Der Strategiewechsel hat nicht mit 9/11 zu tun, da werden Ursache und Wirkung verwechselt. Die Anschläge waren der Anstoß für die Beschleunigungen eines Strategiewechsel, der seit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Gange war.
Davor ging es geostrategisch - grob vereinfacht - darum, sich entweder Ressourcen zu sichern oder die Schlagdistanz zu verkürzen (gelegentlich auch beides).
Danach musste man mit dem Fallout des Wandels umgehen. Dort, wo vorher Stellvertreterkriege ausgefochten wurden, entstanden autonome Machtblöcke, von denen sich einige weitere Einmischungen verbaten, während andere explizit um Unterstützung buhlten. Aus dieser Zwickmühle kam man nicht heraus, man musste sich positionieren und teilweise exponieren und machte sich Feinde, die aufgrund fehlender militärischer Stärke zu Terror-Strategien griffen und mit zunehmendem Grad der Organisation ins Herz der USA trugen.
Die USA gingen nach Afghanistan, um einen Status Quo wieder herzustellen, den es dort an sich nie gegeben hat. Anders als der Angriff auf den Irak war das aber trotzdem keine innenpolitische Beruhigungsmaßnahme, sondern es gab eine Vielzahl an Absichten, die sich durch den Einsatz in Afghanistan gleichzeitig verfolgen ließen. Einige dieser Absichten wurden sogar verwirklicht, aber im Großen und Ganzen sind die USA nur die nächste Großmacht, die dort gescheitert ist.