Und meine Antwort darauf war, dass das auch bei Ingoranz aller moralischen und rechtlichen Aspekte/den übelsten Unterstellungen Richtung US-Regierung von der Prognose des militärischen Erfolges abhängen würde und somit eigentlich ein klares "Nein" die Antwort wäre - wenn Militärs aus aller Welt dafür bekannt wären, korrekte Prognosen zu Eroberungsplänen in Afghanistan abzugeben. Sind sie aber nicht, im Gegenteil.
Ich verstehe, was du sagen willst, aber das basiert auf einer falschen Vorstellung des Prozesses in Rechtsstaaten.
Das Militär wird nicht nach Prognosen gefragt, denn solche zu erstellen ist nicht dessen Aufgabe. Was die Politik vom Militär verlangt, sind Szenarien. Das Minimum sind logischerweise ein Best-Case und ein Worst-Case-Szenario, jeweils für verschiedene Vorgehensweisen.
Diese landen dann bei spezialisierten Ausschüssen, deren Aufgabe es ist, den Wust an Militärsprech und strategisch-taktischen Details in Begriffe zu übertragen, mit denen Zivilisten etwas anfangen können. Hier sind noch Vertreter des Militärs zugegen, mindestens Leute aus dem ursprünglichen Planungsstab, oftmals auch Spezialisten für bestimmte Bereiche, die im fraglichen Einsatz von Bedeutung sind. In dieser Eigenschaft hatte auch ich bereits das *hüstel* exquisite Vergnügen, den Erklärbär zu spielen.
Die "übersetzten" Szenarien landen dann bei der Regierung, dem Parlament, vor Räten - kurz, vor allen, die laut Verfassung des jeweiligen Landes darüber befinden, ob ein Militäreinsatz stattfindet. In dieser Entscheidungsphase ist vom Militär niemand mehr zugegen (und kann im Zweifelsfall auch nicht "Ähem, Moment mal bitte ..." dazwischen rufen).
Hier muss ich darum bitten, mir zu vertrauen: Die Leute im Planungsstab neigen zum Pessimismus. Und zwar gerade weil man ihnen gerne die Schuld für misslungene Einsätze in die Schuhe schieben würde und sie daher gerne darauf verweisen möchten, dass sie klar und deutlich aufgezeigt hätten, wo die Risiken liegen. Deshalb hört man auch selten bis nie, dass die Politik das Militär beschuldigt, es verkackt zu haben - das überlässt man komplett dem Kopfkino der Bevölkerung.
Wenn man militärische Planer einmal kreativ erleben will, dann im Bereich dessen, was alles in die Binsen gehen kann. Das Einzige, was mir an möglichen Imponderabilien noch nicht vor Augen gekommen ist, sind Asteroideneinschläge, plötzliche Alien-Angriffe, Zombie-Outbreaks und dass sich alle Mannschaften zeitgleich in Hippies verwandeln.
Das Problem ist: Politiker picken sich das Szenario heraus, was ihren politischen Absichten am ehesten entgegen kommt und pitchen dieses.
Wenn die stärkste/n Fraktion/en keinen Militäreinsatz will/wollen, kommen die Horrorszenarien zum Tragen, es gibt keinen Einsatz und kein Aas erfährt von den Szenarien (außer die paar Masochisten, die sich diesbezügliche Parlamentsdebatten antun und sofern diese öffentlich sind), da ja nichts ausgeführt wird.
Andernfalls kommt es zur Ausführung, das Szenario wird im Groben öffentlich bekannt und alle Welt kennt nur die optimistischen Szenarien - insbesondere dann, wenn sie nicht wie gewünscht eintreten und man sich herrlich aufregen kann.