Sehe ich eben anders! Input sind erstmal Umweltinformationen. Wenn wir bewerten dann fangen wir an zu konstruieren.
Das kannst du gerne anders sehen, aber der Knackpunkt is doch genau deine aussage, es seien Umweltinformationen. Was macht etwas zu Informationen? Umweltreize sind keine Infomrationen im technischen oder phänomenologischen Sinne, solang kein bewusstes system da is, das sie als solche interpretiert. Ein Photon trifft eine Retina, aber das is noch keine Farbe. Ein Schallwellenmuster trifft aufs Trommelfell, aber das is noch lange keine Musik.
Schon das Erfassen ist kein passiver Akt. Wahrnehmung is nie nur Empfang, sondern immer schon eine aktive Strukturierung durch Erwartung, Vorwissen, kulturellen Rahmen usw. Genau das meinen Kant oder auch moderne Kognitionswissenschaften mit "Top-down-Verarbeitung".
Und was Träume, Halluzinationen, plötzliche Einsichten betrifft: Die finden statt
ohne aktuelle Umweltreize. Also ist Bewusstsein nicht vollständig vom Außen abhängig. Während des REM-Schlafs sind die sensorischen Eingangskanäle großtenteils blockiert. Bei Reizentzug in bspw. Einzelzellen tendieren Menschen zu viduellen und auditiven Hallutinationen. Wahnvorstellungen sind auch ein gutes Beispiel. Bewusstseinsinhalte können
intern erzeugt werden... durch Sprache, Imagination, assoziative Prozesse.
Sprache ist auch eine Anpassung an eine soziale Umwelt. Eigentlich alles was wir entwickelt haben ist eine Anpassung an die Umwelt. Körperlich und geistig.
Da würde ich mit Germanistikstudium im Rücken entschieden widersprechen. Sprache is eben nich nur ein Reaktionsmechanismus auf Umweltbedingungen, sondern ein symbolisches System. Sprache formt unser Denken... man denke (höhö) nur mal an Sprachrelativismus, Gendern usw. Sprache ist nachweislich nicht nur Folge von Umweltbedingungen. Sprache ist ein konstitutiver Faktor für unser Weltverständnis. Die Vorstellung, das alles geistige Anpassung sein soll, setzt voraus, dass ein konkretes Ziel oder ein Selektionsvorteil vorhanden wäre. Aber diverse geistige Produkte lassen sich nicht mit Anpassung erklären. Warum sollten Dichtung oder Philosophie bspw. ein Überlebensvorteil sein? Allerdings ist beides von uns entwickelt. Und kleine Anmerkung am Rande: Eine soziale Umwelt ist selbst ein kulturelles Produkt. Wenn Sprache sich an diese anpasst, dann passt sie sich an etwas an, das selbst sprachlich mitkonstruiert wurde. Das wäre dann aber ein Zirkelschluss und kein linearer Anpassungsprozess.
Es kommt nicht nur "nur nicht in Fahrt" es wäre ohne Input und damit Bewusstseinsinhalte gar nicht existent.
Der Satz setzt stillschweigend voraus, dass Bewusstsein nur existiert, wenn es gerade Inhalte verarbeitet ...v´das ist aber eine Kategorienverwechslung. Bewusstsein ohne Inhalt ist nicht automatisch Nicht-Existenz. Wie bereits erwähnt: Wenn ich träume, konstruiere ich innere Welten ganz ohne sensorische Reize. Nach Husserl ist das Bewusstsein intentional und damit immer auf etwas gerichtet. Dieses etwas muss aber kein äußerer Reiz sein. Es kann ein Gedanke sein oder ein Fantasie-Produkt. Damit wäre das Bewusstsein nich an Input aus externer Quelle gebunden, sondern an eine innere Struktur des Meinens.
Vor der biologischen Evolution hat es eine chemische und physikalische Evolution gegeben. Lange bevor die ersten Lebewesen entstanden sind. Das Universum existierte also auch ohne Beobachter die es wahrnehmen könnten.
Genauso wie unsere Erde schon lange vor uns existierte.
Klar, das ist die Standarderzählung: erst physikalische, dann chemische, dann biologische Evolution, und irgendwann kommt das Bewusstsein dazu. Klingt vernünftig. Aber: Was genau bedeutet "Existenz" in diesem Zusammenhang? Wer oder was "stellt" fest, dass das Universum existierte, wenn kein Bewusstsein da war, um es überhaupt als "Universum" zu begreifen? Denn wenn du sagst, "das Universum existierte auch ohne Beobachter", dann sprichst du über etwas, das radikal außerhalb jeder möglichen Erfahrung liegt und trotzdem formulierst du es in einem Konzeptraum, der menschlich, sprachlich und begrifflich strukturiert ist. Das ist mindestens ein erkenntnistheoretischer Kurzschluss.
Dass die Erde vor uns "existierte", ist kein erfahrbarer Fakt, sondern ein rückprojizierter Deutungsrahmen, basierend auf heutigen Messverfahren, Denkmodellen und theoretischen Konstruktionen. Funktional nützlich? Ja. Ontologisch gesichert? Nein.
Was du als physikalische Realität beschreibst, ist also keine neutrale Außenwelt, sondern schon durch Sprache, Modellbildung und historische Konzepte vermittelt. Und das ist genau die Stelle, an der philosophisches Denken ansetzt ... nämlich da, wo vermeintliche Selbstverständlichkeiten wie "die Welt war schon immer da" kritisch auf ihre Voraussetzungen hin befragt werden.
Es ist wohl ein ständiges Interaktionsmodell.
Dennoch das Resultat aus Anpassungsprozessen innerhalb der Evolution.
WENN wir uns einigen, dass es ein ständiges Interatkionsmodell is, dann gibt es aber ein Problem mit deiner Aussage. Dann kann es eben keine einseitige Anpassung an eine fertige Außenwelt sein, sondern ein wechselseitiger dynamischer Prozess. Unsere Wahrnehmung verändert die Umwelt genauso, wie Umweltbedingungen unsere Wahrnehmungsweisen beinfluss. Und das schwächt die Idee ab, dass Bewusstsein nur ein Resultat aus Anpassung is. Anpassung wäre teleologisch... als würde es ein klatres Ziel oder eine perfekte Lösung geben. Aber kognitive Fährigkeiten lassen sich nich nur mit eindeutig adaptiven merkmalen erklären. Und wie
@emp1 schon angedeutet hatte... Sie bringen oft sogar Nachteile im evolutionären Sinne. Komplexität, Energieverbrauch, Handlungshemmungen.
Der Gedanke, dass alles Resultate von Anpassung sei, naturalisiert den Geist, ohne zu erklären, wie es dann überhaupt subjektive Erfahrungen, Intentionalität oder Bedeutung geben kann. Wenn das Bewusstsein nur angepasst is, dann verrat mir, woran es angepasst is. An die Warheit? Das Überleben? Soziale Akzeptanz? Oder vielleicht einfach an ein kulturelles Narrativ, das wir zufällig für real halten?
Um das anzukürzen: Wenn du an Interaktion festhältst, dann musst du mindestens Ko-Konstruktion zulassen... und das sprengt den Rahmen rein evolutionärer Kausalität. Dann is Anpassung nicht mehr nur Ursache, sondern Mitgestaltung.