann" und "Frau" (und noch was derogatives für Abweichler).

Nach meiner Beobachtung fordern nur Leute, die "dazwischen" (warum eigentlich nie jenseits?) noch 1/2/3 weitere Kategorien sehen, neue Begrifflichkeiten. Aber da dazwischen keine 1/2/3 Häufchen sind, sondern ein Kontinuum, muss man die Palette verschiedener Menschen halt irgendwie in Gruppen stecken und das geht bei der doch eher spärlichen oder widersprüchlichen oder gar nicht erst bekannten Empirie am besten anhand selbst gewählter Vorurteile aka Klischees.

(Genauso, wie ich Leute, die sich gedanklich mit Anreden auseinandersetzen, gerade klischeehaft in Traditionalisten, Post-Gender und Leute mit verquirlten, komplexen Sprachphantasien eingeteilt habe :ugly. .)


Also irgendwie ist das Wort "Rolle" dann doch nicht so passend, oder? In deiner Interpretation von Rolle, schlüpft man in einen Charakter der man nicht ist.

Man kann auch in "seine" Rolle schlüpfen, so man denn exakt eine hat, die einen selbst definiert. Aber die meisten Menschen haben sogar mehrere, je nachdem in welchem Kontext sie sich bewegen. Ich habe auf Arbeit definitiv ein andere soziales Auftreten als hier im Forum oder im familiären Kreis. Das schließt sich nicht gegenseitig aus, das sind alles Seiten von mir, aber es sind unterschiedliche soziale Rollen.


Wenn wir hier aneinander vorbei reden und immer wieder von zwei Geschlechtern geredet wird, dann ist die reine Betrachtung des Chromosomensatzes in Form von XX und XY gemeint, korrekt?

Von meiner Seite her (und der von eigentlich jedem anderen auch, der einen Hauch von Biologie und/oder etablierter deutscher Sprache versteht): Ja.
Zumindest solange es um Säugetiere geht.

Bei anderen Gruppen wird das Geschlecht zwar teilweise auch durch Chromosomen bestimmt (die zwecks besserer Unterscheidung und weil sowieso keins von beiden zu einem eigentlich-fast-V verkümmert ist, anders genannt werden), in den meisten Fällen aber durch ganz andere Mechanismen. Temperatur während der embryonal-Entwicklung, Alter, Rang in der Gruppe,...
 
Da liegt auch das Problem, da die Leute mittlerweile alle möglichen Mist (tun/machen), nur um dann doch wieder anders und besonders zu sein.

Das habe ich auch beobachtet. Nach meiner Wahrnehmung ging es bspw. mit Vegetarier sein los. Dann Vegan und die ganzen Sonderformen usw. über Sexualität ... und so weiter ... never ending.

Jeder kann in seinem Dunstkreis m.M.n. denken und tun was auch immer er möchte - unter Einhaltung bspw. Menschlichkeit, Tierschutz usw.. Gehe ich voll mit und macht eine Gesellschaft auch aus. Es gibt von mir erst den kritischen Blick, wenn das Tun in meinen Dunstkreis Einzug halten und dort ungewollte Veränderungen mit Macht durchgesetzt werden sollen.

... dieser Teil des Beitrages wurde auf Wunsch der Moderation von mir gelöscht.

Zumindest ziehen diese sich mehrenden Spinner die Grundidee ins lächerliche. Es gibt Menschen, für die das ganze Thema WIRKLICH ein PROBLEM Ist. Und dann gibts Spinner, die einfach gerne der Mittelpunkt des Universums wären (die haben dann nochmal ganz andere Probleme). Das zu unterscheiden ist wichtig.

M.M.n. ist genau diese Unterscheidung extrem schwer oder nicht möglich, denn es gibt bei diesen Themen kein schwarz oder weiss, sondern die Maus ist grau!
 
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Hier im Forum werde ich dies nicht anwenden, es ist denke ich auch nicht wirklich nötig.
CB hat kürzlich in deren Sonntagumfrage erfragt welches Geschlecht man angehört, da PCGH im gleichen Teich fischt, glaube ich nicht das es Prozentual hier viel anders aussieht.
Da man die Umfrageergebnisse nur sehen kann wenn man Registriert und eingeloggt ist, stelle ich mal ein Bild ein:
Screenshot 2023-10-23 at 13-00-29 Wer seid ihr eigentlich Zehn Umfragen zur Demographie des Fo...png

>Quelle<
 
Ich habe am letzten Wochenende mal wieder eine Fachzeitschrift durchgelesen. Im nachhinein fiel mir auf, dass komplett durchgegendert wurde. Das ist mir beim Lesen gar nicht ausgefallen. Man schreibt z.B. konsequent "Forschende". Ist soetwas irgend ein Problem? NEIN.

Es wird nur aufgebauscht von Leuten, die ihre wirklichen Probleme nicht lösen wollen. Und es gibt hahnebüchene Beispiele von diesen Leuten, um eine prinzipiell sinnvolle Entwicklung, nämlich die gedankliche Gleichstellung, zu verhindern. In meinen Augen ist das erbärmlich. Aber andere werden das anders bewerten.
 
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Ich habe am letzten Wochenende mal wieder eine Fachzeitschrift durchgelesen. Im nachhinein fiel mir auf, dass komplett durchgegendert wurde. Das ist mir beim Lesen gar nicht ausgefallen. Man schreibt z.B. konsequent "Forschende". Ist soetwas irgend ein Problem? NEIN.
Das nicht, aber wenn dann ein Text aufgebläht wird durch "Lehrer:innern" und das in jedem Satz mehrfach, habe ich einfach keinen Bock mehr den zu lesen, denn es ist kein Mehrwert an Information.
Es wird nur aufgebauscht von Leuten, die ihre wirklichen Probleme nicht lösen wollen.
Diese Schreibweise nervt halt und stört den Lesefluss. Sie trägt auch nicht zum Inhalt bei.
Und es gibt hahnebüchene Beispiele von diesen Leuten, um eine prinzipiell sinnvolle Entwicklung, nämlich die gedankliche Gleichstellung, zu verhindern.
Ich hatte noch nie ein Problem damit, unter "alle Mitarbeiter" beide Geschlechter zu verordnen. Manche gestörten Leute haben das aber und wollen unbedingt, dass andere das jetzt anders machen.
Mir ist das halt nur völlig egal, ich höre nicht auf diese Leute.
 
Du hast dich doch auch daran gewöhnt, dass mit zwei "s" anstatt mit "ß" zu schreiben.
Nein, denn ich habe das in der Schule (Einschulung Sept 2007) mit neuer Rechtschreibung gelernt.
Man kann den Lesenden auch zumuten genderkorrekte Sprache zu lesen.
Man kann als Leser solche Texte auch einfach ignorieren. Bisher habe ich noch keine gegenderten Texte gesehen, die für mich wirklich relevanten Inhalt hatten.
 
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