Das Konzept, dass jemand anderes für alle Sünden gestorben ist, halte ich auch für unerklärlich seltsam.
Hört sich für ein Freifahrtschein an, sündigen zu dürfen, weil Jesus ist ja schon für meine Sünden gestorben.
Aber hier stoßen wieder verschiedene Glaubenskonzepte aneinander.
Wir glauben, dass Gott 99 Namen hat, die seine Attribute sind, wie es im Qur'an an vielen Stellen erwähnt wird.
Jede Sura fängt mit "Im Namen, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen" an, sodass zwar geglaubt wird, dass seine Barmherzigkeit größer ist, jedoch hat er auch unter den Namen den Attribut, der Gerechte, worunter fällt, dass Menschen auch Verantwortung übernehmen werden für ihre Taten.
Ein Adolf Hitler wird zbsp niemals die vollkommen gerechte Strafe für seine Taten erhalten können auf dieser Welt, denn wie will man 6 Millionen Morde entgelten?
Da springt das Konzept der jenseitigen Bestrafung/Belohnung auf einer höheren Skala an.
Die Welt ist in unserer Religion dagegen ein Platz des testens, da jeder Mensch einen freien Willen hat, sodass keiner nach dem Tod behaupten kann, dass er gezwungen wurde für sein Handeln.
Als objektiv moralische Instanz gilt der Schöpfer, der mit seinem Wissen unsere äußere Welt (Handlungen, Taten, Umstände) als auch die innere Welt (Gefühle, Gedanken, Absichten) umfasst. Von den 99 Namen lautet auch einer "Der Allwissende" und "Der Richter".
Bezüglich dessen, ob der Schöpfer ein Teil der Schöpfung ist, ist unserer Lesart nach äußerst kritisch und bedenklich, denn Schöpfung ist stets in Abhängigkeit und unterliegt den physikalischen Gesetzen, was nie und nimmer auf den Schöpfer zutrifft.
Als Schöpfer ist er allmächtig, unabhängig und erhaben (alles Namen im Qur'an). Ferner gibt es einen Vers im Qur'an der lautet
"Nichts ist Ihm gleich" (Sura 42, Vers 11)
Die Übersetzung ist leider etwas ungenau, da im Arabischen es sinngemäß vielmehr lautet:
"Und keine Sache/Ding steht in einem Gleichnis mit ihm".
Hieraus ergibt sich ein sehr eindeutiges Konzept, dass jegliche Philosophie oder Sinnieren über die Beschaffenheit Gottes vergebens ist. Wir sind begrenzt als Schöpfung in unseren Möglichkeiten und daher bewegen sich alle unsere Gedanken stets in dieser Wahrnehmungsgrenze.
Wir beschreiben Allah zbsp. auch nur so, wie Er sich selber im Qur'an beschreibt.
Aber alllein, wenn Er beschreibt, dass Allah gleichzeitig die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sieht, und dass er als Erschaffer der Zeit nicht von dieser abhängig ist, ist und bleibt es einfach nur schwer zu begreifen, auch wenn wir die Wörter verstehen.
Aber die absolute Bedeutung dieser Konzepte bleiben uns aufgrund menschlicher Grenzen verborgen.
Oder, dass er ewig ist. Es gab kein Anfang für ihn. Bei mir hört ehrlich gesagt, dass Hirn dann auf mitzukommen. So etwas liegt an der Grenze unserer menschlichen Sprache in der Möglichkeit etwas so unvorstellbar Mächtiges zu beschreiben.
Aber genau diese Unmächtigkeit zu unserem Schöpfer ist ein zentraler Punkt im Verhältnis zu Allah. Aus dieser Ohnmacht und menschlichen Schwäche, beschreiben wir Allah als der Größte, und vollziehen täglich mehrmals Niederwerfung in voller Ergebung, um zu verdeutlichen, wie schwach und abhängig wir von ihm sind.