AW: Focus: "Die Wahrheit über den Euro-Crash"
Ich bin da auch eher der Meinung, das auf einer gewissene Eben natürlich alle europäischen Länder gleiche, oder ähnliche Ziele verfolgen. Aber nationale Unterschiede sind einfach doch viel zu groß, als das man von einer Gemeinschaft sprechen könnten. Wir sprechen nichtmal die gleiche Sprache (was einer der größten Punkte ist, wie ich finde. Sprache ist eines der besten Indentifikationsmerkmale, die es gibt wie ich denke).
Wie gesagt, Kultur ist ein kritischer Punkt. Wir reden hier aber von Finanzen und Wirtschaft. Und die Wirtschaftssysteme, oft sogar die Wirtschaftspolitik gleicht sich EU-weit in hohem Maße, genauso wie eine breite Palette von Steuern EU-weit erhoben wird (wenn auch in wechselnder Höhe). Das ergibt sich ja auch fast zwangsläufig aus dem gemeinsamen Binnenmarkt. Leider kommt diese Annäherung aber nur unkordiniert durch Reaktionen zustande, es gibt zuwenig Absprachen untereinander und insbesondere gibt es keine Grämien, die auf EU-weite Probleme zeitnah reagieren könnte. Das ist das große Problem mit dem Euro:
Er verhindert nicht nur einzelne Reaktionen der Staaten - das würden z.B. stabilisierte Wechselkurse, wie sie zu z.B. zu Dänemark bestehen, auch erreichen. Er beschleunigt zudem die Marktdynamik enorm, da Verflechtungen und Interaktionen leicht, unproblematisch und schnell möglich sind. Genau das ist ja sogar Ziel des Euros und der Grund, warum die (deutsche) Wirtschaft so von ihm profitiert.
Aber es bedeutet halt auch, dass sich wirtschaftliche Probleme europaweit mit einer Dynamik entwickeln können, die sonst nur national denkbar war. Und im Gegensatz zu nationalen Problemen gibt es kein Wirtschaftsministerium, dass (in Absprache mit maximal 1-2 weitern Ministern) schnell Maßnahmen ergreifen kann, sonder ALLE nur denkbaren Maßnahmen müssen über den Europarat oder separate, bilaterale Abkommen laufen. Auf höchster diplomatischer Ebene, die eigentlich nur für Grundsatzentscheidungen gedacht ist und in einigen Ländern sogar Volksabstimmungen erfordern - und die viel zu lahm sind, um auf die Dynamik eines Marktes reagieren zu können.
Genauso die Sache mit der Vorratsdatenspeicherung. Wer ist denn die EU, das sie Deutschland in diesem Punkt ein Ultimatium stellt, weil man sich nicht direkt einigt.
Schlechtes Beispiel.

Zum einen wurde die Vorratsdatenspeicherung im Rahmen einer EU-weiten Einigung verabschiedet, an der Maßgeblich z.B. auch eine unserer Regierungsparteien beteiligt war. Zum anderen ist die dort gefundende, konservativ dominierte Regelung EU-weit so umstritten, dass das EU-Parlament selbst sie komplett überarbeiten will. Die ganze Angelegenheit ist somit ein Musterbeispiel, dass der "typisch deutsche" Politikfilz 1:1 auf EU-Ebene existiert und sich die Bürger europaweit genauso daran stören, wie die Deutschen.
Franzosen haben aber ein anderes Nationalempfinden als z.B. Deutsche. Und die Griechen haben darauf bestanden dass auf dem Geldschein auch das griechische Wort von "Euro" aufgedruckt wird.
Die Griechen haben darauf bestanden, dass der Name der Währung auf der Währung in allen Alphabeten steht, die in den Mittgliedsländern verwendet werden. Das ist nicht Nationalismus und Eigenbrödlerei, sondern im Gegenteil Europäismus und Gleichberechtigung.
Wenn ein Staat pleite ist muss es eine Möglichkeit geben ihn pleite gehen zu lassen. Aber solange Griechenland innerhalb der Euro Zone ist kann es nicht pleite gehen.
Hast du dir mal überlegt, was es für das Wirtschafts- und Sozialsystem, für internationale Verpflichtungen, für die !Bevölkerung! bedeutet, wenn ein Staat pleite geht?
Wenn du das ernsthaft zulassen willst und der Meinung bist, ohne negative Folgen auszukommen, dann müsstest du Griechenland (Portugal, Spanien, Italien, Irland, Frankreich, ggf. die Niederlande und etwaige Staaten, die durch deren Ausstieg ins Trudeln geraten) aus dem Schengenraum, der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der NATO schmeißen (und ggf. noch aus ein paar weiteren Vereinen, die mir gerade nicht einfallen). Wie schon gesagt: Eine gemeinsame Währung ist ein Symbol, sie sorgt für schnelle Verbindungen und natürlich spielt sie im Finanzsektor eine große Rolle. Aber sie ist mitnichten die einzige Verbindung und Abhängigkeit, die zwischen zwei Staaten bestehen kann und sie ist fast noch die unwichtigste, die zwischen den EU-Staaten besteht.
Dass die Griechen ihre Steuerpolitik überdenken müssen ist dabei selbstverständlich. Ich verstehe sowieso nicht wieso ein Reeder keine Steuern zahlen muss. Wahrscheinlich gibt es in Griechenland mehr Reeder als es Schiffe gibt.
Merkwürdige Details aus der griechischen Steuerpolitik kann man viele aufzählen. Aber wer der Meinung ist, daraus eine ultimative Lösung kreieren zu können, der muss mit Folgen argumentieren - nicht mit Absurditäten. Also: Wieviel "zu gut" geht es den griechischen Redern denn im Vergleich zu ihren z.B. deutschen Kollegen, wie viel Abgaben müsste man ihnen deiner Meinung nach abknöpfen? Und wieviel kannst du ihnen abknöpfen, ohne dass sie das Land verlassen?